Herkuleskäfer

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Herkuleskäfer
Links: Männchen - Rechts: Weibchen

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Käfer (Coleoptera)
Unterordnung: Polyphaga
Teilordnung: Scarabeiformia
Überfamilie: Scarabaeoidea
Familie: Blatthornkäfer (Scarabaeidae)
Unterfamilie: Dynastinae
Gattung: Herkules (Dynastes)
Art: Herkuleskäfer
Wissenschaftlicher Name
Dynastes hercules
Linnaeus, 1758

Der Herkuleskäfer (Dynastes hercules) zählt innerhalb der Familie der Blatthornkäfer (Scarabaeidae) zur Gattung der Herkules (Dynastes). Er ist der größte lebende und spektakulärste Käfer weltweit. Es gibt dreizehn Unterarten. Einige von ihnen bewohnen die Antillen in Südamerika, in Mittelamerika und im karibischen Meer. Die endemische Unterart Dynastes hercules hercules kommt nur auf den kleinen Antillen Guadeloupe und Dominica vor.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Herkuleskäfer erreicht eine Körperlänge einschließlich Halsschild (Pronotum) mit dem verlängerten Horn von 50 Millimeter bis 170 Millimeter und mehr. Das Männchen des Herkuleskäfers kann bei dieser Grösse ein Gewicht von bis zu 100 Gramm erreichen. Er ist somit der größte neben dem Riesenbockkäfer (Titanus giganteus) lebende Käfer weltweit. Die Flügelspannweite des imposanten Herkuleskäfers mißt etwa 220 Millimeter. Das Weibchen wirkt deutlich kleiner als das Männchen und erreicht eine Körperlänge von 50 Millimeter bis 80 Millimeter.

Das Männchen des Herkuleskäfers zeigt einen ausgesprochenen charakteristischen Geschlechtsdimorphismus. Das Männchen besitzt zwei Hörner. Ein Cephalic-Horn und ein Prothorax-Horn. Das Cephalic-Horn ist von der unteren Frontseite des Kopfes nach oben gebogen und erscheint deutlich kürzer als das Prothorax-Horn. Des weiteren zeigt das Cephalic-Horn mehrere nach oben weisende Zähnchen. Das Prothorax-Horn ist von der Oberseite des Kopfes (Pronotum) nach unten gebogen und ist länger als der gesamte Körper des Männchens. Das Prothorax-Horn kann eine Länge von 50 Millimeter bis 100 Millimeter aufweisen. Die Unterseite des Prothorax-Hornes ist mit feinen braunen Härchen bedeckt. Die Hörner fungieren wie Greifer resp. wie Zangen und werden wirkungsvoll in den Kommentkämpfen gegen die Nebenbuhler eingesetzt. Dabei kann es vorkommen, daß der Kampf tödlich ausgeht, in dem der Käfer dem Kontrahenten die Flügeldecken (Elytren) mit den Greifern eindrückt oder den Rivalen in zwei Hälften teilt. Auch Weibchen, die nicht paarungsbereit sind, werden manchmal vom Männchen angegriffen und sogar getötet.

Der verhältnismäßig kleine Kopf und das dreieicksförmige Pronotum sind bei dem Männchen des Herkuleskäfers dunkelbraun bis schwarz gefärbt. Das Pronotum ist die dorsale Fläche des ersten Thoraxsegmentes (Prothorax). Die Fühler sind gewinkelt, lamellenartig aufgefächert und weisen eine bräunliche bis schwarze Färbung auf. Die Augen sind von schwarzer Farbe und etwas klein geraten. Die Farbe der Flügeldecken (Elytren) ist abhängig von der Feuchtigkeit. Sie reicht von tief schwarzbraun glänzend bis olivbraun glänzend. Die besondere Färbung der Flügeldecken (Elytren) an die Umgebung erlaubt dem Herkuleskäfer eine hervorragende Tarnung (Homochromie) und schützt den Käfer vor Fressfeinden. Auf den Flügeldecken (Elytren) des Männchens sind kleine schwarze Punkte, Striche und Flecken sowie zahlreiche kleine unregelmäßige Furchen, die wie Äderchen aussehen. Die Flügeldecken (Elytren) und die Unterseite des Körpers sind beim Männchen weniger auffällig behaart. Die Hautflügel sind wie bei fast allen Käfern heller gefärbt. Die kräftigen Vorderbeine sind dunkelbraun bis schwarz gefärbt und die etwas dünneren Mittel- und Hinterbeine weisen eine schwarze Färbung auf. Die Tarsen sind mit kräftigen Krallen ausgestattet.

