Heliophanus kochii

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Heliophanus kochii

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Überfamilie: Salticoidea
Familie: Springspinnen (Salticidae)
Gattung: Heliophanus
Art: Heliophanus kochii
Wissenschaftlicher Name
Heliophanus kochii
Simon, 1886

LSID-Kennung
LSID: [urn:lsid:amnh.org:spidersp:033819]

Die Spinnenart Heliophanus kochii gehört innerhalb der Familie der Springspinnen (Salticidae) zur Gattung Heliophanus. Die Spinne weist gegenüber der Art Heliophanus lineiventris in Größe und Färbung Ähnlichkeiten auf. Die Männchen lassen sich leicht anhand der Embolus-Form unterscheiden und die Epigyne des Weibchens ist breiter als lang, bei Heliophanus lineiventris hingegen ist die Epigyne länger als breit.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Heliophanus kochii erreicht als Männchen eine Körperlänge von etwa 3 bis 4 Millimeter und als Weibchen eine Körperlänge von etwa 4,5 bis 5 Millimeter. Diese Art ist wie fast alle Arten aus der Familie der Springspinnen (Salticidae) durch die besonders leistungsfähigen Augen gut charakterisiert. Vorn an der Stirn liegen nebeneinander vier scheinwerferartig vergrößerte Augen, an jeder Seite des steil abfallenden Kopfteils hintereinander zwei weitere, deutlich kleinere Augen. Das auffallend vergrößerte, mittlere Frontalaugenpaar entspricht gewissermaßen zwei Teleobjektiven. Die beiden Netzhäute können vor- und zurückgeschoben werden und so ein scharfes Abbild des angepeilten Objekts entwerfen. Da die Netzhäute aber zusätzlich seitlich verschoben werden können, vermag die Spinne außerdem ihren Blickwinkel zu verändern, ohne sich selbst zu bewegen. <2>

Das Männchen weist folgende Merkmale auf: Das Prosoma ist glänzend rostbraun und weist abfallende Seiten auf. Der Rand ist zum Teil mit hellen Härchen besetzt. Die Kopfplatte ist gerunzelt schwarz und manchmal messingbraun behaart. Hinter den hinteren Seitenaugen befindet sich oft ein Fleck aus weißen Härchen. Der Clypeus ist mit wenigen dunklen Borsten besetzt, GAB hellgrau. Das Sternum, das Labium, die Maxillen sowie die Cheliceren weisen eine dunkelbraune Färbung auf, letztere ist distal etwas heller getönt. Das Opisthosoma ist dunkelbraun, dorsal braun oder messingbraun behaart. Am vorderen Ende zeigen sich eine weiße Bande und vier weiße Haarflecken in der hinteren Hälfte, manchmal auch ohne weiße Zeichnung. Ventral dünn hellgrau behaart mit zwei weißen Haarflecken vor den Spinndrüsen. Die bestachelten Beine weisen eine dunkel rotbraune Färbung auf und sind mit Längsstreifen aus weißen Härchen besetzt. Die Tarsen und Teile der Metatarsen sind hell getönt. Die Pedipalpen sind dunkelbraun und mit weißen Haarflecken versehen. Der Embolus ist auffällig zum dunklen Tegulum hin gedreht. <2>

Das Weibchen unterscheidet sich in der Färbung kaum von dem Männchen. Das Prosoma weist eine ähnliche Färbung wie bei dem Männchen auf, aber etwas heller. Die Cheliceren sind rostrot getönt. Das Sternum, das Labium und die Maxillen sind orangebraun und dünn behaart. Das Opisthosoma weist dorsal eine braune Färbung auf und ist mit einer dünnen weißen Äquatorialbande im vorderen Drittel und mit zwei bis vier kleinen weißen punktförmigen Flecken vor den Spinndrüsen versehen. Ventral ist die Färbung etwas heller und ist mit kleinen weißen Haarpunkten vor den Spinndrüsen besetzt. Die Epigyne ist deutlich breiter als lang und der Grubenrand ist in der unteren Hälfte sklerotisiert. Die bestachelten Beine und die Tarsen sind braun getönt und zeigen eine Längszeichnung aus weißen Härchen. Die Tibia ist hell gefärbt. <2>

Lebensweise

Die Spinne ist sehr lebhaft und schnell, sie ist tagaktiv und sehr wärme- und sonneliebend. Zum Beutefang webt die Spinne kein Netz, sondern erkennt als ausgesprochenes Augentier das Opfer recht bald, verfolgt und beschleicht das Opfer, um es dann im geeigneten Moment anzuspringen und mit einem Biß zu lähmen. Vor dem Sprung befestigt die Spinne jedoch einen Sicherheitsfaden am Boden, zum einen, um nicht von einem größeren Beutetier mitgenommen zu werden, zum andern, um sich blitzschnell zurückziehen zu können. Zum Wohnen, Überwintern und als Schutz beim Häuten und bei der Eiablage webt sich die Spinne ein feines, sackartiges Wohngespinst.

Verbreitung

Heliophanus kochii kommt in folgenden Verbreitungsgebieten vor: Österreich, Kreta, Kroatien, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Ungarn, Italien, Kasachstan, Korfu, Mazedonien, Montenegro, Niederlande, Rhodos, Rumänien, Serbien, Sizilien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Schweiz, Syrien, Türkei, Russland, Kroatien, Serbien, Mazedonien und Afrika. Sie hält sich sowohl an feuchten Stellen (direkt am Fluß unter oder auf Steinen) als auch in einem trockenen, sandigen Dünenkiefernwald auf, wo sie sich in ihr angelegtes Wohngespinst zurückziehen kann. Des Weiteren findet man die Spinne auch zwischen Mastixsträuchern, an Olivenbäumen auf Plantagen, an Zypressen sowie an den Rändern blumenreicher Wiesen. Gelegentlich ist die Spinne auch im Gebirge in einer Höhe von etwa 400 Metern anzutreffen. Wie fast alle Springspinnen so hält sich auch diese Art gerne auf sonnenbeschienenen Plätzen auf. <3>

Ernährung

Wie alle Arten aus der Familie der Springspinnen (Salticidae), so ernährt sich auch diese Spinnenart von Insekten (Insecta). Sie lauert an exponierten Stellen auf ihre Beute und springt sie meist aus dem Hinterhalt an. Dabei spielt der Sehsinn eine außerordentliche Rolle. Die Spinne kann die Beute von weitem schon anvisieren und springt gezielt mehrere Zentimeter weit, um sie zu fangen. Überwiegend werden dabei Fliegen (Brachycera) und Grillen (Gryllidae), Langfühlerschrecken (Ensifera), Kurzfühlerschrecken (Caelifera), Mücken (Nematocera) sowie Schmetterlinge (Lepidoptera) und deren Raupen erbeutet.

Fortpflanzung

Wie bei allen anderen Spinnen auch, werden die Männchen vor dem Weibchen geschlechtsreif und machen sich auf die Suche nach einer geeigneten Partnerin. Trifft ein Männchen auf ein vor der letzten Häutung stehendes Weibchen, so bleibt es bei ihm und paart sich mit ihm, sobald sich das Weibchen gehäutet hat. Vor der Paarung wird das Weibchen mit charakteristischen Tänzen umworben. Dieser Tanz geht folgendermaßen vor sich: Das Männchen richtet sich hoch auf, streckt seine Vorderbeine hoch, die bei dem geschlechtsreifen Männchen eine Signalfarbe tragen, und winkt mit diesem ersten Beinpaar, indem das Männchen sich vor dem Weibchen hin und her bewegt, bis beide Tiere sich Kopf an Kopf gegenüberstehen. Nimmt das Weibchen diese Werbung an, d. h., bleibt es still stehen, dann kommt es zur Paarung. Das Weibchen baut nach der Paarung eine übergroße Seidenzelle, in die es seine Eier legt und sie darin bewacht, bis die Jungspinnen schlüpfen, was meist bis zur zweiten Häutung dauert, da die Jungspinnen zuerst fast blind sind und erst nach der zweiten Häutung voll entwickelte Augen haben.

Synonyme und Chresonyme nach Norman I. Platnick

Update 13. Juli 2008 <1>

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

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