Gelber Fichten-Chipmunk

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Gelber Fichten-Chipmunk

Systematik
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)
Teilordnung: Sciurida
Überfamilie: Hörnchenartige (Sciuroidea)
Familie: Hörnchen (Sciuridae)
Unterfamilie: Erd- und Baumhörnchen (Sciurinae)
Tribus: Streifenhörnchen (Tamiini)
Gattung: Chipmunks (Tamias)
Species: Gelber Fichten-Chipmunk
Wissenschaftlicher Name
Tamias amoenus
Allen, 1890

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Gelbe Fichten-Chipmunk (Tamias amoenus) zählt innerhalb der Familie der Hörnchen (Sciuridae) zur Gattung der Chipmunks (Tamias).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Gelbe Fichten-Chipmunk gehört innerhalb der Gattung der Chipmunks (Tamias) zu den kleinsten Arten und erreicht je nach Geschlecht eine Körperlänge von 11 bis 13 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 7 bis 11 Zentimeter, eine Hinterfußlänge von 2,9 bis 3,5 Zentimeter, sowie ein Gewicht von 30 bis 60 Gramm. Männchen bleiben ein wenig kleiner und leichter als Weibchen. Das Fell ist überwiegend dunkelbraun bis rotbraun gefärbt. Der Oberkopf kann auch eine schwarzbraune Färbung aufweisen. Dorsal zeigen sich markante Streifen, die der Tarnung dienen. Die drei Längsstreifen ziehen sich vom Nackenbereich bis zum Schwanzansatz und weisen eine weißliche oder gräuliche Färbung auf. Die Grundfärbung kann je nach Unterart durchaus variieren. Die weit hinten am Kopf liegenden Ohren weisen im vorderen Bereich eine schwarze, auf der Rückseite eine weißliche Färbung auf. Der kleine, oval geformte Kopf endet zur Schnauze hin leicht spitz zulaufend. Von der Schnauze, über das Auge bis zum Ansatz der Ohren verläuft auf jeder Kopfseite ein schwarzbrauner Streifen, der oberhalb und unterhalb weißlich abgesetzt ist. Der Kehlbereich weist eine weißliche Färbung auf. Das Gebiss besteht aus 22 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet 1/1, 0/0, 2/1, 3/3. Pro Saison kommt es bei den Gelben Fichten-Chipmunk zweimal zum Fellwechsel, einmal im Herbst, meist zwischen September und Oktober, zu einem weiteren Fellwechsel kommt es im späten Frühjahr, in der Regel ab Juni. Das Winterfell ist deutlich länger und dichter als das Sommerfell. Die Körpertemperatur schwankt je nach Jahreszeit und Aktivität zwischen 36 und 38 Grad Celsius. <1>

Lebensweise

Gelbe Fichten-Chipmunks leben außerhalb der Paarungszeit einzelgängerisch, die Geschlechter treffen sich in Grunde nur während der Paarungszeit. Sie sind nur wenig territorial, beanspruchen jedoch je nach Nahrungsangebot ein Streifrevier in einer Größe von ein bis fünf Hektar. Die Reviere der Männchen sind etwas größer und decken sich mit Revieren mehrerer Weibchen. Die Tiere weisen eine tagaktive Lebensweise auf, jedoch sind sie in der warmen Jahreszeit auch in der Dämmerung aktiv. Im Sommer verlegen sie ihre aktive Zeit am Tage in die frühen Morgen- und Nachmittagstunden, um der starken Sonneneinstrahlung zu entgehen. Die aktive Zeit wird hauptsächlich für die Nahrungssuche und die Fellpflege genutzt. Die Fellpflege geht auch mit Staubbädern einher. So entledigen sich Gelbe Fichten-Chipmunks lästiger Parasiten. Während der kalten Jahreszeit ziehen sich Gelbe Fichten-Chipmunks in ihren Bauten zurück und halten eine mehrmonatige Winterruhe. Dazu fressen sie sich im Spätsommer und im Herbst eine dicke Speckschicht an. Die Winterruhe ist allerdings nicht durchweg an einem Stück. In der Regel wachen Gelbe Fichten-Chipmunks einmal in der Woche auf und nehmen Nahrung zu sich. Dazu haben sie sich einen Nahrungsvorrat angelegt, von den sie im Winter zehren. Dabei handelt es sich zumeist um Sämereien, die eine gewisse Haltbarkeit aufweisen. <1>