Beschreibung und Bestimmung der Laufbeine und des Körpers eines Käfers
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Beschreibung und Bestimmung der Laufbeine und des Körpers eines Käfers

Das kleinere Weibchen zeigt insgesamt keine ausgeprägten Merkmale. Außer einem kleinen Stirnhöcker hat das Weibchen keinen Kopfschmuck. Der Kopf und das Pronotum sind dunkelbraun gefärbt. Das Pronotum geht beim Weibchen mehr in die Breite als beim Männchen und wirkt auch etwas wuchtiger. Die gut sichtbaren Fühler oder Taster sind gewinkelt und am Ende blattartig aufgefächert. Die Augen zeigen eine dunkelbraune Farbe. Die Flügeldecken (Elytren) sind beim Weibchen wie beim Männchen unregelmäßig strukturiert und weisen eine dunkelbraune Färbung auf. Die Punkte auf den Flügeldecken (Elytren) sind beim Weibchen viel heller und weniger eindeutig als beim Männchen. Des weiteren befinden sich auf den Flügeldecken (Elytren) unregelmäßige leicht angedeutete Furchen, die wie feine Äderchen aussehen. Der ganze Körper des Weibchens ist mit feinen weichen goldbraunen Haaren bedeckt. Die Vorder-, Mittel- und Hinterbeine zeigen eine gleichmäßige Form und Länge und sind dunkelbraun. Die Tarsen sind ebenfalls mit kräftigen Krallen ausgestattet und sind dunkelbraun gefärbt. Der Herkuleskäfer ist ein guter Kletterer, aber auch - trotz seiner Grösse - ein guter Flieger, der durch seinen lauten brummenden Flug von weitem schon zu hören ist. Der Herkuleskäfer zählt zu den nachtaktiven Käfern. Tagsüber versteckt sich der Herkuleskäfer in dunklen Unterschlüpfen wie zwischen Wurzeln oder in Baumhöhlen.

Unterarten

Unterart Vorkommen Erstbeschreiber
Dynastes hercules baudrii Martinique Pinchon, 1976
Dynastes hercules bleuzeni Venezuela Dechambre, 1995
Dynastes hercules hercules Guadalupe und Dominica Linnaeus, 1753
Dynastes hercules ecuatorianus Kolumbien, Brasilien, Peru, Ecuador Ohaus, 1913
Dynastes hercules lichyi Ecuador Lachaume, 1985
Dynastes hercules occidentalis Ecuador Lachaume, 1985
Dynastes hercules morishimai Bolivien Nagai, 2002
Dynastes hercules paschoali Brasilien Grossi & Arnaud, 1993
Dynastes hercules reidi St. Lucia Chalumeau, 1977
Dynastes hercules septentrionalis Costa Rica Lachaume, 1985
Dynastes hercules takakuwai Brasilien Nagai, 2002
Dynastes hercules trinidadensis Trinidad und Tobago Chalumeau & Reid, 1995
Dynastes hercules tuxtlaensis Mexiko Moron, 1993

Verbreitung

Der Herkuleskäfer kommt in Martinique, Venezuela, Guadalupe und Dominica, Kolumbien, Brasilien, Peru, Ecuador, Bolivien, Brasilien, St. Lucia, Costa Rica, Trinidad und Tobago sowie in Mexiko vor. Der Käfer lebt im feuchten tropischen Regenwald.

Seit 1978 steht der Herkuleskäfer in den genannten Ländern unter strengem Schutz. Trotz der Schutzmaßnahmen werden die Larven, die in ihrem Endstadium ein Gewicht von 100 Gramm erreichen können und somit sehr proteinhaltig sind, von der einheimischen Bevölkerung verspeist.

Ernährung

Inga in Guatemala
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Inga in Guatemala

Der adulte Käfer ernährt sich hauptsächlich von tropischen Früchten, überreifem Obst und Beeren. Er nimmt aber auch den Saft aus den Wunden der Baumrinde auf.

Die Larven leben von verrottendem Holz wie zum Beispiel von der Kokospalme, Inga (tropische-subtropische holzige Pflanze, Wuchshöhe von bis zu 30 Metern) und von anderen Laubbäumen. Das Totholz ist meist von Pilzen befallen, so dass selbst Holz einen Nährwert aufweist.

Eine Besonderheit des Herkuleskäfers wurde beobachtet, daß er die Abfälle von Ameisenkolonien aufsucht und verspeist. Es kommt auch vor, daß das Weibchen ihre Eier in einen Komposthaufen der Ameisenkolonien ablegt.

Fortpflanzung

Der Herkuleskäfer erreicht die Geschlechtsreife mit Beendigung des Puppenstadiums. Das Paarungsvorspiel und die Paarung selbst beginnen mit der Regenzeit. In dieser Zeit ist das Männchen des Herkuleskäfers besonders angriffslustig und nimmt es mit jedem Konkurrenten auf.

Die Rivalen stehen sich dann gegenüber und versuchen sich gegenseitig mit Drohgebärden wie ruckartige Kopfbewegungen und zwitschernde Lautäußerungen zu beeindrucken. Die Rivalen versuchen sich dann gegenseitig mit ihren Hörnern zu packen und zu Boden zu schleudern. Dabei kann es vorkommen, daß einer der Rivalen bei dem Kommentkampf getötet wird. Das siegreiche Männchen marschiert um den besiegten Konkurrenten herum, um somit seinen Sieg über den Rivalen zu bekräftigen. Einheimische haben dieses konkurrenzfähige Verhalten des Herkuleskäfers beobachtet und um die spezielle Energie, Größe und Stärke des Männchens zu erhalten, essen die Einheimischen nicht nur die Larven, sondern auch die Männchen des Herkuleskäfers.

Herkuleskäfer - Weibchen im Flug
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Herkuleskäfer - Weibchen im Flug

Der Gewinner hat das Recht auf die Paarung mit dem Weibchen. Das Weibchen kann recht produktiv sein. Während ihres halbjährigen Lebens legt sie rund 100 Eier ab. Die Entwicklung vom Ei bis zum Käfer dauert zwischen 16 und 24 Monate. Das Weibchen legt die Eier in verfallendes totes Holz ab. Nach etwa zwei Wochen schlüpfen die engerlingsartigen Larven. Die Larven nehmen in dieser Entwicklungsphase eine C-förmige Haltung an. Die Larven durchlaufen während der Entwicklung drei Häutungen und fressen in großen Mengen morsches Holz. Während dieser Zeit erhöht sich drastisch das Gewicht der Larven bis zu 100 Gramm und die Länge der Larven mißt 180 Millimeter. Der Durchmesser der Larven beträgt im ersten Stadium vier Millimeter, im zweiten Stadium acht Millimeter und im dritten Stadium ungefähr vierzehn Millimeter.

Kurz vor der Verpuppung verlassen die Larven das morsche Holz und graben sich in die Erde ein. Die Larven bauen dann zum Schutz eine puppale Zelle (Kokon), die mit hölzernen Partikeln und mit einem Sekret stabilisiert wird. Die vollständige Verpuppung der Larven beträgt eine Woche. Nach sechs Wochen Puppenruhe ist der Käfer vollständig entwickelt. Der fertige Käfer verbringt noch ungefähr zwei Wochen in der Erde und verläßt dann schließlich das Erdreich. Da die Flügeldecken (Elytren) noch nicht verhärtet sind, ist der Käfer in dieser Zeit sehr verletztlich. Es können noch drei Wochen vergehen bis die Flügeldecken (Elytren) sklerosiert sind und die typische dunkle Farbe aufweisen.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Kurt Günther, Hans-Joachim Hannemann, Fritz Hieke: Urania Tierreich, 6 Bde., Insekten . Deutsch Harri GmbH; Auflage: 5, 1990 ISBN 387144944X
  • Dr. Franz Bachmaier, Dr. Wolfgang Dierl, Dr. Eberhard Ernst, Prof. Dr. Bernhard Grzimek, Prof. Dr. Hubert Markl, Dr. Werner Rathmayer, Prof. Dr. Peter Rietschel, Prof. Dr. Friedrich Schaller, Dr. Richard Zur Strassen, Dr. Heinz Wundt, Dr. Dr. Fritz Zumpt: Grzimeks Tierleben. Enzyklopädie des Tierreichs. Insekten. Zweiter Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München, Oktober 1993 ISBN 3-423-05970-2

Weblinks

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