Gelbrückenducker

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Gelbrückenducker

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Ducker (Cephalophinae)
Gattung: Cephalophus
Art: Gelbrückenducker
Wissenschaftlicher Name
Cephalophus silvicultor
Afzelius, 1815

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Gelbrückenducker (Cephalophus silvicultor) gehört innerhalb der Familie der Hornträger (Bovidae) zur Gattung Cephalophus. Im Englischen wird dieser Ducker Yellow-backed Duiker genannt.

Inhaltsverzeichnis

Evolution, Fossile Funde

Die ältesten Fragmente von Vertretern der Ducker (Cephalophinae) stammen aus dem mittleren bis späten Miozän und dürften somit ein Alter von fünf bis zehn Millionen Jahren aufweisen. Diese Funde stammen aus Ost- und Nordafrika. Die frühesten Funde von Arten aus der Gattung Cephalophus stammen aus dem Pleistozän und weisen ein Alter von etwa ein bis zwei Millionen Jahren auf. Es handelt sich dabei um die ausgestorbene Art Cephalophus parvus, die Funde stammen aus dem südlichen Afrika. Aus Cephalophus parvus ist wahrscheinlich der Blauducker (Cephalophus monticola) hervorgegangen.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Gelbrückenducker ist der mit Abstand größte Vertreter der Ducker. Er erreicht je nach Unterart und Geschlecht eine Körperlänge von 115 bis 145 Zentimeter, eine Schulterhöhe von 65 bis 80 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 11 bis 18 Zentimeter sowie ein Gewicht von 45 bis 80 Kilogramm (Maße nach Ansell, 1982). Das glatte und kurze Fell weist eine braune bis schwarzbraune Grundfärbung auf. Dorsal zeigt sich im hinteren Bereich des Rückens ein gelblichorangener Fleck, der für die Art namensgebend war. Bei Jungtieren bildet sich dieser markante Fleck im Alter von etwa fünf bis sechs Monaten aus. Der Bereich um das Maul ist hellgrau gefärbt, die Lippen weisen eine fast weißliche Färbung auf. Die relativ kleinen Augen liegen seitlich am Kopf, die Ohren liegen weit hinten am Kopf und sind mittelgroß. Zwischen den Ohren liegen bei beiden Geschlechtern kleine, stark gefurchte Hörner, die eine keilförmige Form aufweisen. Die Hörner erreichen eine Länge von 8 bis 20 Zentimeter. Der Körperbau ist insgesamt recht massig und wird von schlanken Beinen getragen. Die Weibchen verfügen zum Säugen ihres Nachwuchses vier Zitzen. Das Gebiss besteht aus 32 Zähnen. Die zahnmedizinische Formel lautet 0/3, 0/1, 3/3, 3/3.

Lebensweise

Gelbrückenducker sind überwiegend nachtaktive Waldbewohner. Diese verschwiegene Lebensweise ist eine Anpassung an die zahlreichen Fleischfresser in ihrem Lebensraum. Selten sind sie auch am Tage aktiv. Während der Ruhephasen halten sich die Tiere im dichten Unterholz verborgen und sind aufgrund der hervorragenden Tarnung kaum auszumachen. Gelbrückenducker leben einzelgängerisch oder paarweise und sind ausgesprochen territorial. Das eigene Revier wird gegenüber Artgenossen aktiv verteidigt. Die Hörner werden dabei als durchaus gefährliche Waffen eingesetzt. Die Reviermarkierung erfolgt über ein Sekret aus Drüsen im Kopfbereich. Der Kommunikation untereinander dienen blökende und grunzende Laute.

Unterarten

Verbreitung

Gelbrückenducker weisen von allen Vertretern der Unterfamilie der Ducker (Cephalophinae) das weiteste Verbreitungsgebiet auf. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom Senegal und Gambia in Westafrika ostwärts bis in den südwestlichen Sudan und Uganda, weiter südlich werden auch Ruanda, die demokratische Republik Kongo, Burundi, Sambia und das nördliche Angola besiedelt. Dichte Regenwälder, Geleriewälder und die Randbereiche zwischen Waldland und Savannen gehören zu den natürlichen Lebensräumen. Habitate mit dichter Vegetation, in denen sich der Gelbrückenducker verbergen kann, werden eindeutig bevorzugt.

