Große Lanzennase

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Große Lanzennase
#11: Große Lanzennase (Phyllostomus hastatus)

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
Unterordnung: Fledermäuse (Microchiroptera)
Überfamilie: Hasenmaulartige (Noctilionoidea)
Familie: Blattnasen (Phyllostomidae)
Unterfamilie: Lanzennasen (Phyllostominae)
Gattung: Eigentliche Lanzennasen (Phyllostomus)
Art: Große Lanzennase
Wissenschaftlicher Name
Phyllostomus hastatus
(Pallas, 1767)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Große Lanzennase (Phyllostomus hastatus) zählt innerhalb der Familie der Blattnasen (Phyllostomidae) zur Unterfamilie der Lanzennasen (Phyllostominae) und zur Gattung der Eigentlichen Lanzennasen (Phyllostomus). Im Englischen wird die Art Greater Spear-nosed Bat genannt.

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Fossile Funde stammen aus dem späten Pleistozän und wurden im Wesentlichen in Höhlen in Brasilien gefunden. Subfossile Funde stammen auch aus Höhlen in Venezuela (Czaplewski und Cartelle 1998 in Santos et al., 2003).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Große Lanzennase gehört zu den größten Fledermausarten in der neuen Welt nur die Große Spießblattnase (Vampyrum spectrum) ist noch größer. Sie erreicht je nach Unterart und Geschlecht eine Gesamtlänge von 124 bis 131 mm, eine Ohrlänge von 28 bis 34 mm, eine Unterarmlänge von 79 bis 94 mm, eine Schädellänge von 28,2 bis 31,9 mm, eine Jochbogenbreite von 14,6 bis 16,3 mm, sowie ein Gewicht von 78 bis 112 Gramm. Das kurze und samtartige Fell der Großen Lanzennase ist dorsal und ventral dunkelbraun bis rotbraun gefärbt. Das Nasenblatt ist zwar einfach gebaut, jedoch gut entwickelt. Die Ohren weisen eine leicht dreieckige Form auf und stehen weit voneinander entfernt seitlich am Schädel. Der Schwanz ist ausgesprochen kurz. Die Flugmembran, die Ohren und die nackte Gesichtshaut sind schwärzlich gefärbt. Die Flügel sind lang und spitz zulaufend. Die Flügelspannweite beträgt bei den Weibchen rund 530 bis 562 mm, bei den Männchen 515 bis 559 mm. Die Flügeloberfläche beträgt bei den Weibchen 409 bis 459 m², bei den Männchen 402 bis 455 m². Die Frequenz der Flügelschläge liegt bei 10 Schläge pro Sekunde (vergl. Santos et al., 2003).

Das Gebiss besteht aus 32 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i2/2, c1/1, p2/2, m 3/3. Die Zunge ist breit und an der Spitze abgerundet. Die dorsale Oberfläche der Zunge ist mit zahlreichen konisch geformten Papillen besetzt. Im Bereich der Brust weisen Männchen spezielle Drüsen auf. Diese sind bei den Weibchen nur rudimentär vorhanden. Der Uterus der Weibchen ist einfach gebaut und endet nach außen in einer Röhre. Das Herz der Großen Lanzennase weist ein Gewicht von 1% des Körpergewichtes auf. Die Aufnahme von Luft variiert je nach Aktivität von 7 bis 27 m³ pro Minute. Die Herzschlagfrequenz liegt im Ruhezustand bei 420 Schläge/min., während des Fluges bei 780 Schläge pro Minute. Die Fluggeschwindigkeit liegt bei durchschnittlich 8,6 m/s, maximal beträgt die Fluggeschwindigkeit 12,3 m/s. Die Stoffwechselrate während des Fluges ist mit 130,4 Watt/kg sehr gering. Dies entspricht kaum einem Sechstel eines terrestrischen Säugetieres. Im Ruhezustand liegt die Stoffwechselrate bei 94,2 Watt/kg. Die Orientierung erfolgt wie bei allen Fledermäusen durch Echolokation. Die abgegebenen Töne variieren zwischen 35 und 50 kHz (vergl. Santos et al., 2003).

Lebensweise

Große Lanzennasen sind ausgesprochen sozial und leben in Höhlen in größeren Gruppen. Bei den Gruppen handelt es sich um Haremsgruppen. Das Paarungsverhalten ist demnach polygam. Bei den Weibchen einer Haremsgruppe handelt es sich meist um Schwestern und Halbschwestern. Die Nahrungssuche ist durch ständiges Absenden von Lauten gekennzeichnet, die der Orientierung und der Kommunikation mit Artgenossen dienen. Artgenossen, insbesondere Gruppenmitglieder erkennen sich an den Lauten. Die Höhlen, in denen sich Große Lanzennasen am Tage aufhalten werden in der Regel von mehreren Fledermausarten bewohnt. Je nach Größe einer Höhle könnten bis zu 15 verschiedene Arten in einer Höhle nachgewiesen werden.

