Gefleckter Aronstab

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Gefleckter Aronstab

Oben: Blütenstand und Hochblatt; Unten: Fruchtstand

Systematik
Überabteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)
Abteilung: Bedecktsamer (Magnoliophyta)
Klasse: Einkeimblättrige (Liliopsida)
Unterklasse: Kolbenblütige (Arecidae)
Ordnung: Arales
Familie: Aronstabgewächse (Araceae)
Gattung: Aronstab (Arum)
Art: Gefleckter Aronstab
Wissenschaftlicher Name
Arum maculatum
Linnaeus

Der Gefleckte Aronstab (Arum maculatum) ist eine Pflanzenart und zählt innerhalb der Klasse der Einkeimblättrigen (Liliopsida) und der Familie der Aronstabgewächse (Araceae) zur Gattung der Aronstäbe (Arum). Erstmals beschrieben wurde die Pflanze von dem schwedischen Naturwissenschaftler Carl von Linné.

Die englische Bezeichnung für den Gefleckten Aronstab lautet Lords and Ladies.

Inhaltsverzeichnis

Pflanzenbeschreibung

Der Gefleckte Aronstab erreicht währende der Blütezeit von der Erde bis zur Spitze des hellgrünen Hochblattes eine Höhe von bis zu 15 bis 50 Zentimetern. Am Grund trägt die Pflanze einige bräunliche Niederblätter mit den langstieligen und (zumeist) dunkel gefleckten, etwas runzeligen Laubblättern, welche einen pfeilförmigen Blattgrund aufweisen. Während der Blütezeit, welche von April über den Mai und seltener auch bis in den Juni andauert, zeigt sich ein langgestreckter und senkrechter, braunvioletter Blütenkolben, an welchem eingeschlechtliche Blüten anliegen. Weibliche Blüten liegen im unteren Teil des Blütenstandes, darüber die männlichen Blüten und dazwischen wächst ein pinselartig behaarter Kranz. Nur zwischen diesem Kranz und den männlichen Blüten ist der Grund des Blütenkolbens zu sehen, welcher fast komplett von dem Hochblatt, welches unten ganz eng wie eine Röhre an dem Blütenkolben anliegt, umgeben ist, nach oben zu umgibt das in der Regel speerförmige Hochblatt den Blütenstand etwa zur Hälfte. Dies hat zur Folge, dass von außen nur der keulenartig verdickte obere Teil des Blütenkolbens sichtbar ist, man sieht also nur die männlichen Blüten. Der Blütenstand und das Hochblatt allgemein bilden eine Kesselfalle für Insekten (Insecta), welche am Abend durch den Geruch der Blüten und durch die gespeicherte Wärme des Blütenkolbens angelockt werden. Sie werden eingeschlossen, wenn sie sich zu weit nach unten wagen und an die weiblichen Blüten gehen und erfüllen die dort Befruchtung. Erst, wenn diese Abgeschlossen ist, welken die kranzartig angeordneten Kesselhaare sich so, dass das Insekt wieder heraus kann. Kurze Zeit nach der Befruchtung sterben die Scheide und der Blütenkolben ab und die leuchtend roten Früchte beginnen sich in dem charakteristischen Fruchtstand bis zum Herbst zu entwickeln.
Die Wurzeln der Pflanze liegen als sogenanntes Rhizom, also ein, wie bei den meisten Pflanzen mit Rhizom unterirdisch wachsendes, Sprossachsensystem, vor. Sie sind rundlich, eiförmig und lassen zahlreiche dünne und fleischige Nebenwurzeln von sich absprießen.

Vorkommen

In Deutschland ist der Gefleckte Aronstab mittlerweile selten geworden, vor allem auf Grund des Rückgangs der bevorzugten Lebensräume. Aus diesem Grund ist er auch geschützt und darf nicht ohne Grund abgsammelt werden, was wegen der Giftigkeit auch nicht anzuraten ist, denn als hausgemachtes und selbst zusammengebrautes Arzneimittel durch Leien ist die Anwendung sehr gefährlich. Der Gefleckte Aronstab stammt ursprünglich aus den gemäßigten Mittelgebirgsregionen Süddeutschlands, der Schweiz und Österreichs, hat sich nach und nach aber in alle Himmelsrichtungen ausgebreitet und kommt nun auch in anderen Gegenden Europas und Osteuropas vor. Er bevorzugt die Krautschicht der Auenlandschaften mit ständig oder regelmäßig feuchtem aber noch nicht nassem und nie ausgetrocknetem und kalkreichem Lehmboden, kommt aber auch in der Krautschicht von Laub- und Laubmischwäldern sowie in Gebüschen vor, sofern die Bodenzusammensetzung stimmt, und teilt sich seine halbschattigen Standorte neben Gräsern größtenteils mit anderen frühjahrsblühenden Pflanzen wie dem Bärlauch (Allium ursinum) und mit niedrigen Büschen und Bäumen.

