Großohr-Kitfuchs

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Großohr-Kitfuchs

Systematik
Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Unterordnung: Hundeartige (Caniformia)
Familie: Hundeartige (Canidae)
Gattung: Echte Füchse (Vulpes)
Art: Großohr-Kitfuchs
Wissenschaftlicher Name
Vulpes macrotis
Merriam, 1888

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Großohr-Kitfuchs (Vulpes macrotis) zählt innerhalb der Familie der Hundeartigen (Canidae) zur Gattung der Echten Füchse (Vulpes). Im Englischen wird die Art Kit Fox oder Desert Fox genannt.

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Fossile Funde des Großohr-Kitfuchses wurde nur wenige gefunden. Die meisten Funde stammen aus dem Großen Becken (Great Basin) im Westen der USA. Hier sind insbesondere Fundorte im Nordwesten Utahs und im südöstlichen Oregon zu erwähnen. Die Funde stammen alle aus dem späten Pleistozän oder dem frühen Holozän und weisen ein Alter von 6.500 bis 10.000 Jahren auf (McGrew, 1979; Grayson, 1977; Gilmore, 1947). <1>

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Großohr-Kitfuchs ist schlank gebaut und weist alle typischen Fuchs- und Hundemerkmale auf, wobei die Ohren deutlich länger sind als bei anderen nordamerikanischen Caniden. Sie sind zugleich die kleinste Art der nordamerikanischen Caniden. Der buschige Schwanz ist lang und weist rund 40% der Körperlänge auf. Die Extremitäten sind lang und schlank, die Fußsohlen weisen eine dichte Behaarung auf. Die Behaarung an den Fußsohlen stellt eine Anpassung an den sandigen Lebensraum dar. Die Fellfärbung und -Musterung variieren je nach Vorkommen und Lebensraum. In den meisten Regionen ist das Fell gelblichgrau gefärbt und weist eine schwärzliche Strichelung im Bereich der Schutzhaare auf. Ventral zeigt sich eine weißliche oder cremefarbene bis hellbraune Färbung auf. Die Schutzhaare erreichen eine Länge von bis zu 50 mm, die dichte Unterwolle ist deutlich kürzer. Die Vibrissen im Schnauzenbereich sind bräunlich bis schwärzlich gefärbt. Die Geschlechter weisen keinen nennenswerten Dimorphismus auf, die Männchen sind jedoch insgesamt ein wenig kräftiger gebaut und weisen ein um bis zu 15% höheres Gewicht auf. Großohr-Kitfüchse erreichen je nach Vorkommen und Geschlecht eine Gesamtlänge von 730 bis 840 (788) mm, eine Schwanzlänge von 260 bis 323 (290) mm, eine Hinterfußlänge von 113 bis 137 (122) mm, eine Ohrlänge von 78 bis 94 (85) mm, eine Condylobasallänge von 114,4 mm, eine Jochbeinbreite von 62,1 mm sowie ein Gewicht von 1.600 bis 2.700 Gramm. Die Weibchen verfügen zum Säugen des Nachwuchses über 4 Paar Zitzen. Das kräftige Gebiss verfügt über 42 Zähne, die zahnmedizinische Formel lautet i3/3, c1/1, p4/4, m2/3 (McGrew, 1979; Novak, 1999; Hildebrand, 1952). <2>

Lebensweise

Großohr-Kitfüchse sind nachtaktiv. Sie leben außerhalb der Paarungszeit überwiegend einzelgängerisch, während der Paarungszeit in monogamen Familiengruppen. Auf Nahrungssuche gehen die Individuen grundsätzlich einzelgängerisch. Großohr-Kitfüchse halten sich während der Ruhephasen und am Tage in Erdbauten auf. Die Bauten weisen zwischen 2 oder mehr Ein- und Ausgänge auf. Die Tunnel erreichen meist eine Länge von 300 bis 600 Zentimeter und reichen bis in Tiefen von bis zu 127 Zentimeter. Innerhalb eines Reviers werden in der Regel mehrere Bauten unterhalten. Von den Füchsen verlassene Erdbauten werden gerne von anderen Tieren besetzt. Hier sind insbesondere Kaninchen-Eulen (Athene cunicularia), Weißschwanz-Antilopenziesel (Ammospermophilus leucurus) oder Gemeine Seitenfleckleguane (Uta stansburiana) zu nennen. Großohr-Kitfüchse sind durchaus territorial. Das eigene Revier wird insbesondere durch Kot und Urin markiert. Es verwundert daher nicht, dass der olfaktorische Sinn der wichtigste Sinn ist. Die Reviere weisen für gewöhnlich eine 2,4 bis 11,5 (3,2) km² auf. Die Reviere mehrerer Individuen oder Familiengruppen können sich dabei überschneiden. Die Siedlungsdichte richtet sich nach der Lebensraumqualität und variiert zwischen 259 und 471 Hektar je Tier. Großohr-Kitfüchse sind ausgezeichnete Läufer. Sie erreichen leicht eine Geschwindigkeit von bis zu 40 km² (McGrew, 1979; Novak, 1999; Morrell, 1972). <3>

