Hauspferd

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Hauspferd
Brandenburger Warmblut

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Unpaarhufer (Perissodactyla)
Familie: Pferde (Equidae)
Gattung: Equus
Art: Hauspferd
Wissenschaftlicher Name
Equus caballus
Linnaeus, 1758

Das Hauspferd (Equus caballus) zählt innerhalb der Familie der Pferde (Equidae) zur Gattung Equus.

Inhaltsverzeichnis

Evolution

Allgemeines

Urpferdchen (Propalaeotherium parvulum)
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Urpferdchen (Propalaeotherium parvulum)

Lange vor den modernen Pferden nahm die Entwicklung der Evolution der Pferde ihren Lauf. Am Anfang, vor rund 55 bis 50 Millionen Jahren entwickelten sich die ersten Vorfahren der heutigen Pferde. Im Eozän, einer Epoche innerhalb der Periode des Paläogens, entstand die Gattung Hyracotherium. Diese Gattung gilt als der Beginn der Evolution der Pferde. Die Hyracotheriums erreicht im Schnitt nur eine Standhöhe von 20 Zentimetern und erinnerten nur entfernt an ein Pferd. Auch die heutigen Hufe wiesen diese Tiere noch nicht auf. Ihre Füße endeten in vier Zehen. Auch der Rücken unterschied sich deutlich, er war gewölbt. Vor rund 50 bis 47 Millionen Jahren entstanden aus den Hyracotheriums die ersten Vertreter der Gattung Orohippus, die dann vor 47 Millionen Jahren in die Epihippus ausliefen. Hier begann dann auch die Entwicklung der ersten hufartigen Zehen. Auch die Zähne ähnelten bereits den heutigen Arten. Die Entwicklung der Hufe beruht auf der Tatsache, dass sich das Klima in den Verbreitungsgebieten drastisch änderte. Die Wälder wandelten sich in die ersten Steppen- und Buschlandschaften um, zudem wurde es deutlich trockener. Vor gut 40 Millionen Jahren bildete sich die Gattung Mesohippus. Diese Tiere wiesen auch schon körperliche Parallelen zu den heutigen Arten auf. Die Tiere dieser Gattung hatten bereits eine Schulterhöhe von 55 bis 60 Zentimeter. Rücken, Hals, Beine und der Kopf passten sich den Lebensbedingungen langsam aber sicher an. Mesohippus hatte an den Extremitäten aber immer noch drei Zehen, vorne zusätzlich noch eine vierte Zehe, die aber nur rudimentären Charakter hatte.

Skelett eines Urpferdchen (Propalaeotherium parvulum)
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Skelett eines Urpferdchen (Propalaeotherium parvulum)

Im nächsten Evolutionsschritt entstand die Gattung Miohippus. Diese Tiere waren bereits deutlich größer als ihre Vorfahren. Vor rund 23 bis 22 Millionen Jahren entwickelte sich die Gattung Parahippus. Diese Art besaß noch drei Zehen, die vierte Zehe fehlte bereits. Die Zähne waren ebenfalls deutlich länger als bei seinen Vorfahren. Der nächste Entwicklungsschritt erfolgte vor 18 Millionen Jahren mit Merychippus. Die Tiere wiesen bereits ein Stockmaß von etwa 100 Zentimetern auf. Der Schädel war deutlich langgestreckt und die Zähne passten sich langsam an die faserhaltige Nahrung an. Doch auch Merychippus besaß noch drei Zehen. Jedoch standen sie bereits auf ihre Zehenspitzen. Nun war es nur noch ein kleiner Schritt zur vollständigen Entwicklung der Hufe. Vor rund 15 Millionen Jahren entwickelte sich die Gattung Pliohippus. Die Arten dieser Gattung hatten am Anfang immer noch drei Zehen, diese bildeten sich jedoch im Laufe der nächsten elf Millionen Jahre zu einer Zehe zurück. Schlussendlich entstand in Pliozän, einer Epoche der Periode des Neogen, vor vier Millionen Jahren, die heutige Gattung der Pferde, die Gattung Equus. Hier bildeten sich nun die ersten Zebras, das Przewalski-Pferd, Afrikanische und Asiatische Esel. Alle Arten verfügten bereits vor vier Millionen Jahren über die charakteristischen Hufe. Die Domestizierung des Pferdes begann etwa 3000 v. Chr. ( nach manchen Autoren auch schon 5000 v Chr. ) in Zentralasien, höchstwahrscheinlich unabhängig voneinander an verschiedenen Orten.

