Gasteracantha cancriformis

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Gasteracantha cancriformis

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Überfamilie: Radnetzspinnen (Araneoidea)
Familie: Echte Radnetzspinnen (Araneidae)
Gattung: Stachelspinnen (Gasteracantha)
Art: Gasteracantha cancriformis
Wissenschaftlicher Name
Gasteracantha cancriformis
(Linnaeus, 1758)

LSID-Kennung
LSID: [urn:lsid:amnh.org:spidersp:016007]

Diese Spinnenart Gasteracantha cancriformis gehört innerhalb der Familie der Echten Radnetzspinnen (Araneidae) zur Gattung der Stachelspinnen (Gasteracantha). Im Englischen wird die Art spiny-backed orbweaver, spiny orbweaver spider, crab-like orbweaver spider, crab-like spiny orbweaver spider, jewel spider, spiny-bellied orbweaver, jewel box spider oder smiley face spider genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Beide Geschlechter weisen in der Größe einen deutlichen Dimorphismus auf. Gasteracantha cancriformis erreicht als Weibchen eine Körperlänge von etwa 5 bis 9 Millimeter und eine Breite von etwa 10 bis 13 Millimeter und als Männchen eine Körperlänge von etwa 2 bis 3 Millimeter. Im Gegensatz zum Weibchen ist das Männchen länger als breit. Je nach Verbreitungsgebiet sind die Farben und Formen dieser Art unterschiedlich geprägt und weisen aber in allen Farbmorphen sechs Stacheln am Opisthosoma auf. Der Carapax, die Beine sowie die Unterseite des Opisthosoma sind schwarz und weisen weiße Flecken auf. Einige Exemplare haben aber auch farbige Beine. Die Oberseite des Opisthosoma variiert in der Färbung, so kann die Grundfärbung weiß-gelblich mit schwarzen Flecken und roten Stacheln oder gelb statt weiß sein. Die Stacheln weisen ebenfalls eine unterschiedliche Färbung auf. Diese können schwarz, rot, orange oder gelblich gefärbt sein. Das Männchen ähnelt dem Weibchen in der Färbung, allerdings ist das Opisthosoma grau und ist mit weißen Flecken besetzt. Die Stacheln sind bis auf vier oder fünf etwas kürzer und im Ansatz stopplig. Die Lebenserwartung des Weibchens ist nicht sehr lang, denn sie dauert nur bis die Spiderlinge im Frühjahr geschlüpft sind und das Männchen stirbt etwa sechs Tage nach der Paarung mit dem Weibchen.

Lebensweise

Gasteracantha cancriformis baut ihr Radnetz meist in Bodennähe oder an den unteren Zweigen von Bäumen und Sträuchern. Nur das adulte Weibchen webt ein Radnetz, während das Männchen in der Regel nur einen Werbe- und Begattungsfaden zum Rand des Netzes des Weibchens webt. Auch diese Art baut wie alle Arten aus der Familie der Echten Radnetzspinnen (Araneidae) ein regelmäßig geformtes Radnetz. Oft ist das Netz an einem längeren Brückenfaden befestigt, der zwischen zwei Sträuchern ausgespannt ist. Es hat meist etwas mehr als 30 Radien, eine dicht gemaschte Nabe, daran anschließend eine Befestigungszone mit sechs bis acht Umgängen, dann eine fadenfreie one und schließlich die ziemlich enge Fangspirale, deren Umgänge nur etwa 3 Millimeter voneinander entfernt sind. Tagsüber hält sich die Spinne meist im Netzzentrum, d. h., unter der Nabe des meist etwas geneigten Netzes mit dem Kopf nach unten gerichtet und auf Beute wartend auf. Ein Schlupfwinkel neben dem Netz fehlt im Allgemeinen, kann aber auch vorhanden sein. Das Weibchen lebt in der Regel allein in dem Netz. In der Nähe des Netzes können sich bis zu drei Männchen baumelnd auf Seidenfäden aufhalten. Die adulten Weibchen findet man von Oktober bis Januar, während die adulten Männchen im Oktober und im November anzutreffen sind.

