Gorillas

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Gorillas
Westlicher Flachlandgorilla (Gorilla gorilla gorilla)
Berggorilla (Gorilla beringei beringei)

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mamalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorhini)
Teilordnung: Altweltaffen (Catarrhini)
Familie: Menschenaffen (Hominidae)
Gattung: Gorillas
Wissenschaftlicher Name
Gorilla
Geoffroy Saint-Hilaire, 1853

Gorillas (Gorilla) zählen innerhalb der Ordnung der Primaten (Primates) zur Familie der Menschenaffen (Hominidae), zu der auch der Mensch gehört. Im Englischen werden Gorillas je nach Art und Unterart Cross River Gorilla, Eastern Gorilla, Eastern Lowland Gorilla, Gorila, Grauer's Gorilla, Mountain Gorilla, Western Gorilla, Western Lowland Gorilla genannt.

Inhaltsverzeichnis

Evolution und Verwandtschaft

Die beiden Arten der Gorillas, der Östliche Gorilla, Gorilla beringei und der Westliche Gorilla, Gorilla gorilla, entwickelten sich wahrscheinlich vor etwa 5 Millionen Jahren im Miozän aus einer gemeinsamen Stammlinie. Getrennt wurden die Populationen im Miozän im Kongobecken durch einen gigantischen See, der erst im Laufe von Jahrmillionen austrocknete.*Siehe auch: Menschenaffen - Evolution und Entwicklung

Anatomische Merkmale

Maße und Gewicht

Ein ausgewachsenes Männchen erreicht, je nach Art und Unterart, eine Körperlänge von 146 bis 196 Zentimeter. Gorilla gorilla gorilla ist mit einem Mittelwert von 170 Zentimetern Körperlänge die kleinste Art, Gorilla beringei graueri mit 176 Zentimeter die größte Unterart. Auch im Gewicht gibt es erhebliche Schwankungen. Dieses liegt bei einem ausgewachsenen Männchen bei rund 130 bis 267 Kilogramm. Die durchschnittlichen Gewichte liegen bei den westlichen Populationen bei 14 bis 160 Kilogramm, bei den östlichen Populationen zwischen 160 bis 180 Kilogramm. Gewichte von mehr als 200 Kilogramm werden in der Regel nur in Gefangenschaft erreicht. Weibchen weisen ein durchschnittliches Gewicht von 70 bis 110 Kilogramm auf. Der deutliche Dimorphismus in der Größe der Geschlechter lässt sich mit dem Territorialverhalten begründen: je größer und kräftiger ein Männchen, desto größer der Erfolg beim Verjagen von Rivalen. Im Folgenden eine Tabelle mit Maßen und Gewichten der einzelnen Unterarten der Gorillas nach Dixon, 1981, und Grooves, 1986. Alle Werte sind Durchschnittswerte:

Maß und Gewicht / Forscher Unterart gorilla Unterart graueri Unterart beringei
Körperlänge in Zentimeter nach Groves, 1986 169,0 176,1 170,4
Körperlänge in Zentimeter nach Dixson, 1981 168,5 175,0 172,5
Armspannweite in Zentimeter nach Groves, 1986 240,8 249,0 220,2
Armspannweite in Zentimeter nach Dixson, 1981 233,7 259,5 227,5
Brustumfang in Zentimeter nach Groves, 1986 146,7 154,2 147,5
Gewicht in Kg nach Groves, 1986 158,2 179,5 158,6
Gewicht in Kg nach Dixson, 1981 139,4 163,4 155,5

Hände und Füße

Sowohl die Hände als auch die Füße sind eher kurz und breit. Damit können sich Gorillas sowohl in den Bäumen als auch auf dem Boden fortbewegen. Beim Orang-Utan sind die Füße und Hände sehr schmal. Dies stellt eine Anpassung an das Leben in den Bäumen dar. Gorillas und Schimpansen sind hingegen hauptsächlich auf dem Boden zu Hause. Hier bewegen sie sich im Knöchelgang fort. Das erforderte jedoch einige Anpassung im Bereich der Mittelhandknochen. Um das große Gewicht eines Gorillas tragen zu können, sind die Gelenkköpfe der Mittelhand- und Fingerknochen deutlich verstärkt. Dies ist nur beim Daumen nicht der Fall. Beim Knöchelgang berühren Gorillas den Boden mit den Außenseiten der mittleren Fingerglieder. In diesem Bereich weisen die Tiere kräftige Ballen und Polster auf. Die Handflächen der Gorillas sind bei den westlichen Populationen breiter als bei den östlichen Populationen. Da Gorillas den Großteil ihrer Zeit am Boden verbringen, weisen die Tiere dem Menschen ähnliche Füße auf. Die Zehen sind kurz und der Abstand zwischen dem großen Zeh und den übrigen Zehen ist, im Vergleich zu anderen Arten der Menschenaffen, wie dem Orang-Utan oder Schimpansen, deutlich kleiner. Die Füße der Gorillas sind bei den östlichen Populationen stärker ausgeprägt als bei den westlichen Populationen.

Kopf, Schädel und Zähne

In den Abmessungen des Schädel zeigt sich zwischen den Geschlechtern ein eindeutiger Dimorphismus. Der Schädel der Männchen weist einen hohen Scheitelkamm auf. Er fehlt den Weibchen oder ist nur sehr schwach ausgeprägt. Bei den Männchen zeigt sich zudem ein kräftiger Hinterhauptkamm. Dieser ist zwar auch bei den Weibchen vorhanden, jedoch deutlich schwächer ausgeprägt. Man nimmt an, dass die Hinterhauptkämme ein sekundäres Geschlechtsmerkmal darstellen. Ein Dimorphismus zeigt sich auch bei den Eckzähnen. Sie sind beim Männchen deutlich kräftiger und länger. Männliche Gorillas haben, innerhalb der Hominiden, die größten Eckzähne. Der Nahrungsaufnahme dienen die Eckzähne jedoch nicht: Sie spielen ausschließlich bei den Kommentkämpfen eine Rolle und werden als Waffe eingesetzt. Die Kiefer sind kräftig ausgeprägt, das Gebiss weist 32 Zähne auf. Die zahnmedizinische Formel lautet: i2/2, c1/1, p2/2, m3/3. Markantes Merkmal der Männchen ist der kräftig entwickelte „Stiernacken“. Diese Haube besteht aus Binde- und Fettgewebe. Der Nackenbereich ist zudem mit einer sehr kräftigen Muskulatur versehen. Die Muskulatur sitzt an den Dornfortsätzen der Halswirbel. Der Halsbereich ist durch einen großen Kehlsack geprägt, der auch als Resonanzkörper dient.

Jungtier: Westlicher Flachlandgorilla (Gorilla gorilla gorilla)
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Jungtier: Westlicher Flachlandgorilla (Gorilla gorilla gorilla)

Behaarung und Haut

Bis auf das Gesicht, die Ohren sowie die Hand- und Fußflächen, ist der gesamte Körper behaart. Eine eher schwache Behaarung zeigt sich im Brustbereich, im Genitalbereich und an den Achselhöhlen. Die Armhaare sind die längsten Haare am Körper, die Behaarung im Bereich des Rückens ist ausgesprochen kurz. Das Fell ist überwiegend schwärzlich gefärbt, bei den adulten und dominanten Männchen zeigt sich auf dem Rücken eine silbrige bis weißliche Färbung. Daher nennt man ein dominantes Männchen, das eine Gruppe anführt, auch "Silberrücken". Bei westlichen Populationen kann sich im Kopfbereich eine leicht rostrote Färbung zeigen. Bei den westlichen Populationen zieht sich die sibrigweiße Färbung bis zu den Hinterbeinen. Die Haut der Gorillas ist körperweit schwarz gefärbt. Nur bei juvenilen Tieren können sich an den Händen und Füßen hellere Flecken zeigen. Die dunkle Färbung der Haut resultiert aus Pigmenteinlagerungen in der Oberhaut.

Geschlechtsorgane

Sowohl die Testes (Hoden) als auch der Penis der Gorillas sind im Verhältnis zur Körpermasse und im Vergleich zu den anderen, zum Teil gegenüber deutlich kleineren Menschenaffen, eher klein. Das Gewicht der Hoden beträgt trotz der gewaltigen Körpermasse kaum 30 Gramm; und auch der erigierte Penis, der im Übrigen eine schwarze Färbung aufweist, ist mit 3 Zentimeter sehr klein. Schimpansen verfügen über weitaus größere Hoden und über einen mehr als doppelt so langen Penis (siehe Tabelle). Der Grund liegt wahrscheinlich in der ausgesprochen promisken Lebensweise der Schimpansen. Sie müssen deutlich mehr Sperma produzieren und wesentlich häufiger kopulieren, um erfolgreich zu sein. Die äußeren Geschlechtsorgane der weiblichen Gorillas schwellen während des Eisprungs nur unwesentlich an und sind wie das männliche Geschlechtsteil schwarz gefärbt.

Daten Westlicher Gorilla (Gorilla gorilla) Gemeiner Schimpanse (Pan troglodytes) Orang-Utan (Pongo pygmaeus)
Hodengewicht 29,6 g 118,8 g 35,3 g
Gliedlänge, erigiert 3 cm 8 cm 4 cm
Ejakulatvolumen 0,4 ml 1,1 ml 1,2 ml
Spermiendichte 65 Mio./ml 548 Mio./ml 76 Mio./ml
Anzahl Spermien pro Ejaklulation 65 Mio. 603 Mio 91 Mio.

Siehe auch: Gemeiner Schimpanse (Pan troglodytes) und Orang-Utan (Pongo pygmaeus).

Verhalten und Lebensweise

Das Leben in Gruppen und Sozialverhalten

Gorillas gehen für gewöhnlich einem geregeltem Tagesablauf nach. Die Nahrungssuche erstreckt sich über die frühen Morgenstunden, den Vormittag und über den Nachmittag bis in die Abendstunden hinein. Überhaupt ist die Nahrungssuche zentraler Bestandteil der täglichen Aktivitäten. Bei den Berggorillas erstreckt sich die Nahrungssuche im Mittel über 55,4 Prozent der aktiven Zeit. Die Zeit, die für die Nahrungssuche aufgewendet wird, richtet sich nach der Vegetationszone und den vorhandenen Nutzpflanzen. Die Ruhephasen betragen rund 34,4 Prozent des Tages, wobei die Nachtruhe nicht mit eingerechnet ist. Die restliche Zeit vom Tage erstreckt sich mit 6,5 Prozent auf Wanderungen und 3,6 Prozent auf soziale Kontakte, Grooming und Körperpflege. Das soziale Leben der Gorillas findet in Haremsgruppen oder polygynen Gruppen statt. Ein dominantes Männchen, auch Silberrücken genannt, lebt mit mehreren Weibchen und einer wechselnden Anzahl von Jungtieren zusammen. Es treten aber auch Gruppen mit mehreren Männchen in Erscheinung. Sind mehrere Männchen vorhanden, so handelt es sich bei den Männchen in der Regel um nahe Verwandte. Die Männchen beider Gorillaarten leben nicht selten einzelgängerisch. Nach Murnyak, 1981, machen fünf bis zehn Prozent der Gorillabestände Einzelgänger aus. Eine weitere soziale Struktur sind reine Männergruppen. Dabei schließen sich einzelgängerisch lebende Männchen in kleinen Gruppen zusammen. Weibchen sind in diesen Gruppen nicht vorhanden. Die durchschnittliche Gruppestärke eines Harems beträgt fünf Tiere, inklusive des Silberrückens. Die Größe einer Gruppe hängt wahrscheinlich vom Nahrungsangebot ab. Die Gruppen der Berggorillas sind in der Regel einwenig größer als bei den westlichen Gorillapopulationen. Die größte bisher beobachtete Gruppe wies eine Gruppenstärke von 52 Tieren auf (Carroll, 1988).

