Gebänderte Flussköcherfliege

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Gebänderte Flussköcherfliege

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Geflügelte Insekten (Pterygota)
Teilklasse: Neuflügler (Neoptera)
Ordnung: Köcherfliegen (Trichoptera)
Unterordnung: Annulipalpia
Überfamilie: Rhyacophiloidea
Familie: Rhyacophilidae
Gattung: Rhyacophila
Art: Gebänderte Flussköcherfliege
Wissenschaftlicher Name
Rhyacophila fasciata
(Hagen, 1859)

Die Gebänderte Flussköcherfliege (Rhyacophila fasciata), auch unter dem Synonym Rhyacophila septentrionis bekannt, zählt innerhalb der Familie Rhyacophilidae zur Gattung Rhyacophila.

Das Julius-Kühn-Institut (JKI) wählt in Kooperation mit dem NABU die Gebänderte Flussköcherfliege zum Insekt des Jahres 2013.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Männchen: Vorderflügel 10,0 bis 11,0 Millimeter lang, gelbbräunlich und mit helleren Bereichen sowie mit hyalinen Bereichen an der Gabelung versehen. Stigmatisierung weiß. Alle Warzen sind mit langen, klar abgedeckten Seten versehen. Kopf mit großen medianen borstigen Warzen ausgestattet. Seitlich im hinteren Bereich sind große Augenflecken mit abgerundeten borstigen Warzen sowie posterior ebenfalls längliche borstige Warzen zu erkennen. Frontal befinden sich zwei seitliche borstige Warzen. Die labialen Palpen sind dick, etwas spindelförmig und mit einer konkaven inneren Oberfläche ausgestattet. Die Beine sind gelb und mit gelben Sporen versehen. Die protibialen Sporen sind kürzer als auf den anderen Tibien. Alle tarsalen Klauen sind gleich lang geformt. Segment VIII unverändert. Segment IX eng, seitlich eingebogen. Segment X weitgehend zu Segment IX kondensiert. Der hintere Rand ist dorsal konkav. Die basalen Gelenke sind kurz und breit und an der Basis sehr hoch, leicht apikal verengt. Dorsale Anhängsel des phallischen Organs breit, Projektion direkt kaudal, ventral konkav, an der Spitze gebogen. Der apikale Rand ist nach innen gerollt. Die Phallicata ist dunkel, stark sklerotisiert im Inneren der dorsalen Anhängsel. Die Bauchlappen sind an der Basis membranös, verjüngen sich zur ungeteilten Spitze, apikal mit dorsal dornigen braunen Flecken.
Weibchen: Vorderflügel 12,0 Millimeter lang. Farbe und Äderung wie beim Männchen, ebenso ist der Körper mit dem männlichen Körper identisch. Das vagianle Organ ist mit Spermatheken basal sklerotisiert und apikal ausgebuchtet. Die Fortsätze sind posterior flexibel, auf halber Länge gerippt und verjüngen sich zu einem apikalen sklerotisierten Rohr.

Im Allgemeinen erinnert die Art mit den meist gelbbräunlich gefärbten, dachförmig gestellten Flügeln an Nachtfalter, besitzt aber nicht beschuppte, sondern behaarte Flügel. Die Mundwerkzeuge der Imagines sind stark zurückgebildet, so dass diese höchstens Flüssigkeiten aufnehmen können.

Lebensweise

Gebänderte Flussköcherfliege - Flügelansicht
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Gebänderte Flussköcherfliege - Flügelansicht

Die thermische Ökologie dieser Art ist mit speziellen Eigenschaften von Bach-Lebensräumen gekoppelt. Die Art ist auf kühle, langsam fließende und saubere Bäche beschränkt. Die Temperatur ist ein wichtiger Faktor für die Physiologie und Lebensweise von Insekten und kann die Verteilung dieser Tiere bestimmen. Die Verteilung entlang der Bäche korreliert mit den Auswirkungen der Temperaturen auf den Stoffwechsel. Die extremen thermischen und morphologischen Gegebenheiten der Bäche führen zu einer einzigartigen Fauna. In einigen Lebensräumen sind die Bäche mit Schnee und Eisschmelze gespeist und weisen so kalte Temperaturen auf, so dass das Wachstum von Insektenlarven langsam erfolgt. Kleine Wassermengen reagieren schnell auf Veränderungen von Temperaturen. Die ausgewachsene Köcherfliege ist dämmerungs- und nachtaktiv. Sie fliegt wenig und sitzt meist träge in der Ufervegetation. Da ihre Mundwerkzeuge stark verkümmert sind, kann sie höchstens Flüssigkeiten aufnehmen.

