Großgrison

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Großgrison
Zeichnung

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)
Familie: Marder (Mustelidae)
Unterfamilie: Mustelinae
Gattung: Grisons (Galictis)
Art: Großgrison
Wissenschaftlicher Name
Galictis vittata
(Schreber, 1776)

IUCN-Status
Least Concern

Der Großgrison (Galictis vittata) zählt innerhalb der Familie der Marder (Mustelidae) zur Gattung der Grisons (Galictis). Im Englischen wird der Großgrison Greater Grison genannt.

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Als die Vorgänger der Grisons (Galictis) werden die beiden Arten der Gattung Trigonictis angesehen. Dies sind Trigonictis macrodon (Cope, 1868) und Trigonictis cookii (Gazin, 1934). Beide Arten starben im späten Pliozän vor etwa 5 Millionen Jahren aus und kamen in weiten Teilen Nordamerikas vor. Einige Forscher wie beispielsweise Reig (1957) glaubten, dass es sich bei beiden Gattungen eher um gleichartige Arten handelten, die zur gleichen Zeit existierten. Belegt ist diese Aussage jedoch nicht. Im frühen Pleistozän traten in der Untergattung Galictis 3 weitere Arten in Erscheinung. Dies sind Galictis sorgentinii und Galictis sanandresensis aus Argentinien sowie Galictis intermedius aus Brasilien (Yensen & Tarifa, 2003). <1>

Beschreibung

Aussehen und Maße

Großgrisons sind längliche und schlank gebaute Marderartige (Mustelidae). Sie zeichnen sich ferner durch eine schmale Brust, einen langen Hals, einen kurzen buschigen Schwanz und kurze Beine aus. Der relativ kleine Kopf ist dorsal deutlich abgeflacht. Ein Großgrison erreicht je nach Geschlecht und Unterart eine Gesamtlänge von 60 bis 76 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 13,5 bis 19,5 Zentimeter, eine Kopf-Rumpf-Länge von 45 bis 60 Zentimeter, eine Hinterfußlänge von 6,6 bis 9,7 Zentimeter, eine Ohrlänge von 2 bis 3,2 Zentimeter, eine Condylobasallänge von 8,03 bis 9,79 Zentimeter, eine Palatilarlänge (Länge des knöchernen Gaumens zwischen Hinterrand der Gaumenbeine und Hinterrand der Zahnfächer) von 3,80 bis 4,55 Zentimeter, eine Jochbogenbreite von 4,54 bis 5,62 Zentimeter sowie ein Gewicht von 1.415 bis 3.280 (2.350) Gramm. In Gefangenschaft kann leicht ein Gewicht von gut 4 Kilogramm erreicht werden. Bis auf einen Größenunterschied weisen die Geschlechter keinen nennenswerten Dimorphimus auf. Weibchen bleiben kleiner, leichter und schlanker als Männchen. Die Tatzen sind auf der Unterseite nackt und schwarz gefärbt, am Metatarsus zeigen sich feine Tuberkel (knotige Schwellungen). Die Füße enden jeweils in 5 Zehen. Die kurzen und gebogenen Krallen der Zehen sind leicht bläulich gefärbt. Großgrisons bewegen sich als Sohlengänger fort. Die Behaarung am Schwanz ist buschig und kann bei Gefahr oder Erregung aufgestellt werden. Der Schwanz weist zwischen 17 und 18 Wirbel auf. Die Vibrissen im Schnauzenbereich sind schwarz gefärbt. Der Kopf, der Rücken, die Seiten und das Hinterteil sind schwärzlichgrau gefärbt. Eine ähnliche Färbung zeigt sich auch an den Beinen und im Gesichtsfeld, ventral ist das Fell meist heller gefärbt. Markantes Merkmal ist ein weißlicher bis cremefarbener Streifen, der sich von der Stirn auf jeder Kopfseite bis zu den Schultern erstreckt. Das Fell ist insgesamt eher grob, die feine Unterwolle ist jedoch ausgesprochen weich. Auch wenn der Schädel im Vergleich zum Körper klein wirkt, so ist er kräftig und massiv gebaut. Der Kopf zeichnet sich durch eine kurze Schnauze aus (Arita et al., 1990; Yensen & Tarifa, 2003).

