Habichtartige

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Habichtartige
Schmutzgeier (Neophron percnopterus)

Systematik
Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Überklasse: Kiefermäuler (Gnathostomata)
Reihe: Landwirbeltiere (Tetrapoda)
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)
Familie: Habichtartige
Wissenschaftlicher Name
Accipitridae
Vieillot, 1816

Habichtartige (Accipitridae) sind eine Familie aus der Ordnung der Greifvögel (Falconiformes). Man rechnet zu den Habichtartigen rund 240 Arten.

Inhaltsverzeichnis

Evolution

Die Evolution der Vögel, der Ursprung der Vögel sowie das prähistorische und neuzeitliche Artensterben kann detailliert im Hauptartikel der Vögel (Aves) nachgelesen werden.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Habichtartigen treten in allen Größen auf. Die größten Arten erreichen eine Körperlänge von bis zu 150 Zentimeter, eine Flügelspannweite von gut 300 Zentimeter sowie ein Gewicht von mehr als 12 Kilogramm. Der Körperbau stellt eine Anpassung an ihren Lebensraum und die Jagdgewohnheiten dar.
Australischer Gleitaar (Elanus axillaris) im Flug
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Australischer Gleitaar (Elanus axillaris) im Flug
Im allgemeinen weisen die Habichtartigen eine hohe Manövrierbarkeit im Flug auf. Dies ist insbesondere bei Arten zu beobachten, die in waldreichen Habitaten leben und auf die Jagd gehen. Sie verfügen über kurze Flügel und längere Schwänze. Arten, die in offenen Landschaften oder in großer Höhe ihre Suchflüge absolvieren, verfügen über lange Flügel und eher kürze Schwänze. Viele Arten haben in ihrer Abschlagmuskulatur spezielle Haltemuskeln entwickelt. Diese Haltemuskeln benötigen ausgesprochen wenig Energie. Im Gegensatz zum Schlagflug benötigen Segeln oder Gleiten kaum 5 Prozent der Schlagflugenergie. Die Stabilisierung im Gleit- oder Segelflug erfolgt über verschiedene Möglichkeiten. Eine Art Pfeilung, bei der die Flügelspitzen nach unten weisen, stabilisiert vor allem die Hochachse. Einige Arten stabilisieren ihren Flug durch eine V-Stellung ihrer Flügel. Die V-Stellung der Flügel dient zur Stabilisierung der Längsachse. Habichtartige Greifvögel verfügen mit 38 bis 40 über die meisten Armschwingen in der Vogelwelt.

Der Schwanz kann in verschiedenen Formen wie keilförmig, gegabelt, quadratisch oder auch gerundet auftreten. Er dient im Wesentlichen der Steuerung im Flug. Weitere markante Merkmale sind meist lange und breite Flügel, hakenförmige Schnäbel und kräftige Extremitäten, deren Zehen in scharfen Krallen enden. Oberhalb des Schnabelansatzes ist eine wachsähnliche Haut zu erkennen, die in der Regel gelblich oder fleischfarben gefärbt ist. Die Augen sind nach vorne gerichtet, supraorbital zeigt sich bei vielen Arten eine hervorstehende Kante. Die Gefiederfärbung ist in der Regel unauffällig braun, graubraun, schwarzbraun, rotbraun, gräulich oder auch schwarz. Zuweilen ist auch eine helle oder dunkle Streifung oder Fleckung zu erkennen. Das ventrale Gefieder ist üblicherweise heller gefärbt. Innerhalb einer Art kann es auch zu unterschiedlichen Farbmorphen kommen oder das Gefieder einer Art ist regional abweichend gefärbt.

Rotmilan (Milvus milvus)
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Rotmilan (Milvus milvus)
Die Geschlechter der Habichtartigen weisen bei allen Arten in der Größe einen deutlichen Dimorphismus auf. Männchen bleiben kleiner und leichter als Weibchen. Ein Dimorphismus in der Gefiederfärbung tritt nur bei wenigen Arten auf. Juvenile Vögel weisen in der Regel eine von den adulten Tieren abweichende Gefiederfärbung auf. Die adulte Befiederung stellt sich spätestens mit der Geschlechtsreife ein. Der Sehsinn ist bei Habichtartigen hoch entwickelt. In der Iris ist eine hohe Konzentration von Zapfen festzustellen. Daraus ergibt sich eine hohe Sehschärfe. Daher verwundert es kaum, dass Greifvögel bis zu sechsfach höher auflösen können als beispielsweise der Mensch. Neben dieser Trennschärfe ist auch die Detektion von Bewegungen hoch entwickelt. Sowohl sehr langsame als auch sehr schnelle Bewegungen können wahrgenommen werden.

