Gemeine Ameisenjungfer

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Gemeine Ameisenjungfer

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Netzflügler (Neuroptera)
Unterordnung: Echte Netzflügler (Planipennia)
Familie: Ameisenjungfern (Myrmeleontidae)
Unterfamilie: Myrmeleontinae
Gattung: Myrmeleon
Art: Gemeine Ameisenjungfer
Wissenschaftlicher Name
Myrmeleon formicarius
Linnaeus, 1767

Die Gemeine Ameisenjungfer (Myrmeleon formicarius), auch als Gewöhnliche Ameisenjungfer bekannt, zählt innerhalb der Familie der Ameisenjungfern (Myrmeleontidae) zur Gattung Myrmeleon. Ihre Insektenlarve der Ameisenlöwe aus der Familie der Ameisenjungfern (Myrmeleontidae) wurde am 27.11.2009 vom Julius-Kühn-Institut (JKI) in Kooperation mit dem NABU zum Insekt des Jahres 2010 gewählt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Gemeine Ameisenjungfer ist größer ist als die Geflecktflüglige Ameisenjungfer (Euroleon nostras) und erreicht eine Körperlänge von etwa 3,5 bis 4,0 Zentimeter sowie eine Flügelspannweite von etwa 7 bis 8 Zentimeter. Auch wenn die Gemeine Ameisenjungfer im Aussehen eher einer Libelle (Odonata) gleicht und auch häufig mit dieser verwechselt wird, so gehört die Gemeine Ameisenjungfer doch zur Ordnung der Netzflügler (Neuroptera) und bei genauerem Betrachten dieses Insektes erkennt man zwei deutlich sichtbare, am Ende keulig verdickte Fühler, die an der Spitze etwas nach außen gebogen sind und eher eine gewisse Ähnlichkeit mit den Florfliegen (Chrysopidae) aufweist und auch mit dieser verwandt ist. Ferner hat die Gemeine Ameisenjungfer vier glänzende, netzartige oder florähnliche Flügel, wobei die unteren Flügel etwas kleiner wirken und die oberen Flügel länger sind als der Körper. Die Flügel sind mit feinen Äderchen durchzogen und durchsichtig und erscheinen wie reines Glas und weist im Gegensatz zu der Geflecktflügligen Ameisenjungfer (Euroleon nostras) keine dunkelbraunen Flecken auf, jedoch sind die Unter- und Oberflügel am hinteren Rand mit je einem weißen Punkt verziert. In Ruhestellung liegen die Flügel fast wie ein Dach über dem Körper, im Flug hingegen werden sie ziemlich so getragen wie die Flügel einer Libelle (Odonata).
Lebenszyklus des Ameisenlöwen
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Lebenszyklus des Ameisenlöwen
Der Körper ist schlank, stark verlängert und libellenartig. Am Kopf befinden sich zu beiden Seiten relativ große hervorstehende Augen und wie oben schon erwähnt, an der Stirn zwei deutlich ausgeprägte kurze, keulig verdickte Fühler. Des Weiteren finden sich sechs Freßspitzen und ziemlich stark gezähnte Kinnladen. Das Männchen weist unten am Ende des Hinterleibes ein Paar Blättchen auf, die einer Zange gleichen. Der Kopf und das Brustschild weisen eine graue Färbung auf und sind mit kleinen gelblichen Flecken auf braunem Grund besetzt. Auch der Hinterleib ist von einer grauen Färbung, bis auf einen kleinen gelblichen Rand am Ende des Ringes. <1>

Lebensweise

Die Gemeine Ameisenjungfer sieht man in den warmen Sommermonaten von Mai bis August auf sandigen Ebenen fliegen. Sie ist vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv und ernährt sich von anderen kleinen Insekten (Insecta). Die Gemeine Ameisenjungfer ist kein besonders guter Flieger und sitzt meist in Sträuchern oder an Pflanzenstengeln oder an Baumstämmen, wo sie trotz ihrer Größe nicht leicht zu entdecken ist. Ihr Aufenthaltsort befindet sich aber meist in der unmittelbaren Nähe der Entwicklungsorte ihrer Larven. <1>

Verbreitung

Die Gemeine Ameisenjungfer ist in fast ganz Europa, vor allem in Mitteleuropa weit verbreitet und gebietsweise häufig anzutreffen. Sie ist vor allem an trockenen, sandigen oder steinigen Stellen, bevorzugt an überhängenden Abbruchkanten. Des Weiteren trifft man die Gemeine Ameisenjungfer auch auf Heiden und Trockenrasen sowie im Siedlungsbereich an. Viel leichter als die ausgewachsene Gemeine Ameisenjungfer findet man ihre Larve, den Ameisenlöwen.