Entwicklung der Hufe

Der Hauptgrund für die Entwicklung der Hufe war wohl der Klimawandel. Auf steinigen und sandigen Untergründen sind einzehige Füße, respektive Hufe von Vorteil. Ein Huftier entwickelt mit Hufen mehr Halt auf so einem Untergrund. Der Klimawandel setzte im heutigen Nordamerika vor rund sechs bis vier Millionen Jahren ein. Nordamerika gilt aufgrund von fossilen Funden als der Ursprung der heutigen Pferde. Am Anfang der Entwicklung, also bei den damaligen Hyracotheriums vor 55 Millionen Jahren, wiesen die Füße der Urpferde noch vier Zehen auf. Im Laufe von Jahrmillionen reduzierte sich die Anzahl der Zehen zunächst auf drei (siehe Mesohippus) und mit Ende der Entwicklung auf eine Zehe. Diese verbliebende Zehe bildete den Huf. Im Laufe der Zeit verbreiteten sich die ursprünglich nur in Nordamerika vorkommenden Urpferde über weite Teile der Erde. Insbesondere in Afrika, Asien und in Europa verbreiteten sich die Vorfahren der heutigen Pferde rasch aus.

Kalt- und Warmblüter, Ponys

Shetlandpony
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Shetlandpony

Equus caballus teilte sich im Laufe der Evolution in drei große Gruppen. Je nach Verbreitungsgebiet, also nördliche und kalte, sowie südliche und warme Gebiete, trennten sich die Pferde in mehrere Gruppen. In nördlichen Lebensräumen entstanden die Kaltblüter, in südlichen Verbreitungsgebieten entstanden die Vollblüter. Eine dritte Gruppe, die Ponys entstanden in unwegsamem Gelände. Ihre deutlich kleinere Größe war eine Anpassung an den Lebensraum. Sowohl Ponys als auch Kaltblüter und Vollblüter sind wie alle Säugetiere und Vögel homoiotherme (gleichwarme) Tiere. Nördliche Rassen haben zumeist ein dichteres und längeres Fell. Bei Rassen aus südlichen Gebieten ist das Fell deutlich kürzer und weniger dicht. Auch die Größe der ersten Pferde unterschieden sich stark. In nördlichen Gebieten waren sie in der Regel deutlich größer und auch kräftiger gebaut. Größe und Gewicht in Kombination mit einem Fell machten die nördlichen Kaltblüter unempfindlich gegenüber Kälte. Die Arten und Rassen in tropischen und subtropischen Lebensräumen sind wesentlich schlanker und leichter.

Domestikation

Allgemeines

Wann genau die Domestikation des Pferdes begann, ist auch heute noch umstritten. Ein Teil der Forscher geht davon aus, dass die Domestikation in Ostasien vor rund 5.000 Jahren begann. Andere wiederum glauben das dies bereits vor 7.000 Jahren stattfand. Fossile Funde konnten keine der beiden Meinungsrichtungen eindeutig bestätigen. Es scheint aber als sicher, dass die Domestikation nicht an einem Ort begann, sondern zur gleichen Zeit in verschiedenen Regionen der Erde. Die ersten Begegnungen zwischen Mensch und Pferd hatten sicher den Hintergrund der Jagd. In grauer Vorzeit diente neben anderen Tieren auch das Pferd der Versorgung der damaligen Bevölkerung. Nach und nach wurden aber dann Pferde eingefangen und gezähmt. Durch die Auslese der zahmsten Pferde für die weitere Zucht, wurde die Domestikation relativ schnell erreicht. Ähnlich ist man auch bei anderen Haustieren wie beispielsweise Hunden verfahren. In der ersten Zeit wurde das Pferd wohl hauptsächlich als Lasttier eingesetzt. Als Reittier wurde das Pferd erst seit 2.500 Jahren eingesetzt. Bereits 500 v. Chr. wurden Pferde als Zugtiere vor Streitwagen und als Reitpferde eingesetzt. Im Laufe der Zeit wurden Pferde auch in der Landwirtschaft als Zugtier verwendet.

