Halsband-Wehrvogel
aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank
| Halsband-Wehrvogel | |
|---|---|
|
| |
| Systematik | |
| Klasse: | Vögel (Aves) |
| Unterklasse: | Neukiefervögel (Neognathae) |
| Ordnung: | Gänsevögel (Anseriformes) |
| Familie: | Wehrvögel (Anhimidae) |
| Gattung: | Schopfwehrvögel (Chauna) |
| Art: | Halsband-Wehrvogel |
| Wissenschaftlicher Name | |
| Chauna torquata | |
| Oken, 1816 | |
| IUCN-Status | |
| Least Concern (LC) - IUCN
| |
Innerhalb der Ordnung der Gänsevögel (Anseriformes) ist der Halsband-Wehrvogel (Chauna torquata), der auch Tschaja oder Halsbandtschaja genannt wird, in die Familie der Wehrvögel (Anhimidae) einzuordnen.
Inhaltsverzeichnis |
Beschreibung
Aussehen und Maße
Der Halsband-Wehrvogel erreicht eine Körperlänge von 75 bis 92 Zentimeter, ein Gewicht von 3 bis 4 Kilogramm sowie eine Flügelspannweite von etwa 150 bis 170 Zentimeter. Weibchen bleiben kleiner und leichter als Männchen. Insgesamt ist sein Körperbau, allen voran seine Beine mit den langen Zehen, bestens an die Fortbewegung auf sumpfigem Gelände oder auf Wasserpflanzen ausgelegt. Zwei spitze Sporne an den Flügelansätzen machen ihn auch zu einem wehrhaften Vogel, wenn es darum geht, sein Revier zu verteidigen. Die Sporne weisen eine Länge von bis zu fünf Zentimeter auf. Sein Gefieder ist graubraun und von schwarzen Zeichnungen durchsetzt, die Bauchseite ist überwiegend weißlich gefärbt. Namensgebend sind der breite, schwarze sowie der anschließende schmale, weiße Ring am Hals. Aufgrund dieses Merkmals sind die Vögel sehr leicht zu identifizieren. Das Gefieder unterscheidet sich zwischen den Geschlechtern nicht, allerdings werden die Weibchen etwas kleiner. Der kleine Kopf weist eine rundliche Form auf, der leicht nach unten gebogene und kurze Schnabel ist hornfarben gefärbt. Die Iris der Augen ist gelblich bis leicht orange, die Pupille ist dunkel gefärbt. Die langen Extremitäten weisen eine rötliche Färbung, die Füße gehen in ein Aschgrau über.
Lebensweise
In allen Verbreitungsgebieten sind Halsband-Wehrvögel reine Standvögel. Sie gelten als ausgesprochen sesshaft und leben entweder paarweise oder in Nichtbrütergemeinschaften von bis zu 10 Individuen. Sie können zwar fliegen, tun dies aber nur selten. Am Abend begeben sie sich fliegend bzw. leicht flatternd auf sogenannte Schlafbäume, wo sie die Nachtruhe verbringen. Auf dem Boden bewegen sie sich hingegen sicher und gewandt. Ähnlich geschickt gelten sie auf dem Wasser. Gefiederputzen gehört zum täglichen Ritual. Dabei putzen und richten sie ihre Federn mit dem Schnabel. Haldband-Wehrvögel sind ausgesprochen territorial und verteidigen ihr Revier gegenüber Artgenossen und Fleischfressern. Bei drohender Gefahr blasen sie ihren Hals auf und nehmen eine Drohhaltung an, bei der die messerscharfen Sporne sichtbar werden.