Unterarten

Verbreitung

Gasteracantha cancriformis ist in vielen Gebieten der Welt verbreitet und kommt unter anderem im gesamten südlichen Teil der Vereinigten Staaten von Amerika, von Kalifornien bis nach Florida, vor. Des Weiteren findet man die Spinne in Mittelamerika, in der Dominikanischen Republik und auf bestimmten Inseln der Bahamas sowie auf Jamaika und auf Kuba. Sie hält sich an Waldrändern und im Buschland auf, wo sie häufig an Bäumen oder zwischen Sträuchern lebt. In Florida besiedelt die Spinne häufig Zitrushaine.

Ernährung

Das Weibchen hält sich mit dem Kopf nach unten wartend auf Beute im Netzzentrum auf. Wenn eine Fliege (Brachycera) in die Fangfäden des Radnetzes fliegt, werden zumindest kurzzeitig Erschütterungen erzeugt, welche die Spinne sofort alarmiert. Falls sich die Fliege (Brachycera) nicht weiterbewegt, ruckt die Spinne kräftig mit den Vorderbeinen an verschiedenen Speichenfäden, offenbar um dadurch den am stärksten belasteten Speichenfaden bzw. die Position des Beutetieres zu orten. Schwirrt die Fliege (Brachycera) mit den Flügeln, eilt die Spinne sofort am entsprechenden Speichenfaden aus der Nabe heraus. Das Beutetier wird kurz mit Beinen und Palpen betastet und mit den Hinterbeinen in Spinnseide eingewickelt. Erst dann erfolgt ein kurzer Biss, bei dem durch die Klauen der Kiefer das Gift in die Beute eingespritzt wird. Das Beutepaket wird nun mit den Beinen und Cheliceren aus dem Netz gelöst und in die Nabe getragen, wo das Paket an einem kurzen Faden aufgehängt wird. Der anschließende Fressakt findet nie an der eigentlichen Fangstelle statt, sondern immer im Netzzentrum. Der wesentliche Unterschied zum Fangvorgang besteht darin, dass die Spinne ihr Opfer gewöhnlich einspinnt, also immobilisiert, bevor sie das Opfer beisst. Dies gilt nicht für sehr kleine Beutetiere, die einfach mit den Cheliceren ergriffen und sofort in die Nabe abtransportiert werden. Größere Insekten (Insecta), die heftig im Netz vibrieren, werden ebenfalls oft sofort gebissen. Allerdings sind solche Angriffsbisse dann immer sehr lang (Sekunden bis Minuten). Vermutlich soll dieser lange Biss ein mögliches Entkommen starker Beutetiere verhindern. Andererseits werden wehrhafte Insekten (Insecta) immer zuerst eingesponnen und dann erst gebissen. Offenbar ist hier die Fesselung, bei der die Spinne gewissermaßen auf Distanz bleibt, die sicherere Methode. Das Beissverhalten ist also nicht streng fixiert, sondern richtet sich weitgehend nach dem Beutetyp. Auch der Abtransport der überwältigten Beute geschieht auf zwei ganz verschiedene Arten, nämlich entweder in den Cheliceren oder als eingesponnenes Beutepaket am vierten Bein.

Die Spinne verdaut ihre Nahrung schon außerhalb ihres Körpers, d. h., sie spuckt einen kleinen Tropfen Verdauungssaft auf die Beute oder in die Beute. Dieser Saft löst das Gewebe des Opfers an und auf, so dass die Spinne nun den Verdauungssaft mit den gelösten Gewebeteilchen in sich aufsaugen kann. Dieser Vorgang wird so lange wiederholt, bis die gesamte Beute ausgesaugt wurde. Nur die harten Chitinteile können von diesem Verdauungssaft nicht aufgelöst werden, sie bleiben übrig. Der Verzehr der Beute geht unterschiedlich schnell vor sich, dauert im Allgemeinen aber doch recht lange, so dass die Beute meist nur im geschützten Bereich gefressen wird. Zu den Beutetieren der Spinne zählen unter anderem Taufliegen (Drosophilidae), Mottenschildläuse (Aleyrodoidea), Käfer (Coleoptera), Schmetterlinge (Lepidoptera) wie zum Beispiel Nachtfalter und andere kleine Geflügelte Insekten (Pterygota).