Ohne Frage sind Gorillas sehr soziale Primaten. Eher die Ausnahme sind einzelgängerisch lebende Männchen, Weibchen leben grundsätzlich in Gruppen. Männchen, die mit Erreichen der Geschlechtsreife ihre Geburtsgruppen verlassen müssen, schließen sich Junggesellengruppen an. Eine Haremsgruppe bildet sich, indem Weibchen zu einem einzelnen Männchen wechseln. In diesen jungen Gruppen sind die einzelnen Mitglieder nicht durch eine enges Verwandtschaftsverhältnis verbunden. Dies ändert sich, wenn Jungtiere geboren werden und sich die Sozialstruktur dadurch ändert.
Dominanter Silberrücken - Oberhaupt einer Familie
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Dominanter Silberrücken - Oberhaupt einer Familie
Erreicht ein Jungtiere die Geschlechtsreife, so verlassen sie, egal ob Männchen oder Weibchen, die Gruppe. Stirbt ein Gruppenoberhaupt, so fällt die Gruppe entweder auseinander oder ein anderes Männchen der Gruppe übernimmt sie. Der Hauptgrund, warum Männchen bei Erreichen der Geschlechtsreife die Geburtsgruppe verlassen, ist die Tatsache, dass sie in dieser Gruppe keine Fortpflanzungsmöglichkeit haben. Als adultes Männchen oder als Silberrücken streifen sie im Folgenden einzelgängerisch umher. Die Streifgebiete einzelner Silberrücken überschneiden sich meist mit den Arealen anderer Gruppen. Begegnungen kommen daher durchaus häufiger vor. Bei Kontakt mit Haremsgruppen kann ein einzelgängerisch lebender Silberrücken durchaus Kontakt zu Weibchen knüpfen. Die Silberrücken der Haremsgruppen meiden den Kontakt zu einzelgängerisch lebender Männchen, da sie Gefahr laufen, Weibchen zu verlieren. Kommt es zum Kontakt zwischen 2 Silberrücken, so imponiert der Silberrücken des Harems und greift in letzter Konsequenz auch an. Männchengruppen entstehen üblicherweise durch Auflösung gemischter Gruppen. Es treten in der Regel schwarzrückige und subadulte Männchen in diese Gruppen ein. Sind Männchen ausgewachsen, also: Silberrücken, so wandern sie aus den Männchengruppen ab. Sie leben fortan als Einzelgänger oder suchen sich eine Haremsgruppe. Weibliche Tiere, die die Geschlechtsreife erreicht haben, verlassen die Geburtsgruppe. Dies ist unter Primaten nur bei wenigen Arten zu beobachten. Es sind neben den Gorillas noch die Schimpansen (Pan), Mantelpaviann (Papio hamadryas) und Rote Stummelaffen (Piliocolobus badius). Der Wechsel in andere Gruppen kann damit begründet werden, dass Weibchen in ihrer Gruppe keine Fortpflanzungsmöglichkeiten haben. Die Gründe sind also ähnlich gelagert wie bei den Männchen. Falls ein abwanderndes Weibchen Nachwuchs hat, der bereits entwöhnt ist, so wird dieser in der Gruppe gelassen. Ein Weibchen geht damit einer möglichen Kindstötung in der neuen Gruppe aus dem Weg.

Innerhalb einer Gruppe herrscht Konkurrenz um die besten Futterplätze. Dabei gilt: Je größer eine Gruppe, desto größer ist die Konkurrenz untereinander. Die Konkurrenz geht nicht selten mit aggressivem Verhalten einher. Auch dies kann ein Grund dafür sein, dass Weibchen die Gruppe verlassen, da gerade geschlechtsreif gewordene Weibchen am unteren Ende der Rangfolge stehen. Neu gebildete Gruppen oder kleine Gruppen kommen für abwandernde Weibchen am ehesten in Frage. Der Rang innerhalb einer neuen Gruppe richtet sich nach dem Eintritt in eine Gruppe. Der Fortpflanzungserfolg ist für ein Weibchen in kleinen Gruppen deutlich höher als in sehr großen Gruppen. Tritt ein Weibchen in eine neue Gruppe ein, so wird es nicht sonderlich freundlich von den anderen Weibchen empfangen. Der Grund liegt auf der Hand: Ein neues Weibchen sorgt für Konkurrenz um das Fortpflanzungsbestreben mit dem Silberrücken einer Gruppe. Ein Silberrücken versucht, Weibchen durch Aggression und durch Wegtreiben von fremden Männchen am Abwandern zu hindern. In der Regel lassen sich Weibchen davon nicht beeindrucken, denn sie alleine entscheiden ob sie eine Gruppe verlassen oder nicht. Nicht selten wechselt ein Weibchen in ihrem Leben mehrfach die Gruppe. Bei den Berggorillas haben Forscher bis zu 6 Gruppenwechsel feststellen können. Es kann auch vorkommen, dass ein Weibchen ein zweites Mal in eine Gruppe wechselt. Wechselt ein Weibchen mit Nachwuchs in eine andere Gruppe, so kann es zur Kindstötung durch den Silberrücken der neuen Gruppe kommen. Ein ähnliches Verhalten ist auch bei anderen Primaten wie den Schimpansen zu beobachten. Das ist sinnvoll, wenn man bedenkt, dass ein Weibchen, das ihren Nachwuchs verloren hat, relativ schnell wieder empfänglich wird. Zudem wird ein Weibchen ohne Nachwuchs schneller in eine neue Gruppe integriert. Das Einleben wird vor allem durch den Silberrücken ermöglicht. Da ist es für ein Weibchen sinnvoll, schnell wieder empfänglich zu sein. Bei getötetem Nachwuchs handelt es sich meist um Nachwuchs im ersten Lebensjahr. Selten wird ein jugendlicher Gorilla im zweiten oder dritten Lebensjahr getötet. Der Tötungsakt geht in aller Regel vom Silberrücken aus, eher selten von schwarzrückigen Männchen. Weibchen versuchen, ihren Nachwuchs bei einer drohenden Kindstötung zu schützen, jedoch sind sie einem Silberrücken kräftemäßig deutlich unterlegen. Bei den Berggorillas in Ruanda konnte nachgewiesen werden, dass 37 Prozent der Mortalität im ersten Lebensjahr auf Kindstötung zurückzuführen ist. Anders als bei den Schimpansen ist im Zuge einer Kindstötung bislang nicht von Kannibalismus berichtet worden.

Gorillagruppen zeichnen sich durch eine strikte Rangordnung aus. Dabei gilt: Je höher die Stellung in der Gruppe, desto bevorzugter ist der Zugang zur Nahrung. Ein rangniedriges Tier wendet sich bei Annäherung eines höher gestellten Tieres ab und weicht aus. Eher selten kommt es dabei auch zu flüchtigen Berührungen, die als Beschwichtigung interpretiert werden können. Innerhalb einer Gruppe hat der Silberücken den höchsten Rang. Alle anderen Mitglieder der Gruppe sind ihm unterstellt. Erwachsene Weibchen stehen über den Jungtieren. Innerhalb der Jungtiere richtet sich die Rangfolge nach dem Alter. Auch unter den Weibchen herrscht eine strikte Rangfolge. Den höchsten Rang weist dabei das Weibchen auf, das am längsten in der Gruppe ist. Weibchen, die frisch in eine Gruppe gewechselt sind, belegen demnach einen niedrigeren Rang (Fossey, 1982. Weibchen mit Nachwuchs steigen in der Rangfolge höher.

Berggorilla: dominanter Silberrücken
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Berggorilla: dominanter Silberrücken
Konflikte innerhalb einer Gorillagruppe sind relativ selten. Dabei gilt: Je stabiler eine Gruppe, desto seltener treten Streitigkeiten auf. Zu kleineren Zwistigkeiten kann es unter den Weibchen kommen. Die Aggressionen drücken sich in der Regel durch Husten in Verbindung mit Anstarren aus. Andere Aggressionen können Reißen, Stoßen, Beißen, Schlagen, Schubsen und ähnliches sein. In seltenen Fällen kann es zu heftigen Auseinandersetzungen kommen, die sich insbesondere durch Beißen auszeichnen. Meist schreitet der Silberrücken einer Gruppe ein, indem er sich laut hustend nähert. Wirkt dies nicht, so greift der Silberrücken nach einem Körperteil des Angreifers. Ein angegriffenes Tier nimmt bei einem schweren Angriff meist eine Schutzstellung ein. Dabei legt es sich in der Regel auf den Bauch und hebt die Hände schützend über den Kopf. Diese Haltung kann auch als Demutsgebärde verstanden werden. Primär dient die Haltung jedoch dem Schutz empfindlicher Körperteile. In eine Auseinandersetzung mischen sich oftmals andere Mitglieder der Gruppe ein. Sie berühren das imponierende oder aggressive Tier oder imponieren selbst. Bei heftigen Streitereien wird häufig der Schwächere von anderen Gruppenmitgliedern unterstützt. Vor allem Weibchen stehen ihren Verwandten immer bei. Hingegen versuchen Männchen in der Regel, nur einen Streit zu schlichten. Nach einer Auseinandersetzung ist unter Gorillas Versöhnung angesagt: So kommt es nach einem Streit zu Umarmungen, Handauflegen oder Grooming.

Kernelement des Spielens ist das Balgen. Balgen beruht auf engem Körperkontakt und geht mit Umarmungen, Festhalten, Stoßen, Zu-Boden-Ziehen, Auf-den-Partner-Werfen, Beißen und Schlagen einher. Lautäußerungen wie Grunzen, Lachen, Stöhnen und Keuchen gehören ebenfalls zum Spiel wie kleinere Verfolgungsjagden. Jungtiere spielen um des Spielens Willen, bei Erwachsenen gehen dem Spiel in der Regel bestimmte Kontaktformen voraus. Hier sind insbesondere Imponieren, Stoßen des Partners, Wälzen auf dem Boden und ähnliche Spielelemente zu nennen. Ein Spiel mit juvenilen Tieren wird von Erwachsenen meist durch Heranziehen oder Festhalten eingeleitet. Weibchen wälzen sich vor anderen Weibchen, um sie zum Spiel zu animieren. Auch wenn das Sozialspiel vor Allem bei allen Altersgruppen zu beobachten ist, so kommt es unter Jungtieren besonders häufig vor. Gespielt wird meist in den Pausen wie der Mittagspause, seltener während der Nahrungssuche.

Eine Haremsgruppe besteht aus einem erwachsenen Männchen sowie mehreren Weibchen und deren Nachwuchs. Selten weist eine Gruppe mehrere Männchen auf. Ist das der Fall, so ist jedoch nur der Silberrücken dominant. Das dominante Männchen bestimmt die Richtung der Wanderungen und sorgt für den Schutz der Gruppe vor Feinden. In den Ruhephasen scharen sich die Mitglieder einer Gruppe um den Silberrücken. Freundliche Kontakte gehen jedoch eher von den Weibchen aus als umgekehrt. Jungtiere suchen ebenfalls die Nähe zum Männchen. Das verwundert nicht, wenn man bedenkt, dass der Silberrücken in der Regel der Vater aller Jungtiere ist. Die individuellen Unterschiede der sozialen Aktivitäten adulter Weibchen und die Beziehungen zu anderen Weibchen können erheblich sein. Die Beziehungen der Weibchen untereinander lassen sich auf ihr Verwandtschaftsverhältnis zurückführen. In jungen Gruppen sind die Weibchen nur selten miteinander verwandt. In diesen Fällen verhalten sich die Weibchen untereinander eher distanziert und es kommt häufiger zu aggressiven Streitereien. In etablierten Gruppen, in denen die Weibchen meist miteinander verwandt sind, ist das Verhältnis deutlich enger. Das Verhältnis zwischen dem Silberücken und anderen adulten Männchen innerhalb einer Gruppe kann durchaus als zwiespältig bezeichnet werden. Andere Männchen stellen innerhalb einer Gruppe vor Allem immer eine Konkurrenz für den Silberrücken dar. Bleibt ein Sohn dauerhaft in einer Gruppe, so ist er immer dem Silberrücken unterstellt, kann aber beizeiten die Gruppe vom Vater übernehmen. In der Regel wandern Männchen mit Erreichen der Geschlechtsreife jedoch aus der Geburtsgruppe ab. Zwischen einer Gorillagruppe und anderen Gruppen, meist einer kleinen Gruppe oder auch Einzelgängern, kommt es gelegentlich zu Begegnungen oder aber eine kleine Gruppe hält sich tagelang in unmittelbarer Nähe zu einer anderen Gruppe auf. Zu Konflikten kommt es vor Allem mit Silberrücken, die eine große und stabile Gruppe leiten. Die zahlreichen Forschungsergebnisse der letzten Jahrzehnte belegen, dass gut ¾ aller Begegnungen aggressiver Natur sind. Es geht bei den Auseinandersetzungen immer um Nahrungskonkurrenz oder um die Weibchen einer Gruppe. Treffen zwei Gruppen aufeinander, so imponieren die jeweiligen Gruppenführer einander. Das Imponieren ist geprägt durch Imponierläufe, Brusttrommeln, Hooting oder auch das Brechen von Ästen und Zweigen. Nicht immer lässt sich ein Kontrahent durch Imponiergehabe vertreiben. Dann kommt es zu teils sehr heftigen Kämpfen, die auch tödlich enden können. An Auseinandersetzungen beteiligen sich meist auch andere Männchen einer Gruppe, falls diese vorhanden sind.

