Gestreifter Blattsteiger

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Gestreifter Blattsteiger

Systematik
Klasse: Lurche (Amphibia)
Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Moderne Froschlurche (Neobatrachia)
Familie: Baumsteigerfrösche (Dendrobatidae)
Gattung: Blattsteiger (Phyllobates)
Art: Gestreifter Blattsteiger
Wissenschaftlicher Name
Phyllobates vittatus
Cope, 1893

Verbreitungsgebiet
Verbreitungsgebiet

IUCN-Status
Endangered (EN)

Der Gestreifte Blattsteiger (Phyllobates vittatus) zählt innerhalb der Familie der Baumsteigerfrösche (Dendrobatidae) zur Gattung der Blattsteiger (Phyllobates). Erstmals beschrieben wurde er im Jahre 1893 von dem US-amerikanischen Wissenschaftler Edward Drinker Cope. Im Englischen wird die Art als Golfodulcean poison frog bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Gestreifte Blattsteiger erreicht eine Körperlänge von zwei bis dreieinhalb Zentimetern. Dabei ist der Körper sehr schlank gebaut und verjüngt sich nach hinten zu. Die Beine sind zierlich und die Hinterbeine sind sehr lang. Beim Gestreiften Blattsteiger sind keine Schwimmhäute vorhanden, sie wären auf dem Waldboden eher hinderlich. Der Kopf ist kaum vom Körper abgesetzt und die tiefschwarzen, relativ großen Augen stehen nur leicht hervor. Die Grundfarbe des Körpers liegt bei schwarz, auf dem Rücken sind zwei grell orange Streifen an den Seiten, manchmal auch noch ein grell orangener Mittelstreifen entlang der Wirbelsäule, zu erkennen. Die Streifen seitlich der Wirbelsäule verlaufen von oberhalb des Oberschenkels bis zu und über die Augen und enden dann an der Schnauzenspitze. Unterhalb des Auges, an den Flanken, dem Bauch und den Vorderbeinen sind gelbliche bis gelblich grüne Streifenmuster sichtbar, die teilweise in viele, kleine und grünliche bis grünlich blaue Pünktchen aufgelöst sein können. Eine solche Punktierung findet sich am Gestreiften Blattsteiger auch an den gesamten Hinterbeinen. An der Halsunterseite befindet sich bei männlichen Tieren eine Schallblase, mit der sie trillernde Laute erzeugen können.

Verhaltensbiologie

Der Gestreifte Blattsteiger ist ein Bewohner des Waldbodens. Seine Aktivitätsphase ist am Tag, aber auch in der Morgen- und Abenddämmerung. Auf der Suche nach Beute klettern die kleinen Lurche gelegentlich auch in niedrigem Buschwerk bis in 1 Meter Höhe umher.

