Großer Riedbock

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Großer Riedbock

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Riedböcke (Reduncinae)
Gattung: Riedböcke (Redunca)
Art: Großer Riedbock
Wissenschaftlicher Name
Redunca arundinum
Boddaert, 1785

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Große Riedbock (Redunca arundinum) zählt innerhalb der Familie der Hornträger (Bovidae) zur Gattung der Riedböcke (Redunca). Innerhalb dieser Gattung ist der Große Riedbock die größte Art. Im Englischen lautet der Name dieses Großen Riedbockes Southern Reedbuck.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Große Riedbock erreicht eine Körperlänge von 135 bis 165 Zentimeter, eine Schulterhöhe von 70 bis 105 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 20 bis 30 Zentimeter sowie ein Gewicht von 40 bis 90 Kilogramm. Weibchen bleiben deutlich kleiner und leichter als Männchen. Die Fellfärbung variiert je nach Verbreitungsgebiet und reicht von einem gelblichen Braun bis zu einer dunklen, graubraunen Färbung. Der Kehlbereich, die Unterseite des buschigen Schwanzes, die Innenseite der Extremitäten sowie die Bauchseite sind stets weißlich bis hellgrau gefärbt. Ein weiteres Merkmal zur Unterscheidung sind die Hörner, die nur von den Männchen getragen werden. Sie weisen eine Länge von 35 bis 45 Zentimeter auf und laufen V-förmig auseinander. Die Hörner sind im unteren Bereich stark gefurcht und blaugrau gefärbt. Zur Spitze läuft die Furchung aus und die Färbung ändert sich in ein tiefes schwarz. Die Hörner beginnen in der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres zu wachsen und werden nicht abgestoßen. Die recht großen Ohren weisen eine trichterförmige Gestalt auf und sitzen weit hinten am Kopf.

Lebensweise

Die Weibchen der Großen Riedböcke leben in kleinen Herden, Junggesellen in Junggesellengruppen und geschlechtsreife Männchen einzelgängerisch. Letztere legen ein ausgesprochen territoriales Verhalten an den Tag. Während der Paarungszeit leben die Tiere auch in kleinen Familiengruppen. Zu dieser Zeit kommt es regelmäßig zu heftigen Kämpfen unter den Männchen um das Paarungsrecht mit den Weibchen. Bei den Gefechten dienen die Hörner als durchaus gefährliche Waffe. Männchen beanspruchen ein Revier, das eine Größe von 20 bis 40 Hektar aufweisen kann. Die Reviere einzelner Tiere oder Gruppen können sich überlappen. Die Reviermarkierung erfolgt über ein Sekret aus Körperdrüsen und Urin. Aber auch die reine Anwesenheit eines Bullen stellt schon eine Markierung eines Reviers dar und wird in der Regel von Konkurrenten geachtet.

Verbreitung

Ursprünglich war der Große Riedbock südlich der Sahara bis in den Süden von Südafrika anzutreffen. Das heutige Verbreitungsgebiet erstreckt sich nur noch über die subtropischen und tropischen Regionen von Angola, Botswana, dem südlichen Kongo, Malawi, Mosambik, Namibia, dem nördlichen Südafrika, Swaziland, dem südlichen Tansania, Sambia und Simbabwe. Lichte Feuchtwälder, deren Ränder, offene Savannen, Wiesen und Weiden sowie Sumpfgebiete zählen zu den natürlichen Lebensräumen. Auch entlang von Flussläufen sind Große Riedböcke häufig anzutreffen. Feuchte und mäßig feuchte Lebensräume werden eindeutig bevorzugt.

Prädatoren

Zu den wichtigsten Fleischfressern der Großen Riedböcke gehören zweifelsohne Löwen (Panthera leo), Leoparden (Panthera pardus), Tüpfelhyänen (Crocuta crocuta) und Afrikanische Wildhunde (Lycaon pictus). Kleinere oder schwächere Räuber wie Geparden (Acinonyx jubatus), Servale (Leptailurus serval) große Riesenschlangen (Boidae) erlegen gelegentlich ein Jungtier. Besonders gefährdet sind Jungtiere, da sie sich in der ersten Zeit im hohen Gras verborgen halten und daher sehr leicht zu erbeuten sind. Der einzige Schutz ist die gute Tarnfärbung. Erwachsene Große Riedböcke sind außerordentlich wachsam. Über ihr hoch entwickeltes Gehör nehmen sie eine potentielle Gefahr frühzeitig wahr und ergreifen die Flucht.

Ernährung

Große Riedböcke sind reine Pflanzenfresser. Sie ernähren sich hauptsächlich von Blättern, Schilf, Gräsern und Kräutern. Auf Laub greifen die Tiere hauptsächlich im Winter zurück, da während dieser Zeit Gräser Mangelware sind. Auf Nahrungssuche gehen die Tiere zumeist in der Nacht, gelegentlich auch in den frühen Morgen- und Abendstunden. Am Tage ruhen sie an geschützter Stelle im Schatten. Große Riedböcke sind immer in der Nähe eines Gewässers anzutreffen, da sie täglich auf Trinkwasser angewiesen sind.

Fortpflanzung

Der Großer Riedbock erreicht die Geschlechtsreife mit zwei bis vier Jahren, wobei die Männchen erst nach rund drei bis vier Jahren geschlechtsreif sind. Die Paarungszeit richtet sich nach dem Vorhandensein von Nahrung und dem Ernährungszustand des Weibchens. Eine jahreszeitliche Paarungszeit ist den Großen Riedböcken unbekannt. Die Spitze der Geburten fallen jedoch in die Regenzeit. Sind Weibchen paarungsbereit, so verbreiten sie Pheromone, die von den Männchen erkannt werden. Die Tiere führen eine polygame Lebensweise, das heißt ein Bock paart sich mit mehreren Weibchen in einer Herde. Rivalenkämpfe zwischen konkurrierenden Männchen sind die Regel, enden jedoch meist glimpflich. An der Aufzucht des Nachwuchses ist das Männchen nicht beteiligt. Dieses wird nur von der Mutter geleistet. Nach einer Tragezeit von 220 bis 235 Tagen bringt das Weibchen ein, selten zwei Jungtiere an einer geschützten Stelle im hohen Gras abseits der Herde zur Welt. Das Kalb weist eine Geburtsgewicht von 4.000 bis 4.500 Gramm auf. Erst nach vier bis sechs Wochen kann das Jungtier stehen und der Mutter folgen. Bis zu diesem Zeitpunkt bleibt das Jungtier im hohen Gras verborgen und die Mutter kommt nur zum Säugen vorbei. Die Säugezeit erstreckt sich über sechs bis acht Monate. Die Unabhängigkeit wird kurz darauf erreicht. Die weiblichen Jungtiere verbleiben in der Regel in ihrer Geburtsherde, die Männchen verlassen die Herde und schließen sich Junggesellenherden an. In Gefangenschaft erreicht ein Großer Riedbock ein Alter von 18 Jahren, in Freiheit selten ein Alter von 10 bis 12 Jahren.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Die Vernichtung, Verminderung und Zerteilung der natürlichen Lebensräume mit einhergehender Bejagung gehören zu den größten Gefährdungsfaktoren. Dennoch gelten die Bestände der freilebenden Großen Riedböcke noch als gesichert. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher als nicht gefährdet geführt. Große Riedböcke bilden in weiten Teilen ihrer Verbreitungsgebiete die Nahrungsgrundlage für eine Reihe von Fleischfresser und gelten somit als unverzichtbarer Teil der natürlichen Nahrungskette.

Anhang

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999

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