Höhlenziege

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Höhlenziege

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Rinderartige (Bovidae)
Unterfamilie: Ziegenartige (Caprinae)
Gattung: Myotragus
Art: Höhlenziege
Wissenschaftlicher Name
Myotragus balearicus
Bate, 1909

IUCN-Status
Extinct (EX)

Die Höhlenziege (Myotragus balearicus), die auch als Balearen-Gemse bekannt ist, zählt innerhalb der Familie der Rinderartigen (Bovidae) zur Gattung Myotragus. Im Englischen wird die Höhlenziege Balearic Islands cave goat oder Cave goat genannt.

Inhaltsverzeichnis

Evolution und Aussterben

Aussterben

Die Höhlenziege starb wahrscheinlich vor rund 3.000 Jahren aus. Die genauen Gründe für das Aussterben sind noch unbekannt. Es gibt einige schlüssige Theorien, die jedoch bislang wissenschaftlich nicht untermauert werden konnten. So könnte die Höhlenziege aufgrund des Klimawandels oder durch die Bejagung der ersten Siedler auf den Balearen ausgestorben sein. Unter Wissenschaftlern ist die Theorie der Ausrottung durch den Menschen weit verbreitet. Die Balearen wurden zwischen 7.000 und 5.000 von den ersten Menschen besiedelt. Mit der Besiedlung konnte im Laufe der Zeit ein deutlicher Rückgang der Populationen festgestellt werden, der letztlich vor etwa 3.000 Jahren in der Auslöschung der Art endete. Die ersten Siedler konnten dem Neolithikum (Jungsteinzeit) zugeordnet werden. Sie lebten in den auf den Balearen zahlreich vorkommenden Höhlen. In diesen Höhlen wurden auch zahlreiche Knochen der Höhlenziege gefunden. Daher ist davon auszugehen, dass die Höhlenziege weit oben auf der Speisekarte der Bevölkerung stand. Aufgrund der Funde konnte rekonstruiert werden, dass die Höhlenziegen von den Menschen gefangen und in die Höhlen verbracht wurden. Erst später wurden sie nach und nach getötet. Man geht davon aus, dass der Mensch versucht hat, die Höhlenziege zu domestizieren. Es liegen jedoch keine Beweise vor, dass eine Domestikation geglückt ist. Wahrscheinlich gelang die Fortpflanzung in Gefangenschaft nicht.

Evolution

Die Balearen wurden von den Vorgängern der Höhlenziege vermutlich vor 5,4 bis 5,3 Millionen Jahren besiedelt. Zu dieser Zeit, also gegen Ende des Messinium, lag der Meeresspiegel des Mittelmeeres deutlich tiefer und die ersten Ziegenartigen (Caprinae) gelangten im Zuge eines Faunenaustausches trockenen Fußes auf die Balearen. Im Laufe der Jahrmillionen entstand so auf den Balearen eine eigene Art. Mit steigendem Meeresspiegel verschwand gegen Ende des Messinium die Landverbindung zum Festland. Die ersten Vertreter der Myotragus entwickelten sich im Pliozän. Auf den Balearen sind insgesamt fünf Arten aus der Gattung Myotragus, die alle als ausgestorben gelten. Aus welchem Taxon die Gattung Myotragus hervorging, ist weitestgehend unbekannt. Die Familie der Hornträger (Bovidae) hat ihren Ursprung jedoch vor rund 18,5 Millionen Jahren. Innerhalb der Hornträger entwickelte sich die Unterfamilie der Ziegenartigen (Caprinae). Augrund von DNA-Untersuchungen geht man heute davon aus, dass es sich bei der Gattung der Schafe (Ovis) um ein eng verwandtes Schwestertaxon handelt. Die Trennung beider Gattungen erfolgte vermutlich vor rund 1,7 bis 1,3 Millionen Jahren.

Beschreibung

Die relativ kleine Höhlenziege erreichte je nach Geschlecht eine Schulterhöhe von etwa 50 Zentimeter sowie ein Gewicht von bis zu 14 Kilogramm. Das Fell wies wahrscheinlich eine graubraune bis bräunliche Färbung auf. Der Körperbau war durchaus stämmig. Dieser Eindruck wurde durch die verkürzten Extremitäten verstärkt. Durch die kurzen Beine erreichten die Höhlenziegen keine hohen Laufgeschwindigkeiten. Dies machte aber nichts, da die Höhlenziegen auf den Balearen nicht durch Fleischfresser bedroht waren. Für die ersten Siedler waren Höhlenziegen jedoch eine leichte Beute. Auch die Hörner waren relativ kurz und im oberen Drittel leicht nach hinten gebogen. Anders als bei anderen Ziegenartigen lagen die Augen der Höhlenziege nicht an den Kopfseiten, sondern waren nach vorne gerichtet. Dadurch konnten die Tiere stereoskopisch (räumlich) sehen. Interessant waren auch die deutlich vergrößerten Schneidezähne im Unterkiefer. Man geht davon aus, dass Höhlenziegen so in der Lage waren, Rinde von Baumstämmen zu schälen. Schneidezähne im Oberkiefer fehlen hingegen. Der Kopf der Höhlenziege war relativ kurz, was sich deutlich auf die Länge des Rostrum auswirkte. Der Kopf wirkte so gestaucht.

Verbreitung

Höhlenziegen waren auf den Balearen, insbesondere auf Mallorca und Menorca endemisch. Der Name "Höhlenziege" ist jedoch irreführend, da sich die Tiere keineswegs in Höhlen aufhielten. Sie bevorzugten lichte Laubwälder, halboffenes Gras- und Buschland in der Ebene und im Hügelland. Hier lebten die Höhlenziegen in kleinen Herden. Über die Sozialstruktur in diesen Herden ist jedoch nur sehr wenig bekannt.

Ernährung

Fossilien belegen, dass sich Höhlenziegen vermutlich von Blättern und jungen Trieben verschiedener Sträucher und niedriger Bäume ernährt haben. Auf Nahrungssuche gingen die Tiere vorzugsweise in kleinen Gruppen. Bevorzugte Nahrungsgründe waren lichte Wälder und deren Ränder. Hier fanden Höhlenziegen ein reichhaltiges Angebot an Sträuchern und Büschen.

Fortpflanzung

Über das Fortpflanzungsverhalten ist nicht viel bekannt. Unter den zahlreichen fossilen Funde waren auch einige Skelette von Jungtieren, die wahrscheinlich kurz nach der Geburt starben. Es war im Verhältnis zur Mutter recht groß, was eine relativ kurze Reifezeit bedeuten würde. Man geht davon aus, dass Höhlenziegen die Geschlechtsreife im Alter von einem bis zwei Jahren erreichten. Unter den Männchen kam es während der Paarungszeit zu heftigen Kommentkämpfen. Bei diesen Kämpfen wurden die kräftigen Hörner als Waffe eingesetzt. Man geht davon aus, dass Höhlenziegen wie alle Ziegen eine polygame Lebensweise an den Tag legten. Wahrscheinlich trafen Böcke nur während der Paarungszeit auf die Herden mit den Weibchen oder die Tiere lebten in Haremsgruppen. Die Paarungszeit erstreckte sich wahrscheinlich über den späten Herbst oder den frühen Winter, so dass es im Frühjahr zu den Geburten kam. Über die Säugezeit und die Lebenserwartung ist nichts bekannt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

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