Prädatoren

Prädator: Afrikanischer Wildhund (Lycaon pictus)
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Prädator: Afrikanischer Wildhund (Lycaon pictus)

Zu den natürlichen Fleischfressern der Gelbrückenducker gehören Löwen (Panthera leo), Leoparden (Panthera pardus) oder der Afrikanische Wildhund (Lycaon pictus). Aber auch eine Vielzahl an Ekto- und Endoparasiten befallen die Gelbrückenducker. Dazu gehören insbesondere verschiedene Schildzecken (Ixodidae), Dünndarm-Parasiten wie Giardien (Giardia), Peitschenwürmer (Trichuris trichiura) und Zwergfadenwürmer (Strongyloides stercoralis). Der größte Feind ist jedoch der Mensch, der den Tieren wegen des Fleisches oder wegen der Trophäen nachstellt.

Ernährung

Die Nahrung des Gelbrückenduckers besteht zu über 70 Prozent aus Früchten und Beeren. Darüber hinaus fressen die Tiere auch Laub, Sämereien, Gräser, Kräuter und gelegentlich Pilze. Im einzelnen stehen beispielsweise die Früchte und Blätter von Weidengewächse (Salicaceae), Mangostane (Garcinia mangostana) und Steineiben (Podocarpus).

Fortpflanzung

Die Weibchen der Gelbrückenducker erreichen die Geschlechtsreife mit rund 12 Monaten, Männchen brauchen zumeist um die 18 Monate für die Erlangung der Geschlechtsreife. Die Paarungszeit ist in den natürlichen Lebensräumen an keine bestimmte Jahreszeit gebunden und kann daher ganzjährig erfolgen. Gelbrückenducker leben in einer monogamen Ehe. Polygamie ist bei den Tieren nicht nachgewiesen. Dies ist bei allen im Wald lebenden Duckern der Fall. Der Zyklus (Östrus) der Weibchen beträgt 30 Tage. Das Männchen verteidigt sowohl sein Weibchen als auch den Nachwuchs. Die zahlenmäßig meisten Geburten werden mit einsetzender Regenzeit verzeichnet. Während der Paarungszeit kommt es unter den Männchen gelegentlich zu ritualisierten Kommentkämpfen, die in der Regel ohne schwere Verletzungen enden. Dabei fügen sie sich insbesondere Kopfhiebe und Bisse zu. Die Hörner dienen dabei als Waffe. Nach einer Tragezeit von 150 bis 160 Tagen bringt das Weibchen ein, selten auch zwei Jungtiere zur Welt. Das Junge wiegt rund 4 bis 5 Kilogramm. Die erste Lebenswoche bleiben die Jungtiere in der dichten Vegetation verborgen. Die Mutter kommt zu ihrem Jungtier nur zum Säugen. Erst später folgt das Jungtier der Mutter. Die Säugezeit erstreckt sich über einen Zeitraum von etwa fünf Monaten. Die Hörner beginnen ab dem 30. Lebenstag zu wachsen. Die gelbliche Rückenpartie bildet sich etwa mit 150 Tagen aus. Im Alter vom 10 Monaten erreichen die Jungtiere die volle Ausfärbung der erwachsenen Gelbrückenducker. Aufgrund der vielen Fressfeinde erreichen Gelbrückenducker selten ein Alter von 10 bis 12 Jahren.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Der Gelbrückenducker ist heute noch nicht akut vom Aussterben bedroht. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als Near Threatened (NT) geführt. Im Washingtoner Artenschutzabkommen ist die Art in Anhang II aufgeführt. Neben der Vernichtung der natürlichen Lebensräume stellen vor allem die Bejagung durch die einheimische Bevölkerung und die Trophäenjagd die Hauptprobleme dar. Der Schwund durch natürliche Fleischfresser fällt hingegen nicht ins Gewicht.

Anhang

Siehe auch

  • Die Unterfamilie der Ducker (Cephalophinae)

Literatur und Quellen

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