Großohropossum

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Großohropossum

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Beutelsäuger (Metatheria)
Ordnung: Beutelrattenartige (Didelphimorphia)
Familie: Beutelratten (Didelphidae)
Gattung: Opossums (Didelphis)
Art: Großohropossum
Wissenschaftlicher Name
Didelphis aurita
(Wied-Neuwied, 1826)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Das Großohropossum (Didelphis aurita) zählt innerhalb der Familie der Beutelratten (Didelphidae) zur Gattung der Opossums (Didelphis). Im Englischen wird die Art Brazilian Common Opossum oder Big-eared Opossum genannt (IUCN, 2014).

Inhaltsverzeichnis

Systematik

Das Großohropossum wurde ürsprünglich als Unterart des Südopossums (Didelphis marsupialis) geführt. Jedoch belegen klare morphologische Unterschiede den Artstatus des Großohropossums. Die Art spaltete sich vom Südopossum im Pleistozän durch eine schnelle Differenzierung ab (Smith, 2009).

Erkennung und Unterschiede

Das Großohropossum kann mit dem Weißohropossum (Didelphis albiventris) verwechselt werden. Unterschiede zeigen sich jedoch in der Fellfärbung und in den unterschiedlichen Lebensräumen. Das Weißohropossum lebt vorzugsweise in trockenen Lebensräumen mit struppiger Vegetation und ist golden bis leicht ocker gefärbt. Das Großohropossum besiedelt hauptsächlich feuchte Lebensräume (Smith, 2009).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Großohropossum ist innerhalb der Gattung eine kleine Art. Markantes Merkmal ist die grauschwarze bis schwärzliche Färbung des Felles. Das Gesichtsfeld ist deutlich heller, meist hellbraun gefärbt und weist markante helle Stellen über den Augen auf. Das Deckhaar erreicht eine Länge von 80 bis 100 mm. Die dichte Unterwolle ist weißlich bis leicht golden gefärbt. Ventral zeigt sich eine helle bräunliche Färbung. Eine ähnliche Fäbung ist im Bereich des Halses und Kinnes zu erkennen. Auf dem Rücken zeigt sich ein dunkler, fast schwarzer Aalstrich, der sich auf dem Kopf bis zwischen die Augen fortsetzt. Die Geschlechter des Großohropossums weisen unterschiedliche Maße auf. Männchen erreichen eine Gesamtlänge von 74,5 bis 80,6 (77,77) mm, eine Körperlänge von 40,5 bis 42,6 (41,7) mm, eine Schwanzlänge von 34,0 bis 38,0 (36,0) mm, eine Hinterfußlänge von 4,8 bis 6,1 (5,4) mm, eine Ohrlänge von 4,6 bis 5,0 (4,8) mm, eine Schädellänge von 104,39 mm, eine Condylobasallänge von 101,04 mm, eine Jochbeinbreite von 55,92 mm sowie ein Gewicht von 670 bis 1.560 g. Weibchen erreichen eine Gesamtlänge von 67,8 bis 77,0 (74,42) mm, eine Körperlänge von 35,8 bis 41,0 (39,4) mm, eine Schwanzlänge von 32,0 bis 38,8 (35,4) mm, eine Hinterfußlänge von 4,1 bis 6,1 (5,4) mm, eine Ohrlänge von 3,9 bis 6,0 (5,15) mm, eine Schädellänge von 95,13 mm, eine Condylobasallänge von 93,26 mm, eine Jochbeinbreite von 48,21 mm sowie ein Gewicht von 670 bis 1.560 g. Der Schwanz ist etwas kürzer als die Körperlänge. Er ist an der Basis leicht behaart und dunkel graubraun bis scharz gefärbt, distal (etwa die Hälfte) ist der Schwanz fleischfarben. Die Ohren sind groß, gerundet und schwärzlich gefärbt. Die Gliedmaßen sind inklusive der Zehen schwarz gefärbt Die Füße sind breit, die Krallen lang. Das Gebiss besteht aus 50 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i5/4, c1/1, p3/3, m4/4 (Novak, 1999; Smith, 2009).

Lebensweise

Großohropossums sind überwiegend nachtaktiv. Die Tiere leben überwiegend am Boden, gelten jedoch als ausgezeichnete Kletterer. Die Art kann aufgrund der kräftigen Krallen selbst senkrechte Baumstämme erklimmen. Der Schwanz dient beim Klettern der Stabilisierung. Die Nahrungssuche erfolgt sowohl in Bäumen als auch auf dem Boden. Jungtiere halten sich deutlich mehr in Bäumen auf. Dies dient der Vermeidung von vermeintlichen Prädatoren. Am Boden sind Großohropossums flinke Läufer. Die Schrittlänge liegt beim 0,8 bis 0,95-fache der Körperlänge. Großohropossums sind territorial. Die Reviere einzelner Individuen können sich überlappen. Weibchen belegen meist feste Reviere, Männchen wandern im Laufe des Jahres weit umher. Die Reviere der Männchen weisen eine Größe von 2,3 bis 2,7 ha auf, die Reviere der Weibchen sind mit 0,6 bis 1,7 ha deutlich kleiner (Smith, 2009).

