Gemeine Baldachinspinne

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Gemeine Baldachinspinne

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Teilordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Überfamilie: Radnetzspinnen (Araneoidea)
Familie: Baldachinspinnen (Linyphiidae)
Unterfamilie: Linyphiinae
Gattung: Eigentliche Baldachinspinnen (Linyphia)
Art: Gemeine Baldachinspinne
Wissenschaftlicher Name
Linyphia triangularis
Clerck, 1757

Die Gemeine Baldachinspinne (Linyphia triangularis) gehört innerhalb der Familie der Baldachinspinnen (Linyphiidae) zur Gattung der Eigentlichen Baldachinspinnen (Linyphia). Zu den Baldachinspinnen werden etwa 500 Arten in Mitteleuropa gezählt.

Die Gemeine Baldachinspinne wurde von der Arachnologischen Gesellschaft e.V. zur Spinne des Jahres 2014 gewählt. Die Arachnologische Gesellschaft möchte mit der Wahl dieser Spinne, die Angst vor Spinnen (Arachnophobie) vieler Menschen nehmen und auch das Interesse und Verständnis für die Flora (gesamte Pflanzenwelt) und Fauna (gesamte Tierwelt) wecken.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Wie bei allen Spinnen, so besteht zwischen dem Weibchen und dem Männchen der Gemeinen Baldachinspinne ein Geschlechtsdimorphismus, insbesondere ist dies in der Größe erkennbar. Das Weibchen erreicht eine Körperlänge von etwa sechs bis sieben Millimetern, während das Männchen eine Körperlänge von etwa fünf Millimetern aufweist. Unter anderem ist das Weibchen viel kräftiger gebaut als das Männchen. Erkennbar ist die Gemeine Baldachinspinne vor allem an der farbigen Zeichnung auf ihrem Hinterkörper. Oben befindet sich ein dunkles, seitlich gezacktes Längsband und an den Seiten zeigt sich eine weißliche Färbung mit einer braunen Musterung. Die Unterseite dagegen ist dunkelbraun bis schwarz geschönt. Des weiteren weisen die Beine der Gemeinen Baldachinspinne eine bräunliche Färbung auf. Sie besitzt acht Augen, die in zwei Querreihen angeordnet sind. Eine große Ähnlichkeit im Aussehen weist die Herbstspinne (Metellina segmentata) auf, die manchmal in Gesellschaft mit der Gemeinen Baldachinspinne anzutreffen ist. Eine Verwechslungsgefahr besteht aber nicht, weil die Herbstspinne (Metellina segmentata) im Gegensatz zu der Gemeinen Baldachinspinne ein senkrechtes Radnetz baut.

Lebensweise

Die Gemeine Baldachinspinne errichtet ihr Netz hautpsächlich am warmen Morgen einer kühlen Nacht folgend. Man kann das Netz der Gemeinen Baldachinspinne, vor allem im Altweibersommer, taubehangen an Sträuchern oder an anderen Pflanzen in dichter Vegetation finden. Das Netz der Gemeinen Baldachinspinne besteht aus mehreren Etagen, die mit mehreren Spinnenfäden unterschiedlicher Stärke und Dichte befestigt sind. Das Netz wird an Blättern zwischen Sträuchern oder zwischen langen Grashalmen horizontal befestigt.

Die zähflüssigen Tröpfchen, die sich zwischen den einzelnen Spinnfäden befinden, ähneln in der Struktur sehr dem Kugelnetz der Obstgartenspinne (Leucage sp.), die zur Familie der Dickkieferspinnen (Tetragnathidae) zählt.
Gemeine Baldachinspinne in ihrem Netz
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Gemeine Baldachinspinne in ihrem Netz
Das Netz der Gemeinen Baldachinspinne enthält allerdings keine wäßrige Substanz für das Sichern der Beute, sondern eine klebrige Substanz, die in den Drüsen der Gemeinen Baldachinspinne produziert wird.

Verbreitung

Die Gemeine Baldachinspinne ist weltweit verbreitet. Ihre besondere Strategie zur Verbreitung ihrer Art liegt darin, dass sie einen Flugfaden produziert, der dann vom Wind erfaßt wird und sie sich durch die aufsteigenden Luftströmungen mehrere 100 Kilometer weit transportieren läßt. Insbesondere tritt sie häufig in Westeuropa, Mitteleuropa, Südeuropa und Osteuropa auf. Sie hält sich gerne an Waldrändern, in der Heide und im Moorland auf. Des weiteren findet man die Gemeine Baldachinspinne auch in Gärten und in Parkanlagen. Dort spinnt die Gemeine Baldachinspinne ihr baldachinartiges Netz in Bodennähe zwischen langen Gräsern, Stechginster (Ulex europaeus) oder in einer anderen Vegetation.