Unterarten

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Großen Lanzennase erstreckt sich über Mittelamerika und weite Teile Südamerikas. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich nach Angaben der IUCN über Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Costa Rica, Französisch-Guayana, Guatemala, Guyana, Honduras, Nicaragua, Panama, Surinam, Trinidad und Tobago und Venezuela. In der Regel wird nur die Ebene besiedelt, selten sind Große Lanzennasen bis in Höhen von gut 600 Metern anzutreffen. Die Schlafstellen der Tiere befinden sich meist in natürlichen Höhlen, Gebäude oder auch Termitenbauten. An den Schlafstellen finden sich meist zwischen 10 und 100 Weibchen ein. Hinzu kommen einige Männchen, wobei größere Ansammlungen von Männchen (bis zu 50 Insividuen) meist in der näheren Umgebung der Weibchen leben. Bei den Weibchengruppen handelt es sich in der Regel um stabile Gruppen. Die Schlafplätze verlassen Große Lanzennasen kurz nach Sonnenuntergang. Spätestens kurz vor Sonnenaufgang begeben sich die Tiere wieder an ihre Schlafplätze. An den Schlafplätzen kommt es regelmäßig zur Vergesellschaftung mit anderen Arten. Hier sind insbesondere der Gemeine Vampir (Desmodus rotundus), Peropteryx macrotis, die Kleine Nacktrücken-Fledermaus (Pteronotus davyi) oder die D'Orbignys Rundohrfledermaus (Tonatia silvicola) zu nennen (Ochoa, 1985; Simmons & Voss, 1998).

Ernährung

Große Lanzennasen sind Allesfresser. Neben Insekten (Insecta) werden auch kleinere Wirbeltiere (Vertebrata) wie andere Fledertiere (Chiroptera), kleine Nagetiere (Rodentia) und Vögel (Aves). An pflanzlicher Kost stehen Nektar und Pollen, Blüten und Früchte auf der Speisekarte. An Früchten werden beispielsweise Guaven (Psidium guajava), Guanábana (Annona muricata), Papayas (Carica papaya), Kakis (Diospyros kaki), Mangos (Mangifera indica), Surinamkirschen (Eugenia uniflora), Bananen (Musa) und Weinreben (Vitis vinifera) gefressen. Auch die Früchte von Brotfruchtbäume (Artocarpus), des Katappenbaumes (Terminalia catappa) und Passionsblumen (Passiflora) werden nicht verschmäht. Beliebte Insekten sind beispielsweise Käfer (Coleoptera) und Ameisen (Formicoidea). Die Nahrungssuche beginnt in der Regel eine Stunde nach Sonnenuntergang. Bei Vollmond sind die Tiere besonders aktiv. Licht benötigen die Tiere jedoch nicht, da sie sich durch Echolokation orientieren. Während der Nahrungssuche bewegen sich Große Lanzennasen 1 bis 5 Kilometer von den Schlafplätzen weg (Emmons & Feer, 1997).

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreichen Große Lanzennasen im Alter von etwa 16 Monaten. Die Paarungszeit erstreckt sich in Mittelamerika über das zeitige Frühjahr, in südlichen Regionen bis in den September hinein. Die Säugezeit erstreckt sich über rund 50 Tage, die Geburt erfolgt in den sogenannten Wochenstuben. Der Nachwuchs kommt mir einem feinen Fell zur Welt und weisen eine Unterarmlänge von 37 mm auf. Säugezeit (Laktation) erstreckt sich über 45 bis 50 Tage. Im Alter von 6 Wochen ist die Flügelmorphologie voll entwickelt und die Jungtiere unternehmen die ersten Flugversuche. Die Lebenserwartung ist nicht bekannt (Wilson, 1979; Stern et al., 1997; Santos et al., 2003).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Große Lanzennasen gehören heute noch nicht zu den bedrohten Fledermausarten. Die Tiere sind sowohl in Mittel- als auch in Südamerika überall häufig anzutreffen. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. Die Art ist ausgesprochen anpassungsfähig und reagiert weitaus weniger auf die Modifikationen der Lebensräume.

Synonyme

Die Große Lanzennase ist nach Wilson & Reeder, 2005, unter folgenden Synonymen bekannt: caucae J. A. Allen, 1916, caurae J. A. Allen, 1904, paeze Thomas, 1924, aruma Thomas, 1924, curaca Cabrera, 1912 und maximus Wied, 1821. Die aufgeführten Synonyme sind veraltet und daher ungültig.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Ordnung der Fledertiere (Chiroptera)

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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