Unterarten

Wissenschaftlicher Name Erstbeschreiber IUCN-Status Vorkommen
Tamias amoenus affinis Allen, 1890 LC British Columbia, Kanada und Washington, USA
Tamias amoenus albiventris Booth, 1947 LC nordöstliches Oregon, Washington, USA
Tamias amoenus amoenus Allen, 1890 LC Oregon, USA
Tamias amoenus canicaudus Merriam, 1903 LC nordöstliches Washington, USA
Tamias amoenus caurinus Merriam, 1898 LC nordwestliches Washington, USA
Tamias amoenus celeris Hall & Johnson, 1940 LC nordwestliches Nevada, USA
Tamias amoenus cratericus Blossom, 1937 LC südöstliches Idaho, USA
Tamias amoenus cratericus Blossom, 1937 LC südöstliches Idaho, USA
Tamias amoenus felix Rhoads, 1895 LC südwestliches British Columbia und
nordwestliches Washington, USA
Tamias amoenus ludibundus Hollister, 1911 LC British Columbia, südwestliches Alberta, Kanada,
Washington und Oregon, USA
Tamias amoenus luteiventris Allen, 1890 LC British Columbia, westliches Alberta, Kanada
Tamias amoenus monoensis Grinnell & Storer, 1916 LC östliches Kalifornien, USA
Tamias amoenus ochraceus Howell, 1925 LC nordwestliches Kalifornien, südwestliches Oregon
Tamias amoenus septentrionalis Cowan, 1946 LC British Columbia, Kanada
Tamias amoenus vallicola Howell, 1922 LC westliches Montana, USA

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Gelben Fichten-Chipmunk erstreckt sich in Nordamerika über das südwestliche Kanada und den Nordwesten der USA. Im Süden reicht das Verbreitungsgebiet stellenweise bis ins nordwestliche Kalifornien. Die einzelnen Unterarten weisen in der Größe der Verbreitungsgebiete zum Teil erhebliche Unterschiede auf. Tamias amoenus cratericus ist beispielsweise nur in einem kleinen Gebiet im Moon National Monument, Idaho, verbreitet. In den USA werden die Bundesstaaten Wahingron, Montana, Nevada, Idaho, Oregon und Kalifornien besiedelt. In Kanada ist der Gelbe Fichten-Chipmunk hauptsächlich in British Columbia anzutreffen. Tamias amoenus ludibundus und Tamias amoenus luteiventris kommen nur in einem schmalen Streifen des westlichen Alberta vor. Die bevorzugten Lebensräume befinden sich sowohl in den lichten Nadelwäldern der Ebene, der Mittelgebirge als auch in Hochgebirgslagen. In Höhenlagen treten die Tiere meist in Höhen von 1.000 bis 2.000 Metern auf. In Washington werden jedoch auch Hochgebirge bis in Höhen von über 4.000 Metern besiedelt. Felsige und steinigen Habitate werden offensichtlich bevorzugt. Aber auch auf offenen Flächen wie Bergwiesen und Buschland sowie entlang von Flussläufen sind sie regelmäßig anzutreffen. Während der Ruhephasen halten sich Gelbe Fichten-Chipmunk in Felsspalten, in Baumhöhlen, unter umgestürzten Bäumen oder an ähnlich geschützten Orten auf. Hier bringen Weibchen auch ihren Nachwuchs zur Welt. <1>

Prädatoren

Der Gelbe Fichten-Chipmunk bildet die Nahrungsgrundlage für eine Reihe von Räubern. Trotz seiner Wachsamkeit und der überwiegend unterirdischen Lebensweise fallen viele Tiere Raubtieren zum Opfer. Ist der Gelbe Fichten-Chipmunk auf Nahrungssuche, so biete die Fellfärbung mit den Streifen eine gewisse Tarnung. Für Greifvögel wie etwas dem Buntfalke (Falco sparverius), Eckschwanzsperber (Accipiter striatus), Rundschwanzsperber (Accipiter cooperii) und dem Habicht (Accipiter gentilis) stellt dies aufgrund des scharfen Sehsinns jedoch kein Hindernis da. In einigen Regionen seiner Verbreitungsgebiete trachten auch Prärieklapperschlange (Crotalus viridis) nach dem Leben der Gelben Fichten-Chipmunk. Unter den den räuberisch lebenden Säugetieren gehören Silberdachs (Taxidea taxus), Kojote (Canis latrans), Langschwanzwiesel (Mustela frenata) und Rotluchs (Lynx rufus) zu den wichtigsten Fleischfressern. <1>

