Heermanns Kängururatte

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Heermanns Kängururatte

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Familie: Taschenratten (Geomyidae)
Unterfamilie: Heteromyinae
Tribus: Dipodomyini
Gattung: Dipodomys
Art: Heermanns Kängururatte
Wissenschaftlicher Name
Dipodomys heermanni
Le Conte, 1853

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Heermanns Kängururatte (Dipodomys heermanni) zählt innerhalb der Familie der Taschenratten (Geomyidae) zur Gattung Dipodomys. Im Englischen wird die Art Heermann's Kangaroo Rat, Morro Bay Kangaroo-rat oder Morro Bay Kangaroo Rat genannt. Es sind 9 Unterarten bekannt (Kelt, 1988; Wilson & Reeder, 2005).

Der Gattungsname stammt aus dem Griechischem und bedeutet di = "zwei", podos = "Fuß" und myos = "Maus". Grund für diesen Gattungsnamen ist die bipedale Fortbewegungsmethode. Entdeckt wurde die Art von Dr. Adolphus Heermann (Kelt, 1988).

Inhaltsverzeichnis

Taxonomie

Ursprünglich rechnete man die Heermanns Kängururatte zu den Kalifornischen Kängururatten (Dipodomys californicus). Die Art wurde hier als Unterart geführt. Chromosomale und biochemische Unterschiede belegten jedoch den Artstatus (Patton et al., 1976 in Wilson und Reeder, 1993, 2005).

Erkennung und Unterschiede

Die Heermanns Kängururatte ist mittelgroß, der Schädel ist sehr breit. Die Schädelbreite entspricht rund 58% der Schädellänge. Die Hinterfüße enden in jeweils 5 Zehen. Dieses Merkmal unterscheidet die Heermanns Kängururatte von der sympatrischen Kalifornischen Kängururatte (Dipodomys californicus) sowie dewr etwas kleineren Fresno-Kängururatte (Dipodomys nitratoides). Von der Riesen-Kängururatte (Dipodomys ingens) kann die Heermanns Kängururatte aufgrund der Größe unterschieden werden (Kelt, 1988).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Heermanns Kängururatten erreichen je nach Unterart eine Gesamtlänge von 250 bis 313 mm, eine Schwanzlänge von 160 bis 200 mmeine HInterfußlänge von 38 bis 46 mm, eine Ohrlnge von 10 bis 17 mm und eine Schädellänge von 37 mm bis 41,6 mm. Das Fell der Heermanns Kängururatten ist lang und weich. Dorsal ist das Fell je nach Unterart schwärzlich verwaschen von olivbraun bis oangebraun gefärbt. Die Haarspitzen sind schwarz gefärbt. Auch albinistische Farbformen sind bekannt. Das dorsale Schutzhaar weist eine Länge von bis zu 13 mm auf. Das Gebiss besteht aus 20 Zähnen, die medizinische Gebissformel lautet i1/1, c0/0, p1/1, m3/3. Heermanns Kängururatten verfügen über 60 bis 62 Wirbel, die sich in 7 Halswirbel (Cervical vertebrae), 12 Brustwirbel (Thoracic vertebrae), 7 Lendenwirbel (Lumbar vertebrae), 2 Kreuzbeinwirbel (Sacral vertebrae) und 30 bis 32 Steißbeinwirbel (Coccygeal vertebrae) gliedern. Der Penisknochen (Baculum) erreicht eine Länge von 11,5 mm und an der Basis eine Breite von 1,5 mm (Kelt, 1988).

Lebensweise

Die nachtaktiven und einzelgängerisch lebenden Heermanns Kängururatten sind ganzjährig aktiv. Die Art ist relativ aggressiv gegenüber Artgenossen, wobei Weibchen deutlich weniger Aggressivität an den Tag legen als Männchen. Die Tiere leben in umfangreichen Tunnelsystemen. Meist werden die Tunnel und Wohnkammern selbst gebraben, mitunter werden aber auch die Bauten von Zieseln (Spermophilus) genutzt. Einzelne Tunnel können durchaus eine Länge von bis zu 10 m erreichen. Diese verlaufen in geringen Tiefen von 15 bis 51 cm. Die Eingänge zu den Tunnelsystemen befinden sich an geschützter Stelle unter Büschen oder Steinen. Die Eingänge haben einen Durchmesser von 4 bis 8 cm, die Tunnel weisen einen Durchmesser von 5 bis 9 cm auf. Die Bauten werden ständig von Kot befreit. Der Kot hat eine Größe von 5 bis 7 mal 2,5 mm. Die Siedlungsdichte der Heermanns Kängururatten liegt je nach Lebensraumqualität und Habitat zwischen 2 und 30 Individuen je ha (Kelt, 1988).