Ernährung

Die Gemeine Ameisenjungfer ernährt sich wie ihre Larve, der Ameisenlöwe, räuberisch von Insekten (Insecta). Jedoch besteht die Ernährung der Gemeinen Ameisenjungfer hauptsächlich aus Blattläusen (Aphidoidea). Gelegentlich nimmt die Gemeine Ameisenjungfer auch Pflanzenteile zu sich.

Fortpflanzung

Letzte Larvenhaut des Ameisenlöwen
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Letzte Larvenhaut des Ameisenlöwen

Die Paarungszeit der Gemeinen Ameisenjungfer erstreckt sich von Mai bis August. Nach der Paarung legt das Weibchen die Eier einzeln in den trockenen, lockeren Sand ab, wo die Eier in kurzer Zeit durch die Sonnenwärme ausgebrütet werden. In der Form gleichen die Eier an beiden Enden abgerundeten Walzen. Sie haben eine harte Schale und weisen eine fahlgelbliche Färbung auf. Die Larve, welche aus dem Ei dann schlüpft, ist der Ameisenlöwe. In diesem Larvenzustand hat das Insekt wenig Ähnlichkeit mit dem geflügelten Insekt, ist viel kürzer und weist eine ganze andere Färbung auf. Der Ameisenlöwe lebt stets an regengeschützten, offenen, feinsandigen Stellen. Man findet ihn daher bevorzugt an sandigen, überhängenden Abbruchkanten, die oben von herabhängenden Gräsern bewachsen und frei der Sonne ausgesetzt sind. Er verrät sich durch einen regelmäßigen, etwa 5 Zentimeter breiten Trichter, an dessen Grund er sich im Sand verbirgt. An günstigen Stellen sind viele dieser Trichter dicht beieinander zu finden, manchmal hunderte. Der etwa 10 Millimeter lange Ameisenlöwe besitzt einen sehr breiten, hochgewölbten, am Ende etwas zugespitzten Hinterleib, am Kopf zwei kräftige, spitz bezahnte Saugzangen. Im lockeren Sand gräbt er sich sofort wieder ein, wobei er sich stets rückwärts bewegt und die etwas nach unten gekrümmte Hinterleibsspitze in den Boden schiebt. Anschließend bewegt er sich in einer immer enger werdenden Spirale und wirft dabei ständig mit seinen Zangen Sandladungen schräg nach außen. Auf diese Weise entsteht allmählich ein neuer Trichter. Sobald eine Ameise oder ein anderes Insekt die schräge Innenfläche des Trichters betritt, beginnt der Sand zu rutschen. Jetzt erscheint der Kopf des Ameisenlöwen am Trichtergrund und schleudert Sandfontänen auf das Opfer, das schließlich in die Trichtermitte rutscht, von den Saugzangen ergriffen und ausgesogen wird. Am Ende seiner meist zweijährigen Entwicklung spinnt der Ameisenlöwe im Frühjahr einen kugeligen, außen dicht mit Sandkörnern belegten Kokon, in dem die Verpuppung dann stattfindet.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • [1] Handbuch der Naturgeschichte für die Jugend und ihre Lehrer. Von Friedrich Philipp Wilmsen, Heinrich Lichtenstein, Johann C. Klug. Zweiter Band. Berlin 1821. Druck und Verlag von C. F. Amelang.
  • Dr. Helgard Reichholf-Riem: Steinbachs Naturführer. Insekten. Mit Anhang Spinnentiere. München: Mosaik Verlag GmbH, München 1984. ISBN 3-570-01187-9
  • Michael Chinery: Pareys Buch der Insekten: Ein Feldführer der europäischen Insekten. Übersetzt und bearbeitet von Dr. Irmgard Jung und Dieter Jung. Verlag Paul Parey 1987. Hamburg und Berlin. ISBN 3-490-14118-0
  • Kurt Günther, Hans-Joachim Hannemann, Fritz Hieke: Urania Tierreich, 6 Bde., Insekten . Deutsch Harri GmbH; Auflage: 5, 1990 ISBN 387144944X
  • Heiko Bellmann: Insekten erkennen und bestimmen. Ulmer 2002 ISBN 3576114769
  • Heiko Bellmann: Der neue Kosmos-Insektenführer. Franckh-Kosmos Verlag, 1999 ISBN 3440076822
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