Goldhamster

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Goldhamster

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Familie: Cricetidae
Unterfamilie: Hamster (Cricetinae)
Gattung: Mittelhamster (Mesocricetus)
Art: Goldhamster
Wissenschaftlicher Name
Mesocricetus auratus
Waterhouse, 1839

IUCN-Status
Endangered (EN) - IUCN

Der Goldhamster (Mesocricetus auratus) zählt innerhalb der Familie Cricetidae zur Gattung der Mittelhamster (Mesocricetus). Im Englischen wird der Goldhamster Syrian Hamster oder Golden Hamster genannt. Bevor der Goldhamster im Jahre 1930 vom Professor Israel Aharoni wieder entdeckt wurde, galt die Wildform lange Zeit als verschollen respektive ausgestorben.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Goldhamster ist ein mittelgroßer Hamster und erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von etwa 15 bis 18 Zentimeter. Das Gewicht eines adulten Goldhamsters beträgt 100 bis 125 Gramm. Der Goldhamster ist deutlich kleiner als der Feldhamster (Cricetus cricetus), der in Osteuropa und im westlichen Asien vorkommt, und größer als der Roborowski-Zwerghamster (Phodopus roborovskii), der in China und in der Mongolei verbreitet ist. Wie bei vielen Hamstern, so weist der Goldhamster auch eine stumpfe Schnauzenspitze, relativ kleine Augen, große Ohren und einen etwa 8 Millimeter langen Schwanz auf. Das Fell ist auf dem Rücken meistens goldbraun gefärbt und die ventrale Oberfläche zeigt ein etwas ausgeblichenes Grau oder einen weißlichen Farbton. Einige Individuen verfügen auch über eine dunkle Stirnpartie und weisen auf jeder Gesichtshälfte einen schwarzen Streifen auf, der sich von der Wange bis zum Hals erstreckt.

Lebensweise

Der Goldhamster lebt einzelgängerisch und legt ein territoriales Verhalten an den Tag. Außerhalb der Paarungszeit verhält sich der Goldhamster gegenüber seinen Artgenossen sehr aggressiv. Mit seiner Duftdrüse, die sich im Bereich der Flanke befindet, markiert der Goldhamster sein Territorium. Einige Goldhamster reiben ihre Flanken zusätzlich gegen ein Substrat, um so ihre Duftmarke zu unterstreichen. Ein großer Teil der Informationen lassen sich aus den Duftmarkierungen für Artgenossen untereinander ablesen. Der Goldhamster verbringt die meiste Zeit des Tages in seiner Erdhöhle und wird erst in der Abenddämmerung munter. Die Erdhöhle befindet sich meistens in einer Tiefe von maximal 110 Zentimeter. In der Nacht geht der Goldhamster dann auf Nahrungssuche. Die gesammelte Nahrung wird in einer Kammer in der Erdhöhle gespeichert. Im Laufe der Nacht kann der Goldhamster etwa 12,8 Kilometer zurücklegen, dabei hastet der Goldhamster zwischen den Nahrungsquellen und seinem Kaninchenbau hin und her. Der Goldhamster kann zwischen seinen Wohnhöhlen größere Distanzen zurück, die manchmal sogar in der Wildnis 118 Meter betragen. Im Winter verfällt der Goldhamster in eine sogenannte Starre, die aber nicht als Winterschlaf bezeichnet werden kann. Das Goldhamster hat eine relativ kurze Lebensdauer, im Durchschnitt erreicht er ein Alter von etwa 1,5 bis 2 Jahre. In Gefangenschaft kann der Goldhamster allerdings doppelt so alt werden als in freier Wildbahn.