Toxizität

Das Gift des Gestreiften Blattsteigers wird in einer Art Giftsammeldrüsen in der Haut eingelagert und in den Schleim auf der Haut abgesondert. Es dient in erster Linie der Abwehr von Krankheitserregern wie Pilzen, Bakterien und wahrscheinlich auch einigen Viren, aber auch der Verteidigung. Es wird nicht durch Giftzähne oder Giftstachel injiziert, sondern erst beim Verschlucken des Frosches über das Verdauungssystem in den Blutkreislauf aufgenommen, was gegen eine für den Lurch lebensrettende Funktion sprechen könnte, da der Frosch zuerst verschluckt wird. Allerdings löst das Gift im Mund- und Rachenraum beim Verschlucken des Frosches einen brennenden Schmerz aus (Intoxikation über die Schleimhäute) und führt zu einem Brechreiz, eventuell könnte es lebensrettend für den Frosch sein, wenn er dadurch vom Fressfeind wieder ausgespien wird. Durch den Druck, der beim Verschlucken auf dem Frosch wirkt, wird besonders viel Gift abgegeben, dies führt dann zum Tod des Fressfeindes, nachdem der Frosch gegebenenfalls wieder ausgewürgt wurde. Batrachotoxin kann allerdings auch über Wunden aufgenommen werden, was zu Schmerzen führen kann, die einem Bienenstich gleichen sollen und lange anhalten können. Die Giftstoffe (Toxine) werden nicht vom Frosch selbst gebildet. Daly et al soll nachgewiesen haben, dass die Giftstoffe aus den Beutetieren, insbesondere kleinen Ameisen (Formicoidea) stammen, die die Toxine produzieren. Mittlerweile ist man sich jedoch einig, dass das Batrachotoxin aus bestimmten Käfern (Coleoptera) gewonnen wird, nicht aus Ameisen. Pfeilgiftfrösche lagern die Giftstoffe lediglich in ihrer Haut ein. Bei den Arten der Gattung der Blattsteiger (Phyllobates) beruht die Giftwirkung vor allem auf das Toxin Batrachotoxin aus der Stoffgruppe der Alkaloide. Batrachotoxin ist extrem toxisch, die Giftmenge eines einzigen, zwei Zentimeter großen Schrecklichen Blattsteigers (Phyllobates terribilis) reicht aus, um damit rein theoretisch bis zu zehn erwachsene Menschen zu töten. Der Gestreifte Blattsteiger enthält weniger des Batrachotoxins, daher ist er weniger giftig. Batrachotoxin wirkt neurotoxisch auf das Nervensystem und führt zu Krämpfen, eine Verkrampfung der Lunge kann zum Tod führen, eine Verkrampfung des Herzens bewirkt einen Herzstillstand und kann damit ebenfalls tödlich enden. Am ganzen Körper kann es nach der Aufnahme von Batrachotoxin zu Kribbeln kommen. Als Antitoxin wirkt das ebenfalls hochgiftige Tetrodotoxin, das sich in vielen Kugelfischen (Tetraodontidae) und in Blauringelkraken (Hapalochlaena) findet.

Da in Gefangenschaft die giftliefernden Futtertiere fehlen, verliert sich die Toxizität der Pfeilgiftfrösche nach wenigen Monaten nahezu vollständig, spätestens nach wenigen Generationen Zucht komplett.
Urwald in Costa Rica
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Urwald in Costa Rica

Die grellen und leuchtenden Farben sind unter Tieren eine Warntracht, die abschrecken und vor der, zumindest potenziellen, Gefährlichkeit eines Tieres warnen soll, bei dem Gestreiften Blattsteiger auch aus gutem Grund.

Ernährung

Wie alle Lurche (Amphibia) ernährt sich auch der Gestreifte Blattsteiger nur von lebenden Tieren. Er benutzt zur Beutebeschaffung keine Gifte. Er schleicht sich an ein durch eine Bewegung aufgefallenes Beutetier heran und schnappt es sich mit einem Satz. Zu seinem Beutespektrum gehören alle Insekten (Insecta) von wenigen Millimetern Länge bis zur Größe einer Stubenfliege (Musca domestica). Auch Spinnentiere (Arachnida) wie verschiedene Milben (Acari) oder kleine Webspinnen (Araneae) sowie kleine Asseln (Isopoda) oder ähnliche Tiere stehen zur Auswahl.

Fortpflanzung

Die Männchen rufen besonders während der Regenzeit tagsüber, abends und morgens mit trillernden Lauten von einem erhöhten Platz aus nach paarungsbereiten Weibchen. Nachdem ein Weibchen zu einem Männchen gefunden hat, sucht das Männchen einen geeigneten Platz und das Weibchen folgt ihm, dabei hält es regelmäßig Körperkontakt zum Weibchen. Sobald die bis zu 18 Eier abgelaicht wurden, verzieht sich das Weibchen und die Eier werden vom Männchen äußerlich befruchtet. Nur das Männchen betreibt Brutpflege, sowohl mit dem Laich, der zunächst beispielsweise an den Blättern außerhalb des Wassers angeheftet ist, als auch mit dem jungen Nachwuchs in Form von Kaulquappen. Das Männchen hält den Laich feucht. Nachdem die Kaulquappen geschlüpft sind, werden sie erst noch eine Weile mitgetragen. Zur Abgabe in ein geeignetes Gewässer, in dem sich die Kaulquappen entwickeln können, sucht sich das Männchen des Gestreiften Blattsteigers in der Regel Bromelien (Bromeliaceae) in den Bäumen. Diese Pflanzen haben ihre Blätter so angelegt, dass sich darin das Wasser sammelt, bei einigen Arten bis über zehn Liter. Sind die Kaulquappen nach spätestens drei Tagen abgesetzt, hört für das Männchen auch die Brutpflege auf. Die Kaulquappen entwickeln sich über knapp 55 bis 65 (nur bei zu kalter Haltung bis 80) Tagen zu kleinen Jungfröschen, die dann das Wasser verlassen.

