Gewöhnlicher Totenkopfaffe

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Gewöhnlicher Totenkopfaffe

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorhini)
Familie: Kapuzinerartige (Cebidae)
Unterfamilie: Kapuzineraffen (Cebinae)
Gattung: Totenkopfaffen (Saimiri)
Art: Gewöhnlicher Totenkopfaffe
Wissenschaftlicher Name
Saimiri sciureus
(Linnaeus, 1758)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Gewöhnliche Totenkopfaffe (Saimiri sciureus) zählt innerhalb der Familie der Kapuzinerartigen (Cebidae) zur Gattung der Totenkopfaffen (Saimiri). Im Englischen wird der Gewöhnliche Totenkopfaffe common squirrel monkey oder south american squirrel monkey genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Gewöhnliche Totenkopfaffen werden nicht sehr gross, maximal 50 cm, wobei 1/3 der Schwanz einnimmt. Weibchen bleiben deutlich kleiner, sie werden auch nur etwa 750 g schwer, hingegen können die Männchen ein Gewicht von stattliche 1100 g erreichen. Das Gesicht ist sehr hell. Der Mund und die Augen sind schwarz und ähneln einem Totenkopf. Das Aussehen war für diese Art namensgebend. Die Kopfoberseite ist grau bis schwarz, der Rücken ist goldgelb mit schwarzer Musterung versehen. Der Rest des Fells ist gelblich orange. Die Schwanzspitze ist schwarz und dient als fünfter Arm, somit ermöglicht er ein sehr schnelles Fortbewegen in den Baumregionen. Um ihr Revier zu kennzeichnen, reiben die Totenkopfaffen sich ihr Fell und ihre Hände mit Eigenurin ein. So ist jedes einzelne Tier anhand seines Duftes für die Mitglieder der Gruppe individuell erkennbar. Das Männchen wird mit fünf Jahren und das Weibchen mit drei Jahren geschlechtsreif. Sie leben vorwiegend in den mittleren Baumregionen des Urwaldes und vermeiden den Boden und die obersten Baumregionen. Sie kommen bis in 1.500 Meter ü NN. vor. Totenkopfaffen können über zwanzig Jahre alt werden.

Lebensweise

Laut der Roten Liste der IUCN bevorzugt der Gewöhnliche Totenkopfaffe typischerweise überschwemmte Wälder, Auen und Sekundärwäder. Er kann aber auch in Galeriewäldern mit niedriger Vegetation, an bewaldeten Hängen und in Palmenwäldern, insbesondere in Buriti-Palmen (Mauritia flexuosa) leben. Er nutzt alle Ebenen des Waldes und sucht seine Nahrung hauptsächlich im Unterwuchs. Die Bewegung beinhaltet überwiegend quadupredales Gehen und Laufen. Totenkopfäffchen sind kleine Früchte- und Insektenfresser.
Gewöhnlicher Totenkopfaffe
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Gewöhnlicher Totenkopfaffe
Sie verbringen 75 bis 80 Prozent für die Nahrungssuche nach Insekten und nach anderen kleinen Beutetieren. Während der Trockenzeit, wenn Mangel an geeigneten Früchten herrscht, dann können sie vollständig ihre Nahrung auf Insekten umstellen. Eine Gruppe kann aus 100 Tieren mit mehreren Männchen bestehen, aber am häufigsten trifft man Gruppen von 20 bis 75 Individuen an. Alle Totenkopfäffchen ähneln sich in ihrer Morphologie, aber ihre sozialen Systemen können ganz verschieden sein. In Surinam wurde eine Gruppe, bestehend aus 15 bis 50 Individuen, von Boinski untersucht und stellte dabei fest, dass beide Geschlechter eine einzige, lineare Hierarchie innerhalb der Gruppe bilden, wobei die meisten Männchen dominant zu den Weibchen sind. Aggressionen zwischen den Weibchen sind ungewöhnlich, aber sie bilden keine Koalitionen. Die Männchen bilden Koalitionen und können untereinander aggressiv sein. Die Männchen zeigen eine große Wachsamkeit gegenüber natürlichen Feinden. Zwischen den Mitgliedern besteht ein erheblicher Nahrungswettbewerb, viel höher als bei den Mitgliedern der Bolivianischen Totenkopfaffen (Saimiri boliviensis). Die Paarung und Geburt sind stark saisonabhängig, selten mehr als zwei Monate. Ein Einzel-Nachwuchs kann vorkommen. Die Paarung erfolgt in der Regel während der Trockenzeit. Eine Geburt-Synchronie ist weniger ausgeprägt und Geburten kommen nur einmal alle zwei Jahre vor. Der Gewöhnliche Totenkopfaffe und der Bolivianische Totenkopfaffe (Saimiri boliviensis) bilden häufig interspezifische Assoziationen. Häufig wandert der Gewöhnliche Totenkopfaffe gemeinsam mit dem Weißstirnkapuziner (Cebus albifrons) und dem Gehaubten Kapuziner (Cebus apella), dabei profitiert der Gewöhnliche Totenkopfaffe von den Insekten, die von den Kapuzineraffen aufgescheucht werden.