Kommunikation und Wahrnehmung

Der Goldhamster kommuniziert nicht nur mit seinen Duftmarken, sondern auch mit einer Vielzahl von auditorischen Signalen. Er produziert in verschiedenen Situationen quiekende Laute, in der Regel in Verbindung mit plötzlichen Körperbewegungen. Darüber hinaus klappert der Goldhamster mit seinen Zähnen. Das Zähneklappern ist ein Zeichen von Aggression. 92 Prozent Interaktionen wurden zwischen den Männchen, 39 Prozent Interaktionen zwischen den Weibchen und nur 5 Prozent Interaktionen zwischen den Männchen und den Weibchen beobachtet. Junge Goldhamster sind in der Lage, einen quietschenden Ultraschall zu produzieren, der für die mütterliche Fürsorge der Jungen sehr wichtig ist.
Aleppo Hochebene in Syrien
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Aleppo Hochebene in Syrien
Die Interaktionen zwischen den dominanten Tieren und einzelnen Individuen äußern sich in Unterwürfigkeit, indem das untergeordnete Tier einen gebogenen Rücken und einen hochgehobenen Schwanz zeigt. Durch diese unterwürfige Haltung wird die Dominanz des übergeordneten Tieres bestätigt und gefestigt. Zwischen den männlichen und weiblichen Interaktionen signalisiert das Weibchen die Bereitschaft zur Paarung, indem sie bei gestreckter Körperhaltung, gespreizten Beinen und gehobenem Schwanz eine Reihe von schnellen kurzen Schritten vollzieht. Diese Haltung wird auch als Lordosis-Haltung bezeichnet. Das Weibchen kann in dieser Position bis zu 10 Minuten verharren. Das Männchen folgt dem Weibchen und beschnüffelt und beleckt ihre Genitalregion, um chemische Signale wahrzunehmen. Es wurde darüber hinaus spekuliert, dass das Fell eines einzelnen Goldhamsters einen Einfluss auf seinen sozialen Status hat, jedoch zeigten Studien widersprüchliche Ergebnisse (Johnston, 1985).

Verbreitung

Der Goldhamster ist weltweit als Haustier und als Labortier für die Forschung allgegenwärtig. Die wilde Population beschränkt sich auf einen kleinen Bereich des Nahen und des Mittleren Osten. Die Mehrzahl dieser Spezies findet sich in der Hochebene von Aleppo in Nord-Syrien. Des Weiteren wurde der Goldhamster auch in Bereichen der Ost-Türkei gesichtet. Historisch bewohnte der Goldhamster wahrscheinlich die offenen Steppen, die einst die Hochebene von Aleppo in Nord-Syrien und den angrenzenden Gebieten charakterisierte. Da ihr Lebensraum zunehmend bevölkert wird, zeigt der Goldhamster eine Affinität für landwirtschaftliche Flächen. Die Höhlen des Goldhamsters befinden sich in der Nähe von Gemüsefeldern oder in der Nähe von Bewässerungsbrunnen. Die Regionen, die der Goldhamster besiedelt, sind jahreszeitlich bedingt und auch vom Klima abhängig. Die Sommer in einigen Regionen sind heiß und weisen Temperaturen zwischen 35 und 38 Grad Celsius auf, wobei die Nächte eher kühl sind und Temperaturen zwischen 6 und 15 Grad Celsius herrschen. Die Winter sind kalt und feucht und betragen etwa 10 Grad Celsius. Die Niederschläge sind sehr gering, pro Jahr etwa 336 Millimeter.

Goldhamster
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Goldhamster

Prädatoren

Der Goldhamster dient als Nahrungsquelle für viele verschiedene Prädatoren, darunter zählen Füchse, Marder (Mustelidae), Greifvögel (Falconiformes) und Schlangen (Serpentes). Um sich vor den Prädatoren zu schützen, ist er sehr wachsam und hält sich am Tage vorwiegend in seiner Erdhöhle auf. Die rasche Reproduktionsrate bedeutet eine relativ hohe Predation der Prädatoren.

Ernährung

Der Goldhamster ist ein Allesfresser. Er ernährt sich von Samen, Nüssen und Insekten (Insecta), darunter zählen Ameisen (Formicidae), Fliegen (Diptera), Schaben (Blattaria) sowie Wespen (Hymenoptera).

