Grüner Knollenblätterpilz

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Giftig! Grüner Knollenblätterpilz

Systematik
Reich: Pilze (Fungi)
Abteilung: Basidienpilze (Basidiomycota)
Klasse: Ständerpilze (Basidiomycetes)
Ordnung: Blätterpilze (Agaricales)
Familie: Knollenblätterpilzartige (Amanitaceae)
Gattung: Wulstlinge (Amanita)
Art: Grüner Knollenblätterpilz
Wissenschaftlicher Name
Amanita phalloides
Vaillant, 1727

Der Grüne Knollenblätterpilz (Amanita phalloides) ist ein für den menschlichen Organismus giftiger Pilz und zählt innerhalb der Familie der Knollenblätterpilzartigen (Amanitaceae) zur Gattung der Wulstlinge (Amanita), damit ist er sehr nahe mit dem bekannten Fliegenpilz (Amanita muscaria) verwandt. Im Englischen wird der Grüne Knollenblätterpilz als Deathcap bezeichnet. Erstmals beschrieben wurde die Art im Jahre 1727 von dem französischen Botaniker Sébastien Vaillant.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Fruchtkörper

Der Grüne Knollenblätterpilz entwickelt recht große Fruchtkörper, die im Durchmesser des Hutes etwa acht bis fünfzehn Zentimeter aufweisen. Sie sind anfangs eiförmig und geschlossen von einem Velum unversale, also einer den gesamten Jungpilz umschließenden Hülle, bedeckt. Diese wird nach außen zu aufgerissen und der Hut des Pilzes breitet sich aus, letztendlich ist er etwas gewölbt oder flach ausgebreitet. Auf der Huthaut finden sich nur sehr selten Reste der Velum universale. Der Hut des Grünen Knollenblätterpilzes ist oberflächig olivgrün bis grünlich gelb gefärbt, die freien, das heißt nicht mit dem Stiel in Verbindung stehenden, Lamellen sind weiß und das Fleich unter der Huthaut ist grünlich weiß. Der Stiel ist zumeist grünlich mit einer Natterung, also schuppenartigen Gewölben. Er hat einen Durchmesser von ein bis zwei und eine Höhe von sechs bis fünfzehn Zentimeter. Unter dem Hut befindet sich am Stiel eine Manschette, welche manchmal ganz oder teilweise am Hutrand hängen bleibt. Sie ist weiß, oberseits etwas gerieft und nach unten hängend. Die Stielbasis ist rund und weist eine nach oben zu abstehende, weiße Volva auf, die Volva ist, wie auch die Manschette, ein Rest der Velum universale. In seltenen Fällen, aber dennoch häufiger als bei anderen Pilzen, treten beim Grünen Knollenblätterpilz rein weiß gefärbte Exemplare auf. Der Geruch des Grünen Knollenblätterpilzes gleicht in jungem Zustand dem von Kunsthonig, alt riecht der Pilz etwas unangenehm süßlich. Die in den Lamellen produzierten Sporen sind weiß gefärbt.

Toxizität

Der Grüne Knollenblätterpilz ist einer der gefährlichsten Pilze unserer Wälder. Bereits die Giftmenge eines einzigen mittelgroßen Pilzes kann bei einem erwachsenen Menschen eine tödliche Wirkung nach sich ziehen. Der Grüne Knollenblätterpilz enthält unter anderem hochpotente Amanitine (Amatoxine) sowie das Phalloidin (Phallotoxin). Amatoxine können schon in wenigen Milligramm tödlich wirken. Besonders gefährlich wird der Grüne Knollenblätterpilz auch durch die lange Latenzzeit, also den Zeitraum zwischen Konsum des Pilzes respektive der Pilze und dem Auftreten erster Vergiftungssymtome, von sechs bis über zwanzig und selten sogar bis achtundvierzig Stunden. Dann ist es beim Erkennen der Vergiftung zumeist bereits zu spät für eine lebensrettende Behandlung. Eine Vergiftung durch den Grünen Knollenblätterpilz wird als Phalloides-Syndrom bezeichnet. Zunächst treten Übelkeit, kolikartiger Brechdurchfall, Abfall des Blutdrucks und Pulsanstieg auf. Anschließend wird man ersteinmal eine Verbesserung verspüren, was besonders tükisch ist, da diese in der Regel von einem Arztbesuch abhält, wenn dieser noch nicht vorgenommen wurde. Zuletzt lässt sich eine massive Schädigung der Leber diagnostizieren, welche in jedem Falle tödlich wirkt, wenn sie nicht behandelt wird, im Zweifelsfall durch eine Leber-Transplantation. Und selbst mit guter medizinischer Versorgung stehen zu einem solch späten Zeitpunkt die Chancen oftmals schlecht für eine völlige Genesung. Je nach Literatur verlaufen 25 bis 50 Prozent aller Vergiftungen mit dem Grünen Knollenblätterpilz tödlich. Frühzeitig erkannt kann einer Amanitinvergiftung mit Penicilin und Silibinin (Mariendistelsamen-Extrakt) entgegengewirkt werden. Der Magen sollte zügig medizinisch entleert werden, um die Aufnahme weiterer Giftstoffe der sich noch im Magen befindenden Pilzreste zu verhindern. Aktivkohle zur Bindung der Giftstoffe aus dem Darm sollten gegeben werden. Des Weiteren kann zur Anregung der entgiftenden Nierenfunktion eine Infusion mit Wasser angelegt werden. Auch eine Blutwäsche (Dialyse) ist angebracht.