Verbreitung

Vorkommen

Das Verbreitungsgebiet des Gestreiften Blattsteigers erstreckt sich vor allem an der südwestlichen Pazifikküste Costa Ricas. Allerdings werden oft auch Teile des nördlichen Panamas und die nordwestliche Pazifikküste Costa Ricas genannt. Die Art kommt bis auf 550 Meter über dem Meeresspiegel vor und ist selten unterhalb von 20 Metern über dem Meeresspiegel zu finden.

Lebensraum

Zu den Lebensräumen des Gestreiften Blattsteigers zählen tropische Tiefland-Regenwälder. Hier kommt es auf dem Boden oder in Bodennähe vor. Er bevorzugt Biotope, in denen sich schnell kleine Gewässer finden lassen, oft ist er in der Vegetation entlang von Bächen anzutreffen. Er hält sich oft versteckt, wobei er als Versteckmöglichkeiten Felsspalten, Baumwurzeln, Moose, Rindstücke, Baumstümpfe, totes Holz auf dem Waldboden oder auch das Falllaub, unter dem er ebenfalls Schutz findet, nutzt. Des Weiteren kommt er gelegentlich auch in anderen Feuchtgebieten, auf Plantagen oder Viehweiden sowie in Sümpfen vor.

Ökologie und Ökonomie

Terraristik

Gestreifte Blattsteiger in einem Terrarium
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Gestreifte Blattsteiger in einem Terrarium
Haltung

Für die artgerechte Haltung dieser Art in Zuchtgruppen von mit einem Männchen und zwei bis drei Weibchen oder eines Pärchens benötigt man ein mindestens 80 x 50 x 50 Zentimeter großes Terrarium, das man als Feuchtterarrium einrichten sollte. Der Bodengrund kann idealer Weise aus einer Kies- oder Blähtonschicht, gegebenfalls auch aus einem Erde-Ton-, oder Erde-Lehm-Gemisch bestehen, darauf ist es anzuraten noch Torf oder besser Kokosfasersubstrat zu geben. Das ganze ist mit einer Schicht Eichenlaub abzudecken. Gestaltet werden kann das Becken mit Wurzeln, die vor allem als Verstecke dienen. Die Frösche benötigen Wasser, welches nach Möglichkeit in Form eines Bachlaufs durch kleine Aquarienpumpen in Bewegung gehalten wird. Auch kann ein kleiner, künstlicher Wasserfall oder Springbrunnen eingebracht werden.

Das Terrarium sollte möglichst in unterschiedliche Ebenen unterteilt werden. Falls ein Bachlauf angelegt wird, müsste man den Rand des Baches mit größeren Steinen umgeben. Als Bepflanzung eignen sich Bromelien (Bromeliaceae), Orchideen (Orchidaceae), diverse Farne und Birkenfeige (Ficus benjamini), auch die Seitenwände des Terrariums sollten, zwecks Klettermöglichkeiten, bepflanzt werden.

Die Luftfeuchtigkeit sollte ständig zwischen 70 und 90 Prozent und die Temperaturen am Tag zwischen 25 und 28 Grad Celsius, in der Nacht knapp über 20 Grad Celsius liegen. Außerdem ist ein UV-Strahler sehr anzuraten!

