Gracilinanus microtarsus

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Gracilinanus microtarsus
Foto folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Beutelsäuger (Metatheria)
Ordnung: Beutelrattenartige (Didelphimorphia)
Familie: Beutelratten (Didelphidae)
Unterfamilie: Eigentliche Beutelratten (Didelphinae)
Gattung: Gracilinanus
Art: Gracilinanus microtarsus
Wissenschaftlicher Name
Gracilinanus microtarsus
Wagner, 1842

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Gracilinanus microtarsus zählt innerhalb der Familie der Beutelratten (Didelphidae) zur Gattung der Gracilinanus. Im Englischen wird die Art Brazilian Gracile Mouse Opossum oder Brazilian Gracile Opossum genannt (IUCN, 2014). Es sind 2 Unterarten bekannt (Wilson & Reeder, 2005). Innerhalb der Gattung ist die Einteilung in Arten und Unterarten jedoch umstritten (Smith, 2012).

Inhaltsverzeichnis

Erkennung und Unterschiede

Gracilinanus microtarsus ähnelt stark der sympatrischen Art Gracilinanus agilis. Dies betrifft insbesondere die Morphologie des Schädels. Gracilinanus microtarsus ist leicht an dem gleichmäßig rotbraun bis kastanienbraun gefärbten Rücken erkennbar. Die Schnauze ist deutlich blasser gefärbt. Gracilinanus agilis ist mehr graubraun gefärbt. Ventral ist das Fell von Gracilinanus microtarsus gräulich gefärbt. Gracilinanus microtarsus ist insgesamt dunkler gefärbt als Gracilinanus agilis. Im Gesichtsfeld, insbesondere im Bereich der Augen, zeigen sich bei Gracilinanus microtarsus umfangreiche, dunkle Flecken, die nicht selten bis zu den Ohren reichen. Verwechselt werden kann die Art auch mit Cryptonanus chacoensis. Das Bauchfell ist an der Basis bei Gracilinanus microtarsus abweichend gräulich gefärbt. Weitere Unterschiede zeigen sich bei der Länge des Schwanzes und der Zahnmorphologie (Smith, 2012).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Gracilinanus microtarsus ist eine eher kleine, schlank gebaute Art der Beutelratten (Didelphidae). Das Fell ist lang, rau und weist lange Deckhaare auf. Es ist rötlichbraun bis kastanienbraun gefärbt, wobei es lokal zu Abweichungen in der Fellfärbung kommen kann. Der Kopf ist heller gefärbt als der Rücken. Die Augenringe sind schwarz, groß und breit. Nicht selten reichen die Augenringe bis zur Nase. Ventral ist das Fell sandfarben bis weißlich gefärbt. Die Ohren sind , rundlich geformt, mäßig groß und blass bräunlich gefärbt. Die Tasthaare gut entwickelt und ziemlich lang, die Füße sind blass rosa gefärbt. Die Klauen der Hände reichen nicht über die Handballen hinaus. Der Schwanz erreicht etwa die 1,5-fache Länge des Körpers. Er dient den Tieren als Greiforgan, ventral ist der Schwanz im Bereich der Schwanzspitze nackt. Die Weibchen verfügen über keine Bruttasche. Die 15 Brustdrüsen verteilen sich über den Bereich der Brust (4) und der Leiste (11). Männchen erreichen eine Körperlänge von 8,6 bis 12,9 (10,4) cm, eine Schwanzlänge von 13,9 bis 16,7 (15,42) cm, eine Hinterfußlänge von 1,5 bis 2,0 (1,79) cm, eine Ohrlänge von 1,9 bis 2,3 (2,06) cm, eine Schädellänge von etwa 30,27 (+/-1,54) mm, eine Jochbeinbreite von 16,37 (+/-1,13) mm, eine Hirnschädeltiefe von 9,97 (+/-0,33) mm, eine Hirnschädelbreite von 11,94 (+/-0,20) mm, eine Rostrumlänge von 11,55 (+/-0,79) mm und ein Gewicht von 17 bis 52 (27,4) g. Weibchen erreichen eine Körperlänge von 8,1 bis 11,6 (9,52) cm, eine Schwanzlänge von 13,1 bis 15,5 (14,02) cm, eine Hinterfußlänge von 1,5 bis 1,7 (1,58) cm, eine Ohrlänge von 1,8 bis 2,0 (1,92) cm, eine Schädellänge von etwa 28,29 (+/-1,48) mm, eine Jochbeinbreite von 15,51 (+/-1,24) mm, eine Hirnschädeltiefe von 9,57 (+/-0,18) mm, eine Hirnschädelbreite von 11,63 (+/-0,20) mm, eine Rostrumlänge von 10,59 (+/-0,96) mm und ein Gewicht von 12 bis 37 (22,4) g. Weibchen sind demnach kleiner und leichter als Männchen. Der Schädel ist kurz und breit, er endet in einer spitzen Schnauze. Der obere Bereich des Stirnbereichs ist in der Form leicht abgerundet. Der Gaumen ist lang und kräftig entwickelt. Gracilinanus microtarsus verfügt über 57 Wirbel, die sich in 13 Brustwirbel (Thoracic vertebrae), 7 Halswirbel (Cervical vertebrae), 2 Sacralwirbel, 30 Schwanzwirbel und 5 Lendenwirbel (Vertebrae lumbales) gliedern. Das Gebiss besteht aus 50 Zähnen. Die zahnmedizinische Formel lautet 5/4, 1/1, 3/3, 4/4 (Smith, 2012).