Lebensweise

Habichtartige aus tropischen und subtropischen Regionen gelten als Standvögel. Arten, die in gemäßigten und subarktischen Regionen leben, ziehen im Herbst in wärmere Regionen, darunter viele als Fernzieher. Meist ähneln sich die landschaftlichen Gegebenheiten in den Winterquartieren und Brutgebieten. Die meisten Arten verbleiben jedoch ganzjährig in ihren Brutgebieten, außerhalb der Paarungszeit kann es jedoch zu nahrungsbedingten Wanderungen kommen. Wieder andere leben mehr oder weniger nomadisch. Das nomadische Leben wird nur durch die Aufzuchtzeit des Nachwuchses unterbrochen. Zu den saisonalen Wanderungen in die Winterquartiere und zurück in die Brutgebiete kommt es im Herbst und im zeitigen Frühjahr. Auf ihren Zügen wandern Habichtartige ausschließlich am Tage. Dies ist bei anderen Vogelfamilien meist nicht der Fall. Der Grund für diese Tagflüge liegt auf der Hand: Habichtartige nutzen in der Regel thermische Aufwinde, um Energie zu sparen und den Flug zu beschleunigen. Auf den Zügen vermeiden die Vögel es, weite Strecken über Wasser zu ziehen. Die europäischen Arten, die über das Mittelmeer ziehen müssen, nutzen dazu ausschließlich die Bereiche zwischen Sizilien und Tunesien oder zwischen Spanien und Marocco. Habichtartige leben für gewöhnlich einzelgängerisch oder paarweise. Nur wenige Arten leben in kleinen Gruppen oder in kleineren Kolonien. Ein territoriales Verhalten legen fast alle Arten an den Tag. Das Brut- und Jagdrevier wird meist energisch gegenüber Artgenossen und Eindringlingen verteidigt.
Bewohner der Hochgebirgslagen: der Bartgeier (Gypaetus barbatus)
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Bewohner der Hochgebirgslagen: der Bartgeier (Gypaetus barbatus)
Die Kommunikation untereinander erfolgt hauptsächlich über Lautäußerungen und Sichtkontakt. Aber auch der Flug kann der Kommunikation dienen. Flüge durch ein Revier zeigen Artgenossen die Grenzen des Reviers auf. Nicht selten erfolgen derartige Flüge paarweise. Die Flüge dienen während der Paarungszeit auch der Balz. Männchen versuchen so eine potentiellen Partnerin zu beeindrucken. Bei Sichtkontakt mit einem Kontrahenten kommt es bei vielen Arten zu Drohgebärden wie das Sträuben des Kopfgefieders und lautstarke Äußerungen. Mitunter kann es auch zu heftigen Gefechten kommen. Diese werden zumeist in der Luft ausgefochten.

Verbreitung

Habichtartige kommen weltweit vor. Sie fehlen lediglich in der Antarktis und in der nördlichen Hemisphäre nördlich des Polarkreises. Auch Inseln in den weiten der Ozeane werden in der Regel nicht besiedelt. Auch alle Arten an Lebensräumen werden besiedelt. Nur die Tundra nahe dem Polarkreis wird nicht besiedelt. Ansonsten sind Habichtartige in der gemäßigten Tundra, in Wüsten und Halbwüsten, Steppen, Baum- und Strauchsavannen, tropischen und subtropischen Wäldern und Regenwäldern, Heidelandschaften, Waldrändern, Sumpfgebieten, Küstenregionen und Mündungsdeltas anzutreffen. In der Nähe des Menschen werden auch landwirtschaftliche Flächen, Gärten, Parks und parkähnliche städtische Bereiche besiedelt. Die meisten Arten bevorzugen offene Jagdhabitate, nur wenige Arten, wie beispielsweise die Harpyie (Harpia harpyja), jagen auch in dichten Wäldern. Habichtartige sind in der Ebene, auf Meereshöhe und bis ins Hochgebirge anzutreffen. Für die meisten Habichtartigen sind Bäume für den Bau der Nester erforderlich. Einige wenige Arten nisten in Felsspalten und auf Felsvorsprüngen. Beim Bartgeier (Gypaetus barbatus) wird der Horst in unzugänglichen Felsspalten aus Reisig und Ästen in Höhen von bis zu 5.000 Metern gebaut.

Prädatoren

Adulte Habichtartige haben kaum natürliche Feinde zu fürchten. Die Eier und die Nestlinge stehen aber auf der Speisekarte vieler Nesträuber. Die Elternvögel gelten jedoch als besonders fürsorgliche Eltern. Nur selten ist das Nest mit dem Nachwuchs ohne Aufsicht, in der Regel ist immer ein Elternteil in der Nähe des Nestes anzutreffen. Habichtartige verteidigen ihr Revier und vor allem ihr Nest gegenüber Artgenossen und Beutegreifern. Einige Arten tarnen ihre Nester oder legen sie an unzugänglichen Stellen an. Küken verhalten sich bei Annäherung eines Fleischfressers absolut ruhig und vertrauen auf ihre Tarnung. Ältere Küken verteidigen sich mit ihren Fängen oder teilen auch Hiebe mit dem Schnabel aus.

Ernährung

Beutespektrum

verschiedene Gyps-Arten am Buffet: oben jeweils außen je ein Sperbergeier (Gyps rueppellii), mittig drei Weißrückengeier (Gyps africanus)
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verschiedene Gyps-Arten am Buffet: oben jeweils außen je ein Sperbergeier (Gyps rueppellii), mittig drei Weißrückengeier (Gyps africanus)

Habichtartige gehören in der Regel zu den opportunistischen Fleischfressern. In der Regel werden die Beutetiere gejagt, die im Lebensraum reichlich vorhanden sind. Je nach Art kann es auch eine Spezialisierung auf ein bestimmtes Beutespektrum kommen. Bei den meisten Arten stehen kleinere bis mittelgroße Säugetiere (Mammalia), Vögel (Aves), Reptilien (Reptilia), Lurche (Amphibia) und Fische (Actinopterygii). Kleinere Arten der Habichtartigen verschmähen auch Insekten (Insecta) und andere Gliederfüßer (Arthropoda) nicht. Der Wespenbussard (Pernis apivorus) hat sich beispielsweise auf Bienen und Wespen spezialisiert. Der Schneckenweih (Rostrhamus sociabilis) ernährt sich fast ausschließlich von Apfelschnecken (Ampullariidae) und anderen Schnecken (Gastropoda). Nicht alle Arten sind auf Fleisch angewiesen. Bevorzugte Nahrung der Palmgeier (Gypohierax angolensis) sind die Früchte der Ölpalme (Elaeis guineensis) und der Raffiapalme (Raphia farinifera). Aber auch die Früchte der Senegalesischen Dattelpalme (Phoenix reclinata) und der Mangroven-Dattelpalme (Phoenix paludosa) und andere ölhaltige Früchte werden von dieser Art bevorzugt gefressen. Auch Aas steht bei vielen Arten, insbesondere bei Vertretern der Unterfamilie der Altweltgeier (Aegypiinae), weit oben auf der Speisekarte, einige ernähren sich ausschließlich von Aas. Kappengeier (Necrosyrtes monachus) ernähren sich von Aas und Knochen, Bartgeier (Gypaetus barbatus) nehmen zu 80 Prozent nur Knochen zu sich. Das Verdauungssystem der Bartgeier ist dazu in der Lage, selbst härteste Knochen aufzuspalten.

Jagdtechniken

Je nach Vogelart und Lebensraum sowie in Abhängigkeit von der Art der Beutetiere kommen eine Reihe von Jagdtechniken zum Einsatz. Die meisten Arten gelten als Ansitzjäger, die ihre Jagd von einer Ansitzwarte aus starten.
Der Mönchsgeier ernährt sich überwiegend von Aas
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Der Mönchsgeier ernährt sich überwiegend von Aas
Als Ansitz werden Telegraphenmasten, Bäume, Zaunpfähle oder jede andere Struktur benutzt, die einen guten Überblick über das Jagdrevier bietet. Diese Art der Jagd ist sehr effektiv und energiesparend. Lokalisiert wird ein Beutetier über den hoch entwickelten Sehsinn. Für ein Beutetier kaum bemerkbar folgt ein kurzer Flug, der in einem Sturzflug endet. Dabei stürzt sich ein Habichtartiger mit den Füßen voran auf ein Beutetier. Sehr große Habichtartige wie beispielsweise viele Geier (Aegypiinae) jagen aus Suchflügen heraus. Dabei kreisen sie in großer Höhe über ihren Lebensraum. Auch bei dieser Jagdtechnik spielt der Sehsinn eine große Rolle. Ob auch der olfaktorische Sinn eine Rolle spielt, ist nicht gesichert, aber bei der Lokalisierung von Aas anzunehmen. Eine weitere Technik ist die Jagd aus dem Hinterhalt heraus. Dabei greift ein Habichtartiger ein Beutetier aus einem Versteck an. Viele Habichtartige jagen aber auch aktiv nach Beutetieren. Dies ist besonders bei Vogel- und Insektenjägern der Fall. Zum aktiven Jagen gehört nicht nur Wendigkeit und ein hochentwickelter Sehsinn, sonder auch Manövriervermögen und Geschwindigkeit. Zu dieser Gruppe gehören beispielsweise Wespenbussarde (Pernis apivorus). Die Jagd erfolgt in der Regel einzelgängerisch. Nur wenige Arten jagen paarweise oder kooperativ in Gruppen. Getötet werden Beutetiere meist schon mit den kräftigen Fängen. Zerteilt wird die Beute mit dem Schnabel. Nicht alle Arten fressen Beutetiere vollständig oder sie scheiden Gewölle aus. Gewölle sind Speiballen unverdaulicher Nahrungsreste, die wieder ausgewürgt werden. Je nach Art kann ein Habichtartiger bis zu einem Viertel seines Körpergewichtes an Nahrung zu sich nehmen. Trinkwasser wird in der Regel nicht zu sich genommen. Ihren Wasserbedarf decken Habichtartige über ihre Nahrung.

Fortpflanzung

Schneckenweih (Rostrhamus sociabilis)
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Schneckenweih (Rostrhamus sociabilis)

Bis auf wenige Ausnahmen leben Habichtartige in einer monogamen Einehe, die ein Leben lang hält. Außerhalb der Paarungszeit leben die Partner in der Regel nicht zusammen. Während der Paarungszeit kommt es auch bei bereits verpaarten Vögeln zu einer Balz, die letztlich den Zusammenhalt stärkt und die Paarungsbereitsschaft stimulieren soll. Während der gesamten Brut- und Aufzuchtzeit legen Habichtartige ein territoriales Verhalten an den Tag. Sowohl das Nest (Horst) als auch das Brut- und Nahrungsrevier werden gegenüber Artgenossen aktiv verteidigt. Die Größe eines Reviers hängt zum einen von der Art und zum anderen natürlich auch vom Nahrungsangebot ab. Der Nistplatz muss dabei nicht zwangsläufig ein Teil des Jagdreviers sein. Als Jagdrevier wird im Allgemeinen eine offene Fläche bevorzugt. Wenige Arten brüten auch in kleinen und losen Kolonien. Dazu gehören beispielsweise die Kornweihen (Circus cyaneus) oder auch der Schneckenweih (Rostrhamus sociabilis). Beim Errichten der Nester oder der Horste sind zumeist beide Geschlechter involviert. Das Männchen sorgt dabei für Nachschub an Baumaterial, das dann vom Weibchen verbaut wird. Ähnliches gilt auch für die Beschaffung von Nahrung. Das Männchen kümmert sich hauptsächlich um die Versorgung des Weibchens während der Brutzeit sowie während der späteren Aufzuchtzeit des Nachwuchses. Bei vielen Arten hilft aber auch das Weibchen bei der Nahrungsbeschaffung, wenn die Küken geschlüpft sind. Jedoch ist in der Regel immer ein Elternteil in der Nähe des Nestes. Das Darreichen von Nahrung während der Balz spielt bei vielen Arten eine große Rolle und soll auch der Paarbindung dienlich sein.

Die Geschlechtsreife wird je nach Art nach ein bis acht Jahren erreicht. Große Altweltgeier (Aegypiinae) erreichen die Geschlechtsreife deutlich später als vergleichsweise kleine Weihen (Circinae).
Affenadler (Pithecophaga jefferyi)
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Affenadler (Pithecophaga jefferyi)
Bussardartige (Buteoninae) liegen mit drei bis vier Jahren im Mittelfeld. Je nach Verbreitungsgebiet beginnt die Paarungszeit zu unterschiedlichen Zeit, meist jedoch im Frühjahr. Dies ist in der nördlichen Hemisphäre ab März bis Mai der Fall, in der Südlichen Hemisphäre frühestens im August oder September. In tropischen Regionen beginnt die Brutzeit meist in der Trockenzeit. Die meisten Arten sind brutplatztreu und belegen Jahr für Jahr das gleiche Revier oder sogar das gleiche Nest oder denselben Horst. Die Art und Bauweise der Nester unterscheidet sich zum Teil sehr stark. Der größte Teil der Habichtartigen nisten in hohen Bäumen und errichten ihre Nester aus kräftigen Ästen, Reisig und ähnlichem. Einige Arten wie der Bartgeier bevorzugen unzugängliche Felsspalten oder Felsnischen als Brutplatz, jedoch besteht auch das Nest des Bartgeiers aus Ästen und Reisig. Wird der Horst des Vorjahres genutzt, so wird er lediglich ausgebessert. Einige wenige Arten, wie beispielsweise einige Weihen, legen ihre Nester auch am Boden in schützender Vegetation an. Bei allen Arten kommt es im Laufe einer Saison nur zu einem Gelege. Bei Gelegeverlust kann es jedoch zu einem Nachgelege kommen. In ein fertiges Nest oder Horst legt ein Weibchen je nach Art zwischen einem und sechs, selten bis acht Eier. Große Habichtartige wie Altweltgeier (Aegypiinae) legen meist zwei Eier, die eher kleinen Habichte und Milane (Accipitrinae) legen bis zu sechs Eier.
Mäusebussard (Buteo buteo)
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Mäusebussard (Buteo buteo)
Die Gelegegröße richtet sich nicht nur nach der Art, sondern auch nach dem Verbreitungsgebiet, dem Ernährungszustand und der verfügbaren Nahrung. Die Eier werden im Abstand von einem bis vier Tagen gelegt. Gewärmt werden die Eier ab dem ersten Ei. Das Wärmen der Eier erstreckt sich über mindestens 28 Tage, bei großen Geiern wie dem Bartgeier (Gypaetus barbatus) dauert der Brutvorgang bis zu 60 Tagen. Meist beteiligen sich beide Geschlechter am Brutgeschäft. Um die Versorgung des Nachwuchses kümmern sich ebenfalls beide Elternteile, wobei das Männchen sich hauptsächlich um die Nahrungsbeschaffung kümmert. Unter den Küken herrscht eine ständige Konkurrenz. Nicht selten sterben jüngere und schwächere Küken aufgrund von Nahrungsmangel oder Attacken der größeren Geschwister. Bei jungen Küken zerteilt die Mutter die Nahrung in mundgerechte Happen. Die Nestlingszeit erstreckt sich je nach Lebensraum über einen höchst unterschiedlichen Zeitraum. Kleinere Habichtartige wie Weihen, Milane oder Habichte verbleiben mindestens 30 Tage im Nest. Beim Bartgeier dauert sich die Nestlingszeit bis zu 120 Tage. Mit Erreichen der Flugfähigkeit bleiben die Jungvögel jedoch immer noch eine Zeit lang in der Obhut der Eltern, ehe sie ihre Selbständigkeit erreicht haben. Bis zu diesem Zeitpunkt werden die Jungvögel weiterhin mit Nahrung versorgt. Mit Erreichen der Selbständigkeit fliegen sie aus und ernähren sich selbständig. Die Jungvögel bleiben bei einigen Arten bis zur Geschlechtsreife im Revier der Eltern, ehe sie vertrieben werden. Die Lebenserwartung in Freiheit schwankt je nach Art von wenigen Jahren bis weit über 30 Jahre. In Gefangenschaft können Altweltgeier ein Alter von 50 oder har 60 Jahren erreichen.

Systematik der Habichtartigen

Familie: Habichtartige (Accipitridae)

Unterfamilie: Habichte und Sperber (Accipitrinae)
Unterfamilie: Altweltgeier (Aegypiinae)
Unterfamilie: Aquilinae
Unterfamilie: Bussardartige (Buteoninae)
Unterfamilie: Schlangenadler (Circaetinae)
Unterfamilie: Weihen (Circinae)
Unterfamilie: Gleitaare (Elaninae)
Unterfamilie: Gypaetinae
Unterfamilie: Harpiinae
Unterfamilie: Haliaetinae
Unterfamilie: Singhabichte (Melieraxinae)
Unterfamilie: Milane (Milvinae)
Unterfamilie: Wespenbussarde (Perninae)


Siehe auch: detailiierte Systematik der Habichtartigen

Anhang

Lesenswerte Einzelartikel

Literatur und Quellen

  • Benny Génsbøl, Walther Thiede: Greifvögel. Blv Buchverlag, 4. Aufl., 2004 ISBN 3-405-14198-2
  • Prof. Dr. Dr. hc Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Dr. Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Dr. Einhard Bezzel: Der zuverlässige Naturführer. BLV Handbuch Vögel. 3. überarbeitete Auflage (2006). BLV Buchverlag GmbH & Co. KG, München.ISBN 3-8354-0022-3; ISBN 3-8354-0022-1
  • Dr. Einhard Bezzel: BLV Handbuch Vögel. BLV Buchverlag GmbH & Co. KG, München 1995.ISBN 3-405-14736-0
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X
  • Benny Gensboel & Walther Thiede: Greifvögel. Blv Buchverlag; Auflage: 4, 2004 ISBN 3405166411
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