Geschichtliches

Przewalski-Pferd (Equus przewalskii)
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Przewalski-Pferd (Equus przewalskii)

Neben der Versorgung der Bevölkerung mit Fleisch und der Nutzung des Pferdes als Lasttier, wurden Pferde bereits sehr früh in kriegerischen Auseinandersetzungen eingesetzt. Frühe Völker wie die Assyrer, die Hurriter sowie die Hyksos erkannten bereits vor 3.700 Jahren die Vorteile der Nutzung des Pferdes im Krieg. Das Volk der Hyksos setzte Pferde bei ihrem Überfall auf Ägypten ein. Die Pferde machten die Hyksos so übermächtig, dass die Ägypter förmlich überrannt wurden. Auch die frühen nomadischen Völker Zentralasiens setzten Pferde ein. Zum Teil nutzten sie Pferde als Reitpferd und Lasttier, aber eben auch für den kriegerischen Einsatz. In Ostasien wurden wahrscheinlich erste Przewalski-Pferde domestiziert.

Kurze Zeit später tauchte das Pferd auch in Europa auf. Hier stammen die ältesten Funde aus einem Zeitraum von vor 3.400 bis 3.500 Jahren. Insbesondere fossile Funde von Zaumzeug im heutigen Ungarn (Füzesabony) und in Deutschland (Ergolding) bestätigen die erste Nutzung von Pferden als Last- und Nutztier in der frühen Bronzezeit. Bei den Kelten und auch den Germanen kam den Pferden auch kultische Bedeutung zu. So wurden Pferde bei den Kelten geopfert. Bei den Germanen dienten Pferde als Orakel. Ihren ersten Einsatz in Europa bei kriegerischen Auseinandersetzungen bekamen Pferde in der Antike, vor rund 2.400 Jahren. Hier zogen Pferde in erster Linie Streitwagen und dienten als Lasttiere. Etwa zur gleichen Zeit, also vor rund 2.400 Jahren, wurde das Hufeisen eingeführt. Da zu dieser Zeit bereits erste Straßen aus Kopfsteinpflaster entstanden, schonten die Hufeisen die Hufe der Pferde.

Schleswiger Kaltblut
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Schleswiger Kaltblut

Erst sehr viel später, genauer gesagt im Mittelalter wurde auch das erste Geschirr erfunden, um Pferde vor einen Karren zu spannen. Zwar stammten die ersten geschirrähnlichen Kontruktionen aus einem Zeitraum von vor 5.500 Jahren, aber erst im Mittelalter wurde das Geschirr, das sogenannte Harness oder Kummet, perfektioniert. Damit konnte man ein Pferd problemlos vor einen Karren, Pflug oder Schlitten spannen. Im Mittelalter wurden Pferde insbesondere in der Landwirtschaft eingesetzt. Sie wurden vor einen Pflug gespannt, um einen Acker zu pflügen. Pferde lösten in der Landwirtschaft die Ochsen ab, die deutlich weniger Leistung erbrachten.

Zwar entwickelten sich die Pferde in Nordamerika, starben dort jedoch vor Beginn der Domestikation wieder aus. Erst die spanischen Eroberer brachten wieder Pferde in die Neue Welt. Aus entlaufenen oder freigelassenen Tieren entwickelten sich die Mustangs. Hiedurch kamen die Indianer erstmals in Kontakt mit Pferden und domestizierten sie, was z.T. zu einer radikalen Änderung ihrer Lebensweise führte. Indianer setzten Reitpferde, insbesondere bei der Jagd nach Bisons (Bison bison) ein.

