Großes Wandelndes Blatt

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Großes Wandelndes Blatt
frisch adultes Weibchen

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Gespenstschrecken (Phasmatodea)
Überfamilie: Phyllioidea
Familie: Phylliidae
Unterfamilie: Phylliinae
Tribus: Phylliini
Gattung: Wandelnde Blätter (Phyllium)
Untergattung: Pulchriphyllium
Art: Großes Wandelndes Blatt
Wissenschaftlicher Name
Phyllium giganteum
Hausleithner, 1984

Verbreitungsgebiet

Das Große Wandelnde Blatt (Phyllium giganteum) zählt innerhalb der Familie der Phylliidae zur Gattung der Wandelnden Blätter (Phyllium). Im Englischen wird diese Art Giant Malaysian Leaf Insect genannt. Das erste Mal wissenschaftlich beschrieben wurde das Große Wandelnde Blatt von Burghard Hausleithner im Jahre 1984. Es wird von der Phasmid Study Group unter der Nummer 72 geführt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Das Große Wandelnde Blatt erreicht eine Körperlänge von 80 bis 120 Millimetern. Die Nymphen weisen beim Schlupf eine Größe von etwa 20 Millimetern auf und sind zu Beginn rotbraun. Die Grundfarbe reicht von verschieden Grüntönen bis hin zu gelblich und ein bisschen bräunlich. Die Körperform erinnert an ein Eichenblatt. Mit der Zeit bekommt diese Art rotbraune Flecken am Rand. Die Flügel weisen sogar die genaue Äderung von echten Blättern auf. Das Große Wandelnde Blatt ist die größte Art der Wandelnden Blätter (Phyllium). Männchen sind bei dieser Art sehr selten, es tritt etwa immer nur ein Männchen in 20 bis 500 Weibchen auf. Zwischen den Futterpflanzen verharren die Tiere bis zur Dämmerung und fangen dann an zu Fressen. Wenn Gefahr droht schaukeln sie wie Blätter im Wind um weniger aufzufallen.

Das Verhalten dieser Art ist sehr friedlich und ruhig. Zu einer Vergesellschaftung muss man trotzdem abraten, da die Tiere gerne von anderen Arten angefressen werden.

Verbreitung

Das Große Wandelnde Blatt ist lediglich in den Cameron Highlands in Malaysia endemisch. Dort verharrt es, als Meister der Mimese, zwischen Pflanzen und schaukelt dabei wie ein Blatt im Wind.

Ernährung

Nymphe
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Nymphe

Das Große Wandelnde Blatt ernährt sich in seinem natürlichem Verbreitungsgebiet von Bananengewächsen (Musaceae), Mangos (Mangifera) und Guave (Psidium sp.). In der Terrarienhaltung wird Eiche (Quercus) sehr gerne angenommen, diese verfüttert man in den Sommermonaten an alle Stadien. Besonders die frisch geschlüpften Nymphen nehmen teilweise nur Eiche an. In den Wintermonaten muss man auf winterfeste Brombeere (Rubus sp.) zurückgreifen, dabei ist zu beachten, dass man für die Nymphen die teilweise vertrockneten Blattränder abschneidet. Neben diesen Pflanzen, werden auch noch verschiedene Rosengewächse (Rosaceae) wie Himbeere (Rubus idaeus) und Heckenrose (Rosa sp.) angenommen.

Fortpflanzung und Geschlechtsunterschied

Die Fortpflanzung erfolgt sowohl meist in der Natur, als auch immer in Zucht ohne Männchen, das heißt das Große Wandelnde Blatt pflanzt sich parthenogenetisch fort. Diese Fortpflanzungsart erfolgt immer ohne Männchen, die Eier werden dabei nicht befruchtet und als Ergebnis schlüpfen nur weibliche Tiere, so genannte Klone des Muttertiers. Bei den meisten Phasmiden, die sich in Natur geschlechtlich vermehren und sich in Zucht dann parthenogenetisch fortpflanzen, sinkt die Schlupfrate und der Stamm wird schwächer. Die Tatsache, dass auch in der Natur nur sehr wenige Männchen auftreten und sich dort auch die Weibchen ohne diese fortpflanzen, lässt den Stamm in Zucht ziemlich stabil bleiben, auch wenn oft Inzuchterscheinungen auftreten. Also, sobald das Weibchen adult ist, beginnt es nach etwa drei bis vier Wochen mit der Eiablage. Die Eier lässt sie dabei einfach zu Boden fallen. Ist ein Männchen dabei, steigt dieses auf das Weibchen und die beiden führen ihre Abomenenden zusammen, dabei überträgt das Männchen ein Spermapaket in die Öffnung des Abdomens des Weibchens. Nachdem diese geleert ist, werden die Spermien in die Samentasche des Weibchens übertragen und befruchten die Eier. Auch in Zucht treten hin und wieder sterile Männchen auf, das heißt es kommt zwar zur Paarung, das Weibchen bleibt jedoch unbefruchtet. Die acht Millimeter großen Eier weisen eine bräunliche, graue oder schwarze Färbung mit einigen Poren auf. Am Tag werden bis zu fünf Eier gelegt.

