Geoffroy-Stummelaffe

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Geoffroy-Stummelaffe
Foto/Zeichnung folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Familie: Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
Unterfamilie: Schlank- und Stummelaffen (Colobinae)
Gattung: Schwarz-weiße Stummelaffen (Colobus)
Art: Geoffroy-Stummelaffe
Wissenschaftlicher Name
Colobus vellerosus
(Geoffroy, 1834)

IUCN-Status
Least Concern (VU)

Der Geoffroy-Stummelaffe (Colobus vellerosus) zählt innerhalb der Meerkatzenverwandten (Cercopithecidae) zu Gattung der Schwarz-weißen Stummelaffen (Colobus). Im Englischen wird die Art Ursine Colobus, White-thighed Colobus, Geoffroy's Black-and-white Colobus oder White-thighed Black-and-white Colobus genannt. Ursprünglich wurde der Geoffroy-Stummelaffe als Unterart des Weißbartstummelaffen (Colobus polykomos) angesehen. Heute hat die Art einen Artstatus (Wilson & Reeder, 2005).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Geoffroy-Stummelaffen erreichen eine Körperlänge ist 610 bis 660 mm, eine Schwanzlänge von 750 bis 810 mm sowie ein Gewicht von 8.300 bis 10.300 g. Insgesamt bleiben Weibchen ein wenig kleiner und leichter als Männchen. Das Fell ist schwarz gefärbt, im Bereich der Hüften ist das Fell abweichend weiß gefärbt. Rund um das schwarz gefärbte Gesicht zeigt sich eine weißliche, kranzartige Färbung. Der lange Schwanz ist weiß gefärbt. Jungtiere sind in den ersten 3 Lebensmonaten völlig weiß gefärbt. Die Finger sind lang und zum Schwinghangeln geeignet. Die Finger weisen kurze Nägel auf. Die Daumen sind rückgebildet und mehr oder weniger ohne Funktion. Geoffroy-Stummelaffen verfügen über Backentaschen und große Speicheldrüsen. Der Magen ist groß und kann bis zu 25% des Körpergewichtes aufnehmen (Nowak, 1999).

Lebensweise

Geoffroy-Stummelaffen sind tagaktiv und verbringen die meiste Zeit hoch oben in den Bäumen. Nur während der Nahrungssuche suchen die Tiere gelegentlich den Waldboden auf. Geoffroy-Stummelaffen leben in polygynen Gruppen, die aus einem dominanten Weibchen, mehreren Weibchen und deren Nachwuchs bestehen. Eine Gruppe besteht aus durchschnittlich 16 Individuen. Die Weibchen sind in der Regel miteinander verwandt. Männchen verlassen vor Erreichen der Geschlechtsreife die Geburtsgruppe. Die Kommunikation untereinander erfolgt im Nahbereich vokal, taktil und visuell. Droht Gefahr, so warnen sich die Mitglieder einer Gruppe gegenseitig mit Alarmrufen. Gegenseitige Fellpflege stärkt den Zusammenhalt der Gruppe (Nowak, 1999; Oates, 1996).

Verbreitung

Geoffroy-Stummelaffen sind in Benin, in der Elfenbeinküste, in Ghana, im westlichen Nigeria und in Togo verbreitet. Die Art besiedelt hauptsächlich tropische Tieflandregenwälder, Sumpfgebiete, Auwälder, Galeriewälder und Waldsavannen. Die Lebensräume liegen auf Seehöhe und in Höhenlagen bis in Höhen von gut 350 m über NN. Für gewöhnlich ist immer ein Gewässer im Lebensraum der Tiere vorhanden (IUCN, 2011).

Biozönose

Zu den natürlichen Feinden zählen insbesondere größere Habichtartige (Accipitridae) wie der [Kronenadler]] (Stephanoaetus coronatus) und Katzen (Felidae) wie der Leopard (Panthera pardus). Der größte Feind ist jedoch der Mensch, der den Lebensraum der Tiere vernichtet und sie bejagt (Nowak, 1999; Oates, 1996).

Ernährung

Geoffroy-Stummelaffen ernähren sich hauptsächlich folivor von jungen Blättern sowie Sämereien, Körnern und Nüssen. Eher selten stehen auch Früchte und Insekten (Insecta) wie Termiten (Isoptera) auf der Speisekarte. Die Nahrungssuche und -aufnahme erfolgt in Gruppen am Tage (Nowak, 1999; Oates, 1996).

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreichen Geoffroy-Stummelaffen je nach Geschlecht im Alter von 4 bis 6 Jahren. Die Paarungszeit erstreckt sich in den tropischen Lebensräumen über das ganze Jahr, wobei es in der Regenzeit verstärkt zu Geburten kommt. Zwischen 2 Geburten liegen meist etwa 20 Monate. Geoffroy-Stummelaffen leben in polygynen Gruppen. Ein Männchen paart sich demnach mit mehreren Weibchen. Äußerliche Merkmale sind bei der Paarungsbereitschaft der Weibchen nicht zu erkennen. Nach einer Tragezeit von 150 bis 180 (165) Tagen bringt ein Weibchen 1 Jungtier zur Welt. Der Nachwuchs wird im Alter von 8 bis 15 Monaten von der Muttermilch abgesetzt. Um die Aufzucht desd Nachwuchses kümmern sich ausschließlich die Weibchen. Die Lebenserwartung in Freiheit liegt bei 20 Jahren, in gefangenschaft bei bis zu 36 Jahren (Nowak, 1999; Oates, 1996).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Geoffroy-Stummelaffen gehören heute zu den gefährdeten Primaten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art in der Kategorie VU, Vulnerable geführt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) listet die Art in Anhang II des Abkommens. In den letzten 30 Jahren ist der Gesamtbestand der Art um mehr als 30% zurückgegangen. Das heutige Verbreitungsgebiet ist stark begrenzt und fragmentiert. Nicht von ungefähr geht die größte Gefahr von Verlust des Lebensraumes aus. Ein weiterer Gefährdungsfaktor ist die Bejagung durch den Menschen (IUCN, 2011).

Synonyme

Nach Wilson & Reeder (2005) ist die Art unter den nachstehenden Synonymen bekannt: C. bicolor (Wesmael, 1835), C. dollmani Schwarz, 1927, C. leucomeros Ogilby, 1838 und C. ursinus Ogilby, 1835. Die genannten Synonyme sind ungültig (Wilson & Reeder, 2005).

Anhang

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • J. F. Oates. African Primates Status Survey and Conservation Action plan. IUCN/SSC Primate Specialist Group. 1996
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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