Gastrotheca pseustes

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Gastrotheca pseustes

Systematik
Klasse: Lurche (Amphibia)
Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Moderne Froschlurche (Neobatrachia)
Familie: Laubfrösche i.w.S. (Hylidae)
Unterfamilie: Hemiphractinae
Gattung: Eigentliche Beutelfrösche (Gastrotheca)
Art: Gastrotheca pseustes
Wissenschaftlicher Name
Gastrotheca pseustes
Duellman & Hillis, 1987

IUCN-Status
Endangered (EN)

Die Art Gastrotheca pseustes zählt innerhalb der Laubfrösche i.w.S. (Hylidae) zur Gattung der Eigentlichen Beutelfrösche (Gastrotheca). Im Englischen wird die Art san lucas marsupial frog oder devious marsupial-frog genannt. Die Art ist monotypisch, demnach sind keine Unterarten bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das adulte Männchen erreicht eine Körperlänge von etwa 66,0 bis 81,0 Millimeter, während das Weibchen eine Körperlänge von etwa 77,0 Millimeter erreicht. Insgesamt Körper dieser Art ziemlich gedrungen und der Kopf erscheint etwas abgerundet. Die Trommelfelle sind an den Seiten gut ausgeprägt. Die rauhe Haut weist eine hellgrüne, manchmal auch eine hellbraune Grundfärbung auf, die mit zwei bis drei dunkelgrünen bis braunen dorsalen Längstreifen versehen ist. Manchmal sind die Längsstreifen mit dünnen schwarzen Linien umrandet. Die dorsale Markierung bildet sich erst im Verlauf von Monaten nach der Metamorphose aus. Mit zunehmendem Alter kann die grüne Färbung ins Dunkelbraune übergehen. Die Hinterbeine weisen dunkle oder helle Querbinden auf. Der Bauch ist von einer weißen Farbe. Die Finger sind andeutungsweise mit einer Schwimmhaut verbunden, während die Schwimmhaut zwischen den Zehen gut ausgebildet ist. Ferner sind Haftscheiben vorhanden. Des Weiteren weist das Männchen Brunftschwielen auf, die in der Paarungszeit dunkel gefärbt sind. Die Schallblase ist beim Männchen kehlständig. Das Weibchen besitzt einen Rückenbeutel. Der Rückenbeutel wird drei Monate nach der Metamorphose durch Ausbildung einer U-förmigen Öffnung oberhalb der Kloake sichtbar. Die Beutelöffnung ist nach der Paarung und während der Brutpflege schlitzförmig geschlossen und öffnet sich erst vor dem Absetzen der Larven. Danach bleibt die U-förmige Öffnung des Beutels bestehen.

Lebensweise

Laut der Roten Liste der IUCN lebt Gastrotheca pseustes in den montanen Nebelwäldern und in verwitterten Zonen wie Sekundärwälder und Wiesen. Ferner trifft man die Art auch in Páramo an. Das Weibchen trägt die Eier in einer geschlossenen Bruttasche auf dem Rücken und legt dann die Larven in kleine Wasserpfützen ab. In der Rückentasche, die sich über dem After in einem U-förmigen Spalt öffnet, wachsen mehr oder weniger von große äußeren Kiemen eingehüllt die Embryonen heran. Gastrotheca pseustes
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lebt terrestrisch bis arboricol und ist dämmerungs- und nachtaktiv. Aufgrund der Rückenbrutpflege ist die Art nicht sehr vom Wasser abhängig und kann sich auch in trockeneren und kälteren Lebensräumen aufhalten. Ferner sind die Larven durch die anfängliche Brutpflege und später durch die Wahl des Gewässers, in das die Larven entlassen werden, gut vor natürlichen Feinden geschützt. Trächtige Weibchen sind das ganze Jahr über anzutreffen, jedoch produziert ein Weibchen nur ein Gelege pro Jahr. Die Hauptfortpflanzungszeit fällt in die Regenzeit von Dezember bis Juni.

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN kommt Gastrotheca pseustes in Höhen von 2.200 bis 4.000 über dem Meeresspiegel in den Anden nördlich und südlich von Ecuador sowie in den Provinzen von Pichincha bis Azuay vor. Gastrotheca pseustes lebt in montanen Nebelwäldern sowie in verwitterten Zonen wie Sekundärwälder und Wiesen. In den Nebelwäldern hält sich die Art auf Lianen und Epiphyten sowie im Dickicht von Waldlichtungen auf.

Ernährung

Gastrotheca pseustes ernährt sich vor allem von Insekten (Insecta), dazu zählen unter anderem Fliegen (Brachycera), Taufliegen (Drosophilidae), Heimchen (Acheta domesticus), Grillen (Gryllidae), Käfer (Coleoptera) und deren Larven, Wachsmotten (Galleriinae) sowie von Spinnentieren (Arachnida).

Fortpflanzung

Die Hauptfortpflanzungszeit fällt in die Regenzeit von Dezember bis Juni. Die Fortpflanzung erfolgt durch Amplexus scapularis, d. h. das Männchen ergreift das Weibchen von oben um die Taille in der Leistengegend des Weibchens (inguinaler Amplexus) und klammert sich während der gesamten Paarung dort fest. Dann schaufelt das Männchen mit beiden Hinterfüßen die dottergelben Eier (etwa 2,0 mm), unter gleichzeitiger Befruchtung, tief in die Hautduplikatur (Beutel oder Tasche) des Weibchens, das bei der Besamung und dem Schaufeln jeweils seinen Rücken durchdrückt. Nach etwa 45 bis 50 Tagen sucht das Weibchen eine Wasserpfütze auf und stößt die Larven oder auch Kaulquappen genannt aus bzw. massiert mit den hinteren Extremitäten die Kaulquappen ins Wasser (etwa 60 bis 75 Kaulquappen) heraus. Die Wassertemperatur beträgt 26 Grad Celsius und kühlt sich in der Nacht auf 20 Grad Celsius ab.

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Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN ist die Art stark gefährdet, weil ein drastischer Rückgang der Population zu beobachten ist. Mehr als 50 Prozent sind über die letzten drei Generationen durch Chytridiomykose bedroht. Die Populationen sind in mehreren Ortschaften (Cashca Totoras und in der Nähe von Parque Nacional Cajas) verschwunden. Viele Populationen waren einmal reichlich in der Mitte der 1980er Jahre, diese sind jetzt stark reduziert. Gastrotheca pseustes kann leicht mit der anderen Art Gastrotheca litonedis verwechselt werden. Chytridiomykose wurde bei dieser Art bestätigt und dies ist wahrscheinlich der Hauptgrund für ihren Rückgang. Die Art ist relativ tolerant gegenüber der Zerstörung von Lebensräumen, obwohl es eine dichte Vegetation erfordert. Der Lebensraum ist durch die Umwandlung für menschliche Siedlungen stark fragmentiert. Des Weiteren sind aggressive Aufforstungsprogramme in den Páramo Lebensräumen mit exotischen Kiefern eine weitere Bedrohung. Der geografische Bereich überschneidet sich mit Reserva Ecológica Antisana, Parque Nacional Cotopaxi, Parque Nacional Llanganates, die Reserva de Producción Faunistica Chimborazo, Parque Nacional Sangay und Parque Nacional Cajas. Ein Zuchtprogramm für diese Art wurde etabliert.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3

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