Verbreitung

Der Großohr-Kitfuchs ist in den ariden Regionen im Südwesten der USA und im nördlichen bis zentralen Mexiko verbreitet. Im Norden reicht das Verbreitungsgebiet bis nach Oregon, im Süden bis ins zentrale Mexiko. In den USA werden Colorado, Nevada, Utah, Kalifornien, Arizona, New Mexiko, und das westliche Texas besiedelt. In Mexiko kommt die Art in den Bundesstaaten Coahuila, Chihuahua und Nuevo Leon und Baja California vor. Großohr-Kitfüchse sind insbesondere in ariden Regionen wie Wüsten, Halbwüsten, Savannen, Grünlandsteppen und Chaparrals anzutreffen. Zur typischen Flora in den Lebensräumen gehören Melden (Atriplex), Sarcobatus vermiculatus und verschiedene Korbblütler (Asteraceae) wie Wüsten-Beifuß (Artemisia tridentata). In der Nähe des Menschen werden auch landwirtschaftliche Fläche und die Nähe von Siedlungsraum besiedelt. Großohr-Kitfüchse treten üblicherweise in gemäßigten Höhenlagen von 400 bis 1.675 Meter auf. Die Lebensräume zeichnen sich meist durch sandige Böden aus, in denen leicht Erdbauten gegraben werden können. Oftmals werden die Erdbauten von Silberdachsen (Taxidea taxus) oder auch Präriehunden (Cynomys) übernommen. Die Eingänge zu den Erdhöhlen befinden sich an geschützter Stelle wie beispielsweise unter Büschen oder Sträuchern (McGrew, 1979; Novak, 1999; O'Farrell, 1987; Côtera, 1996). <4>

Biozönose

Prädatoren

Prädator: der Silberdachs (Taxidea taxus)
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Prädator: der Silberdachs (Taxidea taxus)

Ein relativ kleines Raubtier wie der Großohr-Kitfuchs steht nicht am Ende der Nahrungskette. So stellen den Füchsen oder deren Jungtieren in ihren natürlichen Lebensräumen durchaus zahlreiche Prädatoren nach. Hier sind insbesondere Kojoten (Canis latrans), Rotluchse (Lynx rufus), Rotfüchse (Vulpes vulpes) und Silberdachse (Taxidea taxus). Aber auch größere Habichtartige Greifvögel (Accipitridae) und verwilderte Haushunde stellen den Großohr-Kitfüchsen nach. Felduntersuchungen haben ergeben, dass rund 3 Viertel der Mortalität auf Angriffe durch Kojoten zurückzuführen sind. Der einige Schutz der Großohr-Kitfüchse ist dir kryptische Fellzeichnung und die Flucht. Der größte ist und bleibt jedoch der Mensch, der die Tiere direkt oder indirekt tötet. Menschen stellen den Tieren wegen des Felles nach. Erbeutet werden die meisten Füchse durch Fallen. Aber auch im Straßenverkehr kommen in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes zahlreiche Tiere ums Leben (McGrew, 1979; Novak, 1999). <5>

Parasiten

Anhang von Kadavern und gefangenen Großohr-Kitfüchsen konnten in Feldversuchen zahlreiche Ekto- und Endoparasiten nachgewiesen werden. Hier sind insbesondere Milben (Acari), Kieferläuse (Mallophaga), Flöhe (Siphonaptera) wie der Menschenfloh (Pulex irritans) oder Pulex simulans sowie Zecken (Ixodida), insbesondere Schildzecken (Ixodidae) wie Ixodes texanus und Dermacentor perumapertus zu nennen. An Endoparasiten konnten Bandwürmer (Cestoda) wie Mesogyna hypatica, Mesogyna hepatica und Dipylidium caninum nachgewiesen werden (McGrew, 1979; Novak, 1999; Voge, 1952). <6>

Ernährung

Beliebtes Beutetier: der Eselhase (Lepus californicus)
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Beliebtes Beutetier: der Eselhase (Lepus californicus)

