Madagaskarseeadler

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

(Weitergeleitet von Haliaeetus vociferoides)
Madagaskarseeadler

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Gattung: Seeadler (Haliaeetus)
Art: Madagaskarseeadler
Wissenschaftlicher Name
Haliaeetus vociferoides
Des Murs, 1845

IUCN-Status
Critically Endangered (CR)

Der Madagaskarseeadler (Haliaeetus vociferoides) zählt innerhalb der Familie der Habichtartigen (Accipitridae) zur Gattung der Seeadler (Haliaeetus). Im Englischen wird der Madagaskarseeadler madagascar fish-eagle oder madagascar fish eagle genannt. Es gibt keine bekannten Unterarten, demnach ist die Art monotypisch.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Madagaskarseeadler ist ein großer Greifvogel und erreicht eine Körperlänge von etwa 70,0 bis 80,0 Zentimeter und eine Flügelspannweite von etwa 200,0 Zentimeter. Das Männchen wiegt etwa 2,2 bis 2,6 Kilogramm, während das etwas größere Weibchen etwa 2,8 bis 3,5 Kilogramm wiegt. Das Gefieder und die Flügel weisen eine dunkelbraune Färbung auf. Der Brust und die Flügel sind mit einer dünnen rötlichen Streifung besetzt. Der Kopf ist von einer hellbraunen Tönung und die Kehle sowie der Nacken weisen eine grauweiße Färbung auf und sind mit braunen und rötlichen dünnen Streifen besetzt. Der Schwanz weist eine weiße Färbung mit schwarzen Schäften auf. Des Weiteren sind die Unterflügeldecken dunkelbraun getönt und die Schwingen sind von einer dunkelgrauen Färbung. Die Wachshaut und die Beine weisen eine hellgraue Färbung auf und der Schnabel ist mit einer blasseren Basis schwärzlich getönt. Die Iris der Augen weist eine braune Färbung auf. Das Obergefieder der Jungvögel ist im Gegensatz zu den Altvögeln hellbraun gefärbt und mit weißen Strichen besetzt. Des Weiteren weist die Kehle der Jungvögel eine rostbraune Färbung auf. Die Unterseite ist ebenfalls von einer hellbraunen Färbung und ist zusätzlich noch mit weißen Flecken versehen. Die Schwingen der Jungvögel sind schwarz gefärbt und zeigen einen weißlichen Rand und der Schwanz, der eine graubraune Tönung aufweist, ist ebenfalls mit einem weißlichen Rand besetzt.

Lebensweise

Miandrivaso
vergrößern
Miandrivaso

Laut der Roten Liste der IUCN ist der Madagaskarseeadler vorwiegend in bewaldeten Gebieten an Gewässern zu finden und bevorzugt Standorte mit großen Bäumen am Ufer. Er ernährt sich hauptsächlich von Fischen, wobei der Großteil der Beute aus der Gattung Tilapia besteht. Die Brutpaare sind in den Monaten von Mai bis Oktober territorial und der Horst wird auf einem Baum oder an einer großen Felswand errichtet. Die jährliche Produktivität ist niedrig (0,15 flügge Junge pro Gebiet), da das Gelege aus 1 bis 2 Eier besteht, selten 3 Eier, wobei nur ein Küken meist überlebt und in mancher Brutsaison keine Eier gelegt werden. Der Madagaskarseeadler ist ein Nicht-Zugvogel, nur die Jugendlichen verlassen mit Erreichen der Geschlechtsreife die Brutgebiete. Die Art tritt in küstennahen Lebensräumen, in der Nähe von Seen und Flüssen mit angrenzenden Wäldern sowie in Wäldern mit Mangroven-Vegetation und in Höhen bis zu 1.200 Metern auf. In den zentralen und südlichen Teilen der Gebiete findet man den Madagaskarseeadler am häufigsten an Flüssen und Seen an, die mit zahlreichen großen Bäumen umsäumt sind, die für die Art als Ruhe- und Nistplätze geeignet sind. Obwohl der Madagaskarseeadler die meiste Zeit auf einem Baumstumpf verbringt, ist er doch oft über einem Gewässer zu sehen. Er scheint eine Vorliebe für tiefere und klarere Seen zu haben. Der Madagaskarseeadler lebt einzeln oder während der Brutzeit paarweise.