Prädatoren

Die Stacheln dieser krebsartig aussehenden Spinne haben gewissermaßen eine Anti-Prädator-Funktion. Auch die Größe der Spinne stellt eine Schutzfunktion dar, denn sie wird oft von Fressfeinden übersehen. Die Eier der Spinne werden häufig von parasitischen Wespen und Fliegen attackiert.

Fortpflanzung

Zur Paarungszeit sucht das Männchen das Netz eines reifen Weibchens. Dort angekommen, spinnt das Männchen zunächst einen Werbe- und Begattungsfaden zum Rand des Netzes. Durch ständiges, zunehmend heftiges Zupfen an diesem Faden veranlaßt das Männchen schließlich das Weibchen, sofern dieses paarungswillig ist, die Nabe zu verlassen und den Werbefaden aufzusuchen. Nach weiteren Zupfsignalen des Männchens nimmt das Weibchen schließlich eine abwartende Haltung ein und kehrt dem Männchen die Bauchseite zu. Dies versucht nun, auf den Bauch des Weibchens zu springen und dabei den Taster an der Epigyne einzuhaken. Ist dies nach zahlreichen Versuchen endlich gelungen, dreht das Männchen sich gewissermaßen im Flug um den verankerten Taster und landet mit dem Kopf nach vorn auf dem Bauch des Weibchens. Die Paarung kann etwa 35 Minuten dauern. Das Männchen bleibt im Netz des Weibchens und gelegentlich beginnt das Männchen erneut zu balzen, um die Paarung zu wiederholen. Nach der Paarung stellt das Weibchen einen Eikokon aus gelber und weißer Fadenwolle her. Zusätzlich wird der Eikokon mit sehr festen, dunkelgrünen Fäden überzogen. Anschließend wird ein Baldachin gebaut, um den Eikokon mit dem Blatt zu verbinden. Meistens befindet sich der Eikokon in der Nähe des Netzes an einer geschützten verborgenen Stelle. Der Eikokon enthält etwa 100 bis 260 Eier. Nach etwa zwei bis fünf Wochen schlüpfen dann die Jungspinnen. Das Weibchen stirbt in der Regel nach der Eiablage und das Männchen etwa sechs Tage nach der Paarung.

Ökologie

Gasteracantha cancriformis vertilgt in der Natur viele kleine schädliche Insekten, die in Obstgärten und in der Landwirtschaft vorkommen. Vor allen Dingen hilft die Spinne den Landwirten zur Bekämpfung von schädlichen Insekten in den Zitrushainen. Dabei kontrolliert sie die Überpopulation dieser Insekten. Des Weiteren ist die kleine Spinne eine interessante Art für das Studium und für die Forschung, indem die Wissenschaftler die genetischen Veränderungen und die Anpassung an bestimmte Umgebungen der Spinne untersuchen.