Unterarten

  • Rhyacophila fasciata fasciata - (Hagen, 1859)
  • Rhyacophila fasciata denticula - McLachlan, 1879
  • Rhyacophila fasciata kykladica - Malicky & Sipahiler, 1993
  • Rhyacophila fasciata aliena - Martynov, 1916
  • Rhyacophila fasciata libanica - Malicky & Sipaphiler, 1993
  • Rhyacophila fasciata mysica - Malicky & Sipaphiler, 1993

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Gebänderten Flussköcherfliege erstreckt sich weit über Europa, jedoch mit Ausnahme von Irland. In Mitteleuropa erreicht die Gebänderte Flussköcherfliege die höchste Populationsdichte. Die Art hält sich bevorzugt am Rand langsam fließender Gewässer, vor allem an Bachoberläufen auf.

Ernährung

Gebänderte Flussköcherfliege
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Gebänderte Flussköcherfliege

Die Larven ernähren sich fast ausschließlich räuberisch. Dazu zählen unter anderem Wasserinsekten wie Simuliidae, Chironomidae, Ephemeroptera, Plecoptera und andere Trichoptera sowie andere wirbellose Tiere wie Copepoda, Acari und Oligochaeta. Des Weiteren ernähren sich die Larven auch von Fischeiern. Die Larven verzehren nur die weichen Teile ihrer Beute. Sie höhlen den Brustkorb aus und verschmähen die chitinösen Strukturen wie Beine und die Kopfkapseln. Allgemein gelten die Larven als obligate Fleischfresser, aber sie können auch nicht-tierisches Material zu einem geringen Teil aufnehmen, einschließlich Fadenalgen, Kieselalgen, Detritus und Moose. Jedoch tritt dieses Ernährungsverhalten in den frühen Larvenstadien auf und erst nach dem dritten Larvenstadium ernähren sie sich von Wasserinsekten.

Fortpflanzung

Bei jungen Weibchen ist der Hinterleib so prall mit Eiern gefüllt, dass das Tier etwa die doppelte Länge wie nach der Eiablage besitzt. Kurz nach der Paarung stirbt das Männchen und das Weibchen legt nach der Paarung seine gelbgrünen Eier in kugeligen, 1,0 bis 2,0 Zentimeter große Gallertklumpen an Uferpflanzen ab. Die Larve läßt sich nach dem Schlupf ins Wasser fallen. Sie besitzt einen weißlichen, weichhäutigen Körper, nur die beiden vorderen Thoraxsegmente tragen oberseits feste Chitinplatten. An den Hinterleibsringen befinden sich in Büscheln angeordnete, fädige Tracheenkiemen, am letzten Segment zwei hakenförmige Anhänge. Sie besitzt Spinndrüsen, die in den Mundteilen ausmünden. Mit der Spinnseide verwebt sie verschiedene Kleinteile, die sie in ihrem Lebensraum vorfindet, zu einem festen, länglichen Körper, in dem sie ihren empfindlichen Hinterleib verbirgt und den sie mit den Haken an der Hinterleibsspitze festhält. Er kann sich aus ganz unterschiedlichen Bauteilen zusammensetzen. Am häufigsten findet man Köcher aus Wasserlinsen. Sie können aber auch aus kleinen Holzstücken, kleine Steinen oder sogar aus lebenden, kleinen Wasserschnecken zusammengesetzt sein. Vor der Verpuppung wird der Köcher an einer Unterlage festgesponnen. Unmittelbar vor dem Schlupf der Imago wird die Puppe beweglich, verläßt den Köcher und kriecht an einer Pflanze über den Wasserspiegel hinaus. Hier häutet sie sich zur fertigen Köcherfliege.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

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