Mit dem Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert wurde das Pferd immer stärker für den Transport von Gütern eingesetzt. Insbesondere große und kräftige Kaltblüter zogen zum Teil sehr schwer beladene Wagen und Karren. Ein sehr bekanntes Lastpferd ist das Shire Horse. Dieses sehr kräftige Pferd wurde auch in der Landwirtschaft erfolgreich eingesetzt und gilt als das weltweit größte Pferd. Mit der Zeit wurden auch die Wagen ausgereifter und es tauchten die ersten leichten Kutschen auf, die insbesondere der Personenbeförderung dienten. Hier kamen dann auch deutlich leichtere Pferde zum Einsatz, die in der Regel Warmblüter waren. Ende des 19. Jahrhunderts Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Hauspferd langsam aber sicher durch motorisierte Zugmaschinen abgelöst. Insbesondere die schweren Kaltblüter verschwanden aus dem Transportwesen und der Landwirtschaft. Nur noch auf Kurzstrecken oder in unwegsamem Gelände waren Pferde effektiver als Maschinen.

Heute spielen Pferde in der Landwirtschaft und im Transportwesen kaum eine Rolle mehr. Die Tiere dienen meist nur noch zu nostalgischen Zwecken. Traditionell werden Pferde in den USA und in Südamerika beim Treiben von Rindern oder bei der Jagd eingesetzt. Auch bei der Polizei finden Pferde Verwendung. Heutzutage wird insbesondere bei Demonstrationen oder bei Fußballspielen auf die berittene Polizei gesetzt. Des weiteren werden Pferde, insbesondere Ponys, überwiegend für therapeutische Gymnastik genutzt. In unzugänglichen Gegenden werden auch noch Kaltblüter zum Beispiel in Gebirgswäldern zum Transportieren von gefällten Baumstämmen und dergleichen eingesetzt. Diese Pferde werden auch als Rückepferde bezeichnet. In einigen Ländern werden Pferde auch heute noch in der Armee verwendet.

Rassenbildung

Seit jeher wurden Pferde für die verschiedensten Zwecke eingesetzt. Aufgrund der diversen Einsatzzwecke haben sich im Laufe der Zeit die verschiedensten Rassen herausgebildet. Verwendung finden Pferde heute hauptsächlich in der Freizeit und im Sport. In der Landwirtschaft spielen sie in der westlichen Welt nur noch eine untergeordnete Rolle. Der Bildung einzelner Rassen lagen im Bereich der Zuchtziele bestimmte Selektionen, die sich anhand
Reitpferd auf einer Koppel
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Reitpferd auf einer Koppel
bestimmter Leistungen und auch Fortbewegungsarten ausrichteten. Im Laufe der Zeit wurden durch gezielte Selektionen bestimmte Eigenschaften herausgebildet.

Nutzung

Heute werden Pferde vor allem als Reitpferd in Freizeit und Sport eingesetzt. Weitere Einsatzbereiche sind beispielsweise das Ziehen von Pferdewagen. In der Vergangenheit lag der Fokus eher im Bereich der Arbeit. Pferde wurden vor den Pflug gespannt, im Krieg eingesetzt oder als Zugpferd eingesetzt. Auch im Bergbau wurden kleine Pferde und Ponys Untertage eingesetzt, um beispielsweise Loren zu ziehen. Als die ersten motorisierten Fahrzeuge aufkamen, verloren Pferde im Bereich des Transportwesens zusehens an Bedeutung. Heute werden Pferde nur noch in Wäldern eingesetzt, um Baumstämme aus dem Wald herauszuziehen. Hier ist das Pferd einem motorisierten Fahrzeug durch seine Beweglichkeit eindeutig überlegen.

In weiten Teilen seiner Verbreitungsgebiete schätzt man das Fleisch der Pferde. Auch in Deutschland wird Pferdefleisch zum Kauf angeboten. In der Medizin wird Stutenmilch verarbeitet und insbesondere bei Hautkrankheiten angewandt. Ein weiterer Einsatzbereich in der Medizin ist das therapeutische Reiten. Es hat ähnliche Wirkung auf den Menschen, insbesondere auf Kinder, wie beispielsweise das Schwimmen mit Delfinen.

Entwicklung der Pferdezucht

Die Entwicklung der Pferdezucht richtet sich seit jeher nach den Bedürfnissen der Menschen. In historischer Zeit wurde eher schwere Reit- und Zugpferde oder Lasttiere gezüchtet. Später wandelten sich die Einsatzzwecke. Pferde wurden in der Kavallerie als leichtes Reitpferd oder Lastpferd eingesetzt. Mit der Zeit wurden auch schwere Kaltblüter gezüchtet, die überwiegend in der Landwirtschaft Einsatz fanden. Mit Beginn der Industrialisierung, die auch vor der Landwirtschaft keinen Halt machte, verloren die Pferde in diesem Bereich stark an Bedeutung. Traktoren und andere Maschinen übernahmen die Arbeit. Heute finden Pferde in der Zucht meist nur noch als Reitpferd oder im Reitsport Verwendung.