Synonyme und Chresonyme nach Norman I. Platnick

Update 31. Mai 2008 <1>

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Gasteracantha cancriformis
  • Gasteracantha cancriformis - (Linnaeus, 1758)
  • Aranea cancriformis - Linnaeus, 1758
  • Aranea tetracantha - Linnaeus, 1767
  • Aranea conchata - Slabber, 1769
  • Aranea tetracantha - Pallas, 1772
  • Aranea hexacantha - Fabricius, 1787
  • Epeira lata - Walckenaer, 1805
  • Epeira servillei - Guérin, 1825
  • Gasteracantha cancriformis - Sundevall, 1833b
  • Acrosoma hexacantha - Hahn, 1834
  • Gasteracantha cancriformis - C. L. Koch, 1837a
  • Gasteracantha hexacantha - C. L. Koch, 1837a
  • Gasteracantha velitaris - C. L. Koch, 1837a
  • Plectana cancriformis - Walckenaer, 1842
  • Plectana velitaris - Walckenaer, 1842
  • Plectana hexacantha - Walckenaer, 1842
  • Plectana elipsoides - Walckenaer, 1842
  • Plectana quinqueserrata - Walckenaer, 1842
  • Plectana sexserrata - Walckenaer, 1842
  • Plectana triserrata - Walckenaer, 1842
  • Plectana servillei - Walckenaer, 1842
  • Plectana lata - Walckenaer, 1842
  • Plectana atlantica - Walckenaer, 1842
  • Gasteracantha rubiginosa - C. L. Koch, 1844
  • Gasteracantha picea - C. L. Koch, 1844
  • Gasteracantha mammosa - C. L. Koch, 1844
  • Gasteracantha quadridens - C. L. Koch, 1844
  • Gasteracantha pallida - C. L. Koch, 1844
  • Epeira cancer - Hentz, 1850
  • Gasteracantha moesta - Thorell, 1859
  • Gasteracantha insulana - Thorell, 1859
  • Gasteracantha hilaris - Thorell, 1859
  • Gasteracantha columbiae - Giebel, 1863
  • Gasteracantha kochii - Butler, 1873a
  • Dicantha lata - Butler, 1873a
  • Micrathena triserrata - Butler, 1873a
  • Gasteracantha oldendorffii - Holmberg, 1876
  • Gasteracantha insulana - Butler, 1877
  • Gasteracantha canestrinii - Cambridge, 1879c
  • Gasteracantha callida - Cambridge, 1879c
  • Gasteracantha raimondii - Taczanowski, 1879
  • Gasteracantha raimondii unicolor - Taczanowski, 1879
  • Gasteracantha proboscidea - Taczanowski, 1879
  • Gasteracantha rufospinosa - Marx, 1886
  • Gasteracantha hexacantha - Keyserling, 1892
  • Gasteracantha maura - McCook, 1894
  • Gasteracantha cancriformis - McCook, 1894
  • Gasteracantha elliptica - Gétaz, 1893
  • Gasteracantha pallida - McCook, 1894
  • Gasteracantha preciosa - McCook, 1894
  • Gasteracantha cancriformis - Cambridge, 1901b
  • Gasteracantha canestrinii - Cambridge, 1901b
  • Gasteracantha kochii - Cambridge, 1901b
  • Gasteracantha cancriformis - Cambridge, 1904
  • Gasteracantha kochii - Cambridge, 1904
  • Gasteracantha biolleyi - Banks, 1905b
  • Gasteracantha cancriformis - Dahl, 1914
  • Gasteracantha servillei - Dahl, 1914
  • Gasteracantha tetracantha - Dahl, 1914
  • Gasteracantha kochi joinvillensis - Strand, 1916b
  • Gasteracantha mascula - Strand, 1916b
  • Gasteracantha comstocki - Mello-Leitão, 1917a
  • Vibradellus carolinus - Chamberlin1925d
  • Gasteracantha cancriformis - Petrunkevitch, 1930a
  • Gasteracantha tetracantha - Petrunkevitch, 1930a
  • Gasteracantha cancriformis - Archer, 1941b
  • Gasteracantha cancriformis - Benoit, 1964a
  • Gasteracantha cancriformis - Levi, 1978a
  • Gasteracantha cancriformis - Levi, 1978b
  • Gasteracantha tetracantha - Wunderlich, 1986
  • Gasteracantha cancriformis - Levi, 1996b
  • Gasteracantha cancriformis - Levi, 2002

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

'Persönliche Werkzeuge