Großes Hasenmaul

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Großes Hasenmaul

Systematik
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
Unterordnung: Fledermäuse (Microchiroptera)
Überfamilie: Hasenmaulartige (Noctilionoidea)
Familie: Hasenmäuler (Noctilionidae)
Gattung: Noctilio
Art: Großes Hasenmaul
Wissenschaftlicher Name
Noctilio leporinus
(Linnaeus, 1758)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Das Große Hasenmaul (Noctilio leporinus) gehört innerhalb der Familie der Hasenmäuler (Noctilionidae) zur Gattung Noctilio. Im Englischen wird diese Art Greater Bulldog Bat genannt. Der Artname Leporinus kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "hasenartig", wahrscheinlich in Bezug auf die hasenartigen Lippen und Kiefer (Smith, 2008). Es sind 3 Unterarten bekannt (Wilson & Reeder, 2005).

Inhaltsverzeichnis

Erkennung und Unterschiede

Das Kleine Hasenmaul ist vom Großen Hasenmaul leicht anhand der Größe zu unterscheiden. Die Condylobasallänge liegt beim Kleinen Hasenmaul bei weniger als 21 mm, beim Großen Hasenmaul bei mehr als 21 mm. Weitere Unterschiede zeigen sich in der Kiefer- und Zahnmorphologie. Von anderen Arten kann das Große Hasenmaul aufgrund der Größe, der spitzen Ohren, der großen Füße und der "Hasenscharte" unterschieden werden (Smith, 2008).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Große Hasenmaul ist eine sehr große Fledermausart. Markante Merkmale sind die vorspringende Nase sowie eine geschwollene, faltige und gespaltene Oberlippe. Die Eckzähne sind groß und spitz. Im Bereich der Wangen befinden sich geräumige Backentaschen, die zum Lagern von Nahrung dienen. Die nackten und bräunlich gefärbten Ohren sind spitz und nach vorne geneigt, der Tragus ist lang und schmal. Der Schwanz weist mehr als die Hälfte der Schenkellänge auf und erstreckt sich etwa 1 Drittel über das Uropatagium. Das bräunlich bis orangebraun gefärbte Fell ist insgesamt sehr kurz, die Flügel sind lang und schmal. Die Flügel- und die Schwanzmembranen sind bräunlich gefärbt und semi-transparent. Ventral und dorsal zeigt sich nahezu die gleiche Färbung. Männchen erreichen eine Gesamtlänge von 114,2 bis 121,0 (117,6) mm, eine Schwanzlänge von 24,5 bis 29,5 (27,0) mm, eine Hinterfußlänge von 29,0 bis 31,4 (30,2) mm, eine Ohrlänge von 27,6 bis 31,6 (29,6) mm, eine Schädellänge von 23,9 bis 24,9 (24,4) mm, eine Condylobasallänge von 23,1 bis 23,9 (23,5) mm, eine Jochbeinbreite von 18,6 bis 19,2 (18,9) mm, eine Hirnschädelbreite von 13,2 bis 14,4 (13,8) mm sowie ein Gewicht von 48,9 bis 58,1 (53,5) g. Weibchen erreichen eine Gesamtlänge von 118,3 bis 131,8 (125,1) mm, eine Schwanzlänge von 26,4 bis 33,8 (30,1) mm, eine Hinterfußlänge von 31,2 bis 33,6 (32,4) mm, eine Ohrlänge von 28,8 bis 32,0 (30,4) mm, eine Schädellänge von 25,2 bis 26,6 (25,9) mm, eine Condylobasallänge von 24,4 bis 25,2 (24,8) mm, eine Jochbeinbreite von 19,8 bis 20,4 (20,1) mm, eine Hirnschädelbreite von 13,2 bis 14,4 (13,8) mm sowie ein Gewicht von 55,2 bis 70,4 (62,8) g. Adulte Tiere verfügen über einen gut entwickelten Scheitelkamm. Das Gebiss besteht aus 28 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i2/1, c1/1, p1/2, m3/3 (Smith, 2008).

Lebensweise

Die Art ist nachtaktiv. Die Aktivitätsraten variieren jedoch von Tag zu Tag, vermutlich aufgrund verschiedener Faktoren wie beispielsweise die Verfügbarkeit von Nahrungsressourcen, Jahreszeit, Witterung oder Mondzyklen. Das Große Hasenmaul ist gesellig, kleine Gruppen von rund 5 bis 15 Individuen sind die Regel. Dies ist auch während der Nahrungssuche der Fall. Es sind aber auch Kolonien von 30 bis 150 oder mehr Tieren bekannt. Die Art ist ein eher langsamer und ruhiger Flieger. Die Tiere sind offenbar in der Lage zu schwimmen, falls dies erforderlich ist. Die Quartiere liegen typischerweise in Felsspalten oder adäquaten Höhlen oder ähnlichen Behausungen. Auch hohle Bäume, Brücken und andere menschliche Strukturen werden mitunter als Schlafplatz genutzt. Eine Kolonie setzt sich aus Männchen, Weibchen und deren Nachwuchs zusammen. Nicht selten teilt sich das Große Hasenmaul die Quartiere mit anderen Fledermäuse wie Glossophaga soricina, Brillenblattnasen (Carollia perspicillata), Gemeinen Vampiren (Desmodus rotundus) oder verschiedene Lanzennasen (Phyllostomus) (Smith, 2008).