Unterarten

Verbreitung und Lebensraum

Die Art ist im westlichen und zentralen Kalifornien, USA, endemisch. Im Norden reichen die Vorkommen bis zur Suisun Bay, im Süden bis zum San Joaquin Valley. Heermanns Kängururatten leben in Höhen von bis zu 3.000 m über NN. Die Tiere besiedeln vor allem trockene Wiesen in Tälern und offene Chaparrals. Auch Waldränder und die Ränder von Wüsten werden je nach Unterart besiedelt. Die Art bevorzugt spärlich bewachsene Lebensräume mit losem strukturierten Boden (IUCN, 2012).

Biozönose

Sympatrie

Heermanns Kängururatten teilen sich ihren Lebenraum und die Nahrungsressourcen mit zahlreichen anderen Nagetieren (Rodentia). Hier sind insbesondere Nelson-Antilopenziesel (Ammospermophilus nelsoni), Fresno-Kängururatten (Dipodomys nitratoides), Riesen-Kängururatten (Dipodomys ingens), Grashüpfermäuse (Onychomys), Seiden-Taschenmäuse (Perognathus), Peromyscus boylii, Kalifornische Mäuse (Peromyscus californicus), Pinyon-Hirschmäuse (Peromyscus truei), Reithrodontomys megalotis sowie der Kalifornische Ziesel (Spermophilus beecheyi) zu nennen (Kelt, 1988).

Prädatoren

Prädator: der Großohr-Kitfuchs (Vulpes macrotis)
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Prädator: der Großohr-Kitfuchs (Vulpes macrotis)

Zu den natürlichen Feinden der Heermanns Kängururatten zählen die Prärieklapperschlange (Crotalus viridis), die Kiefernatter (Pituophis melanoleucus), die Schleiereule (Tyto alba), der Virginia-Uhu (Bubo virginianus), der Kojote (Canis latrans), der Graufuchs (Urocyon cinereoargenteus), der Großohr-Kitfuchs (Vulpes macrotis), der Langschwanzwiesel (Mustela frenata), der Streifenskunk (Mephitis mephitis) und verwilderte Hauskatzen (Felis catus). Die Mortalität durch Prädation schadet den Populationen nicht signifikant (Kelt, 1988).

Parasiten

Unter den Ektoparasiten, vor allem Flöhe, Läuse und Zecken, gelten Monopsyllus wagneri, Malaraeus telchinum, Thrassis aridus, Meringes cummingi, Meringes parkeri, Ixodes sp., Dermacentor parumapertus als nachgewiesen. Weit bedrohlicher können sich Endoparasiten auswirken. Hier sind insbesondere Hymenolepis citelli und Catenotaenia linsdalei zu nennen (Kelt, 1988).

Ernährung

Heermanns Kängururatten ernähren sich zum Großteil von Sämereien. Grüne Vegetation bereichert den Speiseplkan. Insekten stellen nur einen kleinen Teil am Nahrungsaufkommen dar. Gefressen werden beispielsweise sie Samen von Hornklee (Lotus), Fingerkräutern (Potentilla), Salbei (Salvia), Lupinen (Lupinus), Reiherschnäbel (Erodium), Gauklerblumen (Mimulus), Schafgarben (Achillea), Trespen (Bromus), Schwingel (Festuca), Hafer (Avena) sowie Dickblattgewächsen (Crassulaceae) wie Dudleya, Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae) wie Croton, Sperrkrautgewächse (Polemoniaceae) wie Eriastrum und Korbblütler (Asteraceae) wie Hemizonia. Für Mangelzeiten bevoraten Heermanns Kängururatten Sämereien in ihren Erdbauten in separaten Voratskammern (Kelt, 1988).

Fortpflanzung

Die Paarungszeit der Heermanns Kängururn erstreckt sich primär zwischen Februar und Oktober. Der Höhepunkt der Paarungen liegt zwischen April und Juni. Ein Weibchen bringt 2 bis 3 (2,6) Jungtiere zur Welt. Die Tragezeit erstreckt sich über 30 bis 32 Tage, der weibliche Zyklus über 18 bis 20 Tage. Der Nachwuchs ist nackt, blind und weist ein Gewicht zwischen 3,4 bis 3,9 (3,7) g auf. Die Säugezeit erstreckt sich über 17 bis 25 Tage. Die Geschlechtsreife wird im Alter von gut 2 Monaten erreicht. Um die Aufzucht des Nachwuchses kümmert sich ausschließlich das Weibchen. Die Geburt erfolgt im Bau der Mutter (Kelt, 1988).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Heermanns Kängururatten gehören heute noch nicht zu den bedrohten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher in der Kategorie LC, Least Concern, geführt. Im ökologioschen Gleichgewicht spielen Heermanns Kängururatten eine große Rolle, da sie zum einen für die Verbreitung von Sämereien verantwortlich sind, zum anderen kleinen und größeren Raubtieren als Beute dienen (Kelt, 1988).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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