Große Wabenkröte

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Große Wabenkröte

Systematik
Klasse: Lurche (Amphibia)
Unterklasse: Nacktlurche (Lissamphibia)
Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Archeobatrachia
Überfamilie: Pipoidea
Familie: Zungenlose (Pipidae)
Gattung: Wabenkröten (Pipa)
Art: Große Wabenkröte
Wissenschaftlicher Name
Pipa pipa
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Große Wabenkröte (Pipa pipa), auch als Amazonas-Wabenkröte oder als Surinam-Kröte bekannt, zählt innerhalb der Familie der Zungenlosen (Pipidae) zur Gattung der Wabenkröten (Pipa). Im Englischen wird die Große Wabenkröte Suriname toad oder Star-fingered toad genannt.

Die Große Wabenkröte wurde im Jahre 1705 von der deutschen Naturforscherin und bedeutenden Künstlerin Anna Maria Sibylla Merian entdeckt. Im Jahre 1768 wurde die Große Wabenkröte unter dem Synonym Pipa americana von Josephus Nicolaus Laurenti beschrieben.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Familie der Zungenlosen (Pipidae), zu der auch die Große Wabenkröte zählt, gibt es schon seit der Kreidezeit. Die Kreidezeit ist das jüngste erdgeschichtliche Zeitalter am Ende des Mesozoikums (Erdmittelalter). Sie begann vor etwa 135 Millionen Jahren (Ende des Jura) und endete vor etwa 65 Millionen Jahren (Beginn des Känozoikums mit dem Paläogen). Das Weibchen der Großen Wabenkröte erreicht eine Körperlänge von etwa 105 bis 171 Millimeter, während das Männchen der Großen Wabenkröte eine Körperlänge von etwa 106 bis 154 Millimeter erreicht. Der Körper stellt eine breite und stark abgeflachte Form mit einem ebenfalls abgeflachten dreieckigen Kopf dar. Die Haut der Großen Wabenkröte ist in der Regel runzelig und rauh und weist eine hellgraue bis hellbraune Färbung auf, die mit dunkelbraunen Flecken auf dem Rücken versehen ist. Die Unterseite dagegen erscheint etwas heller. Während der Paarungszeit läßt sich das Weibchen durch eine ringförmige Schwellung an der Kloake sehr gut vom Männchen unterscheiden. Die Große Wabenkröte hat sehr kleine Augen, die lidlos und rundlich sind. Ferner weist sie große Schwimmhäute an den Hinterfüssen auf. Ihre Vorderbeine sind kurz und mit kleineren Schwimmhäuten an den Fingern versehen, die in sternförmige Spitzen enden. Diese vierstrahligen Fingerspitzen sind eines der Merkmale, die die Große Wabenkröte von anderen Arten unterscheidet läßt. Des Weiteren verbringt die Große Wabenkröte ihr gesamtes Leben im Wasser. Sie weist wie die Fische ein Seitenlinienorgan auf, mit dem sie Druckschwankungen im Wasser ausgleichen kann.

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Große Wabenkröte

Lebensweise

Die Große Wabenkröte lebt das ganze Jahr über in trüben schlammigen Gewässern. In der freien Natur ist die Große Wabenkröte in der Lage über weite Entfernungen zu kommunizieren. Die Große Wabenkröte verhält sich in der Regel ruhig, still sowie friedlich und reagiert kaum auf Störungen. Sie liegt auf dem Boden und jede halbe Stunden taucht sie an der Wasseroberfläche auf, um Luft zu holen. Freiwillig verläßt die Große Wabenkörte das nasse Element nie. Die Jugendlichen haben in der ersten Zeit Probleme mit dem Tauchen und bleiben in der Nähe der Wasseroberfläche. Sie beginnen aber sofort nach dem Schlupf mit der Nahrungsaufnahme. Nach einem Monat sind die jungen Frösche in der Lage zu schwimmen und zu tauchen wie die adulten Frösche. Die Männchen bringen während der Paarung eine Reihe schneller Klicklaute hervor. Nicht paarungsbereite Weibchen wehren sich durch Zucken oder Zittern, um sich so den Versuchen der paarungsbereiten Männchen zu entziehen. Während der Paarung kann es zwischen den Männchen zu Kommentkämpfen kommen, wobei sie durch Klickrufe ihr Territorium abstecken. Werden die Klicklaute während des Kampfes in Frage gestellt, dann können die Kämpfe auch manchmal in Beißattacken enden. Die Kommentkämpfe der Großen Wabenkröte sind vergleichbar mit den Kommentkämpfen der kleinen afrikanischen Verwandten aus der Gattung der Zwergkrallenfrösche (Hymenochirus), während das reproduktive Verhalten in engem Zusammenhang mit dem Leopardfrosch (Rana pipiens) steht. Nach der Paarung trennen sich die Geschlechter. Die jungen Frösche verlassen generell ihre sackartigen Hohlräume aus eigener Kraft. Aber manchmal hilft das Weibchen mit etwas Druck nach, um so das Verlassen der wabenförmigen Hohlräume der jungen Frösche zu beschleunigen. Das Weibchen frißt ihren Nachwuchs nicht, selbst wenn die jungen Frösche das Maul oder die Fingerspitzen des Weibchens berühren.