Ruhephasen

Westlicher Gorilla: Säugling
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Westlicher Gorilla: Säugling

In den Mittagsstunden und in der Nacht ruhen Gorillas. Männliche Gorillas wachen in der Nacht gelegentlich auf und machen durch lautstarkes Brusttrommeln auf sich aufmerksam. Die Nachtruhe erfolgt in selbstgebauten Nestern, die sich in der Regel in dichter Vegetation am Boden befinden. Jüngere Gorillas schlafen mitunter auch in Baumnestern, die sich meist in niedriger Höhe befinden. Für jede Nacht wird ein neues Nest hergerichtet. Der Bau eines Schlafnestes dauert nach Schaller, 1963, rund 1 bis 2 Stunden. Gemeinschaftsnester werden nicht gebaut, jedes Tier einer Gruppe baut sein eigenes Nest. Eine Ausnahme bilden nur Säuglinge, die im Nest der Mutter übernachten. Es handelt sich meist um einfache Nester. Zum Nestbau ziehen Gorillas Zweige von Büschen und Pflanzen ins Zentrum, legen sie übereinander und verankern sie miteinander. Aufgeschichtete Pflanzen bilden dabei einen erhöhten Nestrand. Zum Anlegen von Baumnestern werden meist kräftige Astgabeln bevorzugt. Die Bauweise von Baumnestern entspricht der von Bodennestern. Baumnester befinden sich in Höhen von bis zu 15 Metern. Besonders häufig werden Baumnester in großen Höhenlagen gebaut. So umgehen die Tiere den möglichen Bodenfrost. Die Nachtruhe beginnt meist mit Einbruch der Dunkelheit. Eine Gruppe schläft in einem kleinen Areal, die einzelnen Nester befinden sich in Sichtweise. Im Zentrum der Gruppe schläft der dominante Silberrücken. Je nach Gruppengröße beträgt der Radius eines Schlafareals zwischen 4,5 und 15 Meter. Die Areale befinden sich in der Regel auf Waldlichtungen und ähnliches übersichtlichen Strukturen.

Wanderungen

Gorillas sind nur wenig territorial festgelegt und besetzen daher keine festen Reviere. Sie bewegen sich lediglich in Streifrevieren, die nicht gegen Artgenossen verteidigt werden. Die Größe der Streifreviere richtet sich nach dem Lebensraum, dem Nahrungsangebot und der Gruppengröße. Es umfasst bis zu 20 Kilometer. Dies entspricht dem Vielfachen der üblichen, täglich zurückgelegten Strecke von durchschnittlich weniger als einem Kilometer. Die Streifreviere mehrerer Gruppen überlappen sich meist. In seltenen Fällen nutzen sogar mehrere Gruppen das gleiche Streifgebiet. Bei den östlichen Populationen, insbesondere beim Berggorilla, liegt die Größe des Streifreviers bei bis zu 35 km². Im Jahresverlauf werden nicht selten saisonale Futterplätze besucht. Auf der anderen Seite können einzelne Nahrungsplätze weit auseinander liegen. Am Tag bewegen sich Gorilla während der Nahrungssuche ja nach Nahrungsangebot zwischen 100 und 3.000 (1.000) Meter fort. Je besser das Nahrungsangebot, desto geringer sind die Wanderbewegungen.

Fortbewegung

Gorillas bewegen sich hauptsächlich im sogenannten Knöchelgang fort. Nur selten bewegen sie sich aufrecht, auf zwei Beinen, fort. Auf zwei Beinen erheben sich insbesondere die Silberrücken und schwarzrückige Männchen beim Imponieren. Beim Stehen auf zwei Beinen sind die Beine jedoch nicht durchgestreckt und der Rumpf ist dabei leicht nach vorne gebeugt. Gorillas leben und bewegen sich fast ausschließlich am Boden. Nur zu rund fünf Prozent klettern Gorillas in die Bäume. Damit sind Gorillas am stärksten von allen Menschenaffen an das Leben auf dem Boden angepasst und gebunden. Jungtiere der Berggorillas wurden schon in Bäumen in Höhen von bis zu 20 Metern beobachtet, westliche Gorillas sogar bis in Höhen von 30 Metern. Insgesamt klettern westliche Populationen häufiger als östliche Populationen. Dominante Silberrücken klettern aufgrund ihres hohen Gewichtes so gut wie gar nicht in Bäume. Weibchen zeigen insgesamt eine größere Tendenz zum Klettern als Männchen.

Intelligenz und Werkzeuggebrauch

Unter den Menschenaffen verfügt der Mensch über das größte und schwerste Gehirn. Es weist ein Gewicht von rund 1.250 Gramm auf. Gorillas kommen mit einem Gehirngewicht von rund 500 Gramm gleich nach dem Menschen. Die Größe des Gehirns lässt jedoch keine Rückschlüsse auf die Intelligenz eines Tieres zu. Eine größere Aussagekraft bietet das Verhältnis zwischen Körper- und Gehirngewicht. Dieses ist beim Gorilla jedoch eher unvorteilhaft und die Art rangiert mit einem Verhältnis von 0,3 bis 0,5 Prozent auf dem letzten Platz innerhalb der Familie der Menschenaffen (Hominidae). Das Verhältnis zwischen Körper- und Gehirngewicht liegt beispielsweise beim Schimpansen bei 0,9 Prozent, beim Orang-Utan bei 0,6 bis 1,0 Prozent und beim Menschen bei 2,1 bis 2,2 Prozent. Da sich Menschenaffen beim Verhältnis zwischen Körper- und Gehirngewicht nur unwesentlich von anderen Primaten unterscheiden, jedoch über höhere geistige Fähigkeiten verfügen, scheint es bei der Feinstruktur des Gehirns eine größere Abweichung zu geben. Intelligenz hängt jedoch nicht nur von der Größe oder dem Gewicht des Gehirns ab, sondern im Wesentlichen von der Größe des Großhirns. Die Intelkligenz hängt nach Parker (1990)von folgenden Faktoren ab: die Anzahl und Komplexität seiner Möglichkeiten, die Umwelt zu beeinflussen, die Art und Weise, wie sie kombiniert und auf welche Objekte sie angewandt werden können, sowie die Zeit, die für solche Leistungen benötigt wird.

Die geistigen Fähigkeiten von Gorillas werden bereits seit den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts erforscht. Vor allem der Werkzeuggebrauch in Bezug auf den Nahrungserwerb konnte dabei nicht nachgewiesen werden. Ganz anders bei Schimpansen, die durchaus Werkzeuge anfertigen und nutzen. Das Fehlen des Werkzeuggebrauchs lässt sich mit der Tatsache begründen, dass Nahrungspflanzen immer reichlich vorhanden sind und Werkzeuge daher nicht nötig sind. In den letzten Jahren konnten jedoch von einigen Forscher wie Holtkötter (1990) Problemlösungsstrategien nachgewiesen werden, die auf ein tiefes Verständnis für Probleme schließen lassen. Man konnte auch feststellen, dass es, ähnlich wie beim Menschen, auch bei den Gorillas Individuen mit ganz unterschiedlichen Talenten gibt. Bei Schimpansen und Orang-Utans konnte nachgewiesen werden, dass sie sich im Spiegel wieder erkennen. Auch dieses konnte beim Gorilla nicht nachgewiesen werden. Andere Forscher konnten auch hier individuelle Talente ausmachen. Patterson (1991) konnte bei einem Probanden nachweisen, dass das eigene Spiegelbild doch erkannt wurde.

Interaktion mit anderen Arten und der Umwelt

Berggorilla: spielendes Jungtier
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Berggorilla: spielendes Jungtier

Gorillas können nicht von Geburt aus schwimmen. Sie müssen es, wie alle Menschenaffen, erst erlernen. In der Regel meiden Gorillas jedoch Wasser, jedoch konnte erst vor Kurzem nachgewiesen werden, dass ein Gorillaweibchen beim Durchwaten eines flachen Gewässern mit einem Stock die Wassertiefe prüfte. Es wurde fotografisch festgehalten. Regen scheint den Gorillas nichts auszumachen, sie sitzen einen Regenschauer in der Regel aus. Ist jedoch ein trockener Unterstand wie eine natürliche Höhle erreichbar, so wird er durchaus genutzt. Anders als beispielsweise Orang-Utans bauen sich Gorillas keine "Regenschirme". Dies liegt jedoch nicht an der fehlenden Fingerfertigkeit, denn Gegenstände werden nicht mit dem Maul bearbeitet, sondern durchaus filigran mit den Händen. Die Hände werden ähnlich genutzt wie beim Menschen. Im Verbreitungsgebiet der Gorillas leben die Tiere zusammen mit anderen Primaten. Zwischenartliche Beziehungen wurden bislang jedoch nicht beobachtet. Dies liegt insbesondere an den deutlichen zwischenartlichen Unterschieden in der Nutzung der einzelnen Vegetationstypen. Nahrungskonkurrenz kommt so kaum auf. Treffen Gorillas und Schimpansen aufeinander, so reagieren Gorillas mit Brusttrommeln. Zu aggressiven Auseinandersetzungen kommt es hingegen nur selten. Kleinere Primaten oder andere Wirbeltiere erwecken das Interesse der Gorillas kaum. Juvenile Gorilla verfolgen kleinere Tiere durchaus häufig, jedoch nur, um mit ihnen zu spielen.

Körperkontakt, Grooming und Körperpflege

Körperpflege scheint für Gorillas ausgesprochen wichtig zu sein. Sie sind überwiegend an sich selbst betrieben als an anderen Gruppenmitgliedern. Mit den Fingern wird das Fell gestrichen oder die Haare beiseite gestrichen um die Haut zu begutachten. Körperpflege wird nach Schaller (1963) von Weibchen deutlich häufiger betrieben als von Männchen. Schmutz wird dabei ohne Zuhilfenahme von Wasser als dem Fell entfernt. Auch Kot wird penibel aus dem Fell entfernt. Sie wischen den Kot mit Blättern und anderen Pflanzenteilen ab. Überhaupt spielen Wischbewegungen bei der Körperpflege eine große Rolle. Der Begriff Grooming ist mit sozialer Körperpflege gleichzusetzen. Grooming ist nichts anderes als gegenseitige Körperpflege, die sich nicht wesentlich von der eigenen Körperpflege unterscheidet. Gegenseitige Körperpflege erfolgt vor allem im Bereich des Rückens, des Kopfes, der Arme und Beine. Grooming zeigt sich vor allem bei weiblichen Gorillas, deutlich seltener bei männlichen Tieren. Grooming soll vor allem die Bande zwischen den sich pflegenden Gorillas stärken. Ist ein Gorilla verletzt, so wird es von den anderen Mitgliedern der Gruppe gepflegt. Die Wunden werden von Schmutz gesäubert, was letztlich den Heilungsprozess beschleunigt. Zum Körperkontakt gehören auch die gegenseitige Untersuchung der Genitalien und Küssen. Beim Küssen berühren sich zwei Gorillas typischerweise mit den Lippen oder Zunge. Küssen tritt in der Mutter-Kind-Beziehung oder zwischen juvenilen Tieren auf. Auch die Untersuchung der Genitalien ist Teil der Mutter-Kind-Beziehung, wobei sich die Untersuchung auf Berührungen und Beriechen beschränken.

Sinne

Die Sinne der Gorillas weisen kaum Unterschiede zu den Sinnen des Menschen oder anderer Menschenaffe auf. Zu den primären Sinnen der Gorillas scheint der olfaktorische Sinn, also der Geruchssinn, zu gehören. Dies verwundert nicht, denn der Geruchssinn bzw. die Nase gehört zu den ursprünglichsten Sinnesorganen aller Säugetiere. Bei höheren Primaten sind der Gesichtssinn und das Gehört ebenso gut entwickelt. Bei den Gorillas spielt der olfaktorische Sinn vor Allem bei der Verbreitung von Stimmungen eine große Rolle. Männchen verfügen über zwei verschiedene Duftdrüsen, die unterschiedliche Arten von Schweiß absondern. Die Drüsen sitzen vor Allem im Achselbereich. Die Absonderung von Drüsensekreten spielt vor Allem bei der Fortpflanzung und bei der Feindabwehr eine große Rolle. Neben dem olfaktorischen Sinn ist auch der Tastsinn außerordentlich wichtig. Dies ist besonders in der Mutter-Kind-Beziehung eindrucksvoll zu beobachten. Bei der Berührung des Mundbereiches wird, beispielsweise beim Säugling, der Brustsuchreflex ausgelöst, im Folgenden auch der Saugreflex. Direkter Körperkontakt wirkt sich auf Jungtiere im Wesentlichen beruhigend aus. Zum Körperkontakt kommt es aber auch zwischen Erwachsenen Gorillas. In der Regen erfolgt dies durch Berührungen mit den Händen, seltener auch mit dem Mund. Der Tastsinn dient demnach vor Allem der hoch entwickelten Kommunikation. In der Regel sind optische und akustische Reize eng miteinander gekoppelt. Verschiedene Gesichtsausdrücke lassen sich dabei bestimmten Lautäußerungen zuordnen. So kann beispielsweise das Schmerzgesicht oder auch das Abwehrgesicht mit Schreien in Verbindung gebracht werden. Auf die akustischen Signale reagieren Artgenossen meist nur in Verbindung mit Lautäußerungen. Demnach genügen Gesichtsausdrücke in der Regel nicht. Silberrücken haben nicht nur das größte Repertoire an Lauten, sie geben auch wesentlich mehr akustische Laute von sich. Es entspricht nach einhelliger Meinung auch der sozialen Stellung innerhalb der Gruppe. Die Laute dienen nicht nur der Kommunikation untereinander, sondern auch der Koordination der gesamten Gruppe. Akustische Signale sind vor Allem in dichter Vegetation wichtig, da nicht alle Mitglieder einer Gruppe in Sichtkontakt stehen.

