Goldkröte

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Goldkröte
Männchen

Systematik
Klasse: Amphibien (Amphibia)
Unterklasse: Lissamphibia
Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Moderne Froschlurche (Neobatrachia)
Familie: Kröten (Bufonidae)
Gattung: Echte Kröten (Bufo)
Art: Goldkröte
Wissenschaftlicher Name
Bufo periglenes
Jay M. Savage, 1967

IUCN-Status
Extinct (EX) - IUCN

Die Goldkröte (Bufo periglenes) zählte innerhalb der Familie der Kröten (Bufonidae) zur Gattung der Echte Kröten (Bufo). Nach 1987 wurde kein lebendes Exemplar gefunden. Im Jahre 2004 wurde die Art als ausgestorben erklärt. Als solches (extinct) wird die Goldkröte auch in der Roten Liste der IUCN geführt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Die Männchen der Goldkröte erreichten eine Körperlänge von 3,9 bis 4,8 Zentimeter, die Weibchen eine Länge von 4,2 bis 5,6 Zentimeter. In der Färbung wiesen die Geschlechter einen noch deutlicheren Dimorphismus auf. Männchen waren auffallend orange gefärbt, Weibchen wiesen eine variable, schwarze, gelblichgrüne bis gelbe Grundfärbung auf. Ihr Körper war großflächig mit rötlichen bis scharlachroten Flecken übersät, die gelblich umrandet waren. Die Bauchseite der Männchen war leicht mit dunklen Punkten gesprenkelt. Die Bauchseite der Weibchen wies eine gelblichgrüne Färbung auf. Die Schnauze der Männchen war ein weniger länger und spitz zulaufender. Auch ihre Beine waren proportional zum Körper länger als bei den Weibchen. Die Körperoberfläche war bei beiden Geschlechtern nur wenig warzig. Die Augen lagen weit vorn am Kopf und traten deutlich aus den Augenhöhlen hervor. Die Iris wies eine dunkelgrüne Färbung auf, die Pupille war dunkel gefärbt. Das Tympanum (Teil des Mittelohres) war klein ausgebildet. Die Männchen wiesen zudem keinen Kehlsack auf. Zwischen den Zehen zeigten sich andeutungsweise Schwimmhäute.

Das Verhalten und die Lebensweise der Goldkröten ist nur wenig erforscht worden, denn bereits kurz nach der Entdeckung war die Art aus unerfindlichen Gründen nicht mehr anzutreffen. Goldkröten waren tagaktiv und hielt sich zumeist knapp unter der Erdoberfläche auf.

Verbreitung

Die Goldkröte war in einem sehr kleinen Areal (rund vier bis fünf Quadratkilometer klein) in einem Nebelwald im nördlichen Costa Rica verbreitet. Dieser recht kühle und feuchte Nebelwald befindet sich in einer Höhe von 1.600 bis 2.100 Meter über dem Meeresspiegel. In dieser Region befindet sich auch das Biologische Reservat Monteverde. Der jährliche Niederschlag in diesem montanen Regenwald liegt bei über 4.000 Millimeter. Die Goldkröte hielt sich am Boden in dichter Vegetation auf.

Ernährung

Goldkröten waren reine Fleischfresser und ernährten sich als Lauerjäger überwiegend von kleinen wirbellosen Tieren wie Insekten (Insecta), Larven, Schnecken (Gastropoda), Würmern und kleinen Spinnentieren (Arachnida).

Fortpflanzung

Goldkröten erreichten die Geschlechtsreife mit rund zwei Jahren. Die Paarungszeit erstreckte sich in ihrem natürlichen Lebensraum über die Regenzeit, insbesondere über die Monate April bis Juni. Als Laichgewässer würde zumeist kleinere Regenlachen, Teiche oder Tümpel genutzt. Während der Balz kam es unter den rivalisierenden Männchen zu regelrechten Tumulten und buhlten um die Gunst eines Weibchens. Hatte ein Männchen ein Weibchen gefunden, so kletterte das Männchen auf den Rücken des Weibchens und klammerte sich mit seinen Vorderbeinen am Körper des Weibchens fest. Zur Eiablage kam es im Laichgewässer. Das Weibchen stieß etwa 3 Millimeter große Eier durch Muskelkontraktion aus. Das Männchen bemerkte diese Muskelkontraktion und gab gleichzeitig sein Sperma ab, um die Eier zu befruchten. Es wurde zumeist zwischen 250 und 400 Eier gelegt. Nach wenigen Tagen schlüpften die Kaulquappen und ernährten sich im folgenden von Kleinstlebewesen, die im Wasser erbeutet wurden. Die Metamorphose war nach rund fünf bis sechs Wochen abgeschlossen. Nach der Metamorphose führten die Jungkröten ihr Leben an Land weiter. Über die Lebenserwartung ist nichts bekannt.

Gefährdung und Schutz

Die Gründe für das Aussterben dieser Amphibienart liegen völlig im Dunkeln. An der Lebensraumzerstörung kann es nicht gelegen haben, da der Bergnebelwald völlig unberührt war und heute auch noch ist. Die Art wurde erst im Jahre 1967 entdeckt. Man hatte also nur wenige Jahre Zeit, die Art zu studieren. Binnen kurzer Zeit verschwand die Art jedoch. Forscher sind sich uneins über die Gründe. Noch im Jahre 1977 waren die Goldfrösche zahlreich vertreten, man zählte rund 1.000 Individuen auf einer relativ kleinen Fläche. Auch im Jahre 1992 ergaben Zählungen ausreichend viele Exemplare. Die Zählungen erfolgten jeweils während der Paarungszeit, man zählte Männchen im Verhältnis 8:1. Im Jahre 1982 wurde in einer Studie nachgewiesen, das die Region unter einer deutlich höheren Temperatur litt, die wahrscheinlich durch El Niño ausgelöst wurde. Das Wasser in den Lachen und Tümpeln heizte sich dadurch um einige Grade auf. Die Goldkröte brauchte eine Wassertemperatur von etwa 12 Grad Celsius, im Jahre 1987 betrug die durchschnittliche Wassertemperatur jedoch schon 15 Grad Celsius. Dies könnte mit ein Grund für den ausbleibenden Zuchterfolg gewesen sein. Einige Forscher glauben auch, dass die erhöhte ultraviolette Strahlung ein Grund gewesen sein kann. Auch eine mögliche Hybridisierung mit der Bufo holdridgei kann ein Grund gewesen sein. Bufo holdridgei (Taylor, 1952) lebt im gleichen Verbreitungsgebiet und gilt heute in seiner Art als kritisch gefährdet. Im Jahre 1987 herrschte in der Region eine akute Trockenheit. Seit diesem Zeitpunkt wurden nur noch wenige Exemplare gesichtet. Schon kurze Zeit später fand man keine Tiere mehr. Man glaubt, das die Goldkröte sich an die geänderten klimatischen Bedingungen nicht anpassen konnte. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als ausgestorben geführt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen listete die Goldkröte zuletzt in Anhang I des Abkommens.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3
  • Kurt Brauer, Annette Bromma: Kröten. Urania, Freiburg (1991). ISBN 3332003798

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