Lebensweise

Gracilinanus microtarsus weist im Lebensraum eine Siedlungsdichte von 6,5 bis 23,4 (11,3) Individuen je ha auf. Die Fluktuation ist jedoch aufgrund der niedrigen Lebenserwartung eher niedrig. Die Größe der Reviere liegt je nach Jahreszeit bei Männchen zwischen 1.350 und 6.300 m², bei Weibchen zwischen 560 und 2.700 m². Gracilinanus microtarsus lebt hin und wieder auch auf dem Boden, hauptsächlich jedoch im Geäst von Bäumen und Sträuchern. Die maximale Laufgeschwindigkeit liegt bei der rund 17-fachen Körperlänge pro Sekunde. Die Nester entstehen in Baumhöhlen, Astgabeln oder ähnlichen Stellen und bestehen im Wesentlichen aus Blättern (Smith, 2012).

Unterarten

Verbreitung und Lebensraum

Die Art ist im südöstlichen Brasilien und im äußersten Süden von Paraguay verbreitet. Im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais kommt die Art sympatrisch mit Gracilinanus agilis vor. Das relativ kleine Verbreitungsgebiet entlang der atlantischen Küste lässt auf eine endemische Verbreitung schließen. Besiedelt werden für gewöhnlich Regenwälder entlang der Küste. Lokal werden auch saisonale Laubwälder, Plantagen oder Galeriewälder besiedelt (Smith, 2012).

Biozönose

Prädator: Maikong
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Prädator: Maikong

Zu den natürlichen Feinden zählen vor allem Schlangen (Serpentes), Eulen (Strigiformes), Eidechsen (Lacertidae) und andere Beutegreifer in adäquater Größe. Insbesondere sind dies der Maikong (Cerdocyon thous) und die Schleiereule (Tyto alba). Ein gewisser Grad der Sterblichkeit beruht auch auf Infektionsmöglichkeiten durch Fadenwürmer (Nematoda). Nachgewiesen ist eine Parasitenbelastung lokal von bis zu 44%. Weitere Parasiten lassen sich den Bandwürmern (Cestoda) und den Saugwürmern (Trematoda) zuordnen (Smith, 2012).

Ernährung

Grundsätzlich kann die Art als Allesfresser bezeichnet werden. Aufgrund energetischer Anforderungen kann jedoch darauf geschlossen werden, dass insbesondere größere Männchen ein abweichendes Ernährungsverhalten aufweisen. Auch saisonale Unterschiede lassen sich belegen. Weit oben auf der Speisekarte stehen Insekten (Insecta) wie Käfer (Coleoptera) aus den Familien der Rüsselkäfer (Curculionidae) oder der Blatthornkäfer (Scarabaeidae). Darüber hinaus werden auch Geradflügler (Orthoptera), Webspinnen (Araneae), Hautflügler (Hymenoptera) wie Ameisen (Formicidae) und Grabwespen (Spheciformes), Schmetterlinge (Lepidoptera) und Termiten (Isoptera) gefressen. Zur pflanzlichen Kost zählen Aronstabgewächse (Araceae), Nachtschattengewächse (Solanaceae), Passionsblumengewächse (Passifloraceae) und Schwarzmundgewächse (Melastomataceae) (Smith, 2012).

Fortpflanzung

Das Fortpflanzungsverhalten ist deutlich saisonal. Die Paarungszeit erstreckt sich im gesamten Verbreitungsgebiet gegen Ende der kalten Jahreszeit und beginnenden Regenzeit. Dies entspricht in etwa September oder Oktober bis März. Die Art pflanzt sich für gewöhnlich (ca. 80%) nur einmal fort. Grund hierfür ist die geringe Lebenserwartung und ein starker Parasitenbefall. Ein Wurf besteht durchschnittlich aus 10,9 (+/-2,3) Jungtieren - analog zur Anzahl der Milchdrüsen beim Weibchen. Das Geschlechterverhältnis liegt bei 1:1,4 (Weibchen/Männchen). Die Geburt erfolgt in einer geschützten Baumhöhle. Schon kurz nach der Geburt verlassen die Jungen erstmals das schützende Nest (Smith, 2012).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Gracilinanus microtarsus gehört heute noch nicht zu den bedrohten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art in der Kategorie LC, Least Concern, geführt. Lokal kann die anhaltende Abholzung der Regenwälder den Lebensraum der Tiere stören. Weitere Gefahren sind nicht bekannt (IUCN, 2012).

Anhang

Literatur und Quellen

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