Graukopf-Flughund

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Graukopf-Flughund

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
Unterordnung: Flughunde (Megachiroptera)
Familie: Flughunde (Pteropodidae)
Tribus: Eigentliche Flughunde (Pteropodini)
Gattung: Pteropus
Art: Graukopf-Flughund
Wissenschaftlicher Name
Pteropus poliocephalus
Temminck, 1825

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Der Graukopf-Flughund (Pteropus poliocephalus) zählt innerhalb der Familie der Flughunde (Pteropodidae) zur Gattung der Pteropus. Im Englischen wird die Art Gray-headed Flying Fox genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Graukopf-Flughund erreicht eine Körperlänge von 23 bis 29 (25) Zentimeter, eine Unterarmlänge von 14 bis 18 (16) Zentimeter, eine Flügelspannweite von durchschnittlich 100 Zentimeter sowie ein Gewicht von bis zu 1.000 (670) Gramm. Weibchen bleiben kleiner und leichter als Männchen. Einen weiteren Dimorphismus zeigt sich bei den Geschlechtern nicht. In Australien ist der Graukopf-Flughund das mit Abstand größte Fledertier (Chiroptera). Der pelzig behaarte Körper und die Flügel weisen eine einheitliche dunkelgraue Färbung auf. Der Kopf ist üblicherweise heller gefärbt. Im Nackenbereich zeigt sich ein rotbrauner Kragen. Das Fell reicht den Tieren im Bereich der hinteren Extremitäten bis zu den Knöcheln. Dies ist bei anderen Vertretern der Gattung Pteropus nicht der Fall. Graukopf-Flughunde weisen keinen Schwanz auf. Der Kopf ist spitz zulaufend und weist eine hundeartige Form auf. Auffälligstes Merkmal ist die aus zwei Hautschichten bestehende Flugmembran, die sich von den Handgelenken bis zu den Fußgelenken erstreckt und eine schwärzliche Färbung aufweist. Der Daumen ist sehr kurz und verfügt über eine kleine Kralle. Die anderen vier Finger sind stark verlängert und bilden letztlich den Spannweitenbereich der Flugmembran. Auch die Knochen im Armbereich, insbesondere die Speiche und die Elle sind deutlich verlängert. Die spitz zulaufenden Ohren liegen weit hinten am Schädel. Graukopf-Flughunde orientieren sich anders als die Fledermäuse nicht durch Echolokation sondern visuell. Ihr Sehsinn ist daher gut ausgeprägt. Das Gebiss besteht aus 34 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i2/2, c1/1, p3/3, m2/3.

Lebensweise

Die nachtaktiven Graukopf-Flughunde sind gesellige Säuger, die komplexe soziale Strukturen aufweisen und in Kolonien leben. Größere Kolonien sind für gewöhnlich in einzelne Harems unterteilt. Die Kolonien werden in Bäumen gebildet. Während der Paarungszeit kommt es mitunter auch zu Ansammlungen von mehreren Tausend Tieren. Als nachtaktive Tiere verbringen Graukopf-Flughunde die meiste Zeit vom Tage mit Schlafen sowie Körperpflege, Paarungsaktivitäten und Revierverteidigung. Während der Nacht gehen Graukopf-Flughunde auf Nahrungssuche, die kurz nach Sonnenuntergang beginnt. Die Nahrungssuche erfolgt im Umkreis von einigen Kilometern rund um den Schlafplatz. Männchen sind vor allem während der Paarungszeit territorial und verteidigen ihr Revier gegenüber Artgenossen. Als Revier werden meist mehrere Äste angesehen, die als Schlafplatz für eine Familiengruppe dienen. Graukopf-Flughunde leben zwar in ortstreuen Kolonien, jedoch kann es zu nahrungsbedingten Wanderungen kommen, die mit der Gründung einer neuen Kolonie einhergehen. Es werden dabei meist bestimmte Baumarten bevorzugt. Die Kommunikation untereinander erfolgt sowohl visuell als auch taktil, akustisch und über den olfaktorischen Sinn. Im eigenen Revier werden zur Reviermarkierung Duftmarken gesetzt, die von den Mitgliedern der eigenen Gruppe und auch Eindringlingen erkannt werden. Aufgrund der nachtaktiven Lebensweise sind der Sehsinn und der olfaktorische Sinn sehr gut ausgebildet. Beide Sinne dienen insbesondere der Orientierung bei der Nahrungssuche.

Verbreitung

Graukopf-Flughunde sind an der Ostküste Australiens endemisch. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Queensland bis nach Victoria und rund 800 bis 800 Kilometer. Die Tiere sind üblicherweise in einem schmalen Küstenstreifen in der Ebene und in Höhenlagen bis in Höhen von gut 300 bis 700 Metern anzutreffen. Landeinwärts werden die Tiere gelegentlich in Entfernungen von 100 bis 150 Kilometer gesichtet. Die besiedeln sowohl tropische Regenwälder als auch lichte Küstenwälder und küstennahe Sumpfgebiete. In der Nähe des Menschen tauchen sie mitunter auch auf landwirtschaftlichen Fläche, Plantagen und Ostgärten auf. Durch die zum Teil dichte Besiedelung durch den Menschen mit der einhergehenden Urbanisierung kann man die Graukopf-Flughunde mittlerweile auch an den Rändern der Siedlungsräume beobachten.