Kommunikation und Lautäußerungen

Je nach Autor werden bei Gorillas zwischen zwölf (Fossey, 1972) und 22 (Schaller, 1963) verschiedenen Lauten unterschieden. Die Laute sind zum Teil schwer zu unterscheiden, da es sich nicht selten um Kombinationen zweier oder mehrerer Laute handelt. Gleiche Laute können dabei in Lautstärke und Tonhöhe variieren. Bei Lautäußerungen eines Tieres reagieren entweder alle Mitglieder einer Gruppe oder aber nur bestimmte Mitglieder. Vor Allem bei Alarmrufen des Silberrückens reagiert die gesamte Gruppe. Überhaupt geben Silberrücken am häufigsten Laute von sich. Nach Marler (1976) gehen die Laute zu 90 Prozent von den Silberücken aus. Die Laute der Neugeborenen, wie Jammern, Wimmern und Schreien, richten sich ausschließlich an die Mutter und sollen sie auf eigene Bedürfnisse aufmerksam machen. Laute dienen auf den Wanderungen auch als Hinweissignal, wo sich einzelne Mitglieder der Gruppe befinden. Laute wie das Grunzen gehen meist nicht nur in eine Richtung, sondern enden meist in einer Art "Unterhaltung". Dies trifft auf rund 60 Prozent der Grunzlaute zu. Je nach Geschlecht und Alter treten unterschiedliche Lautäußerungen in Erscheinung. Dies sind:

Alle Tiere
Grunzen, Husten, Bellen, Schreien, Brusttrommeln, allgemeines Lärmen
Nur Erwachsene Tiere
Kopulationslaute
Nur oder überwiegend Weibchen
Rhythmisches Keuchen, Brummen,
Nur oder überwiegend Jungtiere und Neugeborene
Lachen, Jammern, Wimmern, Keuchen, Stöhnen
Nur oder überwiegend Silberrücken
Heulen/Johlen, Knurren, Alarmruf, Brüllen, Schnauben

Optische Signale, insbesondere Gesichtsausdrücke und Körperhaltungen, dienen den Gorillas zum Mitteilen ihrer Gemütsverfassung und Stimmung. Sowohl Gesichtsausdrücke und Körperhaltungen stehen in der Regel im Zusammenhang mit einer bestimmten Verhaltensweise. Über größere Entfernungen, aber noch im Sichtbereich, spielt als optisches Signal vor Allem die Körperhaltung eine große Rolle. Ein langsamer Imponiergang des Familienoberhauptes dient als Signal zum Aufbruch für die ganze Gruppe. Im Nahbereich spielt die Mimik für die visuelle Kommunikation eine besondere Rolle. Das wird klar, wenn man bedenkt, dass sich die Gesichtsmuskulatur der Gorillas nicht wesentlich von der des Menschen unterscheidet. Die Ausdrucksfähigkeit der Mimik bietet so den Tieren ein breites Repertoire an optischen Reizen. Man unterscheidet nach Hooff (1967) hierbei: das Angstgesicht, das Aufmerksamkeitsgesicht, das Konzentrationsgesicht, das Aggressionsgesicht, das Abwehrgesicht, das Schmollgesicht, das Spielgesicht, das Schmerzgesicht, das Stressgesicht und das Ekelgesicht. Man geht davon aus, dass die einzelnen Elemente der Gesichtsausdrücke angeboren sind.

Im Sozialverhalten der Gorillas spielt vor allem das Imponiergehabe eine zentrale Rolle. Insbesondere der Silberrücken, also das dominante Oberhaupt einer Gruppe, bringt seine inner Spannung durch Imponiergehabe zum Ausdruck. Zahlreiche Elemente des männlichen Imponiergehabes sind nur beim Silberrücken anzutreffen. Von daher mutet sein Imponiergehabe besonders eindrucksvoll an. Das Imponiergehabe setzt sich aus zahlreichen Körperhaltungen und Lautäußerungen zusammen. Die Imponierhaltung drückt sich in steifem vierfüßigem Stehen mit hoch erhobenen Kopf , gesträubten Haaren, gespreizten Beinen und einem leichten Hohlkreuz aus. Der Imponierhaltung folgt meist ein vierfüßiger Imponiergang oder ein zwei- oder vierfüßigen Imponierlauf. Zum Imponiergehabe gehört auch das markante Brusttrommeln, dass rund fünf bis zehn Mal wiederholt wird. Ein Teil des Imponiergehabes kann auch das Werfen von kleinen Objekten (Blätter, Äste oder ähnliches), symbolisches Fressen, das Ab- oder Ausreißen von Pflanzen oder Pflanzenteilen, das Schlangen mit den Händen auf dem Boden, das Aufstampfen, Treten oder Springen sein. Juvenile Gorilla imponieren bereits sehr früh in ihrem Leben im Zusammenhang mit dem Sozialspiel. Bei erwachsenen Gorillas kann das Imponieren auch bei leichten Erregungen, Frustration und ähnlichen Gelegenheiten vorkommen. Bei älteren Gorillas ist das Imponiergehabe auch Teil des Drohverhaltens. Imponiergehabe wird, wie nicht anders zu erwarten war, auch beim Fortpflanzungsverhalten beobachtet. Imponiergehabe dient demnach auch zur Aufforderung zu Sexualhandlungen.

Verbreitungsgebiet und Lebensraum

Vorkommen

Gorillas kommen in den tropischen Regionen Zentralafrikas vor. Das Verbreitungsgebiet ist zweigeteilt, die beiden Verbreitungsgebiete liegen mehr als 900 Kilometer auseinander. In den westlichen Teilen des Verbreitungsgebietes kommen Gorilla gorilla gorilla und Gorilla gorilla diehli vor. Ferner sind im Osten Gorilla gorilla graueri und Gorilla beringei beringei verbreitet. Die beiden Arten kommen im Osten in der Demokratischen Republik Kongo, Uganda und Ruanda vor, im Westen in der Republik Kongo, in Angola, Kamerun, in der Zentralafrikanische Republik, in Nigeria, Gabun und in Äquatorialguinea vor. Es stellt sich die Frage, warum die beiden Verbreitungsgebiete so weit auseinander liegen. Groves vermutete bereits in den 1970er Jahren, dass Gorillas während der letzten Würmkaltzeit in Bergwäldern lebten, die durch die Eiszeit in diverse Waldfächen getrennt wurden. Während des Pleistozäns verschwand der Regenwald und wurde durch Savanne ersetzt. In den letzten Jahren hat sich zwar das Verbreitungsgebiet nicht wesentlich verkleinert, jedoch ist der verfügbare Lebensraum stark geschrumpft und zudem extrem zerstückelt. Die verbliebenen Flächen werden immer mehr durch Agrar- und Kulturflächen sowie Siedlungsraum eingegrenzt. In den Virunga-Bergen leben die Berggorillas heute nur noch in großen Höhen, da die Wälder in niedrigeren Lagen längst abgeholzt sind.

Lebensraum und Klima

Bis auf das Verbreitungsgebiet der Berggorillas liegen die Lebensräume der Gorillapopulationen im äquatorialen Tiefland. Die westlichen Populationen leben überwiegend in feuchtwarmen Tieflandregenwäldern, seltener auch im Bergregenwald. Berggorillas leben zum Teil in afromontanen Wäldern, ein Teil der Populationen jedoch auch bis in afroalpinen Bergregionen. Besiedelt werden neben den Primär- auch die Sekundärwälder. Der zuletzt genannte Waldtyp, der Sekundärwald, zeichnet sich vor Allem durch schnell wachsende Vegetation aus. In den Tieflandwäldern der westlichen Populationen reichen die Bäume bis in 40 bis 60 Meter. Hier dominieren insbesondere Muskatnussgewächse (Myristicaceae) der Gattung Pycnanthus und andere Bäume wie Malpighienartige (Malpighiales), wie Desbordesia oblonga und Hülsenfrüchtler (Fabaceae), wie Calpocalyx klainei. In den Bergregenwälder der westlichen Populationen dominieren Malvengewächse (Malvaceae), Wolfsmilch- (Euphorbia) und Hundsgiftgewächse (Apocynaceae). Neben Tiefland- und Bergwald werden auch Sumpfgebiete, überflutete Wälder und Feuchtsavannen besiedelt, wobei Savannen meist nur durchwandert werden. In den östlichen Regionen lebt der Östliche Flachlandgorilla (Gorilla beringei graueri), vorzugsweise in Bergwäldern, Bambuswäldern oder sumpfigen Wäldern. Die Wälder liegen üblicherweise in Höhen von 1.800 bis 2.600 Metern über NN. Zu den häufigsten Baumarten und Gewächsen zählen hier verschiedene Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae) wie Macaranga sp. und Sapium sp. sowie Mahagonigewächse (Meliaceae). In den Bambuswäldern ist vornehmlich Bambus (Bambuseae) der Gattung Arundinaria anzutreffen.

Berggorillas (Gorilla beringei beringei) besiedeln nach Fossey (1983) Bergwäldern unterhalb von 3.000 Metern, Bambuswälder bis in Höhen von 3.300 Metern und Baumheide bis in Höhen von 3.800 Metern über NN. In den Hagenia-Wäldern wachsen in Höhen von 2.740 bis 3.700 Metern über NN Kosobäume (Hagenia abyssinica), in Hypericum-Wäldern in Höhen von 3.300 bis 3.800 Meter über NN insbesondere Johanniskräuter (Hypericum). In noch höheren Regionen ist vor Allem Baumheide (Erica arborea) zu finden. In den höchsten Regionen, also in Höhen von 3.300 bis in alpinen Lagen von 4.100 Metern, überwiegen Greiskräuter (Senecio) und Lobelien (Lobelia). Bäume sind hier nicht mehr zu finden. Zu den beliebtesten Lebensräumen der Berggorillas zählen die Hagenia-Wälder. In alpinen Lagen wurden die Tiere bis in Höhen von gut 4.100 Metern nachgewiesen.

Im Verbreitungsgebiet herrschen überwiegend tropische Temperaturen vor. Regen- und Trockenzeiten wechseln sich dabei ab. Die jährlichen Niederschlagsmengen betragen 1.500 bis 3.800 mm, die Tagestemperaturen liegen je nach Jahreszeit, Region und Seehöhe zwischen 3 und 33,2° Celsius und die Luftfeuchtigkeit in den westlichen Regionen beträgt zwischen 85 und 90 Prozent. Eine genaue Aufstellung ist in der nachstehenden Tabelle zu entnehmen. <1>

Region Seehöhe Temperaturen min./Ø/max. Niederschlag p.a. min./Ø/max. Quelle <1>
Gabun  ? 20,1-23,2°C / - / 27-32,8°C - / 1.532 mm / - Williamson, 1990
Äquatorialguinea 500-600 m 15,5°C / 25°C / 33,2 1.800-3.800 mm Jones & Sabater Pí, 1971
Kahuzi-Tshibinda-Gebiet 1.680 m 12,4°C / - / 24,6°C 1.590 mm Goodall, 1977
Mt. Bukulumisa 2.100 m 9,2°C / - / 19,2°C 2.300 mm Goodall, 1977
Virunga-Vulkane 3.000 m - / 3-5°C / 14-15°C 2.000-2.200 mm Hess. 1989

Prädatoren, Parasiten und Krankheiten

Prädatoren

Gorillas haben nur wenige natürliche Feinde. Zu den wenigen Raubtieren (Carnivora), die einem Gorilla gefährlich werden können, gehört der Leopard (Panthera pardus). In der Regel fallen jedoch nur Jungtiere oder alte und schwache adulte Tiere einem Leoparden zum Opfer. Innerhalb der Gruppe sind erwachsene Männchen für die Verteidigung der Gruppe zuständig. Silberrücken und andere erwachsene Männchen legen ein Drohverhalten an den Tag, das durch charakteristische Lautäußerungen geprägt ist. Die übrigen Mitglieder der Gruppe scharen sich eng zusammen, nicht selten klammern sie sich eng aneinander. Männchen stellen sich zwischen einen Angreifer und der Gruppe. Wirken die Drohgebärden nicht, so greift ein Gorillamännchen den Angreifer unvermittelt an.

Parasiten

Ekroparasiten: die Krätzemilbe (Sarcoptes scabiei)
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Ekroparasiten: die Krätzemilbe (Sarcoptes scabiei)
Bei den Gorillas treten ähnliche Parasiten auf wie beim Menschen. Es wurden vor Allem zahlreiche Endoparasiten (im Wirtskörper lebende Parasiten) nachgewiesen. Hier sind insbesondere Wimpertierchen (Chilophora) wie Balantidium coli, Fadenwürmer (Nematoda) wie der Augenwurm (Loa loa), Onchocera vulvulus, Strongyloides fuelleborni oder der Zwergfadenwurm (Strongyloides stercoralis), Spulwürmer (Ascaris) wie Ascaris lumbricoides, Hakenwürmer (Ancylostomatidae) wie Ancylostoma duodenale. Zu den Ektoparasiten (Parasiten, die auf der Haut oder im Fell des Wirts leben) gehören beispielsweise Krätzemilben (Sarcoptes scabiei) oder der Sandfloh (Tunga penetrans). Es treten jedoch auch Parasiten in Erscheinung, die nur bei Menschenaffen wie dem Gorilla auftreten, nicht jedoch beim Menschen. Zu dieser Gruppe Parasiten rechnet man Pneumonyssus oudemansi und Pneumonyssus vitzthumi. Beides sind Milben (Acari, Acarida) der Familie Halarachnidae. Ebenfalls nachgewiesen sind Menschenläuse (Pediculidae) wie die Filzlaus (Phthirus pubis).