Großohr-Kitfüchse sind opportunistische Carnivoren. Weit oben auf der Speisekarte der Großohr-Kitfüchse stehen Hasenartige (Lagomorpha) und Nagetiere (Rodentia). Hier sind insbesondere Taschenratten (Geomyidae) wie die Heermanns Kängururatte oder Dipodomys spectabilis, Echte Hasen (Lepus) wie Eselhasen (Lepus californicus) und Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus) sowie Präriehunde (Cynomys) zu nennen. Neben den bereits genannten Säugetieren (Mammalia) werden auch Vögel (Aves), kleine Kriechtiere (Reptilia) und größere Insekten (Insecta) gefressen. Zu einem kleinen Teil steht auch pflanzliche Kosten wie Nachtschatten (Solanum), insbesondere Tomaten (Solanum) sowie die Früchte von verschiedenen Kakteen (Cactoideae) auf der Speisekarte. Zu einem kleinen Teil wird auch Aas verzehrt. Die Nahrungssuche erfolgt aufgrund der nachtaktiven Lebensweise ausschließlich während der Dunkelheit (McGrew, 1979; Novak, 1999; Morrell, 1972). <7>

Fortpflanzung

Großohr-Kitfüchse erreichen die Geschlechtsreife im Alter von gut 10 Monaten. Es treten sowohl monogame als auch polygame Verhaltensweisen auf, wobei Polygamie eher selten anzutreffen ist. Weibchen suchen bereits im September oder Oktober nach adäquaten Höhlen, in denen sie ihren Nachwuchs zur Welt bringen. Es handelt sich in der Regel um Erdbauten, die von anderen Tieren übernommen und ausgebaut werden. Meist werden einem vorhandenen Bau nur neue Tunnel hinzugefügt. Im Oktober oder November stoßen die Männchen zu den Weibchen. Zu diesem Zeitpunkt, spätestens jedoch bis Februar beginnt die Paarungszeit. Bei monogamen Bindungen erfolgt die Paarbindung nicht selten ein Leben lang. In einer Saison kommt es lediglich zu einem Wurf. Nach einer Tragezeit von 49 bis 56 Tagen bringt ein Weibchen in ihrem Bau 1 bis 7 (4) Jungtiere zur Welt. Die meisten Jungtiere kommen zwischen Februar und März zur Welt. Das Geschlechterverhältnis der Jungtiere liegt im Durchschnitt bei 1:1. Die Welpen weisen eine hellbraune bis graubraune Färbung auf. Der Nachuchs ist bei der Geburt 162 mm lang und weist ein Gewicht von 40 Gramm auf. Sie wiegen im Alter von gut 1 Monat zwischen 227 und 454 Gramm. Die Säugezeit erstreckt sich für gewöhnlich über einen Zeitraum von 60 Tagen. Das adulte Fell stellt sich bis Oktober ein. Im Alter von 5 bis 6 Monaten sind die Jungtiere selbständig und verlassen die Familiengruppe, spätestens jedoch mit Erreichen der Geschlechtsreife. Die Lebenserwartung in Freiheit ist nicht bekannt, in Gefangenschaft erreichen Großohr-Kitfüchse durchaus ein Alter von 10 bis 12 Jahren (McGrew, 1979; Novak, 1999; Cockrum, 1962; Morrell, 1972). <8>

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Großohr-Kitfüchse gehören noch nicht zu den bedrohten Fuchsarten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen listet den Großohr-Kitfuchs nicht. In einigen Regionen wie zum Beispiel im nördlichen Mexiko sind Großohr-Kitfüchse mittlerweile selten geworden. Gleiches gilt auch für einige Regionen im Südwesten der USA wie beispielsweise Kalifornien und Oregon. In beiden US-Bundesstaaten gilt der Großohr-Kitfuchs als gefährdet. Die Tiere gelten als Überträger verschiedener Krankheiten. Daher sind Großohr-Kitfüchse in der Nähe des Menschen keine gern gesehenen Gäste. Auf der anderen Seite sind Füchse im Allgemeinen für ein intaktes Ökosystem ausgesprochen wichtig, da sie die Populationen von Nagetieren (Rodentia) steuern. Zudem bilden sie die Nahrungsgrundlage für größere Raubtiere (Carnivora). In den meisten Regionen steht der Großohr-Kitfuchs unter Schutz und darf nicht bejagt werden. Dies ist in Kalifornien, Oregon und Idaho der Fall. Geschützt ist die Art lokal auch in Utah, Colorado, Arizona, New Mexico und Texas. Auch in Mexiko steht der Großohr-Kitfuchs unter Schutz, jedoch werden die Schutzmaßnahmen nicht durchgesetzt und eine Bejagung wird nicht geahndet (McGrew, 1979; Novak, 1999). <9> <10>

Synonyme

Nach Wilson & Reeder, 2005, ist der Sandfuchs unter zahlreichen Synonymen bekannt. Dies sind arizonensis Goldman, 1931, arsipus Elliot, 1904, devius Nelson & Goldman, 1909, muticus Merriam, 1902, neomexicanus Merriam, 1902, nevadensis Goldman, 1931, tenuirostris Nelson & Goldman, 1931 und zinseri Benson, 1938. Beide Synonyme sind ungültig. <11>

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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