Rassen

Kopfstudie eines Pony
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Kopfstudie eines Pony

Neben der Einteilung in Klein- und Großpferde (ab Stockmaß 148 Zentimeter) wird bei Pferden nach der Abstammung unterschieden. Man unterscheidet üblicherweise nach Vollblütern, Halbblütern, Warmblütern und Kaltblütern. Vollblüter stammen von Araberpferden ab. Sie werden vor allem im Distanzreitsport eingesetzt. Halbblüter sind eine Kreuzung aus einem Vollblüter und einem Vertreter einer anderen Rasse. Sie gelten als ausgesprochen temperamentvoll und sind als Reitpferd nur bedingt einsetzbar. Ihr Einsatzgebiet ist der Pferdesport. Warmblüter stehen entwicklungstechnisch zwischen den Kalt- und Warmblütern. Der Ursprung der Warmblutrassen liegt in Europa. Warmblüter werden als Sport- und Freizeitpferd eingesetzt. Als Kaltblüter bezeichnet man vor allem schwere Pferde, die über ein gemäßigtes Temperament und über ein hohes Gewicht verfügen. Sie werden vor allem als Rückepferde, Zugpferde und Arbeitspferde in der Landwirtschaft eingesetzt. Weltweit sind einige Hundert Pferderassen bekannt. Der Vollständigkeit halber wird auf die Liste der Pferderassen bei der deutschen Wikipedia verwiesen.

Beschreibung

Allgemeines

Die allgemeine Beschreibung fällt schwer, da der Mensch durch die Zucht viele sehr unterschiedliche Rassen hervorgebracht hat. So gibt es erhebliche Unterschiede in der Größe und dem Gewicht. Markant sind bei fast allen Rassen die ausgesprochen schlanken aber kräftigen Gliedmaßen, der lange Hals, der große, längliche Kopf und der zylindrische Rumpf. Die Sinne des Hauspferdes sind hoch entwickelt. Vor allem das Gehör ist sehr gut ausgeprägt. Die Ohren sind lang und weisen eine trichterartige Form auf. Ähnliches gilt für den Sehsinn, der vor allem durch die seitlich liegenden Augen eine gute Rundumsicht ermöglicht. Die Fellfärbung ist ähnlich variabel wie Größe und Gewicht. Die Färbung des zumeist kurzen Fells reicht von schwarz und weiß, über braun und graubraun oder grau bis hin zu gemusterten Farbvariationen. Die Farbvariationen sind ebenfalls ein Produkt der Zucht.
Fjord-Pferd - Gestüt Moorbach
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Fjord-Pferd - Gestüt Moorbach
Der Schwanz ist meist mittellang, erreicht eine Länge von bis zu 60 Zentimeter und ist mit langen Haaren versehen. Der Nacken und der Hals, teilweise auch der Oberkopf, sind üblicherweise durch eine lange Mähne gekennzeichnet.

Größe

Die Größe eines Hauspferdes ist im hohen Maße von der Rasse abhängig. Ausgewachsen ist ein Pferd, vor allem ein Wildpferd, mit vier bis sieben Jahren. Dabei kann es je nach Lebensraum zu klimatisch bedingten Wachstumsverzögerungen kommen. Auch jahreszeitlich zeigen sich im Wachstum deutliche Unterschiede. So ist das Wachstum im Frühjahr und im Sommer deutlich höher als beispielsweise im Winter. Auch die Menge und die Qualität an Nahrung kann das Wachstum beschleunigen oder hemmen. Dies trifft vor allem bei Wildpferden oder verwilderten Pferden zu. Das Stockmaß beträgt je nach Rasse zwischen 130 und 210 Zentimeter, die Körperlänge variiert zwischen 180 und über 300 Zentimeter, das Gewicht kann vor allem bei Kaltblütern bei bis zu 1.300 Kilogramm betragen. Rassen wie das Shire Horse gehören zu den größten Pferderassen der Welt. Hengste erreichen zumeist ein höheres Gewicht und sind auch ein wenig größer.

