Giraffengazelle

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Giraffengazelle
Weibchen

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Gazellenartige (Antilopinae)
Gattung: Litocranius
Art: Giraffengazelle
Wissenschaftlicher Name
Litocranius walleri
Brooke, 1878

Verbreitungsgebiet

IUCN-Status
Near Threatened (NT)

Die Giraffengazelle (Litocranius walleri) zählt innerhalb der Familie der Hornträger (Bovidae) zur Gattung Litocranius.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Giraffengazelle erreicht eine Körperlänge von 140 bis 155 Zentimeter, eine Standhöhe von 95 bis 105 Zentimeter, eine Schwanzlänge von gut 30 bis 35 Zentimeter sowie ein Gewicht von 30 bis 60 Kilogramm. Die Weibchen bleiben ein wenig kleiner und leichter als die Männchen. Die Färbung des Fells ist mehr oder weniger dreigeteilt. Dorsal zeigt sich auf dem Rücken eine bräunliche bis dunkelbraune Färbung, lateral ist das Fell hellbraun gefärbt. Die gleiche Färbung weisen die Extremitäten sowie der Hals und der Kopf auf. Die Bauchseite, die Innenseite der Oberschenkel und das Hinterteil vom Schwanzansatz abwärts sind weißlich gefärbt. Die Färbung zwischen Rücken und Flanken ist durch eine fast gerade Linie gekennzeichnet, die beiden Farbbereiche voneinander optisch trennt.

Das Fell ist insgesamt sehr kurz und wirkt ausgesprochen glatt. Der mittellange Schwanz endet in einer dunklen Quaste. Dunkel sind auch die Knie der Vorderbeine gefärbt. Die Beine sind ausgesprochen lang, der Hals ist dünn und lang. Beides sind markante Merkmale für das extrem schlank wirkende Aussehen der Giraffengazelle. Der lange schlanke Hals war für die Art namensgebend. Der Kopf wirkt wie aufgesetzt, er ist leicht keilförmig und flach. Am Kopf zeigen sich weiße bis cremefarbene Stellen im Bereich der Nasenspitze, rund um die Ohren sowie am Ansatz der Ohren. Die Innenseiten der großen, trichterförmigen Ohren weisen weiße Markierungen auf. Von den Augen bis zur Schnauze verläuft ein dunkelbrauner Streifen. Anders als die Weibchen, so verfügt das Männchen der Giraffengazelle über imposante Hörner, die nach hinten gerichtet sind und eine leichte S-Kurve aufweisen. Die Hörner sind vorne stark geriffelt. Die Riffelung verliert sich allerdings zur Spitze hin. Oberhalb der Hörner, umittelbar am Ansatz der Hörner ist das Fell braun gefärbt.

Verhalten

Die Giraffengazelle ist eine tagaktive Gazellenart. Die Böcke leben einzelgängerisch und besetzen Reviere abseits der Weibchenherden. In ihrem Revier legen Männchen ein ausgesprochen territoriales Verhalten an den Tag. Dabei markieren sie das Strauchwerk in ihrem Revier mit einem Drüsensekret. Die Reviergröße beträgt je nach Lebensraum zwischen 80 und 200 Hektar. Betritt ein Rivale ein fremdes Revier, so kommt es unweigerlich zum Kampf. Nur zur Paarungszeit stoßen sie für kurze Zeit zu den Herden der Weibchen. Die Weibchen leben in kleinen Herden, die meist um die acht bis zehn Weibchen und deren Nachwuchs umfassen. Die Streifreviere der Weibchen decken sich dabei mit den Revieren der Männchen. Geschlechtsreife Weibchen bleiben in den Herden, in denen sie geboren wurden, Männchen schließen sich zunächst Junggesellenherden an, ehe sie irgendwann ein eigens Revier gründen. Am Tage sind Giraffengazellen unentwegt in ihrem Lebensraum auf Nahrungssuche. In ihren meist sehr kargen Habitaten ist dies auch notwendig, denn Nahrung ist dünn gesät. Auffällig ist dabei die Art und Weise der Nahrungsaufnahme. Auf den Hinterbeinen stehend versuchen sie, an das Blattwerk von größeren Büschen oder Bäumen zu kommen.

Verbreitung

Giraffengazelle
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Giraffengazelle

Giraffengazellen leben in einem relativ kleinen Gebiet in Ostafrika, genauer gesagt am Horn von Afrika. Das Verbreitungsgebiet reicht vom südlichen Äthiopien über Somalia und Kenia bis ins nordöstliche Tansania. Hier werden trockene Regionen wie Dornbusch- und Baumsavannen, stellenweise auch wüstenähnliche Habitate bewohnt. Giraffengazellen sind optimal an ihrem kargen Lebensraum angepasst. Ihr Wasserbedarf ist sehr gering. Sie stillen ihn hauptsächlich über die Nahrung. Ist Wasser in der Nähe, so machen sie allerdings regelmäßig davon Gebrauch.

