Grüne Huschspinne

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Grüne Huschspinne
Männchen, erkennbar an den roten Streifen

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Teilordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Familie: Riesenkrabbenspinnen (Sparassidae)
Gattung: Huschspinnen (Micrommata)
Art: Grüne Huschspinne
Wissenschaftlicher Name
Micrommata virescens
Clerck, 1757

Die Grüne Huschspinne (Micrommata virescens) zählt innerhalb der Familie der Riesenkrabbenspinnen (Sparassidae) zur Gattung der Huschspinnen (Micrommata). Sie wurde erstmals im Jahre 1757 von Carl Alexander Clerck beschrieben. Nicht mehr gebräuchliche Bezeichnungen für die Art sind Micrommata rosea und Micrommata viridissima.

Im Jahre 2004 wurde sie durch die Arachnologische Gesellschaft e.V. zur Spinne des Jahres ernannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Maße, Aussehen

Wie bei den meisten Spinnen, sind auch bei der Grünen Huschspinne die Weibchen deutlich größer als die Männchen. Weibchen erreichen eine Körperlänge von 12 bis 15 Millimeter, Männchen hingegen nur 8 bis 10 Millimeter. Die Beinspannweite beträgt bis 30 Millimeter oder knapp darüber. Die Weibchen dieser Art sind komplett grün gefärbt, auf dem oft kugelrunden oder dicken und ovalen Hinterleib (Abdomen) zieht sich ein dunkelgrüner Streifen. Männchen sind zierlicher, ihr Hinterleib ist sichtbar langgestreckter, als der Hinterleib der Weibchen. Auf dem beim Männchen ebenfalls grünen Hinterleib ist ein ähnlicher Streifen wie bei den Weibchen zu erkennen, allerdings ist dieser rot gefärbt. Des Weiteren sind an den Flanken der männlichen Hinterleiber zwei rote Streifen zu sehen. Die Beine der Männchen können in Sachen Länge die der Weibchen deutlich übertreffen. Bei beiden Geschlechtern ist die Kopfbrust (Cephalothorax) grün in der Grundfarbe und in der Regel mit einem dunkelgrünen Streifen gezeichnet.

Die Giftklauen (Chelizeren) sind zwar verhältnismäßig kräftig, aber können die menschliche Haut nicht oder nur schwer durchdringen. Und selbst wenn man gebissen wird und es zu einer Giftinjektion kommt, ist maximal ein leichter und lokaler Schmerz aber keine sonstigen Vergiftungserscheinungen zu erwarten, die Art und ihre Bisse sind für den Menschen also völlig harmlos.

Lebensweise

Die Grüne Huschspinne ist eine am Tage aktive Spinne, denn sie braucht das Sonnenlicht, um ihrer lebhaften Jagdweise nachgehen zu können, sie orientiert sich bei der Nahrungssuche wahrscheinlich rein optisch. Sie springt, huscht und schleicht zwischen den Ästen im Gebüsch ihres Lebensraumes flink "von A nach B". Die Art legt sich keine Wohnnetze an, um sich dort die Nacht über zu verbergen, sie versteckt sich nachts zum Beispiel schlicht unter Blättern, Steinen oder in einer Asthöhle eines Baumes. Das Weibchen ist während der Zeit der Brut im Eikokon sehr aggresiv und verteidigt ihren Kokon und später den Nachwuchs vehement.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit der Grünen Huschspinnen findet im Frühsommer statt. Männchen und Weibchen weisen, wie oben im Artikel bereits beschrieben, einen deutlichen Geschlechtsdimorphismus auf. Vor der Paarung füllt das Männchen die Tarsen (Tarsus = letztes Glied eines Spinnenbeines) der Tastbeine (Pedipalpen) mit Samenflüssigkeit. Während der eigentlichen Kopulation führt er einen der beiden Pedipalpen in die Geschlechtsöffnung des Weibchens, die sogenannte Epigyne, ein und befruchtet dort durch das Absätzen eines Spermapaketes die Eier. Nach der Paarung webt das Weibchen mehrere Blätter zu einer Art kleinen Höhle zusammen, darin werden die Eier in einem grünen Kokon aus Spinnenseide abgelegt.
Weibchen
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Weibchen
Das Weibchen bewacht und verteidigt ihre Brut sehr aggresiv und attackiert jeden Störenfried, der sich dem Nest nähert. Die Jungspinnen schlüpfen etwa 4 Wochen nach der Eiablage, bis zu 50 Jungtiere können es sein. Auch diese werden ncoh eine Weile von der Mutter verteidigt.

Nach der Reifehäutung weisen die Männchen ihre rotgestreifte Zeichnung auf. Eine weibliche Grüne Huschspinne erreicht ein Alter von bis zu 18 Monaten, die Männchen sterben kurz nach der Paarung.

Ernährung

Zum Beutespektrum der Grünen Huschspinne zählen allerlei kleine bis mittelgroße Insekten (Insecta), wie zum Beispiel Laubheuschrecken (Tettigoniidae) oder Käfer (Coleoptera). Die Grüne Huschspinne webt auch zur Jagd keine Netze oder Warnfäden. Sie ist eine sehr aktive Jägerin, welche zwischen dem Gebüsch in niedriger bis mehrere Meter hoher Vegetation flink und geschickt ihre Beute sucht, ihr über kurze Distanzen nachstellt und sie dann blitzschnell anspringt, packt und durch einen Giftbiss mit den kräftigen Giftklauen (Chelizeren) tötet. Offensichtlich verfügt sie über ein gutes Sehvermögen. Wie bei allen Spinnen muss die Beute bereits außerhalb des Körpers der Spinne verdaut werden. Dazu speit sie Verdauungssäfte in das Beutetier, welche es innerlich verflüssigen. Anschließend saugt sie die Beute so aus, das nur noch der Chitinpanzer, also das Außenskelett des Insektes, übrig bleibt.

Verbreitung

Die Grüne Huschspinne ist die einzige Art aus ihrer Familie, welche auserhalb der tropischen Klimazonen auch in Mitteleuropa anzutreffen ist. Sie kommt etwa vom Mittelmeer, über ganz Mitteleuropa bis ins südliche Skandinavien vor. Sie bewohnt sonnenbeschienene Waldränder, lichte Weiden mit Buschbestand, Lichtungen in Wäldern mit genügend Bodenvegetation und lichte Wälder mit viel und dichtem Busch- und Krautbestand. Sehr häufig trifft man sie in den Mittelgebirgsregionen an. Im Grünen ist die Art auf Grund ihrer ausgezeichneten Färbung nur sehr schwer auszumachen.

Ökologie

Die Grüne Huschspinne ist weder bedroht, noch steht sie unter Schutz, es wäre auch sehr schade um diese wunderschöne Spinnenart. Gefährdet ist sie allgemein durch Umweltgifte, Pestiziede und durch den Rückgang ihrer Lebensräume. Aber auch andere Fleischfresser rücken ihr auf die Pelle, dies sind ihre Prädatoren. Dazu gehören besonders einige Vögel (Aves), Echsen (Lacertilia), kleine Säugetiere (Mammalia) und einige Lurche (Amphibia).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann: Der große Kosmos Tierführer: 1.000 Arten Mitteleuropas, Franckh Kosmos Verlag, ISBN 3-440-10093-6
  • B. und M. Baehr: Kosmos Naturführer: Welche Spinne ist das?, Franckh Kosmos Verlag, ISBN 3-440-09210-1
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