Krankheiten

Gorillas können auch an zahlreichen Krankheiten erkranken, die ebenfalls vom Menschen her bekannt sind, z.B. an der berüchtigten Malaria, die von den Erregern Plasmodium malariae oder Plasmodium rodhaini ausgelöst wird. Eine weitere Erkrankung ruft das Ebola-Virus hervor. An dieser Krankheit starben alleine seit 2003 mehr als 5.000 Gorillas. <2> Der Ebola-Virus wird durch Kontaktinfektion, Tröpfchen- und Schmierinfektion übertragen. 2008 wurde ein Impfstoff (DNS-Impfstoff) entwickelt, welcher 2009 den freilebenden Gorillas gegeben werden sollte. Bereits 2003 wurden freiwillige Probanden mit dem Impfstoff geimpft, um eine gezielte Forschung zu betreiben. Der Impfstoff wurde vom National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) in Washington entwickelt und kann als Injektion und Schluckimpfung verabreicht werden. Dazu ist geplant, den freilebenden Gorillas im natürlichen Verbreitungsgebiet Köder anzubieten. Ein bis zwei Nachimpfungen werden notwendig sein.

Ernährung

Je nach Art und Lebensraum besteht die Nahrung aus grünen Pflanzenteilen oder Früchten. Die westlichen Populationen ernähren sich überwiegend von Früchten, die insbesondere östlichen Berggorillas überwiegend von grünen Pflanzenteilen. Der Früchteanteil am Nahrungsaufkommen variiert jedoch je nach Jahreszeit. Fehlen Früchte, so ernähren sich die westlichen Populationen von Sämereien. Auch wenn die Flachlandgorillas überwiegend Früchte und Sämereien fressen, so stehen durchaus häufig auch Blätter, Sprossen, Stängel und Mark auf der Speisekarte. Regelmäßig werden aber auch Kleintiere, insbesondere Insekten (Insecta) gefressen. Der Anteil tierischer Nahrung liegt jedoch bei deutlich unter einem Prozent am Nahrungsaufkommen. Die Zähne der Gorillas nutzen sich im Gegensatz zu anderen Menschenaffen deutlich weniger ab. Karies und Parodontose treten meist nur im hohen Alter auf. Bei den Berggorillas tritt Karies aufgrund der geringen Aufnahme an Früchten so gut wie nicht auf. Bei den Berggorillas kann es jedoch verstärkt zu Parodontose kommen. Die Zähne sind nicht selten schwärzlich gefärbt und es bildet sich Zahnstein, was letztlich zur Parodontose und zur Auflösung der Kieferknochen und Zahnverlust führt. Je nach Art und Unterart, aber auch je nach Geschlecht nehmen Gorillas eine unterschiedliche Menge an Nahrung zu sich. Ein ausgewachsenes Männchen des Berggorillas nimmt pro Tag rund 30 Kilogramm an Nahrung zu sich. Ein Weibchen kommt mit rund achtzehn Kilogramm an Nahrung aus. Im Darmsystem der Gorillas sind Mikroorganismen als Symbionten beim Aufschluss der Nahrung behilflich. Dennoch ist die Verdauung noch nicht restlos geklärt. Bei Gorillas ist in Gefangenschaft nicht selten das Hochwürgen von Nahrung zu beobachten. Diese Eigenart ist bei frei lebenden Tiere nicht beobachtet worden. Der Wasserbedarf wird bei Gorillas fast ausschließlich über die Nahrung gedeckt. Trinkwasser wird demnach nur selten getrunken.

Gorillas nehmen Nahrung mit den Händen auf. Auch die Aufbereitung erfolgt mit den Händen sowie mit den Zähnen. Die Hände werden durchaus filigran eingesetzt. Um an das Mark von Pflanzenstängeln zu kommen, reißen Gorillas mit den Zähnen die äußeren Schichten ab. Schon junge Gorillas erlernen durch Beobachtung und Nachahmung die Handgriffe, die notwendig sind, um Futterpflanzen zu pflücken, zu schälen oder anderweitig aufzubereiten. Blätter zupfen Gorillas entweder einzeln mit den Fingern oder mit den Lippen ab. Kletterpflanzen werden zu einem Knäuel verarbeitet, bevor sie gefressen werden. Tierische Nahrung wird insgesamt nur wenig gefressen. Meist wird sie zudem rein zufällig gefressen, wenn sich Kleintiere beispielsweise auf Pflanzen befinden. Zu den Kleintieren, die gelegentlich gefressen werden, zählen neben Insekten (Insecta) auch Spinnentiere (Artachnida) und Schnecken (Gastropoda). Seltener werden Insekten (Insecta) aktiv gefangen. So werden hin und wieder Treiberameisen (Dorylinae) oder Weberameisen (Oecophylla) oder Termiten (Isoptera) aufgenommen. Bei Berggorillas konnte beobachtet werden, wie sie die Eier aus Vogelnestern nahmen und verspeisten.

Nahrung der Westlichen Gorilla

Bei den westlichen Populationen konnten annähernd 200 Futterpflanzen nachgewiesen werden. Die Zusammensetzung schwankt jedoch je nach Lebensraum. Weit oben auf der Speisekarte stehen beispielsweise krautige Pflanzen wie verschiedene Ingwergewächse (Zingiberaceae) und Pfeilwurzgewächse (Marantaceae). Im Einzelnen konnten Aframomum, Bananen (Musa), die Früchte des Schirmbaums oder Maniok (Manihot esculenta) nachgewiesen werden. Auch die Rinde der Afrikanischen Eiche wird häufig gefressen. Aframomum spielt vor Allem bei der Verdauung eine wichtige Rolle. Generell scheint der Früchteanteil der Gesamtnahrung bei rund 50 Prozent zu liegen. Dies hat die Analyse von Kotproben ergeben.

Nahrung der Östlichen Gorilla

Östliche Flachlandgorillas ernähren sich im Primär- und Sekundärwald von den verschiedensten Futterpflanzen. Hier sind insbesondere Bambus (Bambuseae) wie Arundinaria alpina zu nennen. In höher gelegenen Bergwäldern stehen vor allem Rinde und Blätter, aber auch Früchte auf der Speisekarte. Baumrinde wird vor Allem während der Trockenzeit gefressen. Im Flachland, vor Allem im Grasland, steht Napiergras (Pennisetum purpureum) hoch im Kurs. Im Kulturland werden Feldfrüchte und Bananengewächse (Musaceae) der Gattung Ensete gerne gefressen. Berggorillas ernähren sich nur wenig abwechslungsreich, da Früchte in den Wäldern Mangelware sind. Bevorzugte Futterpflanzen sind Labkräuter (Galium), Ringdisteln (Carduus), Haarstrang (Peucedanum), Kürbisgewächse (Cucurbitaceae) und Brennnesselgewächse (Urticaceae) wie Laportea alatipes. Hin und wieder werden auch Pilze gegessen, in alpinen Regionen auch Flechten.

Fortpflanzung

Sexualverhalten und Entwicklung der Sexualität

Das Sexualverhalten geht meist einher mit bestimmten sozialen Verhaltensweisen. In Gefangenschaft ist hier beispielsweise das Stimulieren durch Manipulieren der eigenen Genitalien zu nennen. Diese Verhaltensweise kommt nach Schaller (1963) bei frei lebenden Gorillas nur sehr selten oder gar nicht vor. Die Entwicklung der Sexualität setzt bei Gorillas ab dem zweiten Lebensjahr ein. Bei juvenilen Männchen zeigen sich bei Kontakt mit einem Partner die ersten Peniserektionen. Weibliche Gorillas reiben ihre Genitalen ebenfalls ab dem zweiten Lebensjahr gelegentlich an einer Unterlage. Auch Beckenstöße mit erigierendem Penis werden schon früh bei Männchen ausgeführt. Deutlich häufiger treten solche Beckenstöße probeweise ab dem dritten Lebensjahr auf. Die ersten sexuellen Handlungen gehen in der Regel schon früh mit dem Sozialspiel einher. Als Partner für solche ersten sexuellen Kontakte kommen nicht nur juvenile Weibchen in Frage, sondern auch erwachsene Weibchen - insbesondere Weibchen in der Brunst. Mit brünstigen Weibchen versuchen Jungtiere jedoch nicht, wie Erwachsene, zu kopulieren, sondern stoßen mit ihrem Penis meist nur an den Rücken oder die Flanken des Weibchens. Eine echte Paarung kann nur unter aktiver Beteiligung eines brünstigen Weibchens erfolgen. Zu echten Paarungen kommt es nach Goodall (1975) zudem erst kurz vor dem Erreichen der Geschlechtsreife.

Zyklus und Brunst

Berggorilla: Mutter und Kind
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Berggorilla: Mutter und Kind

In den tropischen Regionen des Verbreitungsgebietes ist die Fortpflanzung an keine bestimmte Jahreszeit gebunden. Demzufolge kommt es ganzjährig zu Paarungen und Geburten. Der Hormonzyklus der Weibchen variiert vor der Geschlechtsreife zwischen 26 und 32 (28) Tagen. Vor Allem die Östrogenkonzentration im Urin nimmt in der ersten Zyklushälfte durch den sich entwickelnden Ovarialfollikel stetig zu. Der Eisprung erfolgt nach einer ein bis zwei Tage andauernden Sekretion von luteinisierenden Hormonen und follikelstimulierenden Hormonen statt. Der Sekretion von luteinisierenden Hormonen und follikelstimulierenden Hormonen folgt ein Abfall der Östrogenkonzentration. Die Konzentration an Testosteron steigt zum Zeitpunkt der Ovulation (Follikelsprung, Eisprung) stark an. Gleichzeitig erreicht die Schwellung der Schamlippen ihren Höhepunkt. Nach einer Befruchtung mit einhergehender Einnistung des Eies erhöhen sich die Konzentrationen von Progesteron (Gelbkörperhormon, C21H30O2) und Östrogen. In der Lutealphase (Gelbkörperphase), also in der zweiten Schwangerschaftshälfte, bleibt die Konzentration von Östrogen relativ stabil. Im Falle einer fehlgeschlagenen Einnistung sinkt die Konzentration an Progesteron nach rund fünf Tagen. Die Gebärmutterschleimhaut wächst insbesondere während der Lutealphase und wird im Zuge der Menstruation abgestoßen. Die Menstruation erstreckt sich über rund zwei bis drei Tage. Die Brunst (Östrus) liegt etwa in der Mitte des Zyklus und dauert meist einen Tag, selten bis zu vier Tagen an. Der Östrus ist die Phase um die Zeit des Eisprungs und geht mit einem verändertem Verhalten eines Weibchens zu Artgenossen einher. Die Aufforderung zur Kopulation geht während der Brunst bei Gorillas fast ausschließlich von den Weibchen aus.

Während des Östrus', also während der Brunst, schwellen die Schamlippen der Weibchen mehr oder weniger deutlich an. Jedoch ist keine extreme Schwellung, wie beispielsweise bei Schimpansen, festzustellen. Zudem ist die Schwellung aufgrund der schwarzen Färbung der Schamlippen kaum zu erkennen. Während des Östrus' ändert sich insbesondere das Verhalten der Weibchen deutlich. Weibchen imponieren in diesem Zeitraum häufig in unmittelbarer Nähe zum potentiellen Sexualpartner. Neben einer besonderen Imponierstellung geht das Imponieren mit einem langen und intensiven Blick einher. Der Blick des Weibchens wendet sich jedoch rasch ab, wenn das Männchen zu ihr schaut. Nähert sich das Männchen, weicht das Weibchen ein wenig zurück. Im Folgenden imponiert das Männchen und nimmt dabei eine ähnliche Haltung ein. Im Zuge der Einleitung zur eigentlichen Kopulation präsentiert ein Weibchen dem Sexualpartner die Genitalregion. Das geschieht meist in Bauchlage des Weibchens. Das Männchen hockt sich dann typischerweise hinter das Weibchen. Neben dieser typischen Rücken-zu-Bauch-Paarungsstellung konnten in Gefangenschaft wie auch im Freiland weitere Paarungstellungen beobachtet werden. Die Dauer der Kopulation variiert sehr stark. Die Angaben der einzelnen Autoren schwanken zwischen 20 und 300 Sekunden. Der Mittelwert liegt bei knapp 60 Sekunden. Die Kopulation wird mehrfach wiederholt. Bei Berggorillas konnte ein Paarungsintervall von etwa zwei Stunden festgestellt werden. Bei den Weibchen stellt sich eine Schwangerschaft nach durchschnittlich vier bis fünf Zyklen ein, in seltenen Fällen nach spätestens zehn Zyklen.