Unterarten

Verbreitung

Das Große Hasenmaul ist in der Karibik sowie in Mittel- und Südamerika von Mexiko bis ins nördliche Argentinien weit verbreitet. Im Einzelnen tritt die Art auf Anguilla, Antigua und Barbuda, in Argentinien, auf Aruba, den Bahamas, Barbados, in Belize, Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Costa Rica, Kuba, Dominica, in der Dominikanischen Republik, in Ecuador, El Salvador, Französisch-Guayana, Grenada, Guadeloupe, Guatemala, Guyana, Haiti, Honduras, Jamaika, Martinique, Mexiko, Montserrat, Nicaragua, Panama, Paraguay, Peru, Puerto Rico, St. Kitts und Nevis, St. Lucia, Saint Martin, St. Vincent und die Grenadinen, Sint Maarten, Suriname, Trinidad und Tobago, Venezuela, Britische Jungferninseln und auf den Virgin Islands auf. Die Vorkommen sind in diesem großen Verbreitungsgebiet jedoch eher lückenhaft, da nur Küstengebiete, Flussläufe und saisonale Überschwemmungsgebiete besiedelt werden. In trockenen Regionen ist das Große Hasenmaul nicht anzutreffen (IUCN, 2014; Smith, 2008).

Biozönose

Natürliche Feinde sind im Einzelnen nicht bekannt. Auf nur wenigen Exemplaren konnten in Feldstudien mehr als 550 Endo- und Ektoparasiten festgestellt werden. Hier sind insbesondere Vertreter der Zecken (Ixodida), anderer Milben (Acari, Acarida), Fledermausfliegen (Nycteribiidae), Fadenwürmer (Nematoda) und Saugwürmer (Trematoda) zu nennen. (Smith, 2008). Im Einzelnen können die jeweiligen Arten der Parasiten in der unten angegebenen Literatur nachgelesen werden.

Ernährung

Das Große Hasenmaul hat sich in der Entwicklungsgeschichte zu einer fischfressenden Fledermausart entwickelt. Daraus resultieren insbesondere die sehr großen Hinterfüße mit den stark gekrümmten Krallen. Die Spezies zeigt bezüglich der Ernährungsweise auch bestimmte Spezialisierungen in der Magen-Morphologie und Histochemie (Gewebelehre). Fische sind jedoch nicht der einzige Bestandteil der Ernährung. Dies haben Magenanalysen ergeben. Gefressen werden in nicht geringem Umfang auch Insekten (überwiegend Käfer und Motten) und Wasserkrebstiere (Krabben, Garnelen). Das Große Hasenmaul ist nur in der Lage von einer glatten Wasseroberfläche aus zu jagen, Beutetiere werden dabei mit den Füßen aufgegriffen. Die Tiere orientieren sich an von Fischen verursachte Wellen an der Wasseroberfläche oder an aus dem Wasser ragende Rückenflossen. In der Regel fliegen die Tiere über dem Wasser in einer Höhe von 20 bis 50 cm. Während des Suchfluges schlagen sie mit den Flügeln 4-6 mal pro Sekunde. Die Fluggeschwindigkeit liegt bei 5,5 bis 7,4m/s. Zu den nachgewiesenen Insekten unter den Beutetieren gehören Maulwurfsgrillen (Gryllotalpidae), Echte Grillen (Gryllidae), Echte Schwimmkäfer (Dytiscidae), Laufkäfer (Carabidae), Wasserkäfer (Hydrophilidae), Bockkäfer (Cerambycidae), Blatthornkäfer (Scarabaeidae), Schnellkäfer (Elateridae), Schaben (Blattodea) und Schnabelkerfe (Hemiptera) (Smith, 2012).

Fortpflanzung

Die Geburten erfolgen im Allgemeinen hoch synchronisiert. Die Zeiten variieren stark je nach Vorkommen und Lebensraum. Die Männchen produzieren während der Balz in einer taschenartigen Falte im Bereich der Hoden einen starken Moschusgeruch. Innerhalb einer Saison kommt es nur zu 1 Geburt, ein Weibchen bringt ein Jungtier zur Welt. Das Geschlechterverhältnis der Jungtiere liegt bei nahezu 1:1. Die Jungen verlassen die Kolonie erstmals zu Beginn des 2. Lebensmonats (Smith, 2008).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Das Große Hasenmaul gehört heute noch nicht zu den bedrohten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art in der Kategorie LC, Least Concern, geführt. In der Nähe des Menschen wird die Art nicht gerne gesehen, da sie in Nahrungskonkurrenz zum Menschen (Fischer) steht. Lokal stellt man dem großen Hasenmaul daher nach. Ansonsten zählt die Vernichtung der natürlichen Lebensräume und die Verschmutzung der Gewässer zu den größten Gefahren (IUCN, 2014).

Anhang

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999

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