Ernährung

Gelbe Fichten-Chipmunks gehören zu den Allesfressern. Pflanzliche Nahrung wird jedoch in größerem Umfang zu sich genommen. Dazu gehören Sämereien, Körner aller Art, Früchte und Waldfrüchte sowie Wurzeln und Knollen. Aber auch Pilze stehen durchaus auf der Speisekarte. An tierischer Nahrung werden beispielsweise Vogeleier, kleine Säugetiere, Würmer, kleine Gliederfüßer, Insekten und deren Larven bevorzugt. Während der Nahrungssuche speichern sie ihre Nahrung in ihren Backenbeuteln. Die hier gespeicherte Nahrung wird entweder später verzehrt oder in ihr Nahrungsdepot verbracht. Auf das Nahrungsdepot wird im Winter zurückgegriffen. Ein Nahrungsdepot kann bis zu 190 Gramm an Nahrung enthalten. <1>

Fortpflanzung

Der Gelbe Fichten-Chipmunk erreicht die Geschlechtsreife mit knapp zwei Jahren. Eher selten pflanzen sich die Tiere auch schon Anfang des zweiten Lebensjahres fort. Die Paarungszeit beginnt kurz nach der Winterruhe. Dies ist in der Regel ab Mitte bis Ende April der Fall und kann sich je nach Verbreitungsgebiet bis in den Juni erstrecken. Während dieser Zeit kommt es nur zu einem Wurf. Die Geschlechter treffen nur während der Paarungszeit aufeinander, ansonsten leben sie einzelgängerisch. Die Lebensweise kann als polygam bezeichnet werden, da sich ein Männchen mit mehreren Weibchen paart und mit der Aufzucht des Nachwuchses nichts zu tun hat. Dieses obliegt einzig dem Weibchen. Um ein Weibchen bemühen sich zumeist mehrere Männchen. Sie paart sich dabei in der Regel der Reihe nach mit mehreren Männchen. Während der Balz kommt es ähnlich wie bei den Eichhörnchen zu regelrechten Verfolgungsrennen zwischen einem Weibchen und mehreren Männchen, an deren Ende die Kopulation steht. Nach einer Tragezeit von gut 30 bis 35 Tagen bringt ein Weibchen in ihrem Bau zwischen vier und fünf, selten auch bis acht Jungtiere zur Welt. Der Nachwuchs ist bei der Geburt noch nackt und blind. Im Laufe der nächsten sechs Wochen entwickeln sich die Jungtiere jedoch rasch. Die Säugezeit erstreckt sich über sechs bis sieben Wochen. Ab diesem Zeitpunkt lassen sie sich erstmals vor dem Bau sehen. Im Alter von etwa drei Monaten haben die Jungtiere ihre Selbständigkeit erreicht und verlassen die Mutter. Die Lebenserwartung liegt unter günstigen Umständen bei drei bis fünf Jahren. Die Mortalität ist jedoch im ersten Lebensjahr aufgrund der zahlreichen Fleischfresser sehr hoch. Das erste Lebensjahr überstehen meist nur um die 30 Prozent. Im ersten Winter stirbt meist ein Großteil der Jungtiere und jungen Erwachsenen. <1>

Ökologie, Gefährdung und Schutz

In ihrem Lebensraum bilden Gelbe Fichten-Chipmunks die Nahrungsgrundlage für eine Reihe von Fleischfressern. Dies macht sie zu einem wichtigen Bindeglied in der ökologischen Nahrungskette. Auf der anderen Seite ist ihre eifrige Sammeltätigkeit von Sämereien für den Waldbestand sehr wichtig. Sie verbreiten im großen Umfang die Samen von Bäumen und Sträuchern und tragen so zum ausgewogenen Wachstum der Wälder bei. Gelbe Fichten-Chipmunks werden oft von parasitären Organismen befallen. Dazu gehören insbesondere verschiedene Rickettsien aus der Gattung Rickettsia. Diese Parasiten können auch beim Menschen eine Reihe von Krankheitsbildern verursachen. In den Nahrungsspeichern nisten sich nicht selten Milben der Gattung Acarus ein und verunreinigen die Nahrung durch Kot und Urin. Ein weiterer Plagegeist ist das Bakterium Yersinia pestis, toxische Sekrete dieser Bakterien gelangen in der Regel in den Blutkreislauf der Tiere und führen zum Tode. Gelbe Fichten-Chipmunks gelten heute als noch nicht gefährdet. In den meisten Verbreitungsgebieten sind die Tiere noch häufig anzutreffen. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als nicht gefährdet geführt. Da die Lebensraumvernichtung auch im Nordwesten der USA und im Südwesten Kanadas immer stärker voran schreitet, ist mittelfristig durchaus eine Gefährdung möglich. Das Washingtoner Artenschutzabkommen für Gelbe Fichten-Chipmunks aktuell noch nicht.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Links

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