Unterarten

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Gewöhnlicher Totenkopfaffe
  • Saimiri sciureus albigena - (Von Pusch, 1941) - NT, Near Threatened
  • Saimiri sciureus cassiquiarensis - (Lesson, 1840) - LC, Least Concern
  • Saimiri sciureus macrodon - (Elliot, 1907) - LC, Least Concern
  • Saimiri sciureus sciureus - Linnaeus, 1758 - LC, Least Concern

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN erstreckt sich das Vorkommen über große Teile Mittel- und Südamerikas, darunter zählen unter anderem Brasilien (Amapá, Amazonas, Maranhão, Mato Grosso, Pará, Roraima, Tocantins), Kolumbien (Kolumbien (Festland)), Ecuador (Ecuador (Festland)), Französisch-Guyana, Guyana, Surinam und Venezuela (Venezuela (Festland)). Der Gewöhnliche Totenkopfaffe gehört zu den Kapuzieneraffen und ist somit ein "Neuweltaffe" und kommt nur auf dem Amerikanischen Kontinent vor.

Ernährung

Der Gewöhnliche Totenkopfaffe ist sowohl ein Früchte- als auch ein Insektenfresser. Bevorzugt werden dabei beerenartige Früchte. Ferner verzehrt er Insekten wie zum Beispiel Heuschrecken und Käfer sowie kleine Wirbeltiere wie zum Beispiel Laubfrösche und kleine Echsen. Auch Spinnentiere werden von ihm nicht verschmäht. Das Wasser nimmt er über die Nahrung auf oder trinkt Wasser aus den Baumhöhlen oder aus den Pfützen am Boden. Wenn Früchte knapp sind dann trinkt der Gewöhnliche Totenkopfaffe auch Nektar.

Fortpflanzung

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Gewöhnlicher Totenkopfaffe

Die Paarungszeit wird durch viele Veränderungen gekennzeichnet. Die spektakulärste Veränderung ist die beeindruckende Gewichtszunahme der Männchen zwischen 85,0 und 222,0 Gramm, bis zu 30 Prozent übergewichtig. Vielleicht wollen sie Weibchen mit dieser extremen Gewichtszunahme beeindrucken, deren Produktion von Testosteron stark zunimmt. Die intensive Konkurrenz legt auch eine Hierarchie unter den Weibchen fest. Die Männchen verwickeln sich häufig in Kämpfen und beriechen sich gegenseitig ihre Genitalien. Der Östrus-Zyklus dauert 6 bis 25 Tage und die Brunstzeit ist auf 12 bis 35 Stunden reduziert. Die Jungen werden häufig im März oder im April, nach einer Tragzeit von 160 Tagen, geboren. Das Gewicht der Neugeborenen beträgt etwa 100 Gramm. Die Weibchen tragen die Jungen bauchseitig mit sich, später sitzt das Junge auf dem Rücken der Mutter auf. Das Weibchen kann ein bis zwei Junge zur Welt bringen.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN wird eine Populationsdichte von etwa 50 bis 80 Individuen pro Quadratkilometer im La Macarena, Kolumbien, im Nova Empresa 73,8 Individuen pro Quadratkilometer, im Barro Vermelho II 109,5 Individuen pro Quadratkilometer, im Lago da Fortuna 189,8 Individuen pro Quadratkilometer, im Sobral 5,9 Individuen pro Quadratkilometer, im Condor 36,1 Individuen pro Quadratkilometer, im Barro Vermelho I 16,7 Individuen pro Quadratkilometer, in Fortuna 23,2 Individuen pro Quadratkilometer, im Vira Volta 17,7 Individuen pro Quadratkilometr und in Riozinho 36,4 Individuen pro Quadratkilometer verzeichnet. Der Gewöhnliche Totenkopfaffe ist im gesamten nördlichen Amazonas breit gefächert. Die Art lebt in den Sekundärwäldern und häufig trifft man den Gewöhnlichen Totenkopfaffe in der Nähe von menschlichen Siedlungen an. Obwohl der Gewöhnliche Totenkopfaffe wegen seiner geringen Größe kaum gejagt wird, wird er doch in einigen Teilen seines Verbreitungsgebietes, wie Kolumbien und Ecuador häufig für den PET-Markt gefangen. Wegen der Abholzung der Wälder sowie dem grossen Interesse der Totenkopfaffen in der Forschung und der privaten Haltung sind die Bestände und Population dieser Art sehr stark gefährdet. Der Gewöhnliche Totenkopfaffe wird auch im Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES, im Anhang II, gelistet.

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Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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