Verbreitung

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Große Wabenkröte

Die Großen Wabenkröte ist in der östlichen subtropischen Region von Südamerika und Trinidad verbreitet. Sie hält sich vorwiegend in trüben schlammigen Teichen, Sümpfen, Seen, in langsam fließenden Flüssen sowie in langsam fließenden Bächen auf.

Ernährung

Die Große Wabenkröte ist ein Allesfresser. Sie ernährt sich vorwiegend von Würmern (Vermes), Insekten (Insecta), Krebstieren (Crustacea) und von kleinen Fischen (Pisces). Wie schon die Bezeichnung der Familie Zungenlose (Pipidae) darauf hindeutet, zu der die Große Wabenkröte auch zählt, weist die Große Wabenkröte keine Zunge und keine Hornzähne auf. Auch die Nutzung der langen, sensiblen Finger ihrer Vorderbeine sind für die Suche nach Nahrung auf dem Boden der Teiche und Seen ziemlich ungeeignet. Die langen Finger der Vorderbeine dienen nur zur Beförderung der Nahrung in ihr Maul. Die jungen Frösche ernähren sich hauptsächlich von Wirbellosen wie zum Beispiel Daphnia und Schlammröhrenwürmer (Tubificidae).

Fortpflanzung

Die Große Wabenkröte erreicht etwa mit 3 Jahren die Geschlechtsreife, unter günstigen Bedingungen in Gefangenschaft auch schon mit 2 Jahren. Die Reproduktion der Großen Wabenkröte beinhaltet eine direkte Entwicklung in den Waben der weiblichen Rückenhaut vom Ei über das Embryo bis zur fertigen kleinen Wabenkröte, ohne dass sie ein äußeres Quappenstadium durchläuft. Das Weibchen nimmt die Eier in sackartige Hohlräume der schwammigen Rückenhaut auf, die eine wabenartige Struktur aufweisen. Bis die Eier die vollständige Entwicklung erreicht haben und katapultartig aus der Rückenhaut Richtung Wasseroberfläche (geschossen) geboren werden. Als erstes müssen die Jungkröten Sauerstoff zur Stabilisierung aufnehmen.

Die Paarung wird durch die metallisch klingenden Klickrufe der Männchen eingeleitet. Ist ein Weibchen paarungsbereit, so läßt sie sich umklammern und beginnt die Rückenhaut schwammartig zu vergrößern. Ist ein Weibchen nicht paarungsbereit, so wehrt sich das Weibchen durch ruckartige Bewegungen, schnelle und flüchtende Bewegungen und durch Zittern. Das Männchen ergreift das Weibchen von oben um die Taille in der Leistengegend des Weibchens (inguinaler Amplexus) und klammert sich während der gesammten Paarung dort fest.

Das Weibchen initiiert zusammen mit dem Männchen vertikale und zirkuläre Loopings. Das Pärchen landet auf den Gewässerboden und schwimmt erneut mit einem Looping an die Wasseroberfläche, um Luft zu holen. Das Männchen ist bei diesem Auftauchen aktiv beteiligt, da es sonst keine Luft holen könnte. In der obersten Bogenspitze des Loopings landen sie auf den Rücken, der Bauch ist nun oben, und das Weibchen gibt drei bis zehn Eier ab. Das Männchen lockert seine Umklammerung etwas, ergießt sein Sperma über die Eier und gleitet oder rutscht so zwischen Bauch und Rücken der Wabenkröten. In diesem Moment klammert das Männchen wieder fester und drückt somit die Eier auf die schwammige Rückenhaut des Weibchens fest. Nach dem Looping, der teilweisen Eiablage und Befruchtung, nehmen sie wieder ihre ursprüngliche Position mit dem Bauch auf den Boden ein. Dieses Ritual wird in der Laichzeit etwa fünfzehnmal bis achtzehnmal wiederholt. So werden etwa 100 Eier gelegt und befruchtet.

In den Stunden nach der Befruchtung werden die Eier in die weibliche Rückenhaut eingezogen. Die Rückenhaut bildet rund um die Eier eine Art Waben und werden in einer geschlossenen Zyste mit einem wabenartigen Deckel eingekapselt. Nach etwa 12 bis 20 Wochen schlüpfen die Jungkröten und sind das Abbild der Alttiere in Miniaturformat und haben eine Körperlänge von etwa 2 Zentimeter. Während der Entwicklungsphase wachsen den jungen Kröten temporäre Schwänze, die offenbar für die Aufnahme von Sauerstoff dienen. Die jungen Kröten sind voll entwickelt mit Ausnahme der Bifurkation der Lappen an den Fingerspitzen. Die Geburt der jungen Kröten kündigt sich dadurch an, indem diese vorher die "Wabendeckel" mit einem Beinchen oder Kopf durchstoßen.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3

Links

Film

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