Eigenschaften

Die Eigenschaften eines Hauspferdes hängen ebenfalls von der entsprechenden Rasse ab. So verfügen Wildpferde oder verwilderte Pferde über ein ausgesprochen großes Temperament. Auch die Extremitäten weisen je nach Rasse unterschiedliche Eigenschaften auf. So sind die Beine bei Kaltblütern sehr stämmig und robust gebaut. Reit- und Dressurpferde verfügen über eher filigrane Extremitäten. Die Hufe sind in der Regel hart und auch für unebenes und steiniges Gelände geeignet. Die Hufe von Haus- und Reitpferden werden mit Hufeisen beschlagen.

Bewegung

Fohlen
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Fohlen

Pferde sind gute und ausdauernde Läufer. Dies gilt vor allem für Wildpferde, die aufgrund ihres Herdenlebens und der Flucht vor Fressfeinden schnell laufen müssen. Bedingt durch die Größe der Streifreviere legen Wildpferde täglich viele Kilometer zurück. Pferde in Menschenobhut müssen zwar nicht viel laufen, jedoch benötigen sie ausreichend Auslauf. In der Regel sind Pferde tagaktiv und bewegen sich in der Nacht nur wenig. Beim Pferd unterscheidet man verschiedene Gangarten. Zu den Grundgangarten gehören Schritt, Trab und Galopp. Schritt ist die langsamste Gangart, bei der Geschwindigkeiten von vier bis sieben km/h erreicht werden. Bei Trab werden die diagonal liegenden Beine gleichzeitig bewegt. Die üblichen Geschwindigkeiten bei Trab liegen zwischen 12 und 18 km/h. Die schnellste Gangart ist der Galopp. Bei dieser Gangart, die letztlich eine Abfolge von einzelnen Sprüngen ist, kann eine Geschwindigkeit von durchaus über 25 km/h erreicht werden. In der Dressur gibt es noch weitere, spezielle, Gangarten. Zu den bekanntesten gehören unter anderem Pass und Rennpass, Foxtrott, Slow Gait und einige weitere.

Leben in Herden

Die ursprüngliche Form des Zusammenlebens von Pferden ist die Herde. Eine Herde setzt sich zumeist aus einem dominanten Hengst, mehreren Stuten und deren Nachwuchs zusammen. Die Herde bietet den einzelnen Individuen Schutz. Bei Wanderungen bewegt sich der Leithengst zumeist am Ende der Herde, da er von hier aus alles im Überblick hat. Er schützt die Herde vor Fressfeinden und Eindringlingen. Die Stuten werden üblicherweise von einer Leitstute angeführt, die in der Rangfolge dem Leithengst unterstellt ist. Diese Lebensweise ist auch den Hauspferden angeboren, jedoch werden sie zumeist vom Menschen gelenkt. In Freiheit verlassen geschlechtsreife Hengste die Herde und schließen sich Junggesellengruppen an. Geschlechtsreife Stuten verbleiben in der Geburtsherde.

Verbreitung

Verbreitungsgebiet

Reitpferd
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Reitpferd

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet erstreckte sich über die Steppenzone Asiens und Osteuropas. So wurden Pferde erstmals der Mongolei von den momgolischen Ureinwohnern domestiziert. Das domestizierte Pferd breitete sich sehr schnell bis ins östliche Europa aus. Heute ist das Hauspferd bis auf die arktischen und antarktischen Regionen weltweit verbreitet. Die einzige heute noch lebende Wildepferdeart ist das Przewalski-Pferd (Equus ferus przewalskii). Alle anderen heute oft als "Wildpferde" bezeichneten Pferde ( Dülmener Wildpferd, Mustang, Brumby, Sable Island Pony, Namibisches Wildpferd ) sind verwilderte Hauspferde.