Zwar ist diese Art giftig, verliert aber ihre Giftigkeit in der Pflege, spätestens bei der Zucht in den Folgegenerationen, da keine giftige Nahrung mehr aufgenommen wird. Man sollte diese Art nicht einzeln halten, sondern als Pärchen oder noch besser als Gruppe, mit sicherheitshalber nur einem Männchen und in besonders großen Terrarien auch mit mehreren Männchen. Als Futter eignen sich Asseln (Isopoda), kleine Grillen (Gryllus), die es in jeder Zoohandlung zu kaufen gibt. Wesentlich besser sind als Futtertiere Fruchtfliegen (Drosophila) und Springschwänze (Collembola) geeignet, da die Frösche kleine Futtertiere bevorzugen. Es muss ständig Futter zur Verfügung stehen.

Zucht

Bei dieser Art gibt es kaum Geschlechtsdimorphismus, allerdings sind Weibchen fülliger und massiger als Männchen und werden auch etwas größer. Bei Phyllobates vittatus hört man die Männchen bevorzugt in der Morgen- und Abenddämmerung mit einem trillernden Ton rufen. Während der regenreichen Paarungszeit rufen die Männchen auch tagsüber. Die Männchen bilden um einen erhöhten Platz herum sogenannte Rufreviere. Mit ihrem Trillern grenzen sie das Revier ab und versuchen Weibchen anzulocken. Nachdem ein Weibchen zu einem Männchen gefunden hat, lockt es das Männchen an einen geeigneten Platz für die Eiablage. Das Balzverhalten der Frösche ist hoch interessant. Mit immer wiederkehrenden Rufen, die sich vom ersten Lockruf unterscheiden, wird das Weibchen gelockt. Das Männchen "streichelt" immer wieder seine Auserkorene mit der "Hand" über den Rücken und scheint sie so sexuell anzuregen. Bis das Paar an einem geeigneten Laichplatz angekommen ist, können wenige Minuten, aber auch bis zu 2 Stunden vergehen. Meist werden die Eier auf der glatten Oberfläche von Blättern abgelegt, die durch Regen immer wieder befeuchtet werden. Sobald die 6 - 15 Eier abgelaicht wurden, verzieht sich das Weibchen und die Eier werden vom Männchen befruchtet. Das Weibchen kümmert sich dann um die Eier nicht mehr. Das Männchen betreibt nun Brutpflege, indem es den Laich immer wieder befeuchtet. Dazu setzt sich das Tierchen in eine Wasseransammlung und "tankt" Wasser in seine Urinblase. Anschließend hüpft es zum Gelege und gibt das aufgenommene Wasser auf das Gelege. Dies wiederholt das Männchen u. U. mehrmals am Tag. Sobald die bis 8 mm langen Kaulquappen nach 8 - 12 Tagen schlüpfen, bettet sie das Männchen um. Durch Bewegungen mit dem Hinterteil animiert das Männchen des Gestreiften Blattsteigers die Kaulquappen dazu, sich auf seinen Rücken zu schlängeln. Nach und nach trägt er sie so zu einer geeigneten Wasseransammlung, z. B. in niedrig angesiedelten Bromelientrichtern (Bromeliaceae) bzw. bevorzugt in seichte Wasseransammlungen am Boden (Petrischalen). Da manche Bromelien mehr als einen Liter Wasser fassen können, sind sie mit ihrem mit Kleinstlebewesen besiedelten Algenbewuchs und den enthaltenen Insektenlarven ideale "Aufzuchtbehälter" für die Kaulquappen. Nach dem Absetzen der Kaulquappen ist die Brutpflege beendet. Die Tierchen sind nun auf sich selbst gestellt. Die Kaulquappen ernährt man bei Terrariennachzuchten am besten mit chlorophyllhaltigen Zierfisch-Futtertabletten. Die Quappen entwickeln sich über 55 bis 65 Tagen zu kleinen Jungfröschen, die das Wasser nach abgeschlossener Metamorphose verlassen. Die rund 10 - 12 mm langen Fröschlein ernähren sich anfangs mit Kleininsekten, z. B. kleine Fruchtfliegen, Springschwänze oder Trauermücken und deren Larven.