Die Weibchen werden mit 100 bis 120 Millimetern deutlich größer, als die nur zirka 80 Millimeter langen Männchen. Die Weibchen weisen meist eine hellgrüne Färbung auf, nach einiger Zeit, entstehen am Körper des Tieres rotbraune Flecken, damit das Weibchen wie ein angefressenes Blatt aussieht. Es gibt aber auch gelbliche Exemplare. Die Weibchen besitzen keine Hinterflügel und haben kurze Fühler, mit denen sie stridulieren können. Die Männchen sind voll geflügelt und können damit auch fliegen. Sie weisen ein etwa dunkleres Grün als die Weibchen auf und besitzen lange Fühler. Die Männchen erkennt man schon früh als Nymphe an den braunen Mittelschenkeln. Die Weibchen haben das typische Aussehen eines Blattes, in diesem Fall fast eines Eichenblattes. Dadurch sind sie auch viel breiter als die schmalen Männchen. Außerdem werden die Weibchen mit zehn Monaten deutlich älter als die wenige Tage bis Wochen lebenden Männchen. Diese kurze Lebensspanne ist höchstwahrscheinlich auch der Grund weshalb sich diese Art auch in der Natur parthenogenetisch fortpflanzen, anstatt sich mit Männchen zu paaren.

Lebenserwartung

Zwei Nymphen in verschiedenen Stadien
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Zwei Nymphen in verschiedenen Stadien

Die Entwicklung im Ei dauert um die acht Monate, nach dem Schlupf benötigen die Nymphen weitere acht Monate, bis zur Imaginalhäutung. Nach dieser werden die Weibchen bis zu zehn Monate alt. Die Männchen sind sehr kurzlebig und werden nur einige Tage bis Wochen alt.

Prädatoren

Mögliche Feinde des Großen Wandelnden Blattes sind Vögel (Aves), kleinere Säuger (Mammalia) oder Reptilien (Reptilia). Durch die Größe, werden die Imagines wahrscheinlich jedoch selten angegriffen. Nymphen fallen da schon eher zum Opfer, bei diesen könnten auch noch Spinnen (Arachnida) als potenzielle Prädatoren hinzukommen. Werden die Tiere angegriffen, sind die Wandelnden Blätter der Autonomie und der Stridulation fähig, das heißt sie können Beine abwerfen, und bevor sie das tun, reiben sie ihre Fühler aneinander und erzeugen dabei eine Geräusch, welches Angreifer verscheuchen soll. Zusätzlich spreizen die Tiere, ihre Vorderflügel auseinander, um an Größe zu gewinnen, daneben versetzten sie den Ast, auf dem sie sitzen in Schwingung.

Haltung und Zucht

Haltung

Neben Phyllium bioculatum ist das Große Wandelnde Blatt eines der schwersten zu haltenden Wandelnden Blätter. Bevor man sich an diese Art herantraut, sollte man eventuell vorher mit Phyllium sp. Philippinen oder Phyllium westwoodi Erfahrung sammeln. Schafft man die richtigen klimatischen Bedingungen, kann man auch diese Art halten. Das schwierige an der Haltung ist, dass Temperaturen von 25°C bis 33°C, eine Luftfeuchtigkeit von bis zu 80% und gleichzeitig eine gute Belüftung angeboten werden müssen. Sehr gut geeignet sind hierzu Aquarien, an die man Holzleisten klebt und diese mit Gaze umspannt. Eine andere Methode um genügend Belüftung in einem normalen Terrarium mit einer Seite Gaze zu erreichen ist ein Ventilator. Diesen stellt man ein wenig entfernt vom Terrarium auf und lässt ihn alle paar Stunden laufen. Dadurch werden die Tiere zum Fressen angeregt und gleichzeitig ist Belüftung vorhanden. Die Höhe sollte für maximal vier adulte Tiere um die 40 bis 50 Zentimeter Höhe haben, damit bei der Häutung alles klappt. Als Einrichtungsgegenstände kann man Äste hinein geben, da sich die Tiere am Tag nur im Geäst aufhalten. Um die Luftfeuchtigkeit zu halten, kann man Moos und Torf als Bodengrund verwenden. Um Schimmel vorzubeugen können Springschwänze (Collembola) auf den Boden gesetzt werden. Diese beseitigen Kot, Pflanzenreste und Schimmel. Adulte Tiere sollte man nicht vergesellschaften, die Nymphen kann man schon. Daraus kann man auch einen Vorteil ziehen, man muss die Blätter nicht mehr anscheinden, sondern größere Nymphen von anderen Artn fressen die Ränder ab.

Zucht

Eier
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Eier

In Zucht gibt es nur Weibchen, die sich parthenogenetisch fortpflanzen. Manchmal treten zwar Männchen auf, diese sind jedoch nicht zeugungsfähig. Nach drei bis vier Wochen nach der Imaginalhäutung fangen die Tiere zum Eierlegen an. Am Tag können bis zu fünf Eier gelegt werden.

Nach etwa acht Monaten schlüpfen die zu Beginn 20 Millimeter großen Nymphen und weisen eine rotbraune Färbung auf. Nach der ersten Nahrungsaufnahme verfärben sich die Tiere schon grün. Die Schlupfrate beträgt bei dieser Art lediglich 20%, wenn die klimatischen Bedingungen nicht verändert werden, können jedoch die meisten Tiere davon adult werden. Bei kleinen Änderungen sterben die Nymphen jedoch. Die Aufzucht sollte ein wenig feuchter sein als bei den Imagines, von daher sollte man die Nymphen separieren. Mit jeder Häutung wachsen die Nymphen und weisen immer mehr Ähnlichkeiten mit einem Blatt auf. Bis zur Adulthäutung benötigen die Weibchen acht Monate, die Männchen nicht so lange, da sie eine Häutung weniger benötigen. Nach der Adulthäutung können die Weibchen weitere 10 Monate werden und über 100 Eier legen.

Anhang

Literatur und Quellen

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