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN lebt die Art in einer geringen Zahl entlang der Westküste von Madagaskar und als Durchzügler ist die Art auf Mauritius anzutreffen. Bei Umfragen in den Jahren von 1991 bis 1995 lebten mindestens 222 Erwachsene offenbar in drei Hauptregionen, dazu zählen die Antsalova Region westlich von Bemaraha Reservat, entlang des Flusses Tsiribihina, und an der Küste von Mahajamba Bay auf der Insel Nosy Hara. Der Brutbestand wurde auf etwa 99 Paare (das Doppelte der Schätzung aus den Jahren von 1980 bis 1985), wahrscheinlich aufgrund der umfassenden Vermessungen) mit einem Rückgang in einigen Bereichen geschätzt.
Insel Nosy Hara
vergrößern
Insel Nosy Hara
Die immaturen Vögel wandern nicht sehr weit und deshalb sind die Nicht-Brutbestände schwer zu beurteilen. Die Antsalova Region scheint die wichtigste Hochburg zu sein, mit 12 Paaren im Manambolomaty-Seen-Komplex und weitere 15 Paare an anderer Stelle in der Region im Jahre 2008. Bei einer vom Peregrine Fund durchgeführten Umfrage wurden in den Jahren 2005 bis 2006 im Naturschutzgebiet Manambolomaty, Tambohorano, Miandrivaso, Belo-sur-Mer, Manja und Belo-sur-Tsiribihina Vögel aufgezeichnet, jedoch keine überarbeitete Schätzung der Population zur Verfügung gestellt. Im Allgemeinen werden folgende Lebensräume vom Madagaskarseeadler besiedelt: Subtropische und tropische Wälder mit Mangroven-Vegetation in höher gelegenen Regionen, Feuchtgebiete (Inland) wie Flüsse, Bäche, schmale Buchten mit Wasserfällen, Süßwasserseen über 8 Hektar, Süßwassersümpfe unter 8 Hektar, Flussmündungen, felsige Küsten, Klippen, felsige Inseln, Spritzwasserzonen mit Brackwasser, saline Lagunen und marine Seen.