Verbreitung und Lebensraum

Großohropossum sind in Brasilien von Bahia bis Rio Grande do Sul, im östlichen bis zentralen Paraguay und im nordöstlichen Argentinien verbreitet. Die Art besiedelt den feuchten, tropischen Regenwald. Offene Flächen werden strikt gemieden. In der Regel befindet sich immer ein Gewässer in Form einer Flusslaufes im Lebensraum der Tiere. Die Nähe zum Menschen wird nicht gemieden. So werden lokal durchaus auch menschliche Strukturen besiedelt (IUCN,2014; Smith, 2009).

Biozönose

Mortalität und Prädatoren

Die Mortalität ist vor allem unter den Jungtieren groß. Die Lebenserwartung steigt mit der Entwöhnung. Alttiere überleben in der Regel nur eine Brutsaison. Zahlreiche Tiere kommen in der Nähe des Menschen auf Straßen und Wegen ums Leben. Untersuchungen haben ergeben, dass in einigen Regionen bis zu einem Fünftel der Tiere im Straßenverkehr ums Leben kommen. Zu den natürlichen Feinden zählt vor allem der Puma (Puma concolor) (Smith, 2009).

Parasiten

Katzenfloh (Ctenocephalides felis)
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Katzenfloh (Ctenocephalides felis)

In Untersuchungen wurden zahlreiche Ekto- und Endoparasiten festgestellt. Dies sind nach Smith (2009):

Ernährung

Das Großohropossum ist ein opportunistischer Allesfresser. Gefressen werden vor allem Wirbellose Beutetiere, kleine Wirbeltiere und an pflanzlicher Kost Früchte und Sämereien. Nachgewiesen sind beispielsweise Südamerikanische Feldmäuse (Akodon), Kielschwanz-Halsbandleguan (Tropidurus torquatus), Mabuyen (Mabuya), Blindschlangenartige (Scolecophidia, Typhlopoidea), und verschiedene kleine Vögel (Aves) wie die Rotbauchdrossel (Turdus rufiventris). Die Hauptnahrung entfällt jedoch auf Schaben (Blattaria), Hautflügler (Hymenoptera), Hautflügler (Hymenoptera), Geradflügler (Orthoptera), Käfer (Coleoptera), Doppelfüßer (Diplopoda), Hundertfüßer (Chilopoda), Weichtiere (Mollusca), Krebstiere (Crustacea), Echte Radnetzspinnen (Araneidae), Termiten (Isoptera) und Ohrwürmer (Dermaptera). Zu den Futterpflanzen gehören Aronstabgewächse beispielsweise (Araceae), Seifenbaumgewächse (Sapindaceae), Passionsblumengewächse (Passifloraceae), Kakteengewächse (Cactaceae), Myrtengewächse (Myrtaceae) und Nachtschattengewächse (Solanaceae). Bei der Ernährung zeigt sich eine starke Saisonalität, insbesondere zwischen Trockenzeit und Regenzeit (Smith, 2009).

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife wird im Alter von 6 Monaten erreicht. Großohropossums pflanzen sich polygamn fort. Ein Männchen paart sich mit mehreren Weibchen. Die Geschlechter finden nur kurz während der Paarungszeit zueinander. Die Paarungszeit erstreckt sich in den meisten Regionen von August bis Januar. Zu den meisten Geburten kommt es während der Regenzeit. Der Fortpflanzungserfolg steht somit in Korrelation mit Niederschlag und der Verfügbarkeit von Nahrungsressourcen. Ein Weibchen bringt meist 6 bis 11 (7,5) Jungtiere zur Welt (Smith, 2009).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Das Großohropossum gehört heute noch nicht zu den bedrohten Arten und wird in der Roten Liste der IUCN in der Kategorie LC, Least Concern, geführt. In ihrem Ökosystem spielen Großohropossums eine große Rolle, da sie zum einen die Population an Schadinsekten und Nagetieren klein halten. Zudem bilden sie die Nahrungsgrundlage für eine Reihe von Prädatoren. Die Tiere sind Träger von Parasiten wie Trypanosomen, die sich vor allem für die Chagas-Krankheit verantwortlich zeichnen. Die Krankheit wird durch diese Parasiten auf den Menschen übertragen. Der Mensch stellt den Tieren mit Waffen nach. Die Art ist unter Sportschützen ein beliebtes Ziel (Smith, 2009).

Anhang

Literatur und Quellen

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