Guadalupe-Seebär

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Guadalupe-Seebär

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Unterordnung: Hundeartige (Cynoidea)
Familie: Ohrenrobben (Otariidae)
Gattung: Südliche Seebären (Arctocephalus)
Art: Guadalupe-Seebär
Wissenschaftlicher Name
Arctocephalus townsendi
Merriam, 1897

IUCN-Status
Near Threatened (NT)

Der Guadalupe-Seebär (Arctocephalus townsendi) zählt innerhalb der Familie der Ohrenrobben (Otariidae) zur Gattung der Südliche Seebären (Arctocephalus). Im Englischen wird dieser Seebär Guadalupe Fur Seal genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Guadalupe-Seebär ist ein mittelgroßer Vertreter der Ohrenrobben (Otariidae). Weibchen erreichen eine Körperlänge von rund 120 Zentimeter sowie ein Gewicht von 40 bis 50 Kilogramm. Männchen werden deutlich größer und erreichen eine Körperlänge von 180 bis 220 Zentimeter und ein Gewicht von knapp über 160 bis 170 Kilogramm. In der Fellfärbung weisen die Geschlechter keinen Dimorphismus auf. Das kurze Fell ist überwiegend dunkelgraubraun bis schwarzbraun, ventral ist es etwas heller gefärbt. Im Schulterbereich weisen die Tiere eine gräuliche Mähne auf. Im Bereich der Schnauze, insbesondere der Nasenrücken, zeigt sich üblicherweise eine rostbraune bis rotbraune Färbung. Aufgrund der gemäßigten Verbreitungsgebiete verfügen Guadalupe-Seebären über keine dicke Speckschicht. Der relativ kleine Kopf setzt sich nur wenig vom Körper ab und endet in einer spitz zulaufenden Schnauze. Im Bereich der Schnauze zeigen sich lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen. Die Augen der Guadalupe-Seebären sind ausgesprochen groß und erlauben unter Wasser eine gute Sicht. An Land und im Wasser bewegen sich Guadalupe-Seebären mit ihren Brustflossen, im Wasser auch mit der Schwanzflosse fort. Die Brustflossen weisen eine Länge von einem Viertel der Körperlänge auf. Das kräftige Gebiss weist 36 Zähne auf, die zahnmedizinische Formel lautet 3/2, 1/1, 4/4, 2/1. Weibchen verfügen im Abdominalbereich zum Säugen des Nachwuchses über 2 Paare Zitzen. Die Milch weist einen Fettanteil von gut 50 Prozent auf.

Lebensweise

Guadalupe-Seebären leben zwar überwiegend im Wasser, sie verbringen jedoch weit mehr Zeit an Land als andere Ohrenrobben. Mehr als zwei Drittel ihres Lebens verbringen die Tiere im Wasser. Auf Nahrungssuche gehen Guadalupe-Seebären überwiegend in der Nacht. Sie orientieren sich dabei mit ihrem hoch entwickelten Sehsinn. Die durchschnittlichen Tauchtiefen liegen bei 15 bis 20 Meter, die durchschnittlichen Tauchzeiten betragen dabei nur zwei bis drei Minuten. Weibchen gehen auch auf Nahrungssuche, wenn sie Nachwuchs zu versorgen haben. In diesem Fall bleibt der Nachwuchs für ein bis zwei Tage unbeaufsichtigt, ehe ein Muttertier wieder zurückkommt. Ihren Nachwuchs findet die Mutter über die Riechwahrnehmung, die auch als olfaktorische Wahrnehmung bezeichnet wird, wieder. Die Männchen der Guadalupe-Seebären sind ausgesprochen territorial und beanspruchen ein Revier an Land in einer Größe von 100 und mehr Quadratmeter. Die Revierkämpfe der Bullen sind heftig und enden in der Regel blutig. Gelegentlich kommt es bei diesen Kämpfen auch zu Todesfällen. Zu den natürlichen Fressfeinden gehören insbesondere größere Haie (Galeomorphii) wie beispielsweise der Weiße Hai (Carcharodon carcharias) und der Zigarrenhai (Isistius brasiliensis) sowie der Große Schwertwal (Orcinus orca).

Verbreitung

Das Hauptverbreitungsgebiet erstreckt sich über die Inseln Guadalupe und Isla Benito del Este. Beide Inseln befinden sich an der mexikanischen Westküste vor Baja California. Kleinere Bestände sind auch weiter südlich im Bereich der mexikanischen Grenze zu Guatemala zu finden. Guadalupe-Seebären gehören aufgrund des kleinen Verbreitungsgebietes zu den seltensten Seebären überhaupt. Die Tiere leben an unzugänglichen und felsigen Küstenlinien. Hier leben sie am Strand in natürlichen Felshöhlen, die am Ufer zahlreich zu finden sind. Aufgrund des gemäßigten bis subtropischen Klimas zählen Guadalupe-Seebären zu den nicht wandernden Seebären. Sie verweilen also das ganze Jahr über in ihrem natürlichen Lebensraum.

Ernährung

Die Hauptnahrung der Guadalupe-Seebären bilden Knochenfische (Osteichthyes) wie Sardellen (Engraulidae), Sardinen (Sardina) und Makrelen (Scomber). Darüber hinaus fressen sie aber auch verschiedenste Kopffüßer (Cephalopoda) und Krebstiere (Crustacea). Ihre durchschnittliche Tauchlänge beträgt nur zwei bis drei Minuten. Dabei bewegen sie sich in Tiefen von bis zu 20, selten auch mehr Meter.

Fortpflanzung

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Guadalupe-Seebären führen eine polygame Lebensweise. Weibchen erreichen die Geschlechtsreife meist mit vier Jahren, Männchen hingegen erst im Alter von sieben bis acht Jahren. Erst ab diesem Alter können die Männchen in den zum Teil heftig und blutig geführten Rivalenkämpfen bestehen. Ein Männchen beansprucht in seinem Revier ein Harem mit durchschnittlich sechs bis acht, selten auch mehr Weibchen. Die Paarungszeit erstreckt sich auf Guadalupe von Mitte Juni bis Mitte oder Ende Juli. Nach einer Tragezeit von etwa 360 Tagen bringt ein Weibchen ein Jungtier am Strand zur Welt. Männchen haben mit der Aufzucht des Nachwuchses nichts zu tun. Abgesehen von der Revierverteidigung rasten Männchen bis zu drei Viertel des Tages. Etwa eine Woche nach der Geburt des Nachwuchses verlässt das Muttertier ihren Welpen zum ersten Mal und geht für etwa fünf Tage auf Nahrungssuche. Die Welpen bleiben während dieser Zeit im Harem ohne Nahrung. Danach kommt sie zum Säugen für einige Tage zurück, ehe sie später wieder auf Nahrungssuche geht. Dieser Zyklus erstreckt sich über etwa neun bis elf Monate. Die Säugezeit ist also ausgesprochen lang. Männchen erreichen aufgrund der heftigen Rivalenkämpfe selten ein Alter von bis zu 14 Jahren, Weibchen haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von 20 bis 24 Jahren.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Der Guadalupe-Seebär galt im 19. Jahrhundert fast als ausgerottet und es existierten weniger als 10 von ehemals mehr als 100.000 Tieren. Als man offensichtlich alle Seebären wegen des Pelzes abgeschlachtet hatte, erklärte man die Art für ausgestorben. Jahre später entdeckte man jedoch einzelne Tiere wieder und stellte sie unter Schutz. Im Laufe der Jahre bildete sich wieder eine kleine Kolonie auf Guadalupe. Der Art geht es heute zwar besser, aber außer Gefahr ist der Guadalupe-Seebär dennoch nicht. In der Roten Liste wird die Art als gefährdet geführt (VU, Vulnerable), das Washingtoner Artschutzabkommen stellt die Tiere in Anhang I unter strengem Schutz. Das Verbreitungsgebiet steht heute unter strengen Schutz. Die Tiere sind vor allem vor Jägern sicher. Nicht sicher sind sie jedoch vor Umweltverschmutzung und anderen Umwelteinflüssen wie El Niño, einem Klimaphänomen, durch das regelmäßig ein Großteil der Jungtiere ums Leben kommt. Die Gesamtpopulation wird aktuell auf etwa 7.000 Tiere geschätzt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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