Glattschweinswal

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Glattschweinswal

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Wale (Cetacea)
Unterordnung: Zahnwale (Odontoceti)
Familie: Schweinswale (Phocoenidae)
Gattung: Neophocaena
Art: Glattschweinswal
Wissenschaftlicher Name
Neophocaena phocaenoides
Cuvier, 1829

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Glattschweinswal (Neophocaena phocaenoides) zählt innerhalb der Familie der Schweinswale (Phocoenidae) zur Gattung Neophocaena Im Englischen wird dieser Schweinswal Finless porpoise genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Glattschweinswal erreicht eine Länge von bis zu 227 Zentimeter sowie ein Gewicht von bis zu 72 Kilogramm. Die durchschnittliche Größe liegt jedoch bei 150 bis 190 Zentimeter und einem Gewicht von 45 bis 65 Kilogramm. Die Epidermis (Haut) ist überwiegend gräulich bis blaugrau gefärbt, selten treten auch dunkelgraue bis fast schwarze Farbvariationen auf. Neugeborene weisen eine cremig-gräuliche oder bei Neophocaena phocaenoides asiaeorientalis eine dunkelgraue Färbung auf. Ventral ist die Epidermis immer etwas heller gefärbt. Mit zunehmendem Alter hellt die Haut dorsal und ventral leicht auf. Die Färbung unterscheidet sich auch je nach Lebensraum. Die Tiere, die in Flüssen leben, sind insgesamt deutlich dunkler gefärbt. Die Populationen im Jangtse (längster Fluss Chinas) sind beispielsweise fast schwarz gefärbt. Markantes Merkmal ist das Fehlen der dorsalen Finne. Anstelle der Rückenflosse ist nur eine leicht erhobene Rückenwirbelkante zu sehen. Der Kopf ist relativ klein und die Schnauze ist kleiner und breiter als bei allen anderen Schweinswalen (Phocoenidae). Außergewöhnlich ist auch das Skelett. Es ist sehr leicht und die Knochen sind ausgesprochen dünn. Das Skelett macht nur fünf Prozent des Körpergewichtes aus. <1> Die kräftige Schwanzflosse ist waagerecht und leicht gegabelt. Die Brustflossen (Flipper) sitzen weit vorne am Körper.

Lebensweise

Glattschweinswale leben in geselligen Schulen von bis zu 20 Tieren. Gruppenstärken von bis zu 50 Tieren sind dokumentiert, jedoch sehr selten (Zhou et al. 1995). Die Populationen im Jangtse (Neophocaena phocaenoides asiaeorientalis ) sind jedoch nur in Kleinstgruppen von drei bis sechs Individuen anzutreffen. Glattschweinswale gelten als gute aber recht langsame Schwimmer. Zum Atmen taucht der Glattschweinswal seinen Kopf nur wenig aus dem Wasser. Sprünge aus dem Wasser wie bei anderen Delfinen und Walen sind bisher nicht beobachtet worden. Die durchschnittlichen Tauchzeiten liegen bei etwa 10 bis 20 Sekunden. Zu längeren Tauchzeiten (bis zu 35 Sekunden) kommt es nur selten. In den meisten Gewässern sind Glattschweinswale recht standorttreu und wandern nur wenig umher. Die Populationen aus dem Japanischen Meer ziehen im Herbst jedoch in wärmere Gewässer, meist an die Küsten des südlichen Chinas. Glattschweinswale sind sehr schüchtern und in ihrem Verhalten nur schwer auszumachen. Glattschweinswale haben ein breites Spektrum an Lauten, mit denen sie sich verständigen. Es handelt sich dabei um hochfrequente Klicklaute in unterschiedlichen Höhen und Längen. Forscher vermuten dahinter eine Art Sprache. Auf der Nahrungssuche setzen die Tiere auch derartige Klicklaute ein. Das Verfahren gleicht der Echo-Ortung. Treffen dabei Töne auf ein Objekt, so werden die Schallwellen zurückgesandt. Über die Ohren und das Maul nehmen Glattschweinswale die Schallwellen auf und leiten sie zum Innenohr. Die Klicklaute liegen im Frequenzbereich von 100 bis 142 kHz. <2>

Unterarten

Die Unterart Neophocaena phocaenoides asiaeorientalis gilt aus stark gefährdet (IUCN, endangered seit 1996).