Schwangerschaft und Geburt

Berggorilla-Jungtier
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Berggorilla-Jungtier

Hat der Prozess der Schwangerschaft eingesetzt, so beginnt sich das Verhalten des Weibchens zu ändern. Ab dem dritten Schwangerschaftsmonat beteiligt sich das Weibchen nicht mehr am Sozialspiel und es wird weniger aggressiv. Zudem schränkt es nach und nach seine Fortbewegungsaktivitäten ein. Im Verlaufe der Schwangerschaft ziehen sich schwangere Weibchen immer mehr zurück und vermeiden alle anstrengenden Aktivitäten. Die Verhaltensänderungen eines Weibchens werden im Laufe der Schwangerschaft von den anderen Gruppenmitgliedern wahrgenommen. Bei den schwangeren Weibchen schwellen die Brüste schon vor der Niederkunft deutlich an. Die Milchbildung setzt für gewöhnlich erst zwei bis drei Wochen vor der Geburt des Nachwuchses ein. Die Schwangerschaft erstreckt sich über 234 bis 288 (257) Tage. Das Geburtsgewicht des Nachwuchses liegt zwischen 1.396 bis 3.058 Gramm. Weiblicher Nachwuchs wiegt im Schnitt weniger als männlicher Nachwuchs. Das Durchschnittsgewicht bei Weibchen liegt bei 1.970 Gramm, bei Männchen etwa 2.285 Gramm. Zur Geburt kommt es in der Regel in der Nacht, seltener auch am Tage und erstreckt sich durchschnittlich über 30 Minuten. Unmittelbar nach der Geburt frisst die Mutter die Nachgeburt auf. Das ist jedoch nur bei einer Lebendgeburt der Fall. Im Falle einer Totgeburt wird die Nachgeburt nicht gefressen. Dies konnte Fossey (1983) aufgrund eigener Beobachtungen belegen. Zu Zwillingsgeburten kommt es ähnlich häufig bzw. ähnlich selten wie beim Menschen. Bei Zwillingsgeburten kommt meist jedoch nur ein Junges durch. Nicht selten sterben sogar beide Jungtiere. Die Neugeborenen sind ausgesprochen hilflos und auf den Schutz der Mutter angewiesen.

Mutter-Kind-Beziehung

Der Nachwuchs wird von den Müttern recht unterschiedlich behandelt. Dies liegt vor allem am Alter einer Mutter. Erstgebärende sind zumeist übervorsichtig, ältere Mütter sind wesentlich routinierter und lassen dem Nachwuchs mehr Freiraum. Letzteres wirkt sich förderlicher auf die Entwicklung des Nachwuchses aus. Routinierte Mütter beschränken den Kontakt zum Nachwuchs auf das Wesentliche. Dies sind: Tragen und Stillen des Nachwuchses, aber auch das Festhalten und die Körperpflege. Sozialspiel zwischen Mutter und Nachwuchs kommt hingegen nur wenig vor. In den ersten Monaten, vor Allem aber in den ersten Lebenswochen, ist der Kontakt zwischen Mutter und Säugling besonders eng.
Weibliber Berggorilla mit Jungtier
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Weibliber Berggorilla mit Jungtier
Der Säugling liegt für gewöhnlich in Bauch-zu-Bauch-Lage am Bauch der Mutter. Säuglinge reagieren sehr genau auf den direkten Körperkontakt. Der Nachwuchs kann sich bereits ab dem ersten Lebenstag selbständig am Fell der Mutter festhalten. Ab dem vierten bis fünften Lebensmonat löst sich langsam der Kontakt zum Nachwuchs und er wird immer selbständiger. Bereits im Alter von einem Jahr verbringt ein juveniler Gorilla nur noch zu 30 Prozent in Kontakt mit der Mutter. Bei einem Ortswechsel trägt ein Muttertier ihren Nachwuchs. In den ersten sechs Lebensmonaten wird der Nachwuchs am Bauch getragen, später häufiger auf dem Rücken. Gelegentlich wird ein Jungtier auch im Arm getragen.

Die Säugezeit erstreckt sich im Freiland über gut zwei Jahre, nicht selten sogar noch länger. Säuglinge signalisieren ihrer Mutter durch Suchbewegungen und Unruhe ihre Bedürfnisse. Die Mutter führt den Nachwuchs dann an die Brust. Augenkontakt zwischen Mutter und Kind gibt es dabei in der Regel nicht. In der ersten Lebenswoche saugen Jungtiere durchschnittlich 2,7 pro Stunde für jeweils rund 3,7 Minuten. Schon im Laufe des ersten Lebensmonates nimmt sowohl die Häufigkeit als auch die Länge des Saugvorganges langsam ab. Im Alter von sechs Monaten werden die Jungtiere nur noch 1 Minute pro Stunde gesäugt. Im Alter von vier bis sechs Monaten nehmen Jungtiere ihre erste pflanzliche Nahrung zu sich. Zumindest kauen sie auf der Nahrung herum. Regelmäßig wird pflanzliche Nahrung ab dem achten Lebensmonat gefressen. Die Nahrung muss selbst aufgenommen werden, da Mütter ihrem Nachwuchs keine Nahrung reichen. Bei der Auswahl der Futterpflanzen richten sich die Jungtiere nach der Mutter. So lernen sie, genießbare und giftige Pflanzen zu unterscheiden. Die Körperpflege des Nachwuchses erfolgt durch die Mutter durch Grooming. Das Grooming hat dabei nach Schaller (1963) keine soziale Funktion, sondern eine rein praktische Funktion. Der Zeitaufwand für das Grooming liegt, je nach Alter des Nachwuchses, zwischen wenigen Sekunden und zehn Minuten pro Stunde. Liegen zwischen zwei Säugevorgängen mindestens zwei Stunden, so setzt wieder der Zyklus bei den Weibchen an und sie können erneut schwanger werden. Die Entwöhnung erfolgt spätestens, wenn das Weibchen erneut schwanger geworden ist. Der Kontakt zur Mutter reißt jedoch nicht ab und die Bindung hält meist noch mehrere Jahre an.

Jugendentwicklung

In den ersten drei bis vier Lebensmonaten liegt der Schlafbedarf der Jungtiere tagsüber bei bis zu 56 Prozent. Mit zunehmendem Alter sinkt der Schlafbedarf deutlich ab. Im Alter von zwei Jahren schlafen die Tiere tagsüber nur noch wenig oder selten. In den ersten Lebenswochen sind die Bewegungen der Säuglinge unkoordiniert und eher reflexiver Natur; das Suchen der mütterlichen Brust ist zudem ein angeborener Reflex. In den ersten drei Monaten bildet sich dieser Reflex zurück. Ab diesem Zeitpunkt wirken die Bewegungen koordiniert und die Tiere fangen an, sich mit der näheren Umgebung zu beschäftigen. Sie fangen zunächst an, mit den Händen nach Gegenständen zu greifen. Gezieltes Greifen ist ab dem vierten Lebensmonat möglich. Beißen und schlagende Bewegungen stellen sich ebenfalls ab dieser Zeit ein. Insgesamt schreitet die motorische und kognitive Entwicklung im ersten Lebensjahr deutlich schneller voran als bei Menschenkindern. Ab dem zweiten Lebensjahr kehrt sich diese Entwicklung jedoch um. Die ersten Gehversuche starten Jungtiere ab dem vierten Lebensmonat, ab dem fünften Lebensmonat kommen die ersten Kletterversuche hinzu. Das bipede Stehen und Gehen (nämlich: auf zwei Beinen) wird zwischen dem sechsten und neunten Lebensmonat erlernt. Weibliche Tiere sind in der Entwicklung generell ein wenig schneller als männliche Tiere.

Die erste Interaktion mit der Umwelt ist tastender Natur. Aber schon kurze Zeit später, in der Regel im vierten Lebensmonat, beginnen Jungtiere, mit Gegenständen zu spielen. Auch Festhalten, Herumwerfen und Zerreißen, wird ab diesem Zeitpunkt zügig erlernt. Ebenfalls sehr früh beschäftigen sich Jungtiere mit der Entdeckung des eigenen Körpers. Durch diese Beschäftigung erlernen sie ab dem fünften Lebensmonat Turnen, Schwingen, Schaukeln, Rollen und ähnliche Bewegungen. Auch wenn einige Handlungsabläufe angeboren sind, so müssen einige erst im Laufe der Jugendentwicklung erlernt werden. Hierzu gehören insbesondere der Nestbau.
subadulter Berggorilla
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subadulter Berggorilla
Weibliche Gorillas beginnen mit dem Erlernen des Nestbaus im Alter von acht bis neun Monaten, Männchen gut drei Monate später. Zwischen 1,5 und drei Jahren ist das Nestbauverhalten voll entwickelt. Angeboren zu sein scheint das Imponieren, denn Jungtiere weisen schon früh Tendenzen dazu auf. Die Körperpflege beginnen Jungtiere ab dem fünften Lebensmonat zu erlernen, die gegenseitige Fellpflege ab dem zehnten Lebensmonat. Säuglinge sind, wie ältere Jungtiere, ein Teil der Gruppe. Sie ziehen bereits vom ersten Lebenstag an das Interesse der ganzen Gruppe auf sich. Es steht nicht nur unter dem Schutz der Mutter, sondern unter dem Schutz der gesamten Gruppe. Die ersten Kontakte des Säuglings mit den anderen Gruppenmitgliedern sind die ersten "zarten Pflänzchen" der sozialen Beziehungen untereinander. Vor allem soziale "Tanten" kümmern sich neben der Mutter um den Nachwuchs. Erwachsene Weibchen dürfen sich den Jungtieren zuerst nähern, später auch Jungtiere und Männchen. Spätestens mit beginnender Bewegungsfähigkeit erfolgt die Kontaktaufnahme mit allen Gruppenmitgliedern. Weibliche Gruppenmitglieder haben dabei deutlich größeres Interesse an Neugeborenen als männliche Gorillas. Dies gilt vor Allem für junge und noch kinderlose Weibchen. Während erwachsene Gorillas die Jungtiere halten, tragen und pflegen, versuchen Jungtiere in erster Linie, einen Spielpartner zu finden. Die Initiative zur Aufnahme der Jungtiere in die Gruppe geht jedoch nicht nur von den erwachsenen Tieren aus, sondern auch von den Jungtieren selbst. Schon ab dem vierten Lebensmonat gehen Jungtiere aktiv auf andere Gruppenmitglieder zu, um mit ihnen zu spielen: Im ersten Lebensjahr steigt die Häufigkeit der Spieleinleitungen stark an. Sozialspiele nehmen dabei im Leben der Jungtiere und der einhergehenden Integration in die Gruppe eine zentrale Rolle ein. Im Spiel werden die sozialen Fähigkeiten erlernt, aber auch die Verständigung mit Artgenossen und das Erlernen der Nachahmung. Zu Beginn des zweiten Lebensjahres beginnt sich das Selbstbewußtsein junger Gorilla zu entwickeln.

Adultstadium und Alterung

Gorillas im Leipziger Zoo
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Gorillas im Leipziger Zoo

Die erste Brunst tritt bei den Weibchen im Freiland im Alter von sechs bis sieben (6,35) Jahren ein. Die erste Brunst ist jedoch noch nicht mit der Geschlechtsreife gleichzusetzen, denn diese tritt erst zwei Jahre später im Alter von acht bis neun Jahren ein. Während dieses Zeitpunkts kommt es zum ersten Eisprung. Die Pubertät der Männchen zieht sich über viele Jahre hin. Während der Pubertät bilden sich die mächtigen Eckzähne und der silbrige Rücken heraus. Voll ausgebildet sind Männchen im Alter von gut fünfzehn Jahren. Die Geschlechtsreife wird zwar schon vorher erreicht, aber aufgrund der Gruppenstruktur haben schwarzrückige Männchen keine Möglichkeit der Fortpflanzung. Lebt ein so genannter Schwarzrücken in einer Gruppe mit einem Silberrücken, so kann sich die weitere Entwicklung verzögern. Die eigentliche Geschlechtsreife erreichen Männchen etwa ein bis zwei Jahre nach den Weibchen. Ab einem Alter von etwa 35 Jahren zeigen sich bei den Gorillas deutliche Alterserscheinungen. So zeigen sich in den Hand- und Fußknochen nicht selten Gelenkerkrankungen wie Arthritis. Auch Zashnausfall ist oftmals zu beobachten. Durch den Verlust der Zähne ergeben sich insbesondere Probleme bei der Nahrungsaufnahme. Alte Gorillas sind langsamer als jüngere. Dies stellt jedoch kein Problem dar, da sich eine Gorillagruppe immer nach den langsamsten Gruppenmitgliedern richtet. Steht der Tod eines alten Gorillas bevor, so lässt die Gruppe ihn jedoch zurück oder die alten Gorillas ziehen sich von der Gruppe zurück. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Gorillas liegt bei 40 bis 45 Jahren. Das vermutete Höchstalter liegt in Freiheit bei annähernd 60 Jahren. Nachgewiesen ist dies jedoch nicht. Der älteste bekannte Gorilla in Gefangenschaft war "Massa" aus dem Zoo in Philadelphia. Massa erreichte ein Alter von 54 Jahren.

