Gongshan-Muntjak

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Gongshan-Muntjak
Foto/Zeichnung folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hirsche (Cervidae)
Unterfamilie: Muntjaks (Muntiacinae)
Gattung: Muntiacus
Art: Gongshan-Muntjak
Wissenschaftlicher Name
Muntiacus gongshanensis
Ma, Wang & Shi, 1990

IUCN-Status
Data Deficient (DD)

Der Gongshan-Muntjak (Muntiacus gongshanensis) zählt innerhalb der Familie der Hirsche (Cervidae) zur Gattung Muntiacus. Im Englischen wird der Gongshan-Muntjak Gongshan Muntjac genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Weibchen der Gongshan-Muntjaks erreichen eine Körperhöhe von 57 bis 61 cm, Männchen hingegen nur eine Höhe von 47 bis 52. Das Gewicht beider liegt zwischen 18 und 24 (21) kg. Das dichte Fell weist eine dunkle, kastanienbraune Färbung auf. Die Bauchseite ist nur unwesentlich heller als das dorsale Fell. Das kurze Geweih wird in jeder Brunft abgestoßen. Es löst sich als tote Knochensubstanz von den Rosenstöcken ab und wird jedes Jahr ersetzt. Das Geweih und die langen Eckzähne im Oberkiefer dienen den Männchen der Verteidigung und den Revierkämpfen (Nowak, 1999).

Lebensweise

Gongshan-Muntjaks leben einzelgängerisch und sind ausgesprochen verschwiegen und territorial. Die Geschlechter treffen nur während der Paarungszeit aufeinander. Die Reviere der Männchen weisen eine Größe von bis zu 20 Hektar auf und überlappen sich mit denen einiger Weibchen. Die Reviere der Weibchen sind mit etwa 12 ha deutlich kleiner. Die Reviermarkierung erfolgt mit einem Sekret aus Drüsen im Gesichtsfeld. Dabei werden einzelne Äste oder Grashalme markiert. Gegenüber Rivalen wird ein Männchen sein Revier vehement verteidigen. Mit den Hörnern und den spitzen Eckzähnen teilen die Kontrahenten schmerzhafte Hiebe aus. Eine soziale Hierarchie ist unter Männchen nicht zu erkennen, es gibt nur Sieger und Unterlegene. Vor allem während der Paarungszeit, die sich über das ganze Jahr erstrecken kann, sind Männchen besonders territorial. Bei Gefahr stoßen Gongshan-Muntjaks tiefe und bellende Laute aus (Nowak, 1999).

Verbreitung

Gongshan-Muntjaks sind im südwestlichen China in der Provinz Yunnan und im nördlichen Myanmar endemisch. Eine Präsenz im südöstlichen Tibet sowie im nordöstlichen Indien udn Bhutan ist ungewiss. Die Tiere treten sowohl in der Ebene als auch in Höhenlagen in Höhen bis zu 2.750 m über NN auf. Gongshan-Muntjaks besiedeln subtropische Laubwälder, Nadelwälder, Mischwälder sowie in der Ebene auch Auwälder (IUCN, 2011).

Biozönose

Zu den natürlichen Fleischfressern der Gongshan-Muntjaks zählen insbesondere Raubtiere (Carnivora) wie der Rothund (Cuon alpinus) und der Leopard (Panthera pardus). Der Mensch ist jedoch der größte Feind der Muntjaks. Er bejagt die Tiere vor allem wegen des Fleisches. Die Erkennung von Gefahren erfolgt hauptsächlich über den Sehsinn und das Gehör. Beide Sinne gelten als hoch entwickelt. Gongshan-Muntjaks verstecken sich in aller Regel in dichtem Unterholz. Erst im allerletzten Moment ergreifen sie die Flucht (Nowak, 1999).

Ernährung

Der Gongshan-Muntjak ist wie der Schwarze Muntjak (Muntiacus crinifrons) ein reiner Pflanzenfresser. Die anderen Arten der Gattung Muntiacus gelten hingegen als Allesfresser. Tierische Kost wurde beim Gongshan-Muntjak nicht nachgewiesen. Dies belegen Analysen des Mageninhaltes. Zu ihrer bevorzugten Nahrung gehören insbesondere Blätter, junge Triebe, Rinde, Gräser und Kräuter sowie verschiedene Früchte (Nowak, 1999; Lu & Sheng, 1984).

Fortpflanzung

Gongshan-Muntjaks erreichen die Geschlechtsreife im Alter von 6 bis 9 Monaten, spätestens im Alter von einem Jahr. In den tropischen und subtropischen Regionen erstreckt sich die Paarungszeit über das ganze Jahr. In einer Saison kommt es lediglich zu einem Wurf. Die Geschlechter leben einzelgängerisch und treffen sich nur zur Paarung. Die Reviere der Geschlechter überlappen sich. Unter den Männchen kommt es in der Regel zu heftigen Kommentkämpfen um das Paarungsrecht mit einem Weibchen. Das siegreiche Männchen erhält das Recht auf Paarung mit einem Weibchen. Am Ende der Kopulation trennen sich die Geschlechter wieder, das Männchen hat mit der Aufzucht des Nachwuchses demnach nichts zu tun. Das Paarungsverhalten kann als polygam bezeichnet werden. Nach einer Tragezeit von gut 209 bis 220 Tagen bringt das Weibchen an einer geschützten Stelle in der Regel 1 bis 2 (1) Jungtiere zur Welt. Zwillingsgeburten sind eher selten. Ein Jungtier kann bereits kurz nach der Geburt stehen und gegen Ende der ersten Lebenswoche der Mutter folgen. In der ersten Lebenswoche bleibt das Jungtier im Unterholz verborgen, die Mutter kommt nur zum Säugen vorbei. Die Säugezeit erstreckt sich meist über 2 Monate. Mit 6 Monaten verlassen die Jungtiere ihre Mütter und sind selbständig. Die Lebenserwartung in Freiheit ist unbekannt (Nowak, 1999).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Über den Gefährdungsgrad kann keine detaillierte Aussage getroffen werden. Die Art wird daher in der Roten Liste der IUCN in der Kategorie DD, Data Deficient geführt. Die genauen Bestandszahlen sind demnach ebenfalls nicht bekannt. Auch über das Verbreitungsgebiet herrscht weitestgehend Uneinigkeit, da sich die Vorkommen der Gongshan-Muntjaks zum Teil mit den Populationen anderer Muntjakarten überschneiden. Die größte Gefahr geht heute von der Vernichtung der natürlichen Lebensräume und von dem hohen Jagddruck aus. Begehrt sind sowohl das Fleisch als auch die Felle der Tiere (IUCN, 2011).

Anhang

Siehe auch

  • Die Familie der Hirsche (Cervidae)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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