Verbreitung
Das zentrale und südliche Brasilien, Argentinien, Paraguay, Peru, Bolivien und Uruguay sind die natürlichen Verbreitungsgebiete des Halsband-Wehrvogel. Auf Trinidad, einer Insel der Kleinen Antillen, gilt die Art seit längerem als ausgestorben. Er bevorzugt tropische und subtropische Feuchtgebiete sowie waldnahe Seen, Teiche und Sumpfgebiete. Aber auch entlang von Flussläufen oder an Küstenabschnitten kann man den Halsband-Wehrvogel durchaus häufig beobachten. Höhenlagen werden nicht besiedelt, die Art ist ausschließlich in der Ebene anzutreffen. Auch wenn der Halsband-Wehrvogel überwiegend auf dem Boden lebt, so verbringt er die Nacht in der Regel in Schlafbäumen.
Nahrung
Der Halsband-Wehrvogel ernährt sich hauptsächlich von Wasserpflanzen, Laub, Sämereien und Körner aller Art. Hin und wieder wird der Speiseplan mit Insekten (Insecta) und Kleingetier ergänzt. Jungvögel ernähren sich in der ersten Zeit ausschließlich von Insekten. Auf Nahrungssuche gehen die Vögel hauptsächlich am Vormittag und am späten Nachmittag. Die Nahrungshabitate liegen zumeist in der Nähe eines Gewässers. Hier geht sie auch im Schlamm auf Suche nach Kleingetier und filtert die Nahrung aus dem schlammigen Wasser. Trinkwasser wird zumeist täglich getrunken.Fortpflanzung
Der Halsband-Wehrvogel erreicht die Geschlechtsreife mit etwa einem Jahr. Die Geschlechter leben in einer monogamen Einehe, in der Regel bleiben die Paare mehrere Jahre zusammen, oft sogar das ganze Leben. In den tropischen und subtropischen Verbreitungsgebieten erstreckt sich die Paarungszeit über das ganze Jahr, ist also an keine feste Jahreszeit gebunden. In der Regenzeit kommt es jedoch zur Häufung von Gelegen, da zu dieser Zeit Nahrung reichlich vorhanden ist. Zur Balz gehören neben einem Balztanz auch das gegenseitige Gefiederputzen. Dringt ein anderes Männchen in das Revier eines Paares ein, so kann es zu durchaus heftigen Kämpfen unter den Männchen kommen. Dabei werden die Sporne an den Flügeln als Waffe eingesetzt.
Das Nest wird am Boden aus Ästen, Stängeln und Blättern in unmittelbarer Nähe am Wasser gebaut. Die eigentliche Nistmulde weist eine Tiefe von bis zu 10 Zentimeter auf. Das Weibchen legt zwischen zwei und acht Eier, durchschnittlich jedoch drei bis fünf Eier, die von beiden Elternteilen über einen Zeitraum von rund 45 bis 47 Tagen gewärmt werden, wobei Männchen überwiegend während der Nacht brüten. Ein Ei weist eine Länge von 8,4 bis 8,5 Zentimeter auf und erreicht ein Gewicht von 145 bis 150 Gramm. Die geschlüpften Jungvögel sind Nestflüchter und verfügen über ein gelblich bis rostbraunes Dunenkleid. Die ersten Wochen verbringen sie nur auf dem Wasser oder verstecken sich im Uferdickicht. Sie ernähren sich von Insekten und deren Larven. Flügge und selbständig sind die Jungvögel im Alter von gut 75 Tagen. Die Aufzucht der Jungtiere übernehmen beide Elternteile.
Ökologie, Gefährdung und Schutz
In weiten Teilen Südamerikas stellt man den Halsband-Wehrvögel wegen des Fleisches nach. Auf der anderen Seite werden die Tiere auch gefangen und als Haustiere gehalten. In der Nähe des Menschen sollen sie auf landwirtschaftlichen Flächen, insbesondere Getreidefelder, Schäden anrichten. Jedoch stehen diese Schäden in keinem Verhältnis zum Nutzen, da sie auch eine Vielzahl an Schadinsekten vertilgen. Halsband-Wehrvögel gelten heute noch nicht als gefährdet. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher als nicht gefährdet geführt.
Anhang
Literatur und Quellen
- Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
- Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
- Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
- Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