Der Kot ist variabel, zylindrisch geformt und zwischen 5 und 10 Zentimeter lang. Das Gehirn weist ein Gewicht von 24,3 Gramm auf. Der Magen ist einfach gebaut, lang und leicht zylindrisch. Der Pylorus (lat., „Pförtner“) ist leicht Gebogen. Beim Pylorus handelt es sich um ringförmig angeordnete glatte Muskulatur, die sich zwischen Antrum pyloricum und dem Zwölffingerdarm (Duodenum) befindet. Über einen Blinddarm (lat. Caecum) verfügen Großgrisons nicht. Im Bereich des Anus liegen beidseitig große Duftdrüsen. Duftsekrete gelangen durch Muskelkontraktion durch einen Kanal ins Freie. Das ölige Sekret weist eine klare bis gelbliche Färbung auf. Bei großer Erregung oder Gefahr kann das Sekret gezielt abgegeben werden. Der Penisknochen (Baculum) weist eine Länge von 5,46 bis 5,69 Zentimeter, eine proximale Breite von 0,43 bis 0,52 Zentimeter sowie eine distale Breite von 0,22 bis 0,31 Zentimeter auf. Die Spitze des Baculum ist 0,62 bis 0,75 Zentimeter lang und 0,62 bis 0,74 Zentimeter breit. Das Gebiss besteht aus 34 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i3/3, c1/1, p3/3, m1/2. Der Molar M1 liegt quer im Kiefer und ist doppelt so breit wie lang (Arita et al., 1990; Aranda, 2000; Yensen & Tarifa, 2003). <2>

Lebensweise

Großgrisons sind hauptsächlich am Tage aktiv, aber auch in der Dämmerung und in der Nacht. Am Tage liegt die Hauptaktivität in den frühen Morgenstunden und am späten Nachmittag. In den Mittagsstunden ruhen die Tiere für gewöhnlich mehrere Stunden. Großgrisons sind terrestrisch, können jedoch durchaus auch in niedrige Bäume klettern. Sie sind auch gute Schwimmer und sind in der Lage auch größere Flüsse oder Seen zu überqueren. Großgrisons gelten als territorial. Sie markieren ihr Revier mit einem moschusartigen Sekret aus analen Drüsen. Eine mittelgroße Familiengruppe beansprucht ein Revier in einer Größe von 3 bis 5 km². Die Größe des Reviers richtet sich im Wesentlichen nach den Nahrungsressourcen. Sie sind sozial und leben in kleinen Familiengruppen. Großgrisons gehen alleine, paarweise oder in kleinen Familiengruppen auf Nahrungssuche (Mendez et al., 1970; Sunquist et al., 1989; Yensen & Tarifa, 2003). <3>

Unterarten

Verbreitung

Typischer Lebensraum: Trockenwald im Gran Chaco
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Typischer Lebensraum: Trockenwald im Gran Chaco

Großgrisons sind in weiten Teilen Mittel- und Südamerikas verbreitet. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom südöstlichen Mexiko, über ganz Mittelamerika bis ins zentrale Südamerika. In Südamerika werden das nördliche Bolivien, das nördliche und zentrale Brasilien, das östliche Kolumbien, das östliche Ecuador, Französisch-Guayana, Guyana, das östliche und nördliche Peru, Suriname und Venezuela besiedelt. Das gesamte Verbreitungsgebiet erstreckt sich über 1,31 Millionen km². Großgrisons leben hauptsächlich in Tiefland-Regenwäldern. Lokal, vor allem östlich der Anden, werden auch Wälder im Hochland bis in Höhen von gut 2.000 Meter über NN besiedelt. In den südlichen Regionen, insbesondere im zentralen Brasilien und im nördlichen Argentinien werden auch Sekundärwälder, Sumpfgebiete sowie Baum- und Buschland bewohnt. In der Nähe des Menschen kommen Großgrisons auch in Plantagen und anderen landwirtschaftlichen Flächen vor. Die Siedlingsdichte liegt in den meisten Regionen bei 1 bis 2,4 Individuen je km². In den Ruhephasen halten sich Großgrisons in natürlichen Höhlen, zwischen Felsen oder zwischen Wurzeln großer Bäume auf. Lokal werden auch die verlassenen Erdbauten von Gürteltieren (Dasypodidae) bewohnt (Arita, et al. 1990; Hice, 2001; Yensen & Tarifa, 2003). <4>

Ekto- und Endoparasiten

Zu den bekanntesten Ekto- und Endoparasiten, die nachgewiesen werden konnten sind Schildzecken (Ixodidae) wie Amblyomma auricularium, Flöhe (Siphonaptera) wie Pulex simulans und Fadenwürmer (Nematoda) wie Dioctophyme renale. Großgrisons können auch an Staupe, einer Viruserkrankung, die vor allem Hundeartige (Canidae) und Marderartige (Mustelidae) befällt, erkranken. Weitere Krankheiten sind die Chagas-Krankheit (infektiöse Erkrankung und Parasitose), die durch Trypanosoma cruzi hervorgerufen wird (Yensen & Tarifa, 2003). <5>

Ernährung

Beliebtes Beutetier: Südopossum (Didelphis marsupialis)
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Beliebtes Beutetier: Südopossum (Didelphis marsupialis)