Lebensweise

Wildpferde leben in Gruppen, die im Grunde nach Altersklassen unterteilt sind. Fohlen bleiben etwa ein Jahr bei der Mutter, ehe sie sich je nach Geschlecht einer Junggesellenherde anschließen oder weiter bei der Mutter bleiben. Junge Hengste schließen sich Junggesellenherden an, junge Stuten bleiben meist bis zur ersten eigenen Geburt bei der Mutter. Domestizierte Pferde legen im Grunde ein ähnliches Verhalten Tag, werden aber zumeist vom Menschen gelenkt.

Lebensraum

Wildpferde führen einen nomadischen Lebensstil. Sie leben in Streifrevieren, die eine Größe von einigen Hundert bis einigen Tausend Quadratkilometern aufweisen können. Die Größe des Streifreviers richtet sich im wesentlichen nach dem Nahrungs- und Wasserangebot. Die offene Prärie, Steppen, Grasland, Buschland oder Halbwüsten bilden die natürlichen Lebensräume. Selbst Höhenlagen oberhalb von 2.000 Metern werden besiedelt. Ein Zugang zu einer Wasserquelle befindet sich immer im Lebensraum einer Herde.

Warmblut
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Warmblut

Krankheiten

Pferde können an einer Vielzahl von Krankheiten erkranken. Typisch sind Erkrankungen des Bewegungsapparates, der inneren und äußeren Organe, Blutkrankheiten, Kreislaufstörungen, Störungen des Nervensstems, Infektionskrankheiten und Parasitenbefall. Alle Erkrankungen aufzuzählen oder gar zu beschreiben, würde den Rahmen sprengen. Eine Übersicht und Beschreibung aller Krankheiten kann auf der Webseite der Terminologiesammlung der Fachhochschule Köln eingesehen werden. Die häufigste Krankheit bei Pferden ist die Kolik. Die Kolik ist eine Magen- und Darmerkrankung und beruht auf eine vegetative Störung. Auch die Hufstrahlfäule ist eine häufige Erkrankung. Es handelt sich hierbei um eine bakterielle Entzündung des Hufstrahls (befindet sich im hinteren Hufsohlenbereich1). Vorbeugen kann man dieser Krankheit, in dem man das Pferd, insbesondere die Hufe, und selbstverständlich auch den Stall sauber hält. Beim Parasitenbefall sind insbesondere Hautparasiten wie Läuse, Zecken, Haarlinge, Räudemilben und Steckmücken zu nennen.

Prädatoren

Hauspferde haben im Grunde keine Fressfeinde, da sie unter dem Schutz des Menschen stehen. Wildpferde fallen gelegentlich Feinden zum Opfer. Bei derartigen Attacken werden jedoch nur kranke und schwache Tiere sowie Jungtiere (Fohlen) angegriffen. Ein ausgewachsenes und gesundes Wildpferd ist kaum in Gefahr. Das Leben in Herden gibt ihnen noch einen zusätzlichen Schutz. Zu den natürlichen Fressfeinden zählen vor allem der Puma (Puma concolor) und der Schwarzbär (Ursus americanus). Wölfe (Canis lupus) und Kojoten (Canis latrans) haben es zumeist auf kranke und schwache Tiere abgesehen. Auch Fohlen sind außerhalb der schützenden Herde hochgradig gefährdet.

Ernährung

Ein Hauspferd oder auch ein Wildpferd ernähren sich im wesentlichen von Rauhfutter wie Heu sowie Gräser und Kräuter, in Mangelzeiten auch Blätter und Rinde. Pferde in menschlicher Obhut fressen Hafer, Gerste, Weizen, Weizenkleie, Heu, Stroh und Grünfutter. Grünfutter in Form von Gräsern, Kräutern und Klee wird in der Regel nur in Maßen verfüttert, da sonst die Gefahr von Koliken auftreten kann. Pferde nehmen jeden Tag Wasser zu sich. Pro Tag nimmt ein ausgewachsenes Pferd zwischen 30 und 60 Liter Wasser zu sich. Je nach Verwendung eines Pferdes kann die Zusammensetzung der Nahrung variieren. Der Bedarf an zusätzlichen Eiweißen, Mineralien und dergleichen ist vor allem bei Sportpferden Rechnung zu tragen.