Mortalität

Die Weibchen der Berggorillas bringen ab dem 10. Lebensjahr alle drei bis sieben (4) Jahre Nachwuchs zur Welt. Die Mortalität unter den Jungtieren ist im ersten Lebensjahr relativ hoch und liegt bei 26,2 Prozent. In den ersten drei Jahren sterben etwa 34 Prozent der Jungtiere. Verliert ein Weibchen ihren Nachwuchs, so wird sie in den nächsten drei bis vier Zyklen wieder trächtig. Drei bis vier Zyklen entsprechen dabei rund einem Jahr. Die Mortalität bis zur Geschlechtsreife liegt nach Watts (1991a) bei etwa 42 Prozent. Ein Weibchen kann bis zu einem Alter von 35 Jahren Nachwuchs zur Welt bringen. Ein Nachlassen der Fruchtbarkeit mit zunehmendem Alter ist nicht zu beobachten.

Genetik und Molekularbiologie

Bis auf den Menschen besitzen alle anderen Arten der Menschenaffen (Hominidae) 48 Chromosomen (altgr. chróma = "Farbe" und sóma = "Körper"; zusammengesetzt "Farbkörper"). Der Mensch nur 46. Die Chromosomen bestehen aus DNA und sind Träger von Genen und somit Träger von Erbinformationen. Bei einem Vergleich der Chromosomen der Menschenaffen und dem Menschen ist festzustellen, dass Menschen (Homo) und Schimpansen (Pan) am nächsten miteinander verwandt sind. Die größten Unterschiede zu den andeern Primaten weisen Orang-Utans (Pongo) auf. Dies wird umso klarer, wenn man die Abstammungsgeschichte der Orang-Utans berücksichtigt. Hierbei kommt ein breites Spektrum an Untersuchungsmethoden zum Einsatz. Dazu gehören: die Untersuchungen der Basensequenzen der Kern-DNA (Desoxyribonukleinsäure) und der mitochondrialen DNA, immunologische Proteinuntersuchungen, Elektrophorese bzw. die Wanderung elektrisch geladener Teilchen durch ein Trägermaterial innerhalb eines elektrischen Feldes, die Analyse der Aminosäuresequenzen, insbesondere der Aminosäuren in Hämoglobin, Myoglobin und den Fibrinopeptiden. Hämoglobin ist der eisenhaltige rote Blutfarbstoff in den Erythrozyten, also den roten Blutkörperchen. Myoglobin ist ein Häm-haltiges globuläres Protein. Fibrinopeptide als Proteine sind auch als "Klebstoff" der plasmatischen Blutgerinnung bekannt. Die Untersuchungen der mitochondrialen DNA eignen sich vor Allem für die Analyse relativ kurzer stammesgeschichtlicher Zeiträume, also weniger Millionen Jahre. Dies wird deutlich, wenn man bedenkt, dass die Nukleotide bis zu zehn Mal schneller ersetzt werden als in der DNA der Kerne. Mitochondrien (Singular Mitochondrium, griech. mitos = Faden und chondros = Korn) sind von einer Doppelmembran umschlossene Organellen.

Es ist festzustellen, dass das Erbmaterial von Menschen und Menschenaffen in weiten Teilen übereinstimmt, wobei die geringsten Unterschiede in der Kern-DNA festzustellen sind. Die Unterschiede in der Kern-DNA sind zwischen Gorilla und Schimpanse mit 1,8 Prozent großer als zwischen Schimpanse und Mensch mit 1,6 Prozent. Zwischen dem Menschen und dem Gorilla weichen die Erbanlagen im Kern um 1,7 Prozent ab. Bei der mitochondrialen DNA (mtDNA) sind die Unterschiede deutlich größer. Sie betragen zwischen Mensch und Schimpanse 8,8 Prozent, zwischen Schimpanse und Gorilla gut 10,6 Prozent und zwischen Mensch und Gorilla 10,3 Prozent. Augrund der Unterschiede können Berechnungen angestellt werden, die Aufschluss darüber geben, wann sich die Entwicklungslinien getrennt haben. Da in den Berechnungen jedoch ein Fixpunkt gesetzt werden muss und dieser Fixpunkt jedoch nur auf Annahmen beruht, kann keine exakte Aussage getroffen werden. Es folgt eine Aufstellung von Ergebnissen verschiedener Forschungsergebnisse und -Methoden. Aus den Zahlen lassen sich leicht die entsprechenden Verwandtschaftsverhältnisse ablesen.

Untersuchungsart Gorillas, Abspaltung vor Schimpansen, Abspaltung vor Orang-Utans, Abspaltung vor
Kern-DNA-Basensequenzen
nach Ueda et al., 1989
5 - 6,8 Mio. Jahren 4 - 5,8 Mio. Jahren 14 Mio. Jahren
Kern-DNA-Basensequenzen
nach Gonzales et al., 1990
5,6 - 8,5 Mio. Jahren 3,4 - 5,1 Mio. Jahren 10 - 15 Mio. Jahren
mtDNA-Basensequenzen
nach Hasegawa et al., 1985
3 - 4,3 Mio. Jahren 2,1 - 3,3 Mio. Jahren 9,6 - 12,1 Mio. Jahren
mtDNA-Basensequenzen
nach Horai et al., 1992
7 - 8,4 Mio. Jahren 4,2 - 5,2 Mio. Jahren 13 Mio. Jahren

Aufgrund der einzelnen Studien, die auch von renomierten Forschern wie Goodman und Grooves (1986) bestätigt wurden, kann die Forderung nach Trennung der Familie der Menschenaffen (Hominidae) in zwei getrennte Familien, also Menschenaffen und Menschen, nicht aufrecht gehalten werden kann. Goodman schlug vor, Hominidae in zwei Unterfamilien zu unterteilen; diese sollten Homininae und Hylobatinae sein.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Gorillas in Zoos

Gorillas werden heute weltweit in zahlreichen Zoos gehalten. In Deutschland werden Westliche Flachlandgorillas (Gorilla gorilla gorilla) in Berlin (Zoologischer Garten), Duisburg (Zoo), Frankfurt (Zoo), Hannover (Zoo), Heidelberg (Tiergarten), Krefeld (Zoo), Köln (Zoo), Leipzig (Zoo), München (Tierpark Hellabrunn), Münster (Allwetterzoo), Nürnberg (Tiergarten), Rostock (Zoo), Saarbrücken (Zoo), Stuttgart (Wilhelma) und in Wuppertal (Zoo) gehalten. Der Zuchtbuchführer (EEP) ist Apeldoorn (Apenheul, Niederlande). Die erste Nachzucht gelang im Jahre 1965 im Zoo Frankfurt, die erste europäische Nachzucht im Jahre 1959 im Zoo Basel, Schweiz.

Westlicher Gorilla: dominanter Silberrücken im Zoo
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Westlicher Gorilla: dominanter Silberrücken im Zoo
Die erste Gorillageburt wurde im Zoo Columbus(Ohio, USA) verzeichnet. Alle in Gefangenschaft gehaltene Gorillas werden im einem internationalen Zuchtbuch geführt. Die Aufzucht von Grorillajungen ist in Gefangenschaft äußerst schwierig, da Mütter ihren Nachwuchs häufig ablehnen. In diesen Fällen werden die Jungen mit der Flasche handaufgezogen. Eine Handaufzucht weist jedoch deutliche Nachteile auf: Die Jungen haben deutlich weniger Körperkontakt, was nicht selten zu Verhaltensstörungen führt. Stereotype und abnormale Verhaltensweisen sind fast die Regel und werden nicht selten auch im Alter beibehalten. Zu den stereotypen Verhaltensweisen gehören beispielsweise rhythmisches Schaukeln, Herumrutschen auf dem Boden oder auch Fingerlutschen. Im Freiland wurden noch keine solchen stereotypen Verhaltensweisen beobachtet. Man geht davon aus, dass diese Verhaltensweisen bei fehlendem Sozialkontakt entwickelt werden. Die Aufzucht von Hand hat noch andere, gravierende Nachteile: Handaufgezogene Gorillas sind meist deutlich aggressiver zu ihren Artgenossen. Das liegt in der Regel daran, dass diese Verhaltensweise nie durch ältere Gorillas in geregelte Bahnen gelenkt wurde. In den letzten Jahren ist man dazu übergegangen, Jungtiere möglichst früh in intakte Gruppen zu integrieren. Weibchen, die von Hand aufgezogen wurden, pflanzen sich deutlich seltener fort und lehnen den Nachwuchs häufig ab. Spätfolgen zeigen sich auch bei Männchen: Sie werden zwar von weiblichen Gorillas während der Brunst erregt, paaren sich jedoch nicht mit ihnen. Dies konnte Meder bereits im Jahre 1990 feststellen. In den 1980er Jahren haben zahlreiche Untersuchungen ergeben, dass sich Männchen in Gefangenschaft zwar regelmäßig paarten, jedoch unfruchtbar waren. Einige zeugten bis zum fünfzehnten Lebensjahr erfolgreich Nachwuchs, danach jedoch nicht mehr. In Freiheit beginnen Gorillamännchen erst ab diesem Alter mit der Fortpflanzung. Man geht heute davon aus, dass die abnehmende Spermabildung eine Folge von Stress sein muss oder soziale Ursachen hat. Fehlt eine harmonische soziale Beziehung unter den Gorillas, so kommt es in der Regel nicht zur Fortpflanzung. Heute werden Gorillas meist nur noch in natürlichen Haremsgruppen gehalten, was einer erhöhten Fortpflanzungbereitschaft zu Gute kommt.

Wie bereits erwähnt, versucht man heute, die Sozialstruktur der frei lebenden Gorillas nachzubilden. Das ist freilich nicht einfach, da in der Regel nur ein begrenzter Platz zur Verfügung steht. Ein Problem stellt auch der Bewuchs in Außenanlagen dar, da diese meist durch Zäune oder ähnliches geschützt werden. Gorillas würden diese Pflanzen als Pflanzenfresser anfressen und binnen kurzer Zeit wäre ein Gehege kahl. Ein weiteres Problem ist, dass sich einzelne Tiere nicht von der Gruppe absondern können. Unter natürlichen Bedingungen kommt dies durchaus häufig vor. In modernen Anlagen ist man mittlerweile dazu übergegangen, Gehege reichhaltig zu strukturieren und beispielsweise durch Hügel, Trennwände, andere Sichtbarrieren und Änlichem wenigstens ansatzweise Rückzugsräume zu schaffen. Diese Rückzugspunkte sind auch wichtig, da Besucher bei den Tieren mitunter Stress auslösen können.

Bestandszahlen

Nachstehende Bestandszahlen nach Paul Massicot von Animalinfo.org. <4>

Jahr Bestand
Westlicher Flachlandgorilla
(Gorilla gorilla gorilla)
Bestand
Cross-River-Gorilla
(Gorilla gorilla diehli)
Bestand
Östlicher Flachlandgorilla
(Gorilla beringei graueri)
Bestand
Berggorilla
(Gorilla beringei beringei)
1963 - - 5.000 - 15.000 (Schaller, 1963) -
1973 - - - 275 (Stuart & Stuart, 1996)
1980 - - 3.000 - 5.000 (WWF) -
1981 - - - etwa 250 (Stuart & Stuart, 1996)
1984 - - - 360 - 370 (Wilson, 1984)
1989 40.000 (WHarcourt et al. 1989) - - 620 (WWF)
1995 30.000 - 50.000 (Morland, 1995) - - -
1996 über 110.000 (Oates, 1996) - < 10.000 (Oates, 1996) -
1997 111.500 (WWF) - etwa 10.000 (WWF) -
1998 - - 8.660 - 25.499 (Hall et al., 1998) -
2000 - 150 - 200 (Suter & Oates, 2000) 2000 (IUCN, 2000) etwa 600 (Muruthi, 2000)
2002 - - - etwa 660 (White, 2002)
2004 94.000 (WWF) < 300 (Beamont, 2004) < 3.000 (WWF) etwa 700 (WWF)

Bedrohung und Schutz

Gorillas gehören heute zu den bedrohten Primaten. Der Östliche Gorilla (Gorilla beringei) gilt als gefährdet (EN, Endangered), der Westliche Gorilla (Gorilla gorilla) gilt sogar als kritisch gefährdet (CR, critically Endangered). Die Prognosen für alle Unterarten sehen für die nahe Zukunft düster aus. Im Folgenden wird auf die einzelnen Unterarten detailliert eingegangen.