Prädatoren

Zu den natürlichen Fleischfressern gehören nachtakive Eulen (Strigiformes) und Schlangen (Serpentes) wie die Braune Nachtbaumnatter (Boiga irregularis). Andere Fleischfresser sind nicht bekannt. Der größte Feind der Graukopf-Flughunde ist der Mensch, der den Tieren vor allem auf landwirtschaftlichen Flächen massiv nachstellt.

Ernährung

Graukopf-Flughunde ernähren sich je nach saisonaler Verfügbarkeit von verschiedenen reifen Früchten, aber auch von Pollen, Nektar und Blüten. Zu den bevorzugten Pflanzenarten gehören beispielsweise Eukalypten (Eucalyptus) wie Eucalyptus botryoides und Eucalyptus globoidea, aber auch Myrtengewächse (Myrtaceae), Maulbeergewächse (Moraceae), Weidengewächse (Salicaceae) und Silberbaumgewächse (Proteaceae) bilden eine häufig genutze Nahrungsquelle. Dazu gehören insbesondere Feigen (Ficus), Pappeln (Populus), Liguster (Ligustrum), Dattelpalmen (Phoenix) oder auch Nachtschatten (Solanum). Beliebte Nahrungshabitate stellen vor allem lichte Wälder, die Ränder tropischer Regenwälder (vor allem im nördlichen Queensland) sowie Kulturland, insbesondere größere Gärten und Plantagen. In der Regel entfernen sich die Tiere nicht mehr als 10 bis 15 Kilometer von ihrem Schlafplatz. Es konnte jedoch eine maximale Reichweite von bis zu 50 Kilometer erreicht werden. Die Nahrunmgssuche und -aufnahme erfolgt ausschließlich in der Nacht.

Fortpflanzung

Der Graukopf-Flughund erreicht die Geschlechtsreife mit rund 18 (Weibchen) bis 30 (Männchen) Monaten. Die Paarungszeit erstreckt sich in den natürlichen Verbreitungsgebieten von April bis Mai. Graukopf-Flughunde leben in der Regel in einer monogamen Beziehung, die jedoch mit der Geburt des Nachwuchses endet. Während dieser Zeit sind die Männchen ausgesprochen territorial und verteidigen ihr Revier gegenüber Artgenossen. Die Markierung des Revier erfolgt mit Körpersekreten. Bei der Kopulation, die mit lautem Geschrei der Weibchen einhergeht, versucht sich das Männchen dem Weibchen von hinten zu nähern. Dabei kommt es zu einem Nackenbiss und einer Umklammerung mit den Vorderbeinen. Der reine Geschlechtsakt dauert dabei kaum eine Minute. Nach der Begattung versucht das Männchen seine Angetraute noch eine gewisse Zeit vor anderen Männchen zu beschützen. Nach einer Tragezeit von etwa 165 bis 180 Tagen bringt das Weibchen 1 bis 2 (1) Jungtiere zur Welt, wobei Zwillingsgeburten unter natürlichen Bedingungen nur eine geringe Überlebenschance haben. Sie weisen ein Geburtsgewicht von 50 bis 90 (80) Gramm auf. Die Jungtiere sind bei der Geburt nackt und werden in den ersten 4 Wochen von der Mutter getragen. Dies gilt auch während der Nahrungssuche. Zum Säugen verfügen Weibchen über zwei Zitzen, die sich seitlich im Brustbereich befinden. Erst danach bewegen sie sich selbständig in den Bäumen umher. Mit etwa drei Monaten beginnen sie mit den ersten Flugübungen. Das Absetzen von der Muttermilch erfolgt nach spätestens 5 bis 6 Monaten. DIe Unabhängigkeit wird ab dem 6. Lebensmonat erreicht Die Väter spielen bei der Aufzucht der Jungen keine Rolle. Die Lebenserwartung in Freiheit beträgt bis zu 15 Jahre, untersehr günstigen Umständen auch mehr als 20 Jahre.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Graukopf-Flughunde gehören heute noch nicht zu bedrohten Arten und werden daher in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet geführt (LC, Least Concern). In ihren natürlichen Lebensräume gelten die Tiere als ausgezeichnete Bestäuber blütentragender Pflanzen und Verbreiter von Sämereien. Daher sind sie ein unverzichtbarer Bestandteil in einem intakten Ökosystem. In der Nähe des Menschen werden die Tiere als Schädling angesehen, da sie in Gärten und Plantage hin und wieder kleinere Schäden anrichten. Auf der anderen Seite meiden Graukopf-Flughunde die Nähe zum Menschen, wenn ihnen anderweitig genügend Nahrung zur Verfügung steht. Man geht auch davon aus, dass Graukopf-Flughunde Träger und Überträger verschiedener viraler Krankheitserreger sind. Nachgewiesen ist dies jedoch nicht. Auch wenn die Art noch nicht gefährdet ist, so schrumpft seit langen der natürliche Lebensraum. In einigen Regionen sind Graukopf-Flughunde mittlerweile selten geworden. Hauptgrund hierfür ist die immer stärker zunehmende Urbanisierung, die mit Lebensraumverlust für die Graukopf-Flughunde einher geht. In den letzten 10 Jahren hat man einen Rückgang der Populationen um 30 Prozent registriert.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Ordnung der Fledertiere (Chiroptera)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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