Verbreitung

Der Glattschweinswal ist weit verbreitet und kommt mit drei Unterarten im Arabischen Meer, im Persischen Golf, im Golf von Bengalen, im Ostchinesischen Meer, im Südchinesischen Meer, im Gelben Meer, im Japanischen Meer sowie in der Südostasiatischen Inselwelt vor. Der Glattschweinswal ist in unmittelbarer Nähe zur Küste, flachen Buchten, Mangrovensümpfe sowie in den Mündungsdelta und Flüssen anzutreffen. Er ist ausgesprochen anpassungsfähig und kann sowohl in Salz-, Brack- und Süßwasser leben. Im Jangtse schwimmen Glattschweinswale bis 1.600 Kilometer flussaufwärts. Im offenen Meer sind die Tiere nur selten anzutreffen. Dennoch gab es bereits Sichtungen von Glattschweinswalen, die sich bis zu 240 Kilometer vor der Küste aufhielten. <3>

Prädatoren

Der Glattschweinswal hat in seinem küstennahen Lebensraum nur wenige Fleischfresser. Hin und wieder fallen die Tiere einem Großen Schwertwal (Orcinus orca) oder einem Weißen Hai (Carcharodon carcharias). Weit schwerwiegender wirkt sich der Befall von Ekto- und Endoparasiten wie Vertreter der Gattungen Stenurus, Pseudostenurus, Otophocaenurus, Saugwürmer (Campula) oder Nasitrema aus. Endoparasiten werden zumeist über die Nahrung aufgenommen. <4> Die Verluste in den Populationen, die durch den Menschen verursacht werden, sind jedoch weit höher als der Verlust durch Prädatoren und Parasiten. Die Tiere verfangen sich in Fischernetzen, fressen Abfälle und sterben daran oder gehen an der Wasserverschmutzung zu Grunde.

Ernährung

Glattschweinswale sind opportunistische Fleischfresser. Zu ihrer bevorzugten Nahrung gehören Kopffüßer (Cephalopoda), Krebstiere (Crustacea) und kleinere Fische (Pisces). Dazu gehören je nach Vorkommen und Lebensraum beispielsweise Makrelen (Scomber), Kalmare (Teuthida), Echte Kraken (Octopodidae), Sepien (Sepiida), Kardinalbarsche (Apogonidae), Stachelmakrelen (Carangidae), Heringe (Clupeidae), Meeraale (Congridae), Sardellen (Engraulidae), Ponyfische (Leiognathidae), Meeräschen (Mugilidae), Scheinschnapper (Nemipteridae), Umberfische (Sciaenidae), Sägebarsche (Serranidae), Meerbrassen (Sparidae) und Medusenfische (Stromateidae). <5>

Fortpflanzung

Glattschweinswale erreichen die Geschlechtsreife je nach Geschlecht mit etwa vier bis sechs Jahren. Dies entspricht eine Körperlänge von 135 bis 150 Zentimeter. Männchen brauchen zur Erlangung der Geschlechtsreife meist ein bis zwei Jahre länger als Weibchen. Bedingt durch die lange Trage- und Säugezeit bringen geschlechtsreife Weibchen in der Regel nur alle zwei Jahre Nachwuchs zur Welt. Die Paarungs- und Wurfzeit erstreckt sich in den meisten Verbreitungsgebieten über das Frühjahr und den Sommer. Nach einer Tragezeit von 10 bis 11 Monaten bringt ein Weibchen ein Jungtier zur Welt. Das Neugeborene weist ein Geburtsgewicht von etwa 23 Kilogramm auf. Die Säugezeit beträgt zwischen 10,6 und 11,2 Monate. Die Lebenserwartung kann zwischen 25 bis 33 Jahre liegen. <6>

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Über die Bestände der Glattschweinswale liegen weitestgehend keine verlässlichen Zahlen vor. Daher wird der Schweinswal in der Roten Liste der IUCN in der Kategorie Data Deficient (DD) geführt. Die Unterart Neophocaena phocaenoides asiaeorientalis gilt als gut studiert. Daher konnte hier ein adäquater Gefährdungsgrad ermittelt werden. Zur Zeit leben im Jangtse rund 2.500 Tiere. Damit gilt die Unterart als stark gefährdet. Die Bejagung spielt heute keine große Rolle mehr. In der Vergangenheit wurde der Glattschweinswal jedoch wegen seines Fleisches und des Öles stark gejagt. Gelegentlich findet man aber auch heute noch das Fleisch auf den asiatischen Fischmärkten. <7> In stark befahrenen Gewässern kommt es zudem häufig zu tödlichen Zusammenstößen mit Booten und Schiffen oder die Glattschweinswale verfangen sich in Langleinen oder in Schleppnetzen. Dies ist insbesondere im Jangtse der Fall.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Ordnung der Wale (Cetacea)
  • Hauptartikel: die Familie der Schweinswale (Phocoenidae)

Literatur und Quellen

Links

'Persönliche Werkzeuge