Glimmertintling

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Glimmertintling

Zwei verschiedenfarbige Glimmertintlings-Typen

Systematik
Reich: Pilze (Fungi)
Abteilung: Basidienpilze (Basidiomycota)
Klasse: Ständerpilze (Basidiomycetes)
Ordnung: Blätterpilze (Agaricales)
Familie: Tintlingsartige (Coprinaceae)
Gattung: Tintlinge (Coprinus)
Art: Glimmertintling
Wissenschaftlicher Name
Coprinus micaceus
Bulliard, 1785

Der Glimmertintling (Coprinus micaceus) ist ein Pilz (Fungi) aus der Familie der Tintlingsartigen (Coprinaceae) und zählt zur Gattung der Tintlinge (Coprinus). Er wurde erstmals im Jahre 1785 von Jean Baptiste François Bulliard beschrieben.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Hut des Glimmertintlings erreicht einen Durchmesser von zwei bis vier und manchmal auch bis zu fünf Zentimeter sowie eine Höhe von zwei bis vier Zentimeter. Er ist gelbbräunlich bis graubraun gefärbt, eichelartig geformt und in voller Länge mit von oben nach unten laufenden Furchen besetzt. Vor allem in jungem Zustand ist bei genauerem Hinsehen ein feinkörniger Belag auf dem Hut zu erkennen. Dieser glimmert je nach Lichteinfall, was dem Pilz seinen deutschen Trivialnamen verlieh. Bei dem feinen, sandartigen Belag handelt es sich um einen Velumbelag respektive dessen Reste, der, wie es sich unter einem Mikroskop herausstellt, aus rundlichen Zellen besteht. Das Velum (lat. Segel, Hülle) ist eine Schutzhülle der jungen Pilze, welche mit dem Wachstum aufreißt. Beim Glimmertintling bleibt das Velum einige Zeit, wird aber meistens größtenteils oder völlig vom Regen weggewaschen. Der glatte, dünne und gebrechliche Stiel ist außen weiß, das Fleisch ist gelbbräunlich, innen ist der Pilz hohl.

Speisewert und Giftwirkung

Der Glimmertintling ist kein Speisepilz von erster Klasse aber eßbar ist er in jedem Fall. Allerdings muss man dringend von dem Verzehr in Verbindung mit Alkohol abraten. Oftmals wird in der Literatur davor gewarnt, der Glimmertintling soll in Verbindung mit Alkohol eine toxische, also giftige, Wirkungsweise zeigen. Die Wirkung wird hierbei Antabuswirkung genannt. Antabus ist ein Stoff, der Alkoholsüchtigen zur Abgewöhnung in das alkoholische Getränk gegeben wird. Der entsprechende Wirkstoff im Glimmertintling heißt Coprin, entdeckt wurde er im Grauen Tintling (Coprinus atramentarius). Über die Wirkung ist die Literatur gespalten, auch darüber, ob die Wirkungsweise so wie beschrieben zu hundert Prozent korrekt ist. In der Regel wird nach Genuss vom Glimmertintling und Alkohol eine Gesichtsrötung, Herzklopfen und Atemnot als Folge angegeben. Diese Beschwerden sollen nach einigen Stunden abklingen und sich bei erneutem Alkoholkonsum wiederholen. Wer auf den Genuss des Glimmertintlings und anderer Coprin-haltiger Pilze nicht verzichten will, sollte zwei Tage vor und drei Tage nach dem Verzehr der Pilze kein Alkohol zu sich nehmen.

Lebensraum - Buchenwald
vergrößern
Lebensraum - Buchenwald

Verwechslung

Der Glimmertintling lässt sich nur sehr schwer und mit bloßem Auge kaum von dem Weidentintling (Coprinus truncourum) unterscheiden. Zum Einen besitzt dieser einen zumeist stärker gefalteten Hut und zum Anderen sind seine Sporen im Umriß regelmäßig oval geformt und der Keimporus ist nicht verlängert, wie es beim Glimmertintling der Fall ist. Weiterhin hat auch Coprinus radians Ähnlichkeit mit dem Glimmertintling, zumal auch dieser zwangsläufig an Holz wächst. Sein Hut jedoch weist wesentlich mehr Velumreste in Form flockiger Schüppchen, welche recht schnell bräunen, auf. An der Stielbasis von Coprinus radians zeigt sich ein für die Art typischer rotbrauner Filz, das sogenannte Ozonium. Manchmal kann dieser auch zwischen Moos oder Holzrinde versteckt liegen. Ein weiterer ähnlicher Pilz ist der Rauspor-Tintling (Coprinus silvaticus), welcher jedoch weder als Jungpilz noch als ausgewachsener Fruchtkörper (oberirdischer Teil des Pilzes) keinerlei Velumreste auf dem Hut aufweist, außerdem sind seine Sporen rau.

Vorkommen

Der Glimmertintling ist besonders in nährstoffreichen Laubwäldern aller Art anzutreffen, auch in Gärten und in Parkanlagen ist er oftmals aufzufinden. Das Mycel, also das in der Erde wachsende, weißliche Geflecht aus Pilzfäden, welches den eigentlichen Pilz darstellt, wächst in Holzstümpfe, in das Holz am Fuße noch stehender aber abgestorbender Bäume sowie auf und auf im Boden vergrabenem Holz. Die Art lebt sehr gesellig mit vielen Artgenossen, oft auch zu einigen hundert Individuen, in Büscheln zusammen.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: Pilze (Fungi)
  • Hauptartikel: Wald

Literatur und Quellen

  • Erwald Gerhardt: BLV Bestimmungsbuch: Pilze, BLV Verlagsgesellschaft mbH, Auflage 3, ISBN 3-405-13401-3
  • A. Gminder und T. Böhning: Kosmos Naturführer: Welcher Pilz ist das?, Franckh Kosmos Verlags-GmbH und Co. KG, ISBN 3-440-10797-3
'Persönliche Werkzeuge