Ernährung

Baldachinspinnen-Netz
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Baldachinspinnen-Netz

Die Gemeine Baldachinspinne lebt räuberisch und ernährt sich hauptsächlich von Insekten (Insecta) wie zum Beispiel Fliegen (Brachycera). Sie baut horizontal aus mehreren Etagen bestehend ein baldachinartiges Netz, in dem sie ihre Beute fängt. Meist hängt sie mit dem Rücken nach unten unter dem baldachinartigen Aufbau des Netzes und lauert auf ihre Beute. Die Beute verfängt sich dann in der oberen Etage des Netzes, die aus klebrigen Fäden besteht. Die Gemeine Baldachinspinne zieht dann die Beute auf das untere Netz, um dort das Insekt zu verspeisen.

Fortpflanzung

Die Kommunikation spielt mit Hilfe chemischer Signale eine große Rolle. Unter anderem werden auch bei der Gemeinen Baldachinspinne während der Balz chemische Signale wie zum Beispiel der Lockstoff Pheromon, gesendet. So wird ebenfalls das Netz des unbegatteten Weibchens mit solch einem Lockstoff gebaut, das die Männchen anlockt, die selbst kein Netz produzieren. Die Paarung beginnt in der Regel im Spätsommer. Das Weibchen, das sich bei der Paarung passiv verhält, überläßt dem Männchen die Paarungsaktivität. Nimmt ein Männchen solch ein Netz über die Lockstoffe wahr, nähert es sich dabei dem wesentlich größeren Weibchen und bewegt dabei seine Taster auf und ab.
Baldachinspinnen-Netz
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Baldachinspinnen-Netz
Sobald sich das Männchen im Netz des Weibchens befindet, beginnt es mit einem ungewöhnlichen Verhalten, indem das Männchen die Fäden des Netzes durchschneidet und große Teile des Netzes einrollt. Erst dann beginnt es mit der manchmal bis zu fünf Stunden andauernden Balz, die im September beginnt.

Durch die partielle Zerstörung des Netzes wird verhindert, dass das Pheromon von der Fadenoberfläche weiter abgegeben wird. Dies bietet einen enormen Vorteil für das balzende Männchen, da so die Anlockung weiterer Männchen, die mit ihm um das Weibchen konkurrieren könnten, verhindert wird. Das Männchen kann nun das Weibchen besteigen. Das Männchen bringt mit seinen Pedipalpen die Samenpakete an das Begattungsorgan des Weibchens. Dieser Vorgang kann ebenfalls einige Stunden dauern. Nach Beendigung der Kopulation mit dem Weibchen, baut das Weibchen ein neues Netz, dem jetzt das Pheromon fehlt und somit werden keine weiteren Männchen mehr angelockt. Das Männchen wird nach der Paarung wie bei den meisten Spinnen nicht von dem Weibchen verspeist, sondern das Männchen lebt mit dem Weibchen noch einige Zeit im selben Netz zusammen. Allerdings ist das Männchen völlig an den Rand des Netzes gedrängt. Das Weibchen der Gemeinen Baldachinspinne legt die Eier in einen Kokon ab, den sie mit ihrer Seide webt und an Pflanzenteilen befestigt. Bis zum Schlupf der Spiderlinge wird der Kokon gegen Fleischfresser und Artgenossen beschützt. Je nach Umgebungstemperatur können die Spiderlinge nach einigen Tagen oder nach einigen Wochen schlüpfen.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Dr. Helgard Reichholf-Riem: Steinbachs Naturführer. Insekten. Mit Anhang Spinnentiere. München: Mosaik Verlag GmbH, München 1984. ISBN 3-570-01187-9
  • Michael Chinery: Pareys Buch der Insekten: Ein Feldführer der europäischen Insekten. Übersetzt und bearbeitet von Dr. Irmgard Jung und Dieter Jung. Verlag Paul Parey 1987. Hamburg und Berlin. ISBN 3-490-14118-0
  • Heiko Bellmann: Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Und Süßwasserkrebse, Asseln, Tausendfüßer, 2006, Kosmos Verlag ISBN 3440107469
  • Kurt Günther, Hans-Joachim Hannemann, Fritz Hieke: Urania Tierreich, 6 Bde., Insekten . Deutsch Harri GmbH; Auflage: 5, 1990 ISBN 387144944X
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