Haarfrosch

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Haarfrosch
Behaartes Männchen während der Paarungszeit

Systematik
Klasse: Lurche (Amphibia)
Unterklasse: Nacktlurche (Lissamphibia)
Überordnung: Salientia
Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Moderne Froschlurche (Neobatrachia)
Familie: Haarfrösche (Astylosternidae)
Gattung: Trichobatrachus
Art: Haarfrosch
Wissenschaftlicher Name
Trichobatrachus robustus
Boulenger, 1900

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Haarfrosch (Trichobatrachus robustus) zählt innerhalb der Familie der Haarfrösche (Astylosternidae) zur Gattung Trichobatrachus. Im Englischen wird der Haarfrosch Hairy frog genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Haarfrosch ist ein ziemlich großer und schwerer Frosch, wobei das Männchen größer wirkt als das Weibchen. Das Männchen erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von etwa dreizehn Zentimeter, während das Weibchen eine Kopf-Rumpf-Länge von etwa neun Zentimeter erreicht. Charakteristisches Merkmal des Haarfrosches sind die langen stark durchbluteten haarartigen Hautfäden, die nur bei dem Männchen während der Paarungszeit wachsen. Die haarartigen Hautfäden sind sehr fein und befinden sich nur auf den Oberschenkeln der Hinterbeine, am Steißbein sowie an den Flanken des Körpers. Die haarartigen Hautfäden erreichen eine Länge von etwa zehn bis fünfzehn Millimeter. Dieses Merkmal war auch namensgebend für die Art. In der Regel atmen die Frösche mit ihren Lungen und durch ihre Haut, indem die Blutgefäße in der Haut den Sauerstoff aufnehmen. Der Haarfrosch hat im Gegensatz zu anderen Froschlurchen (Anura) sehr kleine Lungen. Wissenschaftler nehmen an, daß durch die haarartigen Hautfäden die Atmungsoberfläche der Haut vergrößert wird und dass der Haarfrosch dadurch mehr Sauerstoff aufnehmen kann. Ferner vermuten die Wissenschaftler, dass die haarartigen Hautfäden als Hilfsfunktion beim Anheften der Eier an Steinen oder an Felsen in schnellfließenden Gewässern eingesetzt werden. Des Weiteren wird angenommen, dass die haarartigen Hautfäden auch als Tarnfunktion oder als Balzfunktion dienen. Der Haarfrosch weist einen großen breiten Kopf auf. Die Schnauze ist kurz und gerundet. Das Nasenloch befindet sich mehr in der Nähe des Augenwinkels als in der Nähe der Schnauzenspitze. Die Pupillen sind vertikal gestellt. Die Zunge ist eingekerbt. Zwei Reihen Vomerine Zähne befinden sich zwischen den verhältnismäßig großen posterioren Öffnungen der Nasenhöhle. Ferner zeigt sich ein eindeutiges externes Tympanum (Trommelfell), das ungefähr die Hälfte des Durchmessers vom Auge ausmacht. Schwimmhäute zwischen den Zehen der Hinterfüße sind bei dem Haarfrosch deutlich zu erkennen und gut ausgebildet. Der Mittelfußknochen (Metatarsal) ist seitlich begrenzt. Das Omosternum (vorhergehendes Element des Sternum, das zwischen dem Schlüsselbein sich projiziert und normalerweise mit dem Knorpel umkippt) weist eine knöcherne Struktur auf. Das Sternum hingegen ist eine knorpelige Platte, die ziemlich strukturschwach ist. Ferner zeigen sich einfache Terminalphalangen. Die subartikularen Tuberkel (knotige Schwellungen auf der Körperoberfläche) sind verhältnismäßig groß ausgebildet. Dorsal zeigt sich ein olivgrünes Braun mit dunklen schwarzen Bändern zwischen den Augen und auf dem Dorsum (Rücken). Zusätzlich befinden sich kleinere schwärzlich gefärbte Punkte und Flecken abdominal sowie schwarze Streifen auf den Unterschenkeln der Hinterbeine. Bei dunklen Fröschen sind die Bänder und die Punkte sowie die Flecken kaum zu erkennen. Im Kontrast zu dem olivgrünen Braun und den dunkel gefärbten Bändern und Punkten weist der Haarfrosch eine gelblich gezeichnete Kehle auf. Das Männchen besitzt einen zusammengepreßten internen Vokalbeutel und drei kurze Kanten (zwei longitudinal und eine transvers) sowie einen kleinen schwarzen Dorn entlang der inneren Oberfläche des ersten Fingergliedes.
Kamerun - Verbreitungsgebiet des Haarfrosches
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Kamerun - Verbreitungsgebiet des Haarfrosches
Es gibt ein schmales hinteres Divertikulum (Ausbuchtung) des Lungenflügels, das anscheinend nur bei dem Männchen auftritt. Ferner weist das Männchen Hautschwielen entlang der seitlichen Oberfläche des Körpers und der proximalen Hinterbeine auf. An den Fingerspitzen der Vorderbeine des Männchens befinden sich zahlreiche rauhe Haftballen. Ebenfalls zeigen sich Haftballen an den Zehenspitzen der Hinterbeine, die aber nicht so zahlreich sind wie an den Fingerspitzen der Vorderbeine. Vermutlich helfen die Haftballen dem Männchen während der Paarung sich an dem Weibchen festzuklammern. Besonders auffällig sind bei dem Haarfrosch die extrem langen Zehen an den Hinterbeinen.

Lebensweise

Der Haarfrosch hält sich fast das ganze Jahr über auf dem Waldboden auf, um dort nach Nahrung zu suchen. Während der Regenzeit beginnt auch die Paarungszeit des Haarfrosches. Die Haarfrösche, die sich sonst überwiegend auf dem Waldboden aufhalten, wandern dann zu den schnellfließenden Gewässern. Dort findet die Paarung zwischen den Weibchen und den Männchen statt. Wie bei vielen Froschlurchen (Anura), so gibt es auch bei dem Haarfrosch Satellitenmännchen. Diese Satellitenmännchen halten sich stets in der Nähe eines dominanten Männchens auf. Ziel der Satellitenmännchen ist es, ankommende Weibchen abzufangen und sich mit ihnen zu paaren. Nicht selten erliegen die Weibchen den Täuschungen eines Satellitenmännchens.

Verbreitung

Kamerun - Bergwald in Kamerun, bevorzugtes Habitat des Haarfrosches
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Kamerun - Bergwald in Kamerun, bevorzugtes Habitat des Haarfrosches

Der Haarfrosch lebt im westlichen Teil Zentralafrikas, einschließlich in den Osomba-Bergen von Ostnigeria bis zur Demokratischen Republik Kongo reichend, im südwestlichen Teil Kameruns, in Äquatorialguinea und in den Mayombe-Bergen in der Demokratischen Republik Kongo sowie in Teilen Gabuns. Wissenschaftler vermuten, das der Haarfrosch auch in Cabinda, Provinz und Exklave des afrikanischen Staates Angola, vorkommt. Der Haarfrosch hält sich vorwiegend in dichten üppigen Wäldern mit schnellfließenden Gewässern auf. Manchmal ist der Haarfrosch auch auf Bauernhöfe sowie auf Teeplantagen anzutreffen. Normalerweise werden aber von dem Haarfrosch Gebirgswälder bevorzugt. Der Haarfrosch lebt im Grunde genommen fast das ganze Jahr über terrestrisch. Nur zur Paarungszeit und zur Reproduktion ist er in den Gewässern anzutreffen.

Ernährung

Der Haarfrosch ernährt vorwiegend von Insekten (Insecta), Gliederfüßern (Arthropoda) sowie von Weichtieren (Mollusca). Zu seinem Nahrungsspektrum zählen unter anderem Schnecken (Gastropoda), Tausendfüßer (Myriapoda), Webspinnen (Araneae), Käfer (Coleoptera) sowie Kurzfühlerschrecken (Caelifera). Der Haarfrosch findet seine Nahrung hauptsächlich auf dem Waldboden und entlang am Flussufer.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit beginnt während der Regenzeit. Zu diesem Zeitpunkt zieht es die Haarfrösche an die Laichgewässer. Als Erstes treffen die geschlechtsreifen Männchen ein. Kurz danach folgen ihnen die Weibchen. Nachdem sich ein Pärchen gefunden hat, kommt es zur Paarung. Wie für Frösche üblich, so kommt es zu einer Umklammerung des Weibchens durch das Männchen. Sie bilden dann ein sogenanntes Amplexus-Paar.
Kamerun - Laichgewässer des Haarfrosches
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Kamerun - Laichgewässer des Haarfrosches
Parallel mit der Ablage eines Laichklumpens erfolgt dessen Besamung durch das Männchen. Es findet eine äußere Befruchtung statt. Die Entwicklung der Eier hängt sehr stark von der Umgebungs- und Wassertemperatur ab. Sollte sich ein Laichklumpen von einem Stein oder Fels lösen und zu Boden sinken, so verlängert sich die Zeit aufgrund der niedrigeren Temperaturen am Gewässergrund entsprechend um ein paar Tage. Nach der Reifung der Eier schlüpfen die Larven. Unmittelbar nach dem Schlupf weisen die Larven, die auch Kaulquappen genannt werden, eine Länge von einigen Millimetern auf. Nach dem Schlupf ernähren sie sich vom Dottersack ihres Eies. Kurz danach machen sie bereits Jagd auf Mikroorganismen. Ferner ernähren sich die Larven von Plankton und von zellulären Abfallstoffen. Dabei sind die Larven keineswegs wählerisch. Erbeutet wird alles, was sich überwältigen läßt. Das Gebiss beteht aus hornartigen Kiefern, die mit feinen Raspelzähnen besetzt sind. Die Larven besitzen einen großen Sauger auf der Bauchseite, der ihnen hilft, sich an den Steinen oder Felsen in schnellfließenden Gewässern oder an den Unterseiten von Wasserfällen festzusaugen. In der Übergangsphase von der Kaulquappe bis zum Jungfrosch hält er sich meist noch in der Nähe des Laichgewässers auf, ehe er vollständig das aquatile Leben aufgibt. Während der Anfangsphase lebt der Jungfrosch noch von seinen Reserven. Erst danach geht der Jungfrosch aktiv auf die Jagd und verläßt das Laichgewässer. Dabei stellt er seine Ernährungsgewohnheiten vollständig um. Er ernährt sich dann rein carnivor.

Gefährdung und Schutz

Einige Menschen sammeln und essen die Haarfrösche und sogar die Larven. An den Plätzen, wo viele Haarfrösche gejagt werden, ist ein Rückgang dieser Art zu beobachten. Obgleich die Menschen die Frösche wegen ihres Fleisches vermehrt jagen, wird der Haarfrosch noch nicht in der Roten Liste der IUCN als least concern (nicht gefährdet) geführt. Der Haarfrosch verfügt über ein ziemlich großes Verbreitungsgebiet und wird auch nicht überall gejagt. Naturschützer registieren und dokumentieren jedoch jede Veränderung in den Lebensräumen der Haarfrösche. Insbesondere werden in letzter Zeit zunehmend Verschmutzungen der Gewässer beobachtet, die sich negativ auf die Eier und die Larven der Haarfrösche auswirken und letztendlich auch zum Tode und zum Rückgang dieser interessanten Froschart führen.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3

Links

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