Glatte Grasnatter

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Glatte Grasnatter

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
Familie: Nattern (Colubridae)
Unterfamilie: Colubrinae
Gattung: Grasnattern (Opheodrys)
Art: Glatte Grasnatter
Wissenschaftlicher Name
Opheodrys vernalis
Harlan, 1827

Die Glatte Grasnatter (Opheodrys vernalis) zählt innerhalb der Familie der Nattern (Colubridae) zur Gattung der Grasnattern (Opheodrys). Im Englischen wird diese Schlange Smooth Greensnake genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die schlank gebaute Glatte Grasnatter erreicht eine Länge von 50 bis 85 Zentimetern. Die ausgesprochen glatte Beschuppung weist eine kräftige grüne Färbung auf. Juvenile Schlangen sind deutlich dunkler gefärbt. Der leicht längliche Kopf setzt sich nur wenig vom Hals ab. Ventral ist das Schuppenkleid gelblichgrün bis cremefarben gefärbt. Die Unterseite des Schwanzes ist eher gelb gefärbt. Die Beschuppung im Analbereich ist geteilt. Die Glatte Grasnatter gehört zu den ungiftigen Nattern. Die Glatte Grasnatter ist eine tagaktive Schlange, die sich durchaus schnell und hektisch bewegen kann, jedoch verhält sie sich dem Menschen gegenüber nur wenig angriffslustig. Sie kann gut klettern und ebenso gut schwimmen. Die Glatte Grasnatter klettert jedoch deutlich weniger als beispielsweise die nah verwandte Raue Grasnatter (Opheodrys aestivus). Sie ist trotz ihrer Tagaktivität nur selten zu beobachten, da sie sich vorzugsweise in dichter Vegetation aufhalten. Während der kühlen Jahreszeit hält die Raue Grasnatter an geschützter Stelle eine mehrmonatige Winterruhe. Die Aktivitätsphase erstreckt sich in den meisten Verbreitungsgebieten von April bis Oktober. Während der Winterruhe hält sie sich in Nagerbauten, unter morschem Holz, unter Steinen oder in Felsspalten auf, die einen gewissen Schutz vor Kälte bieten.

Unterarten

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Die Einteilung in Unterarten ist nicht unumstritten. Einige Forscher sehen die Art als monotypisch an.

Verbreitung

Glatte Grasnattern waren ursprünglich über weite Teile des zentralen und nordöstlichen Nordamerikas verbreitet. Heute leben die Tiere nur noch in zersiedelten Verbreitungsgebieten. Die letzten Rückzugspunkte befinden sich in den südlichen Provinzen Kanadas und in den nordöstlichen Bundesstaaten der USA. Zu den natürlichen Lebensräumen zählen sowohl Sumpfgebiete und Feuchtwiesen als auch Grassteppen, die Ränder von lichten Wäldern und Savannen. In Hügelland ist die Glatte Grasnatter bis in die Mittelgebirge anzutreffen. Meist ist sie in der Nähe eines Gewässers anzutreffen.

Ernährung

Die Glatte Grasnatter ernährt sich fast ausschließlich von Insekten (Insecta), zu einem kleinen Teil auch von Spinnentieren (Arachnida) und kleinen Skorpionen (Scorpiones). Zur bevorzugten Nahrung gehören daher Langfühlerschrecken (Ensifera), Kurzfühlerschrecken (Caelifera), Tausendfüßer (Myriapoda), Hundertfüßer (Chilopoda) sowie Insektenlarven, Maden, Raupen und Schnecken (Gastropoda). Auf Nahrungssuche geht die Glatte Grasnatter am Tage sowohl am Erdboden als auch im Geäst von Bäumen und Sträuchern.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit beginnt unmittelbar nach der Winterruhe und erstreckt sich im Frühjahr über die Monate Mai bis Juni. Zwei Monate nach der Verpaarung erfolgt die Eiablage an einer geschützten Stelle. Die Eier bleiben extrem lange im Körper des Weibchens, ehe sie abgelegt werden. In der Eientwicklung stellt dies eine Art Zwischenstufe zwischen Oviparie und Ovoviviparie dar. Meist legt das Weibchen zwischen 5 und 15 länglich ovale Eier. Feuchtwarme Stellen wie morsches Holz werden dabei bevorzugt. Gelegentlich legen auch mehrere Weibchen ihre Eier an der gleichen Stelle ab, so dass es zu einem Gemeinschaftsgelege kommt. Im späten Entwicklungsstadium des Embryos bildet sich der für Vögel und Reptilien charakteristische Eizahn, mit Hilfe dessen sich die Jungschlangen aus der Schale befreien. Da die Eier bereits im Leib des Weibchens herangereift sind, erfolgt der Schlupf in der Regel bereits nach einer Woche. Wie die adulten Schlangen, so weisen auch die Jungtiere die charakteristische grüne Färbung auf. Sie sind jedoch insgesamt etwas dunkler gefärbt. Die Jungschlangen sind von Anfang an auf sich alleine gestellt und ernähren sich selbständig von Insekten und deren Larven. Die Schlupflänge beträgt zwischen 13 und 16 Zentimeter. Die Lebenserwartung liegt bei sechs bis acht Jahren.

Gefährdung und Schutz

Die Glatte Grasnatter gilt in fast allen Verbreitungsgebieten als akut vom Aussterben bedroht. Die Wildbestände befinden sich fast überall im freien Fall. Vor allem die Zerstörung der natürlichen Lebensräume und die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln und Pestiziden wie DDT tragen die Hauptschuld an dieser Misere. Durch die Ausbringung von Pestiziden werden insbesondere Insekten vernichtet. Dadurch wird den Glatten Grasnattern die Nahrungsgrundlage entzogen. In der Roten Liste der IUCN wird die Art nicht geführt. In den meisten US-Bundesstaaten, in denen die Glatte Grasnatter vorkommt, steht sie unter Schutz.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Thorsten Schmidt: Grasnattern - Natur und Tier-Verlag, Ausgabe November 2002 ISBN 3931587371

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