Heilpflanze

Anwendung

Zu den arzneilich verwendeten Bestandteilen der Pflanze gehören hauptsächlich der Wurzelstock, gelegentlich auch die Laubblätter. Die jeweilige medizinische Drogenbezeichnung lautet Ari rhizoma für den Wurzelstock und Ari folium für die Laubblätter.

Die Schulmedizin gebraucht den Gefleckten Aronstab nicht, auch die Volksmedizin lässt mehr und mehr von der Pflanze ab, weil man - mit vollem Recht - die giftigen Wirkungsstoffe führchtet. In der Homöopathie jedoch ist das Homöopathikum "Arum" nach wie vor beliebt und wird häufig bei Schnupfen, Mundschleimhautentzündungen, Nasen- und Rachenkatarrhen, Mumps, Scharlach und Masern eingesetzt. Auch Sänger setzen es nicht selten ein, wenn ihre Stimme durch eine Erkältung oder ähnlichem nachlässt. Das Homöopathikum kann je nach bedarf bis zu drei mal täglich mit drei bis zehn Tropfen eingenommen werden oder in der Konzentration 5 bis 7 Tropfen auf 200 Milliliter lauwarmes Wasser gegurkelt werden.

Nebenwirkungen treten kaum auf. Wenn dennoch unerwünschte Wirkungen bemerkbar sind, ist dies ein eventuelles Zeichen für eine Vergiftung, welche bei Fertigpräparaten kaum zu befürchten ist.

Toxizität und Inhaltsstoffe

Alle Teile der Pflanze - auch die roten Beeren - sind mehr oder weniger stark giftig. Die Wirkstoffe des Gefleckten Aronstabes sind noch nicht sehr genau untersucht, für die toxische Wirkung dürften die Schafstoffe Aroin, Aronin oder Aronidin verantwortlich sein. Interessant ist aber auch, dass die Pflanze auch Calciumoxalat enthält, welches bei Berührung durch seine spitzen und scharfen Kristalle feine Verletzungen in Haut und Schleimhäute des Menschen reißt, so wird die Aufnahme der Giftstoffe gefördert. Zusätzlich ist zu erwähnen, dass in den Blättern ein großes Vorkommen von freier Oxalsäure aufzufinden ist.

Von der Selbstmedikation ist mit Ausnahme homöopatischer Mittel abzuraten. Zu den Vergiftungserscheinungen zählen zunächst Reizungen im Mund und Rachen, später auch im Magen-Darm-System. Gefolgt werden diese nach der Aufnahme der Giftstoffe in die Blutbahn von Erregungs- und Lähmungserscheinungen und -zuständen, Speichelfluß, Erbrechen und Stimmverlust. Auch kann es bei entsprechender Konzentration zu mäßig bis sehr starken Krämpfen und zu lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen kommen, welche tödlich enden können.

Als Erste-Hilfe-Maßnahme kann man viel medizinische Kohle zu sich nehmen, welche die Giftstoffe binden soll. Anschließend ist ein Notarzt zu rufen. Dieser wird einen Defibrilator und Herzschrittmacher bereitgestellt halten. Gegen die Herzrhythmusstörungen kann beispielsweise Lidocain injiziert werden, gegen die Krämpfe wirken verschiedene Benzodiazepine wie das Diazepam (Wirkstoff von Valium®).

Anhang

Literatur und Quellen

  • M.Bergau, P.Habbe und B. Schäfer: Umwelt:Biologie, Ernst Klett Verlag, ISBN 3-12-029200-1
  • M. Pahlow: Das grosse Buch der Heilpflanzen, Bechtermünz Verlag, ISBN 3-8289-1839-5
  • W. Stichmann, U. Stichmann-Marny: Der Kosmos Pflanzenführer, Franckh Kosmos, ISBN 3-440-07364-5
  • Wissen für Kinder: Wunderbare Pflanzenwelt, 2004 by Helmut Lingen GmbH und Co. KG, 50679 Köln, ohne ISBN-Nummer
  • W. Eisenreich, A. Handel und U. Zimmer: BLV-Handbuch Tier und Pflanzen, BLV Verlagsgesellschaft mbH, ISBN 3-405-16740-X
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