Höckerschwan

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Höckerschwan

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Gänsevögel (Anseriformes)
Familie: Entenvögel (Anatidae)
Unterfamilie: Gänse (Anserinae)
Gattung: Schwäne (Cygnus)
Art: Höckerschwan
Wissenschaftlicher Name
Cygnus olor
(Gmelin, 1789)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Höckerschwan (Cygnus olor), auch unter den Synonymen Anas olor, Sthenelides olor und Cygnus immutabilis bekannt, zählt innerhalb der Familie der Entenvögel (Anatidae) zur Gattung der Schwäne (Cygnus). Im Englischen wird der Höckerschwan mute swan genannt. Das sind die Höckerschwäne aber nicht. Sie geben zwar selten Lautäußerungen von sich ab, aber die Palette ihrer Lautäußerungen ist doch recht umfangreich. Einen "Schwanengesang" eines sterbenden Höckerschwanes, wie es gelegentlich in der Literatur angeführt wird, hat man bislang noch nicht gehört. Aber gelegentlich stehen andere Schwäne um den sterbenden Schwan herum (Geschwister, Kinder?). Die Art ist monotypisch, demnach sind keine rezenten Unterarten bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Höckerschwan ist der größte einheimische Vogel; außerdem der größte und schwerste Schwimmvogel der Erde. Er erreicht eine Körperlänge von etwa 145,0 bis 155,0 Zentimeter, eine Flügelspannweite von etwa 220,0 bis 250,0 Zentimeter sowie ein Gewicht von 9.500 bis 13.000 Gramm. Die Geschlechter weisen kaum einen nennenswerten Dimorphismus auf. Jedoch ist das Männchen etwas größer. Das Gefieder ist bei adulten Tieren weiß, bei Jungtieren grau bis hellbraun und graubraun gefärbt. Die Immutabilis-Variante vom Höckerschwan ist dabei eine genetische Mutation die vor etwa 300 Jahren in den Niederlanden durch Inzucht entstanden sein soll. Immutabilis bedeutet "unveränderlich". Unveränderlich ist bei ihnen die Gefiederfarbe, denn sie schlüpfen weiß und bleiben weiß im Unterschied zu ihren grau-braun geschlüpften Geschwisterchen, die ihre grau-braune Farbe erst nach 12 - 14 Monaten in das reine Weiß des Keratins ändern und damit ein ausgefärbtes Gefieder besitzen. Nach dieser Zeit wird in das nachwachsende Gefieder der normal gefärbten grau-braunen Variante also kein Melanin-Pigment mehr eingebaut. Nur im Kleingefieder auf dem Rücken kann man auch noch nach 14 Monaten unter den Flügeln grau-braunes Kleingefieder erblicken, wenn der juvenile Schwan die Flügel lüftet oder man ihm die Flügel anhebt, was wichtig zur Altersbestimmung ist. Der Schnabel ist rot bis orangefarben und die Schnabelspitze ist schwarz getönt. Markantes Zeichen ist der schwarze Höcker am Schnabelansatz, der beim Männchen größer ausgebildet ist. Die Beine und Füße sind schwarz geschönt. Der lange S-förmig gebogene Hals dient der Nahrungssuche am Grund der Gewässer.

Lebensweise

Der Höckerschwan lebt in geselligen Gruppen. Dies gilt auch für die Brutzeit. Höckerschwäne gelten als Standvögel. Sie gelten als nur wenig umherwandernd. Allenfalls bei Nahrungsmangel wandern sie. Sie sind tag- und dämmerungsaktiv. Die Nahrungsaufnahme erfolgt meist mit beginnender Dämmerung. Im Winter schließen sich die Vögel zu großen Gruppen an Gewässern zusammen. Diese Gruppen können leicht mehr als einhundert Individuen umfassen. Höckerschwäne gehören zu den schwersten flugfähigen Vögeln. Ihr Flug, vor allem beim Start, wirkt behäbig, dennoch können sie Fluggeschwindigkeiten von über 60 km/h erreichen. Die Sinne, vor allem der Hör- und Sehsinn, sind ausgesprochen gut entwickelt. Bei Bedrohung richten sie sich auf und schlagen mit den Flügeln. Dabei geben sie zischende Laute von sich.

vergrößern

Verbreitung

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet umfasst Nordeuropa, das Baltikum sowie die Regionen um das Schwarze Meer. In Asien kommen die Höckerschwäne im nördlichen China vor. Heute sind Populationen auch in den gemäßigten Regionen Europas vorhanden, wo er auch als Standvogel gilt. In den kälteren Regionen ziehen die Tiere im Winter in den Süden, um dort zu überwintern. Die Winterquartiere liegen im südlichen Europa, im nördlichen Afrika und in Südostasien. In Nordamerika gilt der Höckerschwan als Neozoen und vermehrt sich prächtig. Bevorzugte Lebensräume sind Seen und Teiche, Flüsse und größere Ströme sowie Mündungsdelta und Sumpfgebiete. Höckerschwäne halten sich überwiegend im Wasser auf, jedoch kommt es auch oft vor, dass sie in ufernahen Bereichen auf Nahrungssuche gehen. An Land wirken sie ausgesprochen plump.

Laut der Roten Liste der IUCN ist der Höckerschwan in folgenden Länder verbreitet: Afghanistan, Albanien, Armenien, Österreich, Aserbaidschan, Belorussland, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, China, Kroatien, Zypern, Tschechische Republik, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Ungarn, Indien, Islamische Republik Iran, Irak, Irland, Israel, Italien, Japan, Kasachstan, Demokratische Volksrepublik Korea, Republik Korea, Kirgisistan, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien, Moldavien, Mongolei, Montenegro, Niederlande, Norwegen, Pakistan, Polen, Rumänien, Russland, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Schweden, Schweiz, Taiwan, Türkei, Turkmenistan, Ukraine, Großbritannien sowie Usbekistan.

Ernährung

vergrößern

Der Höckerschwan ernährt sich hauptsächlich von Wasserpflanzen und gelegentlich auch von Mikroorganismen im Wasser. Aber auch kleine Fische, Amphibien und Wasserinsekten werden nicht verschmäht. Gelegentlich geht er auch im ufernahen Bereich an Land auf Nahrungssuche und weidet hier Gräser und Kräuter. In Nahrungskonkurrenz zu Enten und Gänsen stehen sie nicht, da Höckerschwäne eher im tieferen Wasser auf Nahrungssuche gehen.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreicht der Höckerschwan mit gut drei Jahren,die Weibchen oft schon vor dem Schwanenganter. Die Paarungszeit beginnt in der Regel im März, spätestens jedoch im April. In einer Saison kommt es lediglich zu einer Brut. Bei Gelegeverlust sind jedoch Nachgelege möglich. Höckerschwäne leben in monogamer Einehe, die in der Regel ein Leben lang hält. Sie sind auch außerhalb der Paarungszeit territorial und hüten ihr Brutrevier konsequent. Dies verschärft sich bereits vor und während der Paarungszeit, wo der Schwanenganter sein Revier markiert und gegen Eindringlinge von Fremdschwänen durch Imponierverhalten und auch Angriffe verteidigt, gelegentlich bis zum Ertränken des Revierrivalen. Sie Nisten zwar gelegentlich in Kolonien, jedoch befinden sich die Nester nicht in unmittelbarer Nähe zueinander. Die Regel sind Einzelnester, wenn möglich auf einer kleinen uferfernen Insel oder auch Halbinsel, um vor dem Eierdieb Fuchs sicher zu sein. Drohgebärden drücken sich in Flügelschlagen und zischenden Lauten aus. Ein Nest entsteht in dichter Ufervegetation im Flachwasser aus Ästen, Reisig und weichen Pflanzenteilen, besonders gern aus Schilf und Röhricht. Ausgepolstert wird ein Nest zumeist mit Kleingefieder, das sich das Weibchen aus dem Bauchgefieder zupft, wobei dabei gleichzeitig der federarme Brutfleck entsteht, der eine bessere Wärmeübertragung beim Bebrüten des Geleges ermöglicht. Am Nestbau sind beide Geschlechter beteiligt.

In das fertige Nest legt das Weibchen für gewöhnlich zwischen fünf und sieben Eier, die im Abstand von gut einem Tag gelegt werden. Selten werden auch mehr als sieben Eier gelegt. Die Eier sind gräulich und weisen einen blaugrünen Schimmer auf. Das Bebrüten beginnt erst mit der Ablage des letzten Eies. Die Eier werden über einen Zeitraum von 38 bis 40 Tagen von beiden Geschlechtern bebrütet. Die meiste Zeit brütet allerdings das Weibchen.
Jungtier
vergrößern
Jungtier
Das Männchen bewacht während dieser Zeit das Revier und Gelege. Die geschlüpften Küken gelten als Nestflüchter und folgen kurz nach dem Schlupf und Trockenhudern von ca. 24 Stunden den Eltern ins Wasser. Sie ernähren sich von Anfang an selbständig, bekommen aber von der Schwanenmutter in den ersten 2 - 3 Wochen kleine Pflanzenteile vorgelegt und werden von den Eltern geführt. Die Flugfähigkeit wird mit 18 - 20 Wochen erreicht. Das ist in unseren Breiten in aller Regel Mitte Oktober. Der Familienverband bleibt in der Regel für sechs bis acht Monate zusammen, denn im Februar/März müssen dann auch die Jungschwäne aus dem elterlichen Brutrevier weichen und das oft mit Nachdruck, damit Ruhe im Revier einkehrt für den neuen Reproduktionsprozeß. Danach schließen sich die Jungschwäne wie auch die Nichtbrüter zu Junggesellengruppen, den Schwanenstuben, zusammen.

In den Schwanenstuben findet auch die Paarfindung statt. Ein guter Teil der Schwäne darin ist verpaart, etwa ein Viertel bis ein Drittel. Es herrscht "Pärchenbetrieb". Ob ein solches Schwanenpaar jemals auch ein Brutschwanenpaar wird hängt davon ab, ob sie einmal ein Brutrevier finden und Brutreviere sind meist knapp und hart umkämpft. Höckerschwäne können in Gefangenschaft ein Alter von bis zu 40 Jahren erreichen. In Freiheit liegt die Lebenserwartung allerdings deutlich darunter.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN gehört der Höckerschwan heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Er ist in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt der Höckerschwan selten oder nur spärlich vor. In der Roten Liste der IUCN wird er als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Galerie

Anhang

Literatur und Quellen

  • Hilprecht Alfred: Höckerschwan, Singschwan, Zwergschwan. Magdeburg: Westarp-Wiss. 1995. (Die Neue Brehmbücherei. Bd.177). ISBN 3-89432-188-1
  • Dr. Prof. Rutschke Erich: Die Wildschwäne Europas. Deutscher Landwirtschaftsverlag Berlin 1992. ISBN 3-331-00471-5
  • Pierandrea Brichetti: Vögel. In Garten, Park und freier Natur. Neuer Kaiser Verlag , 2002.ISBN 370431322X
  • Rob Hume: Vögel in Europa. Dorling Kindersley; Auflage: 1 (Januar 2003) ISBN 3831004307
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Dr. Einhard Bezzel: Der zuverlässige Naturführer. BLV Handbuch Vögel. 3. überarbeitete Auflage (2006). BLV Buchverlag GmbH & Co. KG, München.ISBN 3-8354-0022-3; ISBN 3-8354-0022-1
  • Manfred Pforr, Alfred Limbrunner: Ornithologischer Bildatlas der Brutvögel Europas, Band 2. Weltbild Verlag GmbH, Augsburg, 1991 ISBN 3894400072

Qualifizierte Weblinks

Weitere Weblinks

'Persönliche Werkzeuge