Fortpflanzung

Muttertier mit Fohlen
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Muttertier mit Fohlen

Weibchen (Stuten) und Männchen (Hengste) erreichen die Geschlechtsreife mit 12 bis 18 Monaten. Pferde können sich in menschlicher Obhut das ganze Jahr über fortpflanzen. Wildpferde haben zwar auch einen monatlichen Östrus, pflanzen sich jedoch saisonal fort. Der Brunstzyklus beginnt bei Wildpferden im Frühjahr und kann sich bis in den Sommer erstrecken. Hauspferde werden in der Regel erst im Dritten Lebensjahr erstmals gedeckt. Dies geschieht in der Regel unter kontrollierten Bedingungen. Nach einer Tragezeit von 320 bis 340 Tagen bringt eine Stute ein Jungtier zur Welt. Die Jungtiere werden auch Fohlen genannt. In den meisten Fällen kommt es während der Nacht zur Geburt.

Bereits kurze Zeit nach der Geburt, meist nach spätestens 20 Minuten, ist das Fohlen in der Lage zu stehen und der Mutter zu folgen. Je nach Rasse weist ein Fohlen ein Gewicht von 30 bis 60 Kilogramm auf. Das Stockmaß beträgt zwischen 70 und 135 Zentimeter. Unmittelbar nach der Geburt wird das Fohlen von der Mutter saubergeleckt. Die erste Muttermilch ist für ein Neugeborenes extrem wichtig, da die Milch wichtige Stoffe enthält, die der Stabilisierung des Immunsystems und Kreislaufsstems dienen. In der ersten Zeit nimmt das Fohlen bis zu 10 Prozent seines Körpergewichtes an Muttermilch zu sich. Die Säugezeit erstreckt sich über einen Zeitraum von sieben bis zwölf Monaten. Fohlen sind sehr verspielt und verbringen einen Großteil des Tages mit dem Spiel. Auch die Aufnahme der ersten festen Nahrung geschieht spielerisch. Hauspferde können ein Alter von bis zu 30 Jahren erreichen, Ponys haben sogar eine Lebenserwartung von 40 bis 50 Jahren.

Systematik

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Westfale Fohlen - Gestüt Moorbach
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Westfale Fohlen - Gestüt Moorbach

Die nachstehende Systematik ist nicht unumstritten und befindet sich zur Zeit in Revision.
Systematik nach Wilson & Reeder, 2005. Familie: Pferde (Equidae)

Gattung: Equus
Art: Afrikanischer Esel (Equus asinus)
Unterart: Hausesel (Equus asinus asinus)
Art: Steppenzebra (Equus quagga)
Unterart: Burchell-Zebra (Equus quagga burchelli)
Unterart: Damara-Zebra (Equus quagga antiquorum)
Unterart: † Quagga (Equus quagga quagga)
Unterart: Böhm-Zebra (Equus quagga boehmi)
Unterart: Mähnenloses Zebra (Equus quagga borensis)
Unterart: Chapman-Zebra (Equus quagga chapmani)
Unterart: Crawshay-Zebra (Equus quagga crawshayi)
Art: Grevyzebra (Equus grevyi)
Art: Asiatischer Esel (Equus hemionus)
Unterart: Equus hemionus blanfordi
Unterart: Equus hemionus hemippus
Unterart: Khur (Equus hemionus khur)
Unterart: Kulan (Equus hemionus kulan)
Unterart: Equus hemionus luteus
Unterart: Onager (Equus hemionus onager)
Art: Kiang (Equus kiang)
Art: Hauspferd (Equus caballus)
Unterart: Przewalski-Pferd (Equus caballus przewalskii)
Art: Bergzebra (Equus zebra)

Anmerkungen

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Walter Salomon: Naturheilkunde für Pferde. Krankheiten erkennen und sanft behandeln
    Ullstein Tb; Auflage: 12. A. (Mai 2005) ISBN 3548367887
  • Jens L. Franzen: Die Urpferde der Morgenröte. Ursprung und Evolution der Pferde
    Spektrum Akademischer Verlag (September 2006) ISBN 3827416809
  • Christiane Slawik, Susanne Geipert: Legendäre Pferde der Berber. Araber, Araber-Berber und Berber
    Cadmos (Oktober 2006) ISBN 3861274329
  • Wolfgang Kresse: Pferderassen der Welt. Ulmer (Eugen) (Juli 1999) ISBN 3800173921
  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

Weblinks

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