Prädatoren

Afrikanischer Löwe
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Afrikanischer Löwe

Die Giraffengazelle muss sich einer ganzen Palette von Feinden erwehren. Eine Reihe von Anpassungen schützt die Tiere dabei. Die Jungtiere verharren bei Gefahr regungslos unter Büschen oder in hohem Gras. Die Färbung des Fells dient den Jungtieren und den adulten Tieren dabei als vorzügliche Tarnung. In eine Art Starre verfallen auch erwachsene Tiere, um nicht die Aufmerksamkeit eines Fressfeindes zu erregen. Dabei nutzen sie meist noch eine zusätzliche Deckung in Form eines Busches oder ähnlichem. Zu den Hauptfeinden zählen die üblichen Verdächtigen. So stehen Giraffengazellen auf der Speisekarte von Leoparden, Geparden, Löwen, Hyänen und ähnlich großen Räubern. Aber auch größere Greifvögel machen sich nicht selten über Neugeborene her.

Ernährung

Giraffengazelle
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Giraffengazelle

Im Lebensraum der Giraffengazelle ist Nahrung immer Mangelware. Daher haben sich diese Tiere diesem Umstand angepasst. Durch ihre grazile Gestalt und dem langgestreckten Hals kommen sie auf den Hinterbeinen stehend mühelos auch an höher hängende Äste mit schmackhaftem Laub. Mit den Lippen und der Zunge streifen sie die Blätter dann von den Zweigen. Giraffengazellen besetzen hier eine ökologische Nische, in der sie zu kaum einem anderen Tier in Nahrungskonkurrenz stehen. Auf Trinkwasser sind sie nicht unbedingt angewiesen, nutzen dieses aber wenn es vorhanden ist.

Fortpflanzung

Die Giraffengaselle erreicht die Geschlechtsreife mit 12 bis 18 Monaten. Weibchen erreichen die Geschlechtsreife bereits mit 12 Monaten. Die Paarungszeit ist an keine bestimmte Jahreszeit gebunden, sie kann ganzjährig erfolgen. Empfängnisbereite Weibchen geben über Körperdrüsen ein Pheromon frei, dass unwiderstehlich auf ein Männchen wirkt. Nur zur Paarungszeit begegnen sich die Geschlechter. Mit seinen imposantem Gehörn versucht ein Männchen ein Weibchen zu beeindrucken. Beim Kontakt markiert ein Männchen ein Weibchen mit einem Sekret aus seiner Körperdrüse. Es folgt dem Weibchen solange, bis sie in die Paarung einwilligt. Tritt ein Konkurrent in die traute Zweisamkeit ein, so kommt es in der Regel zu heftigen Kämpfen unter den Böcken.
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Nicht selten enden die Kämpfe für beide Beteiligten mit schweren Verletzungen. Dies zieht nicht selten die Aufmerksamkeit von Raubtieren auf sich. Dies ist auch mit ein Grund dafür, dass die Männchen eine deutlich kürzere Lebenserwartung aufweisen. Weibchen erreichen in der Regel ein Alter von neun bis zwölf Jahren. Männchen erreichen ein solches Alter eher selten. Ein Männchen begattet innerhalb einer Weibchenherde nach Möglichkeit alle empfängnisbereiten Weibchen.

Die Tragezeit erstreckt sich über einen Zeitraum von durchschnittlich 195 bis 210 Tagen. Das Weibchen bringt an einer geschützten Stelle, beispielsweise unter einem Busch, ein Jungtier zur Welt. Nur sehr selten kommt es zu Zwillingsgeburten. Zu einer Schwangerschaft kommt es nicht immer jährlich, oft auch nur alle zwei Jahre. Dies hängt aber weniger vom Klima ab. Bringt ein Weibchen ein männliches Jungtier zur Welt, so bleibt es deutlich länger bei der Mutter. Die Aufzucht weiblicher Jungtiere nimmt entsprechend weniger Zeit in Anspruch. Bereits kurze Zeit nach der Geburt kann ein Jungtier stehen und ist in der Lage seiner Mutter zu folgen. Die Selbständigkeit erreichen die Jungtiere mit etwas mehr als einem Jahr. Von der Muttermilch werden sie aber deutlich früher abgesetzt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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