Der Wirkmechanismus der Amatoxine beruht auf einer Hemmung der Proteinbiosynthese und damit des gesamten Zellstoffwechsels. Die entsprechednen Zellen sterben in der Folge ab. Betroffen sind vor allem Zellen mit hoher Stoffwechselaktivität (z.B. Leberzellen).

Früher wurde der Grüne Knollenblätterpilz als tükische Mordwaffe verwendet, der wohl bekannteste Fall ist die Ermordung von Kaiser Claudius im Jahre 54 nach Christus durch dessen Frau Agrippina, welche so ihrem Sohn Nero auf den Thron verhalf.

Verwechslungsgefahr

Eine Verwechslungsgefahr besteht bei dem Grünen Knollenblätterpilz mit dem Grünling (Tricholoma equestre), welcher ausgebuchtete Lamellen und keine Knolle mit Volva besitzt, und diversen Täublingen (Russula) wie dem Grasgrünen Birkentäubling (Russula aeruginea), die ebenfalls über keine Knolle mit Volva verfügen. Da die wenigsten grünlichen Pilze essbar sind, sollten bei einem blass grünlich wirkendem Pilz bei jedem Pilzsammler die Alarmglocken läuten und man muss eine genauere Identifizierung vornehmen und im Zweifelsfall immer auf den Pilz verzichten! Dasselbe gilt bei weißen Pilzen mit weißen Lamellen, da diese (neben anderen Wulstlingen) auch bei dem Grünen Knollenblätterpilz in Form von im Vergleich zu anderen Pilzen recht häufgen albinotischen Individuen auftreten können. Dadurch ist er als Albino unter anderem dem Kegelhütigen Knollenblätterpilz (Amanita virosa) sehr ähnlich, dieser jedoch ist ebenso tödlich wie der Grüne Knollenblätterpilz. Normal gefärbte Grüne Knollenblätterpilze sehen in jungem Zustand verschiedenen Stäublingen (Lycoperdon) ähnlich, von denen viele essbar sind. Auch mit essbaren Champignons (Agaricus) sind die jungen Grünen Knollenblätterpilze leicht zu verwechseln. Dabei ist jedoch im Querschnitt bereits die grünliche Färbung der Huthaut als leicht grüner Streifen zu erkennen, außerdem haben Champignons keine rein weißen Lamellen. Bei Albinos des Grünen Knollenblätterpilzes wird das Auseinanderhalten allerdings sehr schwer, am ehesten gelingt dies noch am Geruch. Aber weil dies nicht zu hundert Prozent zuverlässig ist, soll hier nochmal darauf hingewiesen werden, ausschließlich die Pilze zu sammeln und zu verwerten, die man mit eindeutiger Sicherheit bestimmen kann!

Verbreitung

Der Grüne Knollenblätterpilz lässt seine oberirdischen Fruchtkörper (der eigentlich Pilz, das Myzel, wächst unter der Erde) von August bis Oktober und bei günstigem, feuchtwarmen Klima auch schon ab Juli blicken. Er kommt vor allem in wärmebegünstigten Laubwäldern, besonders bei Buchen (Fagus), Eichen (Quercus) und Birken (Betula) und in seltenen Fällen auch in Nadelbaumwäldern mit Fichten (Picea) und anderen Koniferen vor. Die Böden mit Vorkommen von Grünen Knollenblätterpilzen weisen zumeist einen sauren bis neutralen Säuregrad auf.
In Europa kommt der Grüne Knollenblätterpilz in Mittel- und Südeuropa häufig vor, nach Osten zu wird man ihn jedoch seltener antreffen.

Galerie

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: Pilze (Fungi)
  • Hauptartikel: Wald

Literatur und Quellen

  • Erwald Gerhardt: BLV Bestimmungsbuch: Pilze, BLV Verlagsgesellschaft mbH, Auflage 3, ISBN 3-405-13401-3
  • A. Gminder und T. Böhning: Kosmos Naturführer: Welcher Pilz ist das?, Franckh Kosmos Verlags-GmbH und Co. KG, ISBN 3-440-10797-3
  • T. R. Lohmeyer & Ute Künkele: Pilze bestimmen und Sammeln, Parragon Books Ltd., ISBN 978-1-4054-8695-8
  • Michael Jütte: Biologie Heute entdecken 2, Schroedel-Verlag, ISBN 3-507-86104-6
  • M.Bergau, P.Habbe und B. Schäfer: Umwelt:Biologie, Ernst Klett Verlag, ISBN 3-12-029200-1
  • B. Sombecki-Hansen, U. Beckman: Einblicke Biologie, Ernst Klett Verlag, ISBN 3-12-030730-0
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