Großgrisons ernähren sich hauptsächlich von kleineren Säugetieren (Mammalia), kleinere Kriechtieren (Reptilia), Lurchen (Amphibia) und Vögeln (Aves). In der Nähe des Menschen haben es Großgrisons auch auf das Geflügel der Siedler abgesehen. Durch Magenanalysen konnten zahlreiche Beutetiere identifiziert werden. Dies sind je nach Verbreitungsgebiet Zuckerrohrratten (Sigmodon alstoni) aus der Gattung der Baumwollratten (Sigmodon), Ameiven (Ameiva), Ohrflecktauben (Zenaida auriculata) aus der Gattung der Trauertauben (Zenaida), Südopossums (Didelphis marsupialis), Aga-Kröten (Bufo marinus), Mittelamerikanische Agutis (Dasyprocta punctata) und Felsenmeerschweinchen (Kerodon rupestris). Großegrisons scheinen gegen das Hautgift der Aga-Kröten immun zu sein. Die Nahrungssuche erfolgt sowohl in geschlossenen Wäldern als auch in offenem Gelände. In Gefangenschaft nehmen Großgirons auch Früchte und ähnliches zu sich (Eisenberg und Redford, 1999; Cintra, 1988; Aranda, 2000; Yensen & Tarifa, 2003). <6>

Fortpflanzung

Das Paarungsverhalten ist nicht ausgiebig erforscht, man geht davon aus, dass es sowohl zu einer monogamen als auch polygamen Lebensweise kommen kann, wobei eine polygame Lebensweise die Regel sein dürfte. Die Geschlechter trennen sich jedoch, nachdem der Nachwuchs selbständig geworden ist. Außerhalb der Paarungszeit leben Großgrison also einzelgängerisch. Lokal scheint die Paarungszeit begrenzt zu sein. Über das ganze Verbreitungsgebiet gesehen konnten jedoch zu jeder Jahreszeit Geburten beobachtet werden. Nach einer Tragezeit von gut 39 bis 40 Tagen bringt ein Weibchen meist 4 Jungtiere an geschützter Stelle, meist in einer Höhle oder einem Erdbau, zur Welt. Das Geburtsgewicht liegt bei etwa 50 Gramm. Die Augen sind bei der Geburt noch geschlossen, das Fell ist kurz und weich. Die Augen öffnen sich im Alter von 2 Wochen, die erste feste Nahrung wird ab der 4. Lebenswoche zu sich genommen. Um die Aufzucht des Nachwuchses kümmern sich fast ausschließlich die Mütter. In Freiheit wurde eine väterliche Obacht noch nicht beobachtet. Die Säugezeit und die Lebenserwartung in Freiheit sind nicht bekannt. In Gefangenschaft erreichen die Tiere ein Alter von 10,5 bis 12,5 Jahre (Eisenberg und Redford, 1999; Aranda, 2000; Yensen & Tarifa, 2003). <7>

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Der Großgrison gilt heute noch nicht als gefährdet. In der Roten Liste der IUCN wird der Großgrison als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. Die einzelnen Unterarten gelten lokal jedoch als gefährdet oder stark gefährdet. Galictis vittata canaster gilt beispielsweise in Mexiko und in Costa Rica als gefährdet. Der Großgrison steht in den einzelnen Ländern in dem großen Verbreitungsgebiet unter Schutz. Unter Schutz steht die Art in Belize, in Bolivien und in Kolumbien. Die Bejagung ist in Nicaragua und in Bolivien verboten. Neben der Zerstörung der natürlichen Lebensräume stellt die Bejagung der Tiere die größte Gefahr dar. Die Lebensräume werden wegen des Tropenholzes vernichtet oder werden in landwirtschaftliche Flächen, Straßen oder Industriegebiete wie Ölförderanlagen umgewandelt (De la Rosa and Nocke, 2000; Yensen & Tarifa, 2003). <8>

Veraltete Synonyme

Kleingrisons sind in der Vergangenheit unter zahlreichen Synonymen geführt worden. Dazu gehören beispielsweise Viverra vittata Schreber, 1776, Mustela gujanenesis Bechstein, 1800, Mustela vitatta Bechstein, 1800, Gulo vittatus Desmarest, 1820, Ursus brasiliensis Thunberg, 1820, Lutra vittata Traill, 1821, Galictis vittata Bell, 1826, Galictis allamandi Bell, 1837, Galictis crassidens Nehring, 1885, Galictis canaster Nelson, 1901 und Galictis andina Thomas, 1903. Die aufgeführten Synonyme gelten als veraltet oder falsch interpretiert. <9>

Anhang

Siehe auch

  • Die Familie der Marder (Mustelidae)

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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