Große Sackflügelfledermaus

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Große Sackflügelfledermaus

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
Unterordnung: Fledermäuse (Microchiroptera)
Familie: Glattnasen-Freischwänze (Emballonuridae)
Gattung: Sackflügelfledermäuse (Saccopteryx)
Art: Große Sackflügelfledermaus
Wissenschaftlicher Name
Saccopteryx bilineata
(Temminck, 1838)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Große Sackflügelfledermaus (Saccopteryx bilineata) zählt innerhalb der Familie der Glattnasen-Freischwänze (Emballonuridae) zur Gattung der Sackflügelfledermäuse (Saccopteryx). Im Englischen lautet der Name Greater Sac-winged Bat. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach nicht bekannt (Yancey, Goetze & Jones, 1998).

Inhaltsverzeichnis

Erkennung und Unterschiede

Die Große Sackflügelfledermaus ist eine dunkle, kleine bis mittelgroße Fledermaus. Markantes Merkmal sind 2 weißliche Streifen auf dem Rücken. Ähnliche Merkmale besitzen jedoch auch andere Arten der Gattung und die Nasenfledermaus (Rhynchonycteris naso). Zudem sind diese Arten in weiten Teilen mit der Großen Sackflügelfledermaus sympatrisch. Die Nasenfledermaus kann von der Großen Sackflügelfledermaus aufgrund der Größe, der länglichen Schnauze und die blassere Färbung unterschieden werden. Von den anderen Arten der Gattung unterscheidet sich die Große Sackflügelfledermaus in der Größe, der Vorderarmlänge, bei einigen Arten auch in der Fellfärbung (Yancey, Goetze & Jones, 1998).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Fell ist dorsal schwarz bis schwarzbraun gefärbt. Die markanten weißen Linien erstrecken sich von den Schultern bis zum Ende des Rumpfes. Ventral ist das Fell graubraun bis braun gefärbt. Das Uropatagium ist spärlich behaart. Männchen erreichen eine durchschnittliche Gesamtlänge von 73,88 mm, eine Schwanzlänge von 21,58 mm, eine Ohrlänge von 17,96 mm, eine Vorderarmlänge von 47,13 mm, eine Condylobasallänge von 13,2 bis 15,7 mm sowie ein Gewicht von 8,5 bis 9,3 g. Weibchen erreichen eine durchschnittliche Gesamtlänge von 76,00 mm, eine Schwanzlänge von 21,58 mm, eine Ohrlänge von 17,51 mm, eine Vorderarmlänge von 49,16mm, eine Condylobasallänge von 13,2 bis 15,7 mm sowie ein Gewicht von 8,5 bis 9,3 g. Das Gebiss besteht aus 32 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i1/3, c1/1, p2/2, m3/3 (Yancey, Goetze & Jones, 1998).

Lebensweise

Die Große Sackflügelfledermaus lebt in kleinen Kolonien von rund 12, selten auch bis zu 50 Individuen. Die Ruheplätze liegen je nach Vorkommen und Lebensraum in Höhlen oder Baumhöhlen. In der Nähe des Menschen können Ruheplätze auch in menschlichen Strukturen liegen. Ältere Männchen verteidigen ein Harem. Jüngere leben in Junggesellgruppen oder auch einzelgängerisch. Die Art orientiert sich typisch für Fledermäuse durch Echolokation. Die Signale liegen im Frequenzbereich von 43 bis 50 kHz und erstrecken sich über 5,1 bis 6,7 ms (Yancey, Goetze & Jones, 1998).

Verbreitung und Lebensraum

Die Art ist in Mittelamerika sowie im nördlichen und zentralen Südamerika beheimatet. Im Norden reichen die Vorkommen bis in die mexikanischen Bundesstaaten Jalisco und Veracruz, im Südosten bis nach Rio de Janeiro, Brasilien. Im Einzelnen kommt die Art in Belize, Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Costa Rica, Ecuador, El Salvador, Französisch-Guayana, Guatemala, Guyana, Honduras, Mexiko, Nicaragua, Panama, Peru, Surinam, Trinidad und Tobago, Venezuela und Bolivien vor. Die Große Sackflügelfledermaus tritt im Flachland und in Höhenlagen bis in Höhen von gut 500 m über NN in Erscheinung. Die Große Sackflügelfledermaus lebt an den Rändern und auf Lichtungen von tropischen Regenwäldern sowie entlang von Flüssen und in Feuchtgebieten. Die Siedlungsdichte liegt bei etwa 0,7 Individuen ja ha (Simmons (2005) und Eisenberg (1989) in IUCN, 2014).

Biozönose

Sympatrie, Konkurrenz

Die Große Sackflügelfledermaus lebt in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes sympatrisch mit anderen Fledermausarten. Hier sind insbesondere Balantiopteryx plicata, Saccopteryx leptura, Peropteryx macrotis, das Große Hasenmaul (Noctilio leporinus), Micronycteris hirsuta, Micronycteris megalotis, die Große Lanzennase (Phyllostomus hastatus), die Kleine Lanzennase (Phyllostomus discolor), die Fransenlippenfledermaus (Trachops cirrhosus), Glossophaga soricina, die Brillenblattnase (Carollia perspicillata), die Jamaica Fruchtfledermaus (Artibeus jamaicensis), Artibeus lituratus, Uroderma bilobatum, der Gemeine Vampir (Desmodus rotundus) und der Weißflügelvampir (Diaemus youngi) zu nennen (Yancey, Goetze & Jones, 1998).

Ernährung

Die Große Sackflügelfledermaus ist ein reiner Insektenfresser. So werden hauptsächlich Käfer (Coleoptera) und Zweiflügler (Diptera) verzehrt. Die Nahrungshabitate erstrecken sich in Abhängigkeit von der Lebensraumqualität und der Jahreszeit über 6 bis 18 ha. Die einzelgängerisch geprägte Nahrungssuche beginnt kurz nach Sonnenuntergang (Yancey, Goetze & Jones, 1998).

Fortpflanzung

In den meisten Regionen erstreckt sich die Fortpflanzungszeit über das ganze Jahr. In einigen Regionen ist diese jedoch an die Regenzeit gebunden. Zu dieser Zeit ist Nahrung ausreichend vorhanden. Bereits nach 2 Wochen kann der Nachwuchs fliegen. In der Zeit vor der Flugfähigkeit nehmen Mütter ihren Nachwuchs mit zur Nahrungssuche. Von der Muttermilch werden die Jungen nach 10 bis 12 Wochen abgesetzt (Yancey, Goetze & Jones, 1998).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Die Große Sackflügelfledermaus gehört heute noch nicht zu den bedrohten Arten und wird daher in der Roten Liste der IUCN in der Kategorie LC, Least Concern, geführt. Die Art ist im gesamten Verbreitungsgebiet noch häufig anzutreffen. In Zukunft kann sich die Vernichtung der natürlichen Lebensräume negativ auf die Population auswirken (IUCN, 2014).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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