Fortpflanzung

Der Goldhamster erreicht die Geschlechtsreife mit etwa 1 Monat. Das Weibchen zeigt gegenüber dem Männchen in erster Linie durch die olfaktorischen Signale Empfängnisbereitschaft, indem sie im Vaginalbereich ein Sekret absondert. Wenn das Weibchen bereit ist, dann erhöht sich die Häufigkeit der vaginalen Absonderung. Sie drückt die vaginale Region gegen eine Oberfläche und läuft dabei ein Paar Zentimeter nach vorn. Die Ovulation des Weibchens wird hauptsächlich durch eine lange Photoperiode beeinflusst und gesteuert. Diese kann etwa 12,5 Stunden betragen. Wenn die Photoperiode reduziert wird oder wenn sich das Weibchen in völliger Dunkelheit befindet, dann wird die Ovulation gestoppt.
Goldhamster
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Goldhamster
Allerdings, nach etwa fünf Monaten, kann sich das Weibchen auch an eine kürzere Photoperiode gewöhnen und der Eisprung erfolgt spontan. In freier Wildbahn sorgt der photoperiodische Zyklus dafür, dass die Jungen während der Saison geboren werden und sich somit für ihr Überleben äußerst günstig auswirkt. Die Tragezeit des Weibchens beträgt etwa 16 Tage. Dies ist die kürzeste Tragezeit unter den Säugetieren. Die durchschnittliche Gebärzeit beträgt etwa 1,5 bis 2,5 Stunden, während dieser Zeit werden 8 bis 12 Junge geboren. Die Jungen sind bei der Geburt Nesthocker und weisen geschlossene Augen auf. Nach etwa 12 bis 14 Tagen öffnen die Jungen zum ersten Mal ihre Augen und nach etwa 19 bis 21 Tagen sind sie entwöhnt. Das Weibchen versorgt die Jungen im Nest der Erdhöhle allein. Das Nest befindet sich in einer Tiefe von etwa 40 bis 90 Zentimeter. Manchmal neigt das Weibchen zu Kannibalismus, um die Größe des Wurfes zu reduzieren. In freier Wildbahn kommt dies nur vor, wenn das Nahrungsvorkommen knapp wird. Aber in Gefangenschaft ist Kannibalismus häufig eine Reaktion auf irgendeine Art von anthropogenen Störungen.

Ökologie

Der Goldhamster wird in freier Wildbahn als landwirtschaftlicher Schädling angesehen. Die Regierung von Syrien verteilt an die Landwirte Rodentizide (chemisches Mittel zur Bekämpfung von Nagetieren. Es kommt in Fressködern und zur Begasung von Nagetiergängen zur Anwendung), in der Hoffnung, so die Kontrolle der Goldhamster in Griff zu bekommen.

Aufgrund der kurzen Tragezeit und des spontanen Eisprungs, ist der Goldhamster ein hervorragendes Modell für die Verwendung in der Forschung. Viele Studien wurden durchgeführt, in denen der Goldhamster das Testsubjekt war. Des Weiteren ist der Goldhamster als Haustier sehr beliebt. Aufgrund dessen wurden viele einheimische Arten in zahlreichen Variationen für den Zoohandel gezüchtet.

Gefährdung und Schutz

Aufgrund der geografischen Reichweite und der kleinen lokalisierten Verteilung ist der Goldhamster stark gefährdet. Die größte Bedrohung für die wildlebende Population ist der menschliche Eingriff in seinen Lebensraum. Ferner wird der Goldhamster gefangen und vergiftet, weil er als landwirtschaftlicher Schädling angesehen wird. Aufgrund der breiten Nutzung des Goldhamsters als Haustier und als Labortier für die Forschung besteht für diese Art keine Gefahr. Aber die wildlebende Population wird in der Roten Liste der IUCN als stark gefährdet (endangered) geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

Links

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