Grauer Halbmaki

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Grauer Halbmaki

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Feuchtnasenaffen (Strepsirhini)
Familie: Lemuren (Lemuridae)
Gattung: Halbmakis (Hapalemur)
Art: Grauer Halbmaki
Wissenschaftlicher Name
Hapalemur griseus
Link, 1795

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Der Graue Halbmaki (Hapalemur griseus), oder auch Östlicher Bambuslemur, zählt innerhalb der Familie der Lemuren (Lemuridae) zur Gattung der Halbmakis (Hapalemur). Im Englischen wird der Graue Halbmaki Eastern Lesser Bamboo Lemur oder Gray Bamboo Lemur genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Graue Halbmaki ist der kleinste Vertreter innerhalb der Halbmakis und erreicht je nach Unterart und Geschlecht eine Körperlänge von 27 bis 40 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 32 bis 40 Zentimeter sowie ein Gewicht von 700 bis 1.000 (900) Gramm. Das dichte und wollige Fell weist eine gräuliche Färbung auf. Ventral ist das Fell deutlich heller gefärbt. Im Kopfbereich kann sich zuweilen einen leicht rotbrauner Schimmer zeigen. Die kräftigen Extremitäten enden jeweils in fünf Finger bzw. Zehen. Die kurzen Ohren sind fast vollständig im Fell verborgen. Sie ragen daher nur wenig heraus. Die Ohren weisen keine Ohrbüschel auf. Die recht großen Augen sind nach vorne gerichtet. Die Schnauze ist wie bei allen Lemuren leicht spitz zulaufend. Die Iris ist orange, die Pupille ist dunkel gefärbt.

Lebensweise

Graue Halbmakis sind tagaktive Lemuren. Dies haben neuere Studien ergeben. Die aktivste Zeit erstreckt sich über die frühen Morgenstunden und den späten Nachmittag. Zur Mittagszeit ruhen die Tiere in der Regel. Die Nachtruhe beginnt meist schon um 18h und endet gegen Morgengrauen. Während der Ruhephase halten sich Graue Halbmakis in Baumnestern, in Baumhöhlen, in größeren Astlöchern oder an ähnlich geschützten Plätzen auf. Die Aktivität schwankt saisonal zum Teil sehr stark. So sind Graue Halbmakis während der Regenzeit deutlich weniger aktiv. Im Winter wurden sie bei Sonnenbädern beobachtet. Graue Halbmakis sind sehr bewegliche Tiere. Ihre Klettereigenschaften sind exzellent, wobei ihr langer Schwanz als fünfte Hand fungiert. Gelegentlich sind sie auch auf dem Waldboden zu beobachten. Hier bewegen sie sich auf allen Vieren fort. Graue Halbmakis leben entweder paarweise oder in kleinen Gruppen. Eine Gruppe weist in der Regel eine Stärke von 4 bis 6 Tieren auf. Innerhalb einer Gruppe dominieren Weibchen über die Männchen. Die Kommunikation untereinander erfolgt überwiegend über den olfaktorischen Sinn.

Unterarten

Die Einteilung in Unterarten gilt als umstritten. Heute wird die Unterart Hapalemur griseus alaotrensis als eigenständige Art mit dem Namen Alaotra-Bambuslemur (Hapalemur alaotrensis) geführt. Gleiches gilt für die Unterart Hapalemur griseus occidentalis, die heute als Sambirano-Bambuslemur (Hapalemur occidentalis) geführt wird.

Verbreitung

Graue Halbmakis sind auf Madagaskar endemisch. Die größten Vorkommen sind in den Küstenwäldern im Osten und Südosten der Insel anzutreffen. Die Unterart Hapalemur griseus occidentalis kommt im Westen und Nordwesten Madagaskars vor. Graue Halbmakis bewohnen hauptsächlich den tropischen Regenwald, eher selten sind sie auch in Sekundärwäldern zu beobachten. Die Tiere führen ein Leben in den Bäumen und kommen nur selten auf den Boden hinab. Feuchte Bambuswälder werden als Lebensraum bevorzugt, da Bambus die Hauptnahrung bildet.

Prädatoren

Zu den natürlichen Feinden der Grauen Halbmakis gehören insbesondere die Madagaskar-Boa (Acrantophis madagascariensis), Eulen (Strigiformes) wie die Madagaskar-Waldohreule (Asio madagascariensis), die Fossa (Cryptoprocta ferox) sowie verwilderte Haushunde und Hauskatzen (Felis catus). Der Braune Maki (Eulemur fulvus) erbeutet gelegentlich Jungtiere der Grauen Halbmakis.

Ernährung

Graue Halbmakis ernähren sich als reine Pflanzenfresser fast ausschließlich von den Blättern der Bambuspflanzen. Zu einem kleinen Teil ( weniger als 10 Prozent) stehen auch andere Blätter und Früchte auf der Speisekarte. Junge Blätter und Triebe werden eindeutig bevorzugt. Triebe bis zu einem Durchmesser von rund 8 Millimeter können problemlos gefressen werden.

Fortpflanzung

Der Graue Halbmaki erreicht die Geschlechtsreife mit 24 bis 30 Monaten, wobei der Trend eher zu 30 Monaten geht. Die Paarungszeit erstreckt sich von Mai bis in den Juni hinein. Zu den Geburten kommt es dann im Laufe des Septembers. Graue Halbmakis leben in einer monogamen Beziehung, die meist über mehrere Jahre hält. Ein Leben in Familiengruppen ist obligatorisch. In einer Saison kommt es lediglich zu einem Wurf, wobei es jährlich zu Geburten kommt. Nach einer Tragezeit von durchschnittlich 140 Tagen bringt das Weibchen ein Jungtier zur Welt. Die nur wenig entwickelten Jungtiere weisen ein Geburtsgewicht von 45 bis 50 Gramm auf und werden in den ersten Wochen am Bauch der Mutter getragen. Ab der dritten oder vierten Lebenswoche reiten die Jungtiere auf dem Rücken der Mutter. Ab diesem Zeitpunkt fangen sie auch an sich selbständig zu bewegen und feste Nahrung zu sich zu nehmen. Die Säugezeit beträgt etwa 5 Monate. Sind die Jungtiere einige Wochen alt, so werden sie auch vom Vater oder den Geschwistern betreut. Oft reiten die Jungtiere auf dem Rücken anderer Mitglieder der Gruppe. Die Lebenserwartung in Freiheit ist nicht bekannt, sie dürfte sich jedoch zwischen 10 bis 12 Jahren bewegen.

Gefährdung und Schutz

Der Graue Halbmaki gilt heute noch nicht als gefährdet. Dies trifft jedoch nur auf die Nominatform an der Ostküste Madagaskars zu. Um die beiden isolierten Populationen der West- und Nordwestküste steht es deutlich schlechter. Hapalemur griseus occidentalis gilt als gefährdet (VU, vulnerable), Hapalemur griseus alaotrensis steht kurz vor der Ausrottung und gilt als kritisch gefährdet (CR, critically endangered). Die Hauptursachen für den Gefährdungsgrad sind in der massiven Vernichtung der natürlichen Lebensräume zu suchen. Auf Madagaskar werden seit Jahrzehnten weitflächig zu Gunsten von Agrarland und Siedlungsraum tropischer Regenwald vernichtet. Ein weiterer Gefährdungsgrund ist die zum Teil starke Bejagung durch die einheimische Bevölkerung. Graue Halbmakis bereichern den Speiseplan der meist sehr armen Bevölkerung. In der Roten Liste der IUCN wird die Nominatform als nicht gefährdet geführt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) führt die Art in Anhang I des Abkommens.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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