Krankheiten

Falsche Haltung und unsachgemäßer Umgang sind oft Gründe für das Ausbrechen einer Krankheit. Die Abwehrkräfte der Terrarieninsassen werden durch falsches Klima, oft zu hohe Temperaturen, Überbesatz, mangelnder Hygiene und falscher Ernährung geschwächt. Außerdem vermehren sich bei hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit sowieso schon viele Bakterien besser, als bei geringer Temperatur und Luftfeuchte. Da dieses Klima beim Gestreiften Blattsteiger jedoch unumgänglich ist, muss extrem auf die Hygiene geachtet werden, denn besonders diese kleine Froschart ist sehr an- und hinfällig beim Ausbrechen einer Krankheit innerhalb des Bestandes im Terrarium. Oft treten Ödeme, Hautrötungen, Hautblutungen und Bauchwassersucht auf. Bei der Red-Leg-Disease sind die Gliedmaßen in der Regel gerötet. Zumeist ist für eine eindeutige Erkennung beim Ausbrechen einer Krankheit bereits alles zu spät, die Diagnose des Tierarztes durch Untersuchungen von Kot-, Schleimhaut- und Blutproben im Labor würde zu lange dauern, da die Tiere häufig bereits nach zwei Tagen allesamt eingegangen sind. Beim Ausbruch einer Krankheit trotz guter Hygienemaßnahmen sollten alle Individuen schnellstmöglich isoliert werden, dann könnte eine schnelle Erkennung und Behandlung einige Tiere retten. Dazu werden in Absprache mit einem Tierarzt die Tiere beispielsweise in Antibiotika-Bädern eingetaucht oder ihnen werden oral Antibiotika verabreicht. Hautrisse können mit Antibiotika in Puderform behandelt werden.

Zwei Gestreifte Blattsteiger
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Zwei Gestreifte Blattsteiger

Auch Pilzerkrankungen sind nicht selten bei Lurchen in Gefangenschaft. Allerdings kann eine solche nur vom Tierarzt mittels mikroskopischer Untersuchungen festgestellt werden, zumeist heilt eine Pilzerkrankung mit einer entsprechenden Behandlung aber wieder aus, wirklich große Verluste sind nur selten zu fürchten.

Oft tritt auch das sogenannte Streichholzbeinchen, eine Verstümmelung der vorderen Gliedmaßen, auf. Diese kann die Folge einer Mutation im Erbgut oder auch eine Folge falscher Ernährung der Kaulquappen sein, zum Beispiel aufgrund mangelnder Vitamine im Laufe der Entwicklung. Auch kann die Wassertemperatur und allgemeine Wasserbeschaffenheit während des Kaulquappen-Stadiums der Grund der Verstümmelung sein.

Chytridiomykose

Die Chytridiomykose ist eine Mykose, also eine Pilzerkrankung, die von dem Chytridpilz (Batrachochytrium dendrobatidis) hervorgerufen wird und eine große Gefahr für die Froschbestände der gesamten Welt darstellt. Sie ist eine sehr häufige Krankheit bei Amphibien, die auch in Mitteleuropa in der Natur nachgewiesen werden konnte. Die Chytridiomykose ist mitverantwortlich für das weltweite Amphibiensterben. Grund für den Ausbruch der Erkrankung sind oftmals eine Immunschwäche, beispielsweise durch eine gerade überstandene Erkrankung oder Primärerkrankungen, Verletzung oder plötzliche Klimaveränderungen in der Natur sowie unartgerechte Pflege (falsche Ernährung, Klimabedinungen, ect.) im Terrarium.

Erstmals nachgewiesen wurde die Chytridiomykose 1938 in Afrika, in einer stabilen Endemie. Der Erreger wurde jedoch mit den entsprechenden Amphibien in weite Teile der Welt verschleppt, als die Tiere zugunsten der Terraristik eingefangen wurden.

Die Infektion geht mit einer Beeinträchtigung der biologischen Funktionen der Epidermis, des Gas,- Flüssigkeits- und Mineralstoffhaushaltes sowie einer Störung der Produktion und Freisetzung der Hautsekrete und Drüsenstoffe (was zur Folge hat, dass deren Abwehrfunktion gestört ist und andere Krankheitserreger ebenfalls leichter einen Infektionsweg finden) einher. Es ist möglich, dass eine Infektion mit relativ wenigen Erregern ohne Symptome verläuft. Zu den Symptomen zählen Appetitlosigkeit oder gar Verweigerung der Nahrungsaufnahme, apathisches Verhalten, eingeschränkte Bewegung, Ataxien, verlängerter und häufigerer Aufenthalt im Wasser und schließlich auch der Tod des Tieres. Optische Veränderungen der Haut sind selten.

Der Nachweiß erfolgt am einfachsten an toten Tieren mittels Biopsie und mikroskopischer Untersuchungen. Die Therapie kann dann im noch lebenden Teil des Bestandes erfolgen. Zur Therapie wird das Becken komplett gereinigt und desinfiziert. Die Tiere werden für einige Wochen in Quarantänebehältern untergebracht und 7 bis 10 Tage lang täglich mit Itraconazol-Bädern behandelt, anschließend mit Wasser abgewaschen. Vorsichtshalber werden, während die Tiere mit dem Antibiotikum behandelt werden, auch die Quarantäne-Terrarien ausgewaschen, erst mit einem speziellen Desinfektionsmittel (z.B. Benzalkoniumchlorid) und dann mit Wasser. Dann können die behandelten Tiere wieder eingesetzt werden.

Eine Behandlung sollte immer in Absprache mit einem Tierarzt erfolgen!

Parasiten und Prädatoren

Unter den Parasiten lassen sich bei Lurchen wie dem Gestreiften Blattsteiger häufig Zwergfadenwürmer (Strongyloides stercoralis) im Darmtrakt oder verschiedene Lungenwürmer feststellen. Beide können dem kleinen Frosch sehr zusetzen und ihm das Leben kosten, im Terrarium sind sie jedoch behandelbar.

Aufgrund der hohen Giftigkeit und der warnenden, grellen Farben sind keine regelmäßigen oder grundsätzlichen Prädatoren (Fressfeinde) zu nennen.

Gefährdung und Schutz

Der Gestreifte Blattsteiger ist stark gefährdet und dem entsprechend beim IUCN als "endangered" gelistet. Er ist besonders durch den Rückgang seiner Lebensräume, also durch die gnadenlose Abholzung der tropischen Regenwälder, bedroht. Auch das Absammeln der Tiere zu terraristischen Zwecken stellt eine große Bedrohung dar. Der Trend der Populationen sieht ebenso nicht gut aus, die Bestände gehen sichtlich zurück. Der Schutz der Art fängt beim Schutz ihrer Lebensräume an. Außerdem sollte man nur Tiere kaufen, die mit großer Sicherheit aus Terrariennachzucht stammen, keinesfalls sollten Wildfänge gekauft werden, dies unterstützt nur die Ausbeutung der natürlichen Bestände.

Der Gestreifte Blattsteiger wird in der europäischen Artenschutzverordnung VO (EG) Nr. 1332/2005 unter Anhang B sowie im Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen, Anhang II gelistet, womit die Haltung der Art meldepflichtig ist.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Stefan Lötters, K-H. Jungfer, F-W. Henkel, W. Schmidt, "Pfeilgiftfrösche" 2007, Chimaira-Verlag, Frankfurt a. M., ISBN 9783930612529
  • Siegfried Christmann, "Dendrobatidae -Baumsteigerfrösche- Die fantastische Reise durch Ecuador - Peru - Kolumbien", 2004, 3 Bände, Eigenverlag, keine ISBN
  • W. Schmidt & F. Wilhelm Henkel, "Pfeilgiftfrösche im Terrarium", 1995, LandbuchVerlag (eines der besten Bücher über PGFs, aber nur noch im Antiquariat erhältlich).
  • Frank Mutschmann, "Erkrankungen der Amphibien", 1998, Paray-Verlag, ISBN 9783830440024
  • Uwe Dost: Das KosmosBuch der Terraristik, Franckh Kosmos Verlag, ISBN 3-440-10129-0
  • Janitzki, Ariane: 250 Terrarientiere: bestimmen, halten, pflegen. Kosmos (Franckh-Kosmos), September 2008 ISBN 3440110893

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