Gaur

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Gaur

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Rinder (Bovinae)
Tribus: Rinder (Bovini)
Gattung: Eigentliche Rinder (Bos)
Art: Gaur
Wissenschaftlicher Name
Bos frontalis,
Syn. Bos gaurus
Smith, 1827

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Der Gaur (Bos frontalis; Bos gaurus) gehört innerhalb Familie der Hornträger (Bovidae) zur Gattung Bos.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Ein Gaur erreicht eine Körperlänge von 250 bis 330 cm, eine Schulterhöhe von 165 bis 220 cm, eine Schwanzlänge von bis zu 100 cm sowie ein Gewicht von 650 bis fast 1.000 Kg. Männchen werden durchschnittlich ein Viertel größer als Weibchen. Das Fell ist kurzhaarig und glatt. Es weist eine dunkelbraune bis rotbraune Grundfärbung auf. Die Beine sind von den Hand- bzw. Sprunggelenken abwärts weiß gefärbt.
Gayal, domestizierte Form des Gaur
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Gayal, domestizierte Form des Gaur
Der Bereich der Schulter ist deutlich höher wie die restliche Rückenlinie. Der Kopf wird recht tief gehalten. Adulte Tiere verfügen am Kinn und der Brust über eine Wamme, die mit zunehmendem Alter größer wird.

Beide Geschlechter tragen Hörner, die meist in einem Bogen nach vorne ausgerichtet sind. Die Hörner können eine Länge von 60 bis 110 cm aufweisen. Gaur sind in der Regel tagaktiv, wobei in den frühen Morgen- und Abendstunden die höchste Aktivität zu verzeichnen ist. In der Nähe menschlicher Siedlungen sind Gaure meist nachtaktiv, um dem Menschen aus dem Weg zu gehen. Die Tiere sind gesellig und leben in Herden von durchschnittlich zehn Tieren, selten auch bis 40 Individuen. Eine Gruppe besteht aus einem Bullen, mehreren Weibchen und deren Nachwuchs. Männliche, geschlechtsreife Tiere schliessen sich zu Junggesellengruppen zusammen. Alte Bullen leben meist einzelgängerisch. Die Reviergröße einer Gruppe beträgt meist um die 80 km² und wird vom dominanten Bullen verteidigt. Meist kommt es dabei aber nur zu ritualisierten Scheinkämpfen, die selten mit einer Verletzung enden.

Gaur
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Gaur

Zu den natürlichen Feinden zählen insbesondere der Tiger und der Leopard. Aufgrund starker Bejagung, der Einschleppung von Rinderkrankheiten und der Zerstörung ihrer Lebensräume sind Gaur mittlerweile selten geworden. In der roten Liste des IUCN wird der Gaur als bedrohte Art geführt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen stellt die Tiere in Anhang I unter weltweiten Schutz. In einigen Teilen seines Verbreitungsgebietes wurde der Gaur von der Bevölkerung domestiziert. Die domestizierte Form wird Gayal genannt.

Verbreitung

Verbreitungsgebiet Gaur
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Verbreitungsgebiet Gaur

Gaur sind in weiten Teilen Südostasiens verbreitet. Zu den Hauptverbreitungsgebieten zählen Indien, Nepal,Bangladesch, Myanmar, Thailand, Indochina, Kambodscha, Vietnam und Malaysia. Gaur bevorzugen Waldreiche Gebiete mit offenen Flächen wie Lichtungen oder Waldränder. Offenes Land wird meist gemieden. Auch auf bewaldeten Hügeln bis in Höhen von 1.800 Metern sind Gaur regelmäßig zu beobachten.

Nahrung

Gaur sind reine Pflanzenfresser, die sich fast ausschließlich von Gräsern ernähren. Hier und da wird in Mangelzeiten auch auf Blätter zurückgegriffen. Die Tiere gehen meist in den frühen Morgen- und Abendstunden auf Nahrungssuche.

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Fortpflanzung

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Weibchen erreichen die Geschlechtsreife mit rund zwei bis drei Jahren. Männchen aufgrund der notwendigen Stärke bei Kämpfen um Weibchengruppen erst deutlich später. Die Paarungszeit ist an keine Jahreszeit gebunden, jedoch fallen die meisten Paarungen in den Zeitraum von Dezember bis Juni. Nach einer Tragezeit von etwa 270 bis 280 Tagen bringt das Weibchen ein, selten zwei Jungtiere zur Welt. Das Jungtier weist etwa ein Gewicht von 26 bis 30 Kg auf. Die Säugezeit beträgt im Durchschnitt acht Monate. Ein Gaur kann ein Alter von 25 bis 30 Jahren erreichen.

Anhang

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999

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