Westlicher Flachlandgorilla (Gorilla gorilla gorilla)
Die größte Bedrohung der Unterart Gorilla gorilla gorilla geht heute von der kommerziellen Jagd und von dem Ebola-Virus aus. Die Jagd auf Gorillas wird den Wilderern heute leicht gemacht, da weite Teile ihres Lebensraumes durch Straßen erschlossen sind. Die Abwertung der regionalen Währung, die rückläufigen Erdölvorräte und der Mangel an Holz hat die Bejagung für Wilderer attraktiv gemacht. Die Tötung von Gorillas hat sich alleine in letzten zehn Jahren vervielfacht. Das Hauptproblem bei den Gorillabeständen ist die niedrige Fortpflanzungsrate. Nur etwa alle vier Jahre bringt ein Weibchen ein Jungtier zur Welt. Daher stellt schon eine geringe Bejagung ein großes Problem dar. Eine massive Bejagung, wie sie derzeit stattfindet, wirkt sich fatal auf die Bestände aus. Alleine zwischen 1983 und dem Jahr 2000 hat sich der Bestand der Gorillas um 56 Prozent reduziert. Die Reduzierung der Bestände resultiert fast ausschließlich aus der Bejagung. In weiten Teilen des Verbreitungsgebietes stellt zudem der Holzeinschlag ein großes Problem dar. Holz ist teuer und die Abholzung wird dadurch besonders lukrativ. Zudem ist eine nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder in der Region ein Fremdwort. Alle möglichen Flächen werden abgeholzt, zurück bleibt eine kahle, zerstörte Brache. Geht die Abholzung in diesem Maße weiter, so ist der gesamte Wald in der Region in zehn bis zwanzig Jahren verschwunden und damit der Lebensraum der Gorillas. <1>
Neben der Bejagung stellt die rasante Ausbreitung des Ebola-Virus' eine besonders große Gefahr dar. Von der Ausbreitung sind nicht nur Gorillas betroffen, sondern auch Schimpansen (Pan). Der Ebola-Virus breitet sich seit Anfang der 1990er Jahre im gesamten Verbreitungsgebiet sehr schnell aus. Im nördliche Gabun trat Ebola erstmals im Jahre 1994 auf, im zentralen Gabun bereits im Jahre 1996, in 2001 auch in den westlichen Landesteilen. Im nordwestlichen Kongo trat Ebola erstmals im Jahre 2003 auf und dezimierte die Populationen bis 2005 deutlich. Ebola wurde bislang in drei Schüben festgestellt. Jedesmal war die Sterblichkeit der infizierten Gorillas extrem hoch. Man hat bei mehreren überwachten Gruppen eine Sterblichkeit von 95 Prozent festgestellt (CaillaDu et al. 2006, Bermejo et al. 2007). In einigen Regionen wurden Populationen praktisch völlig ausgelöscht. Heute leben 45 Prozent der verbliebenen Populationen in sechs geschützten Gebieten. Die Gebiete weisen in Summa eine Größe von 67.250 km² auf. Vor dem Ausbruch der Ebola gab es hier mehr oder weniger gesunde Gorillabestände. In den letzten dreizehn Jahren starben rund 33 Prozent der Tiere. Dies ist nur eine konservative Schätzung der IUCN. Grassiert die Ebola-Seuche im gleichen Tempo wie heute, geht man davon aus, dass in fünf bis zehn Jahren die gesamten Gorillabestände vernichtet sein werden. <1>
Wie bereits erwähnt, ist der Holzeinschlag ebenfalls ein großes Problem. Derzeit liegt der Holzeinschlag bei 0,4 Prozent der vorhandenen Fläche (Minnemeyer et al. 2002). Seit Neuestem geht man auch davon aus, dass der Klimawandel in naher Zukunft ein Problem darstellen könnte. Der Klimawandel wirkt sich vor Allem auf den Niederschlag aus. Waldbrände könnten daher in naher Zukunft deutlich zunehmen. <1>
Cross-River-Gorilla (Gorilla gorilla diehli)
Die Populationen der Unterart Gorilla gorilla diehli ist klein und ausgesprochen stark fragmentiert. Dies trifft vor allem auf die Populationen im Kamerun zu. Hier sind die stark fragmentierten Populationen von dicht besiedeltem menschlichem Siedlungsraum umgeben. Dementsprechend stark unter Druck steht dieser Lebensraum. Da die Population an sich sehr klein ist, stellt auch Inzucht mit dem einhergehenden Verlust der genetischen Vielfalt ein großes Problem dar. Problematisch ist auch das Fehlen von geschützten Regionen, wo die Gorillas ungestört leben können. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Sie liegen in der illegalen Abholzung der Wälder, der Brandrodung für Agrarflächen und Siedlungsraum und die Beweidung der Gorilla-Lebensräume durch Hausrinder. Durch den Straßenbau gelangen heute Menschen sehr leicht in den Lebensraum der Gorillas. Dadurch wird vor allem der Holzeinschlag forciert. Trotz der weit reichenden Verbote durch die Bejagung spielt die Jagd auf Gorillas auch in Kamerun und in Nigeria eine bedeutende Rolle. Zur Durchsetzung der Gesetze fehlt es an fachkundigem Personal und die Wilderer haben fast überall freie Hand. <3>
Östlicher Flachlandgorilla (Gorilla beringei graueri)
Die Unterart Gorilla beringei graueri kommt im Osten der „Demokratischen“ Republik Kongo vor. Zu den größten Gefahren gehören, neben dem illegalen Holzeinschlag und der damit einhergehenden Vernichtung der natürlichen Lebensräume, vor Allem: die illegale Bejagung, Bergbauaktivitäten und der Fang von Jungtieren für den illegalen Haustierhandel. Ein weiteres großes Problem sind die politischen Unruhen und militärischen Aktivitäten im gesamten Verbreitungsgebiet dieser Unterart. Der aktuelle Lebensraum von Gorilla beringei graueri erstreckt sich nur noch über 21.600 km² (vergl. Mehlman, 2008).
Berggorilla (Gorilla beringei beringei)
Der Berggorilla kommt in den Virunga-Vulkanen und in der Bwindi-Region vor. Beide Regionen sind umgeben von einer der höchsten menschlichen Siedlungsdichte in ganz Afrika. Auch das Wachstum der Bevölkerung ist ausgesprochen hoch. Der Bedarf an Siedlungsraum ist daher stetig steigend, was in naher Zukunft mit einer weiteren Reduzierung der Gorilla-Lebensräume einhergehen wird. Ein weiteres Problem ist der chronische Geldmangel der lokalen Behörden. Man ist seit Jahren zwar bemüht, die Populationen zu schützen, stößt dabei jedoch immer wieder an finanzielle Grenzen. Daher ist man dazu übergegangen, die Lebensräume der Berggorillas für den Tourismus zu öffnen. Dies bringt zwar Geld in die Kassen, birgt aber auch erhebliche Risiken für die Gorillas. Zu den Risiken gehört, neben der Störung, vor Allem die Übertragung von Krankheiten. Dies ist besonders problematisch, da Gorillas an den gleichen Krankheiten wie auch Menschen erkranken können. Krankheiten werden jedoch nicht nur vom Menschen übertragen, sondern auch von Haustieren und anderen Wildtieren. In der Vergangenheit traten zahlreiche negative Auswirkungen auf die Gorillapopulationen auf. Vor Allem die Kriege in der Region haben den Populationen herbe Verluste zugefügt. Milizen sind in die Lebensräume eingedrungen, Lebensraum wurde wegen Brennholz, Lebensraum und Agrarland zerstört. Haustiere wie Rinder wurden in die Lebensräume getrieben oder es wurden Fallen, insbesondere Drahtschlingen, ausgelegt. In der Region wurde alleine im Jahre 2004 fünfzehn km² Lebensraum vernichtet. In den letzten Jahren wurden zahlreiche Gorillas von Wilderern getötet, das Fleisch landete als "Buschfleisch" auf den Fleischmärkten. Auch im Jahre 2007 wurden in den Virunga-Vulkanen mindestens acht Gorillas erschossen. Set dem Jahr 2008 ist die Kontrolle der Gorillabestände noch schwieriger, da sich im Lebensraum der Tiere Rebellen aufhalten und die Parkbehörden keinen Zugang mehr zu den Gorillas haben.

Bejagung

Vor allem die westlichen Populationen stehen unter großem Jagddruck. Nach Angaben von Linden und Nickols (1992) in Meder, 1993, fielen alleine im Jahre 1992 im Kongo bis zu 600 Gorillas Wilderern zum Opfer. Buschfleisch, wie man das Fleisch von Wildtieren nennt, ist lokal sehr begehrt und wird daher auf zahlreichen lokalen Fleischmärkten angeboten. Gorillas werden in der Regel durch ausgelegte Drahtschlingen gefangen und verenden meist qualvoll. Werden Gorillas lebend in den Fallen angetroffen, so werden sie von den Wilderern mit Macheten brutal erschlagen. In einigen Regionen werden bei der Jagd auch stabile Netze eingesetzt oder die Tiere werden mit Hunden gehetzt. Werden Gorillas wegen des Fleisches gejagt, so werden sogar auch Schusswaffen eingesetzt. Gorillas werden in einigen Regionen zur Herstellung von Fetischen gejagt. Dabei werden die Tiere getötet und bestimmte Körperteile wie Ohren, Zunge, Fingern oder Genitalien abgeschnitten. Manchmal werden auch ganze Hände abgeschnitten und auf Märkten zum Kauf angeboten. Werden bei der Jagd ausgewachsene Gorillas getötet und Jungtiere aufgefunden, so werden diese von den Wilderern mitgenommen und verkauft. Handelt es sich um Säuglinge, so sind sie meist zum Tode verurteilt, da sie auf die Muttermilch angewiesen sind. Wenn die Jungtiere viel Glück haben, landen sie in einer Aufzuchtstation und können eventuell später ausgewildert werden. Das geschieht jedoch nur sehr selten. Das Hauptproblem ist dabei, dass sich Gorillas kaum in eine bestehende Gruppe eingewöhnen lassen.

Schutzmaßahmen

Auch wenn Gorillas national und international unter Schutz stehen und die Bejagung strikt verboten ist, stellt die Bejagung immer noch das größte Problem dar. Es fehlt im gesamten Verbreitungsgebiet an den nötigen Schutzmaßnahmen. Beide Arten der Gorillas werden im Washingtoner Artenschutzübereinkommen in Anhang I geführt. In der Roten Liste der IUCN wird der Westliche Gorilla (Gorilla gorilla) als kritisch gefährdet (CR, Critically endangered) geführt, der Östliche Gorilla (Gorilla beringei) gilt als gefährdet (EN, Endangered). Schutzregionen sind zwar vorhanden, aber es hapert an der Durchsetzung der nötigen Maßnahmen. Aber selbst wenn in den Nationalparks der Schutz vor Wilderei vorhanden wäre, so wäre dies jedoch kein Schutz vor Ebola. Nur in zwei bis drei Reservaten hat der Ebola-Virus noch keinen Einzug gehalten. Dies sind im Wesentlichen der Nationalpark Moukalaba-Doudau in Gabun und die Lac Télé Likouala-Region in der Republik Kongo. <5>

Systematik

Äußere Systematik

Der Stammbaum der Primaten (äußere Systematik) nach Geissmann (2003):

Primaten (Primates)
 ├─ Feuchtnasenaffen (Strepsirhini)
 └─ Trockennasenaffen (Haplorhini)
     ├─  Koboldmakis (Tarsiidae)
     └─ Anthropoidea
          ├─ Neuweltaffen (Platyrrhini)
          └─ Altweltaffen (Catarrhini)
              ├─ Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
              └─ Menschenartige (Hominoidea)
                   ├─  Gibbons (Hylobatidae)
                   └─  Menschenaffen (Hominidae)
                       ├─ Orang-Utans (Pongo)
                       └─ Homininae
                            ├─  Gorillas (Gorilla)
                            └─ N.N.
                               ├─ Schimpansen (Pan)
                               └─ Menschen (Homo)

Innere Systematik

Alte interne Systematik:
Gorillas (Gorilla)

Art: Gorilla (Gorilla gorilla)
Unterart: Westlicher Flachlandgorilla (Gorilla gorilla gorilla)
Unterart: Östlicher Flachlandgorilla (Gorilla gorilla graueri)
Art: Berggorilla (Gorilla beringei)

Neue und aktuell validierte interne Systematik: nach Wilson & Reeder (2005)
Gorillas (Gorilla)

Art: Westlicher Gorilla (Gorilla gorilla)
Unterart:: Westlicher Flachlandgorilla (Gorilla gorilla gorilla)
Unterart:: Cross-River-Gorilla (Gorilla gorilla diehli)
Art: Östlicher Gorilla (Gorilla beringei)
Unterart:: Östlicher Flachlandgorilla (Gorilla beringei graueri)
Unterart:: Berggorilla (Gorilla beringei beringei)

Synonyme

Gorillas bzw. die einzelnen Unterarten sind unter zahlreichen Synonymen bekannt. Dies sind laut Wilson & Reeder (2005) folgende Synonyme: beringeri (Matschie, 1903), mikenensis (Lönnberg, 1917), manyema (Rothschild, 1908), rex-pygmaeorum (Schwarz, 1927), Pseudogorilla (Elliot, 1913), adrotes (Mayer, 1856), africanus (Mayer, 1856), castaneiceps (Slack, 1862), ellioti (Frechkop, 1943), gigas (Haeckel, 1903), gina (I. Geoffroy, 1855), Halli (Rothschild, 1927), hansmeyeri (Matschie, 1914), Jacobi (Matschie, 1905), matschiei (Rothschild, 1905), mayêma (Alex & Bouvier, 1877), savagei (Owen, 1848), schwartzi (Fritze, 1912), uellensis (Schouteden, 1927) und zenkeri (Matschie, 1914). Alle aufgeführten Synonyme sind jedoch ungültig.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Qualifizierte Links

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