Ernährung

Der Madagaskarseeadler ernährt sich hauptsächlich von Fischen, die von einem Ast aus, der über dem Wasser hängt, erspäht und sie in einem flachen Tauchgang mit seinen Klauen fängt. Des Weiteren erbeutet der Madagaskarseeadler auch Krebse, junge Meeresschildkröten und gelegentlich Vögel. Ferner jagt er auch anderen Vogelarten die Beute ab oder er holt sich die Fische aus den Reusen der Eingeborenen und bevor die Flut kommt, sammelt der Madagaskarseeadler gestrandete Fische und verzehrt sie dort gleich. Die Fischauswahl hängt über die relative Häufigkeit der verfügbaren Arten ab. In Madagaskar ernährt sich der Madagaskarseeadler von eingeführten Arten aus der Gattung Tilapia und Channa und von einheimischen Arten wie der Indopazifische Tarpun (Megalops cyprinoides) und Arius madagascariensis. In den nördlichen und nordwestlichen Küstenregionen erbeutet der Madagaskarseeadler Flötenfische (Fistularia) und Tylosurus. Neben Fische jagt der Madagaskarseeadler auch junge Hausenten und andere Wasservögel, einschließlich Altwelt-Schlangenhalsvogel (Anhinga melanogaster), Riedscharbe (Phalacrocorax africanus), Graureiher (Ardea cinerea), Madagaskarreiher (Ardea humbloti), Witwenpfeifgans (Dendrocygna viduata) und Schmalschnabellöffler (Platalea alba). Einige der letzteren kann mit der Konkurrenz oder mit der territorialen Verteidigung, statt der Verdrängung zusammenhängen.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit beginnt im Mai mit Balz und Horstbau. In der Regel befinden sich die Brutplätze vor allem in den nördlichen und nordwestlichen Teilen von Madagaskar und die Vögel nisten auf Klippen auf felsigen Inseln, mit oder ohne Vegetation. In Süßwasserfeuchtgebieten sind Tamarindus und Adansonia die vorherrschenden Baumarten und auch Alleanthus greveanus, Neobeguea mahafaliensis und Corvilea racemosa werden für den Horstbau verwendet. Die Horste der Brutpaare liegen in der Regel 1,7 ± 0,7 Kilometer voneinander entfernt.
Tamarindus indica
vergrößern
Tamarindus indica
Der Horst eine große, sperrige Struktur, bestehend aus Ästen und Zweigen. Die Größe des Horstes variiert zwischen 100,0 und 120,0 Zentimeter im Durchmesser und 30,0 bis 50,0 Zentimeter in der Tiefe. Für den Horstbau holt sich der Madagaskarseeadler abgestorbene Äste, die einen Durchmesser von 10,0 bis 30,0 Millimeter und eine Länge von 30,0 bis 60,0 Millimeter aufweisen. Das Gelege besteht in der Regel aus 2 Eiern. Die Eier sind weißlich gefärbt und sind mit Markierungen besetzt. Die Eigröße beträgt 69,2 ± 0,8 Millimeter x 52,6 ± 0,6 Millimeter mit einem durchschnittlichen Lebendgewicht von 100,9 ± 3,4 Gramm. Die Eiablage findet in den Monaten von Ende Mai bis Mitte Juli statt und die Inkubation beginnt nach dem ersten Ei. Die Inkubationszeit beträgt 37 bis 43 Tage, und beide Geschlechter nehmen daran teil, aber die Hauptlast ruht auf dem Weibchen. Gelegentlich gibt es auch eine Nachbrut, wenn der Horst geplündert wurde. Die Nestlingszeit reicht von 78 bis 89 Tage. Nach etwa 70 Tagen sind die Jungvögel flügge. Unweigerlich überlebt nur ein Nestling als Folge von Kainismus. Diese Art weist sowohl kooperative Polyandrie und als auch kooperatives Brüten mit zusätzlichen Paaren (alle männlich) auf, die weniger eng verwandt mit dem Brutpaar sind.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN haben weitere umfassende Erhebungen die bekannte Anzahl der Paare dieser Art erhöht. Doch die Populationszahl ist sehr gering und weiterhin zunehmend rückläufig und daher ist die Art als kritisch gefährdet eingestuft. Abholzung, Bodenerosion und die Entwicklung von Reisfeldern in den Feuchtgebieten haben zum Verlust von Nist- und Nahrungshabitaten geführt. Die Art ist durch die direkte menschliche Nahrungskonkurrenz der Fischbestände bedroht. Weitere Bedrohungen dieser Art sind die Wilderei von Nestlingen und Tötung der Erwachsenen, das Verfangen in Fischernetzen, die Störungen der Brutplätze sowie die traditionelle Medizin. Eine potentielle Gefahr stellt die Wasserverschmutzung dar, da die Art die Schadstoffe über die Fische aufnimmt. Die stark gefährdete Art wird auch im Anhang II der CITES gelistet. Seit 1991 hat sich die Art in der Region Antsalova, wo ein laufendes Programm gezielt auf die Erhaltung der bekannten Brutvorkummen, auf mindestens 250 Paare erhöht. Aufgrund durch die Durchsetzung der bestehenden Gesetze auf traditioneller kommunaler Ebene und in zwei Fällen durch die Freisetzung von in Gefangenschaft aufgezogener Vögel, hat sich die Zahl der Jungvögel pro Nest verdoppelt. Um die Art vor dem Aussterben zu retten, sind notwendige Schutzmaßnahmen erforderlich wie Schärfung des Bewußtseins in den Gemeinden, die Verfolgung zu verringern und die Brutplätze vor menschlichen Aktivitäten zu schützen.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

Qualifizierte Weblinks

'Persönliche Werkzeuge