Gemeine Blutzikade

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Gemeine Blutzikade

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Geflügelte Insekten (Pterygota)
Überordnung: Neuflügler (Neoptera)
Ordnung: Schnabelkerfe (Hemiptera)
Unterordnung: Rundkopfzikaden (Cicadomorpha)
Überfamilie: Cercopoidea
Familie: Blutzikaden (Cercopidae)
Gattung: Cercopis
Art: Gemeine Blutzikade
Wissenschaftlicher Name
Cercopis vulnerata
Rossi, 1807

Die Gemeine Blutzikade (Cercopis vulnerata) zählt innerhalb der Familie der Blutzikaden (Cercopidae) zur Gattung Cercopis. Im Englischen wird die Gemeine Blutzikade black & red froghopper genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Die Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft wählte am 18. November 2008 die Gemeine Blutzikade zum Insekt des Jahres 2009.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Gemeine Blutzikade erreicht eine Körperlänge von acht bis zehn Millimeter. Von der Körperform her ist sie länglich gebaut. Die schwarzen Flügeldecken der Vorderflügel weisen die für Blutzikaden typischen drei roten Binden auf. Unter den Vorderflügeln liegen die Hinterflügel, die erst im Fluge sichtbar sind. Die Extremitäten weisen eine schwärzliche Färbung auf. An den oberen Segmenten der Hinterbeine, den Schienen, sind dornartige Auswüchse zu sehen. Blutzikaden sind durch ihre hohe Springkraft exellente Springer, die einige Meter weit spingen können. Die kräftigen Brustmuskeln sind mit den oberen Hinterbeinsegmenten verbunden und ermöglichen diese Sprungkraft. Der kleine Kopf verfügt über vier Augen, zum einen zwei Facettenaugen und zum anderen zwei Punktaugen. Sie sind an der Kopfseite angebracht. Die Fühler sind recht kurz und borstenförmig.

Lebensweise

Die Flugzeit der Gemeinen Blutzikade erstreckt sich je nach Verbreitungsgebiet von Mai bis August. In Höhenlagen sind sie etwas länger zu beobachten. Es kommt pro Jahr nur eine Generation vor.

Verbreitung

Die Gemeine Blutzikade ist in weiten Teilen Mittel- und Südeuropas zu Hause. Im südlichen und mittleren Deutschland ist die Gemeine Blutzikade häufig anzutreffen, nach Norden hin ist sie seltener zu finden. Man findet sie sowohl in trockenen als auch in mäßig feuchten Habitaten. Sie bevorzugen dabei überwiegend sonnenbeschienene Plätze. Gemeine Blutzikaden leben an Waldrändern, Waldlichtungen und Wegrändern. Sie sitzen meist auf höheren Gewächsen. In Höhenlagen sind sie bis in Höhen von 1.500 Meter anzutreffen.

Ernährung

Gemeine Blutzikade
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Gemeine Blutzikade

Die Imagines der Gemeinen Blutzikaden ernähren sich nur von Pflanzensäften. Hierfür steht ihnen ein Saugrüssel zur Verfügung, der in die Pflanzenteile eingeführt wird. Die Larven saugen unterirdisch an Pflanzenwurzeln. Man findet sie gelegentlich beim Umdrehen von Steinen. Ein Großteil des beim Saugen aufgenommenen Pflanzensafts wird als Wasser wieder ausgeschieden, das durch Proteine entspannt und durch Einblasen von Luft aufgeschäumt wird. Dieser Schaum umgibt die Larven.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit der Gemeinen Blutzikade beginnt meist Mitte Mai und endet Mitte Juni. Teil des Werbeverhaltens des Männchens ist ein rhythmisches Zirpen, das überwiegend aus niedrigen Frequenzen besteht, die sich im Bereich von 40 bis 300 Hertz erstrecken. Die Geräusche werden über die sogenannten Trommelorgane erzeugt, die sich an den Hinterleibssegmenten befinden. Die Begattung erfolgt bei den Blutzikaden über eine innere Befruchtung. Dabei stehen die Partner in V-Form zueinander, wobei sich die Hinterleibsenden berühren. Die Begattung zieht sich meist über mehrere Stunden hin.

Zur Eiablage sucht das Weibchen lockeren, sandigen Erdboden auf, der mit entsprechender Bepflanzung versehen ist. Die Eier werden an die Wurzel von Pflanzen gelegt. Aus den Eiern schlüpfen Larven, die sich im Erdboden aufhalten. Sie sind umgeben von einem schaumartigen Sekret, das von den Larven produziert wird. Das Sekret wird im Darm der Larven produziert und besteht im wesentlichen aus Zuckerverbindungen. Das Schaumpolster schützt die Larven gegen Austrocknung. Hier überwintern sie auch.

Während ihrer Entwicklung durchlaufen die Larven eine unvollständige Metamorphose, bestehend aus fünf Stadien, die mit einer Häutung einhergehen. Ein Puppenstadium gibt es nicht, daher bezeichnet man die Entwicklung der Zikadenlarven als unvollständige Entwicklung. Der Körper der Larve weist einen halbkreisförmigen Querschnitt auf, wobei die Bauchseite konkav geformt ist. Die Larven atmen über eine Atemhöhle im Bauchbereich. Die eigentliche Atemöffnung befindet sich im Innern der Atemhöhle. Beim Ausatmen entstehen die einzelnen Bläschen der Schaumhülle.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Michael Chinery: Pareys Buch der Insekten: Ein Feldführer der europäischen Insekten. Übersetzt und bearbeitet von Dr. Irmgard Jung und Dieter Jung. Verlag Paul Parey 1987. Hamburg und Berlin. ISBN 3-490-14118-0
  • Kurt Günther, Hans-Joachim Hannemann, Fritz Hieke: Urania Tierreich, 6 Bde., Insekten . Deutsch Harri GmbH; Auflage: 5, 1990 ISBN 387144944X
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