Hängebirke

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Hängebirke

Systematik
Klasse: Zweikeimblättrige (Magnoliopsida)
Unterklasse: Kätzchenblütige Pflanzen (Hamamelidae)
Ordnung: Buchenartige Gewächse (Fagales)
Familie: Birkengewächse (Betulaceae)
Gattung: Birken (Betula)
Art: Hängebirke
Wissenschaftlicher Name
Betula pendula
Roth, 1753

Die Hängebirke (Betula pendula) ist eine Baumart aus der Familie der Birkengewächse (Betulaceae) und zählt zur Gattung der Birken (Betula). Erstmals beschrieben wurde sie von Albrecht Wilhelm Roth. Im englischen Sprachgebrauch wird sie als Silver birch oder European white birch bezeichnet. In Deutschland hat die Hängebirke eine Vielzahl an Volksnamen, darunter beispielsweise Bezeichnungen wie Besenbaum, Maibaum oder Frühlingsbaum. Für das Jahr 2000 wurde sie zum Baum des Jahres gekürt.

Inhaltsverzeichnis

Botanik

Pflanzenbeschreibung

Die Hängebirke wächst in freier Natur fast immer als Baum, jedoch an Weg- und Waldrändern seltener auch als größerer Strauch. Sie erreicht Höhen von 15 bis über 20 und in seltenen Fällen sogar knapp über 25 Meter und als Strauch zwei bis rund sechs Meter. Dabei liegt der Durchmesser des Stammes in Brusthöhe bei etwa 40 bis 80, selten mehr Zentimeter. Die Wuchsform freistehender Individuen auf Feldern erinnert an einen langgezogenen und hohen Kegel, wobei die herabhängenden Äste oft bis auf eine für einen erwachsenen Menschen erreichbare Höhe entlang des Stammes nach unten reichen, der Kegel kann sehr voluminös sein und bei einem gesunden Baum sind alle Äste, von der Krone bis zum untersten großen Ast, begrünt. Bei in Wäldern wachsenden Hängebirken ist auf Grund der geringeren Lichtausbeute das untere Drittel bis zwei untere Drittel im Regelfall ohne mit Laub begrünte Äste, sie wären nur Energieverschwendung. Die Äste hängen bei größeren Bäumen nach unten herab, diese Eigenschaft ist im Bezug auf den offiziellen Trivialnamen "Hängebirke" namensgebend für den Baum. Die Rinde und Borke dieses Baumes sind weiß bis hellgrau, diese Färbung ist schwarz oder dunkelgrau unterbrochen, in der Regel in Form von rundlichen Flecken oder durch horizontale Streifen gezeichnet. Die Borke älterer und größerer Bäume ist tief gerissen und die wechselständigen Laubblätter sind rauten- oder kegelförmig und stark zugespitzt, sie sind nicht behaart, bis sieben Zentimeter lang und bis drei Zentimeter gestielt. Ihre Färbung liegt bei einem relativ kräftigen Grün, die Blattränder sind beiderseits gesägt. Die Zweige sind, zumeist nur in jungem Zustand, mit Harzdrüsen besetzt. Die Blütezeit der Hängebirke liegt zwischen April, beginnend mit dem Kommen des Laubes, und Mai. Während dieser Zeit treten die männlichen, schlaff runterhängenden und bis zu zehn Zentimeter langen Blütenkätzchen zum Vorschein. Sie sind gelblich gefärbt und dunkler gefleckt, bei Erschütterungen oder durch Winde verursacht, entlassen sie ihren Staub, also die Samen, der vielen Allergikern Probleme bereitet. Die weiblichen Blütenstände sind walzenförmig, grün und um die drei Zentimeter groß. Treten die männlichen Samen, vom Wind getragen (Windbestäubung), in diese ein, findet die Befruchtung statt. Aus diesen Blüten entwickeln sich dann die sogenannten Flügelnüsschen, die Früchte. Sie sind ab August bis September reif und werden durch den Wind verbreitet.

Heilpflanze

Inhalts- und Wirkstoffe

Zu den Inhaltsstoffen, welche man in der Hängebirke erkannt hat, zählen in den Blättern, welche unter der Drogenbezeichnung Betulae Folium geführt werden, vor allem Flavonoide sowie ergänzend ätherische Öle, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Saponine, Ascorbinsäure (Vitamin C) und einige andere. Der Birkensaft, Betulae Liquor, enthält Invertzucker, organische Säuren, Eiweißstoffe, pflanzliche Wuchsstoffe und verschiedene Salze.
Blätter der Hängebirke
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Blätter der Hängebirke
Die Rinde der Hängebirke beinhaltet reichlich Birkenkampfer (Betulin), ein Phytosterin, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Harze, ätherische Öle und andere organische Nebenstoffe. Der sogenannte Birkenteer, Betulae Pix, wird durch den Gehalt von Phenolen wie Guajacol, Kresol und anderen ausgezeichnet.

Ernte und Zubereitung

Für einen Tee werden zumeist und am besten die jungen Blätter im Mai und im Juni gesammelt und an der Luft getrocknet. Zur Zubereitung dieses Tees werden in einer Tasse zwei gehäufte Teelöffel der getrockneten Blätter, welche man am besten, aber nicht zwangsweise kleinschneidet, mit 250 Millilitern kochendem Wasser übergossen und dann ziehen gelassen. Nach zehn Minuten kann man den Tee dann abseihen und lauwarm bis warm, aber nicht heiß trinken. Die Anwendung des Birkenblätter-Tees sollte nur zu einer entwässernden Kur getrunken werden, während dieser Zeit drei Tassen am Tag. Näheres zur Anwendung siehe im entsprechenden Absatz.

Zur Gewinnung des Birkensaftes ist die erste Hälfte des Monats Mai am günstigsten, also dann, wenn die Säfte aufsteigen. Um an den Birkensaft heranzukommen, schneidet man die Rinde großer Birken an und fängt den ausfließenden Saft mit Blechbehältern auf. Das Anbohren erweist sich ebenfalls als effektive Methode zur Saftgewinnung. Hierzu bohrt man einen etwa einen Zentimeter dicken Bohrer knapp fünf Zentimeter in den Stamm ein, führt ein entsprechend dickes Röhrchen in das Loch ein und hängt dann einen Auffangbehälter daran oder stellt ihn direkt darunter. Aus dem Röhrchen fließen dann täglich ein bis fünf Liter Saft, wobei die Tagesmenge von der Witterung und der Temperatur abhängig ist. Um den Baum nicht zu schädigen, sollte das Absammeln des Saftes vorerst nach zehn Tagen abgesetzt werden, allgemein gilt nicht zu gesunde Bäume auszuwählen, denn wenn es zu Schäden kommen sollte ist es günstiger, dass ein sowieso bereits schwacher und mehr oder weniger kranker Baum verkümmert, als ein gesunder und guter Baum in vollem Wachstum und in der "Blüte seines Lebens" steht.

Der Birkenteer wird durch die sogenannte trockene Destillation aus den Zweigen und aus der Rinde des Stammes gewonnen. Dazu wird die Rinde der Hängebirke, welche sowieso hauptsächlich zur Teerherstellung dient, im Frühjahr von dem Stamm oder von älteren Ästen und Zweigen abgeschält und anschließend getrocknet.

Heilwirkung, Anwendung und Nebenwirkungen

Birkenblätter-Tee ist eines der bekanntesten Mittel für die Wasserausscheidung und wird ausschließlich nur dafür verwendet, da der Tee die Niere nicht reizt und dennoch für vermehrte Harnbildung sorgt. Der Tee wird bei bakteriellen, entzündlichen und mit krampfartigen Beschwerden verbundenen Erkrankungen der Harnwege eingesetzt und ist sowohl bei Urologen, also Fachärzten für Erkrankungen der Harnwege, als auch bei Allgemeinmedizinern und bei Laien beliebt und wird viel angewandt. Ob und in was für einem Ausmaß durch den Birkenblätter-Tee die Ausscheidung von harnsauren Salzen und anderen Mineralien möglich ist, ist sich die Wissenschaft noch nicht völlig sicher. Allerdings ist man einhelliger Meinung, dass durch die kurartige Anwendung des Tees der Harnsäurespiegel im Körper verringert werden kann. Als Mischung mit anderen Bestandteilen in Tees werden die Birkenblätter unter anderem gegen Stoffwechselerkrankungen, als Frühjahrs- und Herbstkur sowie gegen Rheuma und Gicht verwendet. Der Birkenteer wird zu Salben und anderen Einreibungen verarbeitet und findet vorzüglich in der Tiermedizin gegen Räude und andere Hautschäden Anwendung. Er wird seltener in der Humanmedizin gegen rheumatische Beschwerden eingesetzt. Das Birkenwasser kennt man in der Regel als Haarwasser. Frische junge Birkenblätter kann man als Bestandteil in Frühlingssalaten beispielsweise mit Löwenzahn, welcher vor dem Zubereiten des Salates eine halbe Stunde in Salzwasser eingelegt wird, und mit Kresse oder je nach Geschmack mit anderen Kräutern gegessen. Bei der Anwendung des Tees - maximal drei Tassen täglich - sind keine Nebenwirkungen zu befürchten, eine innere Anwendung des Birkenwassers ist nicht anzuraten und bei Birkenteer können Hautreizungen auftreten.

Nachtrag: Zur oder vor der Anwendung von selbst zubereiteten Mitteln aus der Hängebirke sollte immer ein Arzt oder Apotheker kontaktiert oder um Rat gebeten werden!

Holz- und sonstige Verwendung

Das Holz ist relativ weich, feinfaserig, zäh und flexibel und ist als gutes Brennholz bekannt und brennt sogar frisch, also in noch recht feuchtem Zustand, ungewöhnlich gut. Aufgrund dessen, dass es sehr gut biegbar und leicht bearbeitbar ist, ist das Birkenholz bei Wagnern, Drechslern, Musikinstrumentenbauern und besonders bei Möbelherstellern geschätzt und steht hoch im Kurs. Der Ruß der Birken und auch von der Hängebirke fand früher als Druckerschwärze Verwendung. Durch die Wasserundurchlässigkeit und Widerstandsfähigkeit gegenüber
Große Hängebirke in einem relativ tiefen Mittelgebirgswald von unten
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Große Hängebirke in einem relativ tiefen Mittelgebirgswald von unten
Pilzerkrankungen war die Birkenrinde in früheren Zeiten als Dachabdeckung oder für Körbe und andere Zwecke beliebt. Für das "Geschmeidigmachen" von dünnem Leder bereitete man aus den Knospen und Blättern Birkenöl und interessanterweise kann man aus Birkensaft und Zucker Wein herstellen, der dann sogar zu Birkenchampagner weiterverarbeitet werden kann. Des Weiteren stellt man aus dem Holz der Hängebirke unter anderem Funiere her.

Ökologie

Waldbauliche und sonstige Eigenschaften

Vor allem die Fähigkeit als Pionierpflanze schnell neue kleine Wald- und Buschbestände auf Kahlschlägen und an Waldrändern auszubilden und so die Flächen für einen neuen größeren Wald vorbereiten sowie Halden vor Erosion schützen zu können, macht man sich der Hängebirke zu Nutze. Sie beschleunigt und fördert die Humusbildung und durch ihre relativ lichtdurchlässige Krone wird es anderen Bäumen ermöglicht auch nachzuwachsen. Die Birke wächst relativ schnell und bildet keine zu große Krone aus, sofern sie in Wäldern steht. Dürreperioden übersteht die Hängebirke recht gut, wie es im Jahre 2006 mehr als deutlich erkennbar wurde. Ein Beispiel: In den Monaten Juni und Juli 2006 hat es im Siegerland im Südwesten Nordrhein-Westfalens so gut wie gar nicht geregnet und es herrschten Schattentemperaturen über 32 Grad Celsius, erst gegen Ende des Monats Juli kamen die ersten langersehnten Schauer wieder. In den Wäldern waren die Bäume größtenteils noch kräftig grün, wahrscheinlich wegen der höheren Luftfeuchtigkeit unterhalb des Kronendaches sowie durch geringere Verdunstung des Wassers im Boden, weil dieser keiner direkten Sonnenbestrahlung ausgesetzt ist. An den Waldrändern jedoch wurden die Hängebirken mehr und mehr gelb, da durch die erhöhte und direkte Sonnenstrahlung mehr Wasser aus dem Boden verdunstet. Um Verdunstung des eigenen Wassers zu vermeiden, ließen sie ihre Blätter schließlich fallen. Sie kamen allerdings bereits im nächsten Frühjahr in vollem Grün zurück und die Bäume haben durch ihre Überlebenstechnik die Dürre letztlich unbeschädigt überstanden. Auch gegenüber Spätfröste ist die Hängebirke größtenteils resistent. Im Bezug auf die Tierwelt tragen die Hängebirke sowie einige andere ihrer Gattung eine große Rolle. Beispielsweise wurden auf einer britischen Birke rund 200 und auf einer russischen Birke sogar an die 570 Insektenarten gefunden und mehr als dreißig Vogelarten machen sich die Samen der Hängebirke als Nahrung zu Nutze. Außerdem dient das abgestorbene Holz der Hängebirke als Brutsubstrat für viele Insekten, Spinnen, Vögel und andere.

Vorkommen

Die Hängebirke findet ihre Verbreitung vor allem im Norden und im zentralen Europa von Mitteleuropa, Nordwesteuropa einschließlich der britischen Inseln bis in die nördlichen Teile der skandinavischen Gefilde, wo sie auch in den borealen Nadelwäldern, der Taiga, zusammen mit Nadelbäumen wie der Gemeinen Fichte (Picea abies) anzutreffen ist. Auch das östliche Europa und Teile des westlichen Asiens werden von der Hängebirke bewohnt. Südlich der Alpen und in den Mittelmeergebieten trifft man sie kaum an, wobei sie jedoch mancherorts eingeführt wurde. Die Standorte der Hängebirke können sehr unterschiedlich sein, sie stellt kaum Anforderungen an die Bodenwerte, lediglich fruchtbar sollte er sein und nicht zu nass und regelmäßig feucht sein. Eines der wenigen Dinge, die die Hängebirke nicht verträgt, ist zu wenig Licht, sie verträgt den Schatten anderer Bäume nicht und würde dort langsam, aber sicher verkümmern. Dies ist auch ein Grund, weshalb in einem wachsenden Wald der Bestand an Birken mit der Zeit mehr und mehr abnimmt bzw. unter den entsprechenden Umständen abnehmen kann. Pflanzen wie vor allem die Rotbuche (Fagus sylvatica) wachsen über das Maß der Birken hinaus und beschatten und verdrängen diese nach und nach. In Deutschland kommt die Hängebirke häufig auf den sauren Böden der Eichen-Mischwälder vor, hier wachsen die ebenfalls lichtbedürftigen Eichen (Quercus) auch nicht so schnell nach und verdrängen die Birken wesentlich langsamer oder sogar kaum. Außerdem sind sie in allen anderen Waldtypen, an Waldrändern, auf Magerrasen, Weideland, Schutt und in Brachen zu finden. Über die flugfähigen Samen verteilt, kann die Hängebirke sogar aus moosigen und modrigen Dachrinnen und Kaminen heraussprießen.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • M. Pahlow: Das grosse Buch der Heilpflanzen, Bechtermünz Verlag, ISBN 3-8289-1839-5
  • W. Stichmann, U. Stichmann-Marny: Der Kosmos Pflanzenführer, Franckh Kosmos, ISBN 3-440-07364-5
  • W. Eisenreich, A. Handel und U. Zimmer: BLV-Handbuch Tier und Pflanzen, BLV Verlagsgesellschaft mbH, ISBN 3-405-16740-X
  • Richard Willfort: Gesund durch Heilkräuter, 9. Auflage 1967, Rudolf Taruner Verlag Linz, (ohne ISBN-Nummer)
  • Waldwissen.net
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