Großer Tenrek

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Großer Tenrek

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Überordnung: Afrotheria
Ordnung: Tenrekartige (Afrosoricida)
Familie: Tenreks (Tenrecidae)
Unterfamilie: Igeltenreks (Tenrecinae)
Gattung: Tenrec
Art: Großer Tenrek
Wissenschaftlicher Name
Tenrec ecaudatus
Schreber, 1777

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Große Tenrek (Tenrec ecaudatus) zählt innerhalb der Familie der Tenreks (Tenrecidae) zur Gattung Tenrec.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Der Große Tenrek erreicht als größter aller Insektenfresser eine Körperlänge von 25 bis 39 Zentimeter sowie ein Gewicht von bis zu 1.500 Gramm. Das nur wenig dichte Fell ist graubraun bis rotbraun gefärbt. Besonders Jungtiere verfügen dorsal über sehr stachelige und borstige Haare. Bei Erwachsenen ändern sich diese borstigen Haare in längere, aber immer noch steife Haare. Der Kopf ist deutlich langgezogen und endet in einer spitzen Schnauze, an der sich empflindliche Barthaare befinden. Die Augen sind sehr klein und befinden sich weit vorne am Kopf. Weibchen verfügen ventral in der Regel über zwölf Brustwarzen, über die sie ihren Nachwuchs säugen.

Verhalten

In der Regel sind Große Tenreks reine Einzelgänger, die Geschlechter finden nur während der Paarungszeit zueinander. Während der Paarungszeit kann es unter den Männchen zu Kommentkämpfen kommen. Auf der Suche nach Nahrung durchstreift der Große Tenrek meist ein Streifrevier in einer Größe von gut zwei Hektar. Weibchen verfügen dabei über ein wesentlich kleineres Revier. Sie sind sehr gute Schwimmer und auch Kletterer. Den Tag verbringen die Tiere meist in ihren Bauten, die sie selbst gegraben haben. Dazu sind sie aufgrund ihrer mächtigen Krallen an ihren Füßen ohne weiteres in der Lage. Die gegrabenen Tunnel können dabei durchaus eine Länge von bis zu zwei Metern haben. Meist verfügt das Tunnelsystem über zwei Ein- und Ausgänge. Während der kalten Jahreszeit halten sie hier auch eine Winterruhe.

Bei Gefahr gibt der Große Tenrek zischende und pfeifende Lautäußerungen von sich. Nützt das nichts, so reisst er zusätzlich sein Maul weit auf und macht sich damit größer als er ist. Ansonsten sucht er sein Heil in der Flucht, er kann trotz seiner kurzen Beine ausgesprochen schnell laufen. Trotz seiner überwiegenden Nachtaktivität kann der Große Tenrek auch am Tage recht gut sehen. Darüber hinaus sind auch das Gehör und der Geruchssinn hoch entwickelt.

Menschen und Tenreks

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In weiten Teilen seines Verbreitungsgebietes dient der Große Tenrek als Nahrung für die einheimische Bevölkerung. Zudem wird er als Nützling angesehen, da er große Mengen an Schadinsekten vertilgt. Genaue Bestandszahlen liegen zwar nicht vor, aber aufgrund des hohen Jagddrucks dürften die Bestände langsam aber sicher rückläufig sein. Speziell auf Madagaskar untersteht die Art keinem Schutz. Auch die CITES und der IUCN sehen die Art noch nicht als gefährdet an. Auf Madagaskar zählt insbesondere die Fossa zu den natürlichen Feinden.

Verbreitung

Der Große Tenrek ist insbesondere auf den Inseln Madagaskar, Komoren, Mauritius, Réunion und den Seychellen verbreitet. Auf den drei letztgenannten Inseln wurde er eingeführt. Man trifft den Großen Tenrek meist in der Nähe eines Gewässers, er lebt bevorzugt in Habitaten mit reichlich Vegetation und Unterwuchs. Auf Madagaskar, seinem Stammland, besiedelt er auch die Hochebene sowie Galerie- und Küstenregenwälder. In reinen Trockengebieten ist er nicht anzutreffen.

Nahrung

Der Große Tenrek ist ein opportunistischer Allesfresser. Neben Blättern, Früchten und anderer vegetarischer Kost frisst er auch kleinere Reptilien, Amphibien, Insekten und deren Larven und sogar kleinere Säugetiere. Seine Hauptnahrung stellen allerdings Insekten dar. Seine Nahrung sucht der Große Tenrek schnüffelnd und scharrend am Boden seines Lebensraumes. Seine Barthaare dienen ihm dabei zur Orientierung.

Fortpflanzung

Während der Paarungszeit, die sich über Oktober bis November erstreckt, finden sich die Geschlechter zusammen. Schnüffeln und Lecken gehören bei der Balz zum zentralen Bestandteil des Werbeverhaltens. Der körperliche Kontakt scheint den Tieren dabei sehr wichtig zu sein. Nach einer erfolgreichen Kopulation beginnt die Tragezeit, die sich über 55 bis 65 Tagen erstrecken kann. Mit beginnender Regenzeit werden zwischen zehn und zwanzig Jungtiere geboren. In relativ trockenen Regionen eher bis zu zehn, in feuchten Regenwäldern meist bis zu 20 Jungtiere.

Mit der Geburt sind die Jungtiere noch nackt und blind, ansonsten aber schon recht weit entwickelt. Gegen Ende der zweiten Lebenswoche öffnen sie erstmals ihre Augen. Mit rund 20 Tagen folgen die Jungtiere ihrer Mutter bereits auf ihren Wanderungen. Ab der fünften Lebenswoche nehmen sie auch schon feste Nahrung zu sich. In der Regel ist der Große Tenrek ein nachtaktiver Jäger. Aber aufgrund des hohen Energiebedarfes während der Aufzucht der Jungtiere gehen Weibchen während dieser Zeit auch am Tage auf die Jagd. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei vier bis sechs Jahren.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: Familie der Tenreks (Tenrecidae)

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

Links

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