Höhlenwasserassel

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Höhlenwasserassel

Systematik
Klasse: Höhere Krebse (Malacostraca)
Unterklasse: Eumalacostraca
Überordnung: Ranzenkrebse (Peracarida)
Ordnung: Asseln (Isopoda)
Unterordnung: Asellota
Überfamilie: Aselloidea
Familie: Asellidae
Gattung: Proasellus
Art: Höhlenwasserassel
Wissenschaftlicher Name
Proasellus cavaticus
(Leydig, 1871)

Die Höhlenwasserassel (Proasellus cavaticus), auch unter den Synonymen Asellus cavaticus, Asellus foreli und Asellus sieboldii sowie unter der Bezeichnung Höhlenassel bekannt, zählt innerhalb der Familie Asellidae zur Gattung Proasellus. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Die Höhlenwasserassel wurde vom Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher e. V. in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) zum Höhlentier des Jahres 2014 gewählt.

Die Höhlenwasserassel weist zwei unterschiedliche Grössen auf. Die kleinere Form (ca. 4,0 mm bis 6,0 mm) ist üblich in der ungesättigten Zone der Mendip Höhle, während die grössere Form (ca. 8,0 mm bis 11,0 mm) in den Höhlen South Wales, wie Wookey Hole und Cheddar River Cave, lebt. Die Ringwood Proben und die kürzlich aus Bohrlöchern in Dorset gesammelten Proben entsprechen der grösseren Morphe. Die beiden Morphen könnten deutlich kryptische Taxa (morphologisch fast identisch, aber genetisch verschieden) sein. Doch eine aktuelle molekulare Analyse der beiden Grössen und ein Vergleich mit europäischen Exemplaren von Christophe Douady der Universität Lyon haben gezeigt, dass in der Tat alle eine Spezies, jedoch eine Gruppe von kryptischen Arten sind. Allerdings scheinen die grössten britischen Proben viel grösser zu sein als die europäischen Proben, die von Christophe Douady bisher untersucht wurden. Der Grund für das Auftreten der kleineren morphologischen Grösse in der ungesättigten Zone der Mendip Höhle erfordert weitere Untersuchungen.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Höhlenwasserassel erreicht eine Körperlänge von etwa 6,0 bis 8,0 Millimeter sowie eine Körperbreite von etwa 1,5 bis 2,0 Millimeter. Die Färbung variiert, sie kann gelblich oder auch gräulichweiss sein und ist transparent. Der Körper verschmälert sich nach hinten allmählich und ist auf der oberen konvexen Fläche mit kleinen zarten Tuberkeln besetzt. Der Kopf ist fast viereckig, verschmälert sich nach vorn und nach hinten etwas und gegen die Mitte hin wirkt der Kopf am breitesten. Die vorderen Seitenecken springen nur wenig hervor. Die Seitenränder gehen nach aussen gewölbt unter sehr stumpfem Winkel in den hinteren konvexen Rand über. Die Augen fehlen. Die äusseren Antennen erreichen ein Drittel der ganzen Körperlänge. Sie sind zart und mit feinen Börstchen besetzt. Ihr Stiel ist fünfgliederig. Die beiden ersten Glieder sind kurz, gleich lang, das dritte gegen die Spitze verdickt, fast zweimal so lang als das vorhergehende. Das vierte und fünfte Glied sind gleich, zylindrisch, das fünfte etwas schmäler und beide fast die doppelte Länge des dritten reichend. Die kurzen Börstchen stehen in einzelnen kleinen Gruppen zusammengedrängt. Die Geissel hat etwa die gleiche Länge wie das fünfte Stielglied und besteht aus sieben ungleich langen Gliedern, die allmählich gegen die Spitze hin an Dicke abnehmen. Jedes der sechs ersten fast walzenförmigen Glieder ist an seinem Ende mit längeren Börstchen wirtelförmig besetzt. Das letzte Glied ist am längsten und dünnsten und trägt an seiner stumpfen Spitze ein Büschel kurzer Börstchen.

Der ganze Kauapparat wird oben von einer halbmondförmigen Oberlippe bedeckt. Die Mandibeln sind an ihrem oberen Ende mit drei starken, spitzen braungefärbten Zähnen versehen, an ihrem inneren ausgehöhlten Rand erhebt sich ein beweglicher, mit einigen kürzeren Zähnen besetzter Anhang, der ausserdem nach hinten noch drei häutige, längliche, an ihrem Vorderrand gefiederte, ungleich lange Fortsätze trägt. Des Weiteren befindet sich ein grosser elliptischer, an seiner Oberfläche mit 20 bis 25 zarten Querfalten versehener und nach hinten mit einem federbuschartigen Fortsatz, gezierter Mahlzahn, der ziemlich weit nach hinten hervorspringt. Die Fältchen der Oberfläche sind mit feinen kurzen Zilien dicht besetzt. Auf diese Mandibeln folgt eine zweilappige bewimperte Unterlippe. Das erste Maxillenpaar besteht aus zwei Stücken. Das äussere längere und breitere zeigt sich bloss am äusseren Rand mit vielen Zilien besetzt und trägt am Vorderrand acht sehr spitze starke, leicht gebogene Stacheln. Das innere Stück trägt am Vorderende drei häutige nach innen gerichtete, gefiederte, lanzettförmige Fortsätze. Das zweite längliche Maxillenpaar ist an der Spitze abgestumpft und kurz behaart. Die Maxillarfüsse sind breit und lang, am äusseren Rand stark behaart und nach vorn mit mehreren Fortsätzen und Anhängen versehen. Der äussere grössere palpenartige besteht aus drei deutlichen Gliedern. Das erste Glied ist kurz, das zweite Glied ist am grössten, länglich viereckig und nach aussen mit einigen einzelstehenden langen Borstenhaaren besetzt. Nach vorn und nach innen verlängert sich dasselbe in einen konischen, an der Spitze mit einem Haarbüschel gezierten Fortsatz, an dessen Basis, und zwar am vorderen inneren Seitenwinkel ebenfalls ein Büschel von fünf langen Haaren besteht. Auffällig ist das dritte kegelförmige Glied, das den inneren Fortsatz noch an Länge überragt und an seiner Spitze ebenfalls einen Büschel langer Haare trägt. Ein von der Palpe bedecktes inneres Stück (mala), fast die Länge des vorderen Fortsatzes vom zweiten Palpalglied erreichend, ist vorn abgestutzt und mit einem mittleren grösseren und einigen kleineren feinen Stacheln besetzt. Die Basalblättchen sind länglich rund und am Rand bewimpert.

Von den sieben Thoraxsegmenten ist das erste auf den Kopf unmittelbar folgende am grössten. Sein Vorderrand ist ausgerandet und umfasst mit den seitlich etwas vorspringenden Ecken den hinteren Umfang des Kopfes. Der Hinterrand ist konvex und die hinteren Seitenwinkel sehr stumpf ausgeprägt. Die folgenden sechs Segmente sind schmäler, der Hinterrand ist vorn gerade und wird nach hinten zu mehr und mehr konkav. Dadurch erscheinen die hinteren Seitenecken spitzer, insbesondere bei den drei letzten Segmenten, wo in Form von spitzen schmalen Fortsätzen nach hinten ragen. Der Hinterleib erreicht den vierten Teil der ganzen Körperlänge. Er verschmälert sich nach hinten allmählich und endet in eine kurze Spitze. Die beiden ersten Segmente sind kürzer als die übrigen und werden von den hinteren Fortsätzen des siebten Thoraxsegmentes beiderseits umfasst. Die drei folgenden sind länger, aber schmäler, ihr Hinterrand ist fast gerade, die Hinterecken erscheinen dadurch fast rechtwinkelig und springen nach hinten nicht vor. Das sechste Segment ist am längsten und endet nach hinten zu in eine kurze Spitze. Alle Segmente sind mit kleinen Höckerchen besetzt. Diese stehen an den Thoraxsegmenten in mehreren Querreihen, während sie an den Abdominalsegmenten mit Ausnahme des letzten bloss eine einfache Reihe längs dem Hinterrand bilden.

Die Thoraxfüsse sind zart und nehmen von vorn nach hinten an Länge zu. Sie sind wie am Basalteil der Antennen mit kurzen büschelweise zusammenstehenden Börstchen sowie mit einzelnen längeren Stacheln besetzt und sich als feinere Fasern zeigen. Das Klauenglied ist zweigliederig und besteht aus der spitzen, etwas verkrümmten und nackten Klaue und einem behaarten Basalteil, an dem sich nach aussen hin ein längerer Anhang zeigt. Dieser ist einfach und verbreitert sich gegen sein Ende hin und ist am Rand faserig zerschlitzt. Das Basalglied der Abdominalfüsse ist dick und überragt wenig das letzte Abdominalsegment. Der äussere aufgesetzte Fortsatz ist fast dreimal so lang als das Basalglied, der konisch zugespitzt und fein behaart ist. Der innere Fortsatz ist dünner und um die Hälfte kürzer als der äussere und an der Spitze mit einem Büschel feiner langer Haare besetzt.

Zusammengefasst zeigen sich bei dieser Art gegenüber anderen Höhlenasseln einige unterscheidende Merkmale, und zwar geringere Körpergrösse, schmälere Körperform als bei der Wasserassel (Asellus aquaticus). Ferner zeigen sich bei der Höhlenwasserassel zahlreiche kleine Tuberkel auf der oberen Fläche. Schwanzschild (Pleotelson) etwas länger als breit. Des Weiteren sind die Antennen kürzer und die Geissel ist nur aus sieben Gliedern zusammengesetzt. Die Thoraxsegmente sind ziemlich schmal und die Hinterecken sind nur mässig vorspringend. Der Hinterleib ist verhältnismässig kurz und der Hinterrand der einzelnen Segmente fast gerade. Die Thoraxfüsse haben am Klauenrand nur einen einzigen gefiederten Anhang. Grösse und Form der letzten Abdominalfüsse sind gleichfalls charakteristisch für diese Art.

Lebensweise

Die Höhlenwasserassel lebt in unterirdischen Gewässern, zum Beispiel in Höhlenbächen und im Grundwasser. In Quellen oberirdisch unter Steinen. Sie ist relativ inaktiv und schwer zu erkennen. Gejagt wird die Höhlenwasserassel von der Garnele Niphargus fontanus und von einigen Plattwürmern, wie zum Beispiel Dendrocoeleum.

Verbreitung

Die Höhlenwasserassel ist im südlichen und im mittleren Deutschland weit verbreitet, doch kommt sie überall sehr vereinzelt vor.

Ernährung

Die Höhlenwasserassel ist im Grunde genommen ein Allesfresser, doch welche Nahrungsquellen werden im nährstoffarmen Trinkwasser genutzt. Zahlreiche Untersuchungen haben ergeben, dass Schimmelpilze bevorzugt werden. Ferner stellen geeignete Nahrungsquellen unter anderem Pilzmyzelien, Bakterienzellen und selbst tote Artgenossen für Höhlenwasserasseln dar. Bei der Nahrungssuche werden Bodensedimente in Stagnationsbereichen bevorzugt aufgesucht.

Fortpflanzung

Die Eier sind hirsekorngross und weisen eine weisse Färbung auf. Des Weiteren sind die Eier mit dünnen häutigen Lamellen bedeckt und befinden sich zahlreich in den Bruttaschen zwischen den Füssen angehäuft.

Es liegen keine weiteren Informationen bzw. Dokumentationen über das Fortpflanzungsverhalten der Höhlenwasserassel vor.

Anhang

Literatur und Quellen

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