Gartenwolfspinne

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Gartenwolfspinne
Weibchen

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Teilordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Familie: Wolfspinnen (Lycosidae)
Gattung: Pardosa
Art: Gartenwolfspinne
Wissenschaftlicher Name
Pardosa hortensis
(Thorell, 1872)

Die Gartenwolfspinne (Pardosa hortensis) zählt innerhalb der Familie der Wolfspinnen (Lycosidae) zur Gattung Pardosa.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die grazile Gartenwolfspinne erreicht als Männchen eine Körperlänge von etwa 4 Millimeter und als Weibchen eine Körperlänge von etwa 6 Millimeter. Das Männchen unterscheidet sich vom Weibchen durch einen dunkleren Körper und durch eine undeutlichere Zeichnung und hellere Beine. Das Weibchen ähnelt sehr dem Weibchen von Pardosa amentata, sie ist jedoch in der Grundfärbung jedoch etwas heller gefärbt. Der Rückenschild ist nur verschwommen sichtbar. Der Hinterleib ist graubraun und dicht mit hellen Härchen bedeckt, die ein kurzes Herzmuster bilden und im hinteren Teil zwei Reihen dunkler Punkte freilassen. Die langen Beine sind mit einer unregelmäßigen hell-dunklen Ringelung versehen. Die reifen Tiere sind von März bis Anfang Dezember anzutreffen.

Lebensweise

Gartenwolfspinne - Männchen
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Gartenwolfspinne - Männchen

Die Gartenwolfspinne kann man oft beim Sonnenbaden beobachten. Sie klettert auf Pflanzen bis in 10 Zentimeter Höhe und nimmt eine seltsame Haltung ein. Die ersten drei Beinpaare werden nach vorne gebogen, so dass der Kopf auf ihnen zu ruhen scheint. Das vierte Beinpaar wird nach hinten ausgestreckt, und die Krallen halten sich an der Pflanze fest. Manchmal genießt die Gartenwolfspinne das Sonnenbaden so sehr, dass man sie schon berühren muss, ehe sie davoneilt. Die Weibchen halten sich nach der Paarung meist gesellig an sonnenbeschienenen Plätzen auf, an denen sie sich mit ihrem weißlichen gefärbten Eikokon aufwärmen.

Verbreitung

Die Gartenwolfspinne hält sich häufig im südlichen Europa auf und lebt hier an hellen Waldlichtungen sowie in Gärten und Weinbergen.

Ernährung

Die Gartenwolfspinne ernährt sich vorwiegend von Kleinstinsekten. Sie ist eine Lauerjägerin, die an exponierter Stelle auf ein Beutetier wartet. Kommt ein Insekt (Insecta) in erreichbarer Nähe vorbei, so schießt sie schnell hervor und überwältigt das Insekt (Insecta). Das Beutetier wird an Ort und Stelle verspeist. Für ihre Jagd nutzt die Gartenwolfspinne keine Netze. Zudem jagt sie nur auf dem Erdboden.

Fortpflanzung

Weibchen mit Jungspinnen
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Weibchen mit Jungspinnen

Die Gartenwolfspinne ist im zeitigen Frühjahr geschlechtsreif. Die Paarung wird im Allgemeinen durch eine Werbung eingeleitet, die im Wesentlichen aus einem Erzittern der Vorderbeine und einem gleichzeitigen ruckartigen Anheben der Kiefertaster besteht. Mit ebenfalls zitterndem Hinterleib nähert sich das Männchen langsam dem Weibchen. Die auserwählte Partnerin geht jedoch nicht sofort auf diese Werbung ein, führt im Gegenteil noch Scheinangriffe aus. Nach einigem Hin und Her wird die ausdauernde Werbung jedoch erhört, das Männchen streichelt kurz die Beine des Weibchens und paart sich dann mit ihm. Die Paarungsdauer kann dabei beträchtliche Zeit dauern. Nach einigen Wochen beginnt das Weibchen mit dem Bau des linsenförmigen Kokons. Das Weibchen webt eine dünne Seidenlage, legt darauf seine 30 bis 100 Eier ab, spinnt darüber eine weitere Lage Seide und verbindet diese mit der unteren Lage. Wenn die Eier sicher verpackt sind, hält das Weibchen das Bündel zwischen seinem dritten Beinpaar und den Kieferklauen und dreht es hin und her, wobei das Weibchen immer mehr Lagen Seide auflegt. Der Kokon weist eine weißliche Färbung auf. Das Weibchen zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Brutpflege aus. Wenn die Eier sicher verpackt sind, heftet das Weibchen den Kokon an ihren Spinnwarzen fest und trägt ihn so lange mit sich herum, bis die Jungen ausschlüpfen. Dieses Herumtragen des Kokons hat auch den Vorteil, dass das Weibchen immer einen warmen, sonnigen Platz aufsucht, so dass sich die Jungspinnen schneller entwickeln können. Bevor die Spinnen aus dem Ei schlüpfen, lockert das Weibchen den Kokon etwas, um mehr Platz zu schaffen. Nach dem Schlüpfen bleiben die Jungspinnen noch einige Zeit im schützenden Kokon und machen noch ein bis zwei Häutungen durch. Meist trägt das Weibchen den Kokon vier bis sechs Wochen mit sich herum. Sobald die Jungspinnen den Kokon verlassen, wirft das Weibchen die leere Hülle ab. Die Jungspinnen verlassen jetzt aber nicht etwa ihre Mutter, sondern klettern mit mütterlicher Hilfe auf den Rücken des Weibchens. Dort sitzen die Jungspinnen dicht gepackt, oft in mehreren Lagen übereinander. Die Jungspinnen lassen sich noch etwa eine Woche von der Mutter herumtragen und beschützen. Erst dann verlassen die Jungspinnen die mütterliche Geborgenheit und beginnen ihr eigenes Leben und nehmen dann erstmals Nahrung zu sich.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann, Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Und Süßwasserkrebse, Asseln, Tausendfüßer, Kosmos, 2006 ISBN 3440107469
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
  • Dick Jones, Der Kosmos-Spinnenführer, Frankh, 1990 ISBN 3440061418
  • Heiko Bellmann, Spinnen. Beobachten - Bestimmen, Naturbuch-Verlag, 1992 Weltbild Verlag